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Bank of Japan Japans Notenbank lockert Geldpolitik nicht weiter

Die Bank von Japan bleibt auf Kurs - vorerst. Sobald die Unsicherheit über einen Verbleib Großbritanniens in der EU sowie eine Parlamentswahl im Land erst einmal vorbei sind, könnte sie die Geldschleusen aber noch stärker öffnen.

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Norwegische Insel Quelle: dpa
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Brunnen am österreichischen Parlamentsgebäude Quelle: dpa
Schweizer Flagge Quelle: dpa
Big Ben und Westminster Abbey Quelle: REUTERS

Japans Zentralbank lockert ihre Billiggeld-Politik vorerst nicht weiter. Das entschied die Bank von Japan (BoJ) am Donnerstag nach dem Abschluss zweitägiger Beratungen. Zuvor hatte bereits die US-Zentralbank Fed den Leitzins unangetastet gelassen. In Japan, wo er inzwischen im negativen Bereich liegt, bleibe der wichtigste Zinssatz bei minus 0,1 Prozent, teilte die Notenbank in Tokio mit. Das Wertpapier-Kaufprogramm wurde ebenfalls nicht aufgestockt.

Die Entscheidung war zwar unter Ökonomen mehrheitlich erwartet worden. Dennoch gab der Dollar in Reaktion auf die Untätigkeit der Zentralbank zum Yen deutlich nach, was schädlich für die Exportindustrie der drittgrößten Volkswirtschaft ist. Dies wiederum belastete die Kurse an Tokios Börse: Der Nikkei-Index für 225 führende Werte sackte auf den tiefsten Stand seit vier Monaten ab.

In Marktkreisen wird damit gerechnet, dass die BoJ die geldpolitischen Zügel nun bei ihrer nächsten Sitzung im Juli weiter lockert. Zwar hatte Japan im ersten Quartal einen Rückfall in eine Rezession vermieden. Doch steht die Erholung auf wackeligen Füßen.

Die Verbraucher sind weiterhin verunsichert und halten sich mit Anschaffungen zurück. Der private Konsum trägt immerhin zu 60 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes bei. Ministerpräsident Shinzo Abe verschob deshalb erneut eine geplante Anhebung der Verbrauchsteuer - just einen Monat vor der Wahl zum Oberhaus des nationalen Parlaments.

Für die Opposition ist dies ein Zeichen, dass Abe mit seiner „Abenomics“ genannten Wirtschaftspolitik aus einer Geldschwemme der Notenbank, schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen und Reformen gescheitert ist. Hinzu kommen die Ängste über einen möglichen Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union EU. Viele japanische Unternehmen sind auf der Insel vertreten, weswegen Analysten auch mit negativen Folgen durch einen Brexit rechnen.

Dennoch blieb die japanische Zentralbank bei ihrer bisherigen Einschätzung der Gesamtwirtschaftslage. Japans Wirtschaft habe ihre moderate Erholung trotz schwächelnder Exporte und Industrieproduktion fortgesetzt.

Die BoJ versucht verzweifelt, die jahrelange Deflation mit stetig fallenden Preisen dauerhaft zu überwinden und den Wachstumsmotor anzukurbeln. Anfangs hatte die massive Geldflut als zentraler Pfeiler von „Abenomics“ tatsächlich eine Erholung bewirkt, weil der Yen stark abwertete und die Ausfuhren anschob. Doch dies wird nun schwieriger. Auch nach der Entscheidung der Fed hatte der Yen weiter angezogen.

Er sei sich der negativen Auswirkungen des starken Yen bewusst, sagte BoJ-Chef Haruhiko Kuroda. Im Januar führte die BoJ wie zuvor die Europäische Zentralbank (EZB) Negativzinsen ein, um Geschäftsbanken davon abzuhalten, Geld bei der Notenbank zu parken, anstatt sie als Kredite für Investitionen zu vergeben. Anders als in Japan ist der allgemeine Leitzins in der Eurozone aber noch nicht im Minus-Bereich, hier liegt er derzeit bei null Prozent. Die Auswirkungen der Negativzins-Politik würden sich allmählich zeigen, so Kuroda. Sie helfe, dass die Kapitalausgaben und der Häuserbau zulegten, hieß es.

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