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Banken Trübe Aussichten im Privatkundengeschäft

Das Geschäft mit privaten Kunden ist für Banken teuer und wird laut einer neuen Studie zunehmend zum Verlustbringer. Nötig sind nicht nur Sparmaßnahmen sondern innovative Lösungen. Davon könnten Kunden profitieren.

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Das Privatkundengeschäft im Deutschland ist zum Verlustbringer geworden. Quelle: dpa

Kunden von Banken und Sparkassen müssen in den kommenden Jahren mit weiteren Sparmaßnahmen der Institute rechnen. Das auf die Finanzbranche spezialisierte Beratungsunternehmen zeb hat ausgerechnet, dass die Erträge im Privatkundengeschäft in den kommenden Jahren noch mal deutlich sinken werden. Lagen die Einnahmen 2016 noch bei 49,7 Milliarden Euro, prognostizieren die zeb-Berater für das Jahr 2020 nur noch 45,6 Milliarden Euro.

Gleichzeitig dürften die Kosten trotz bereits laufender Sparprogramme weiter steigen. Das liegt schlicht an der erwarteten Inflation. "Ohne Gegenmaßnahen steigen die Kosten inflationsbedingt um 1,5 Prozent pro Jahr", erklärt Ulrich Hoyer, Partner bei zeb. Selbst wenn die Banken unter dem Strich ohne Verluste dastehen wollen, müssten sie ihre Ausgaben immer noch um zwölf Prozent reduzieren. Das Dilemma: selbst 2014, als dank höherer Erträge immer noch 3,1 Milliarden Euro an Ergebnis übrig blieb, schafften es viele Banken nicht, ihre Kapitalkosten zu verdienen. "Eine positive Tendenz für das deutsche Privatkundengeschäft können wir aktuell nicht erkennen", sagt Hoyer.

Kunden müssen also nicht nur mit weiteren Filialschließungen und steigenden Gebühren rechnen, sie könnten an anderer Stelle vom Dilemma der Institute profitieren. Denn die dürften mit allen Mitteln versuchen, ihre margenträchtigen Geschäfte voranzutreiben. Längst hat das Kreditgeschäft andere Bereiche wie Giro- und Tagesgeldkonten als Ertragsbringer abgelöst. Kamen 2010 noch 31 Prozent der Erträge aus dem reinen Zahlungsverkehr, sind es 2020 laut zeb-Prognose nur noch 19 Prozent. Gleichzeitig dürften dann 35 Prozent der Erträge im Privatkundengeschäft aus dem Kreditgeschäft kommen, während es 2010 nur 25 Prozent waren. Vor allem mit Immobilien- und Konsumentenkrediten versuchen viele Institute, die sinkenden Zinserträge einigermaßen zu kompensieren.

Dank des hohen Wettbewerbs dürften Kunden also weiterhin mit günstigen Finanzierungsangeboten rechnen. "Mit neuen, guten Angeboten können Banken weiterhin gut wachsend im Markt unterwegs sein", schätzt zeb-Berater Hoyer. Der Fokus liegt dabei auf digitalen Lösungen. "Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert", sagt Hoyer. Auch neue Player am Markt, wie Amazon oder Google, die etwa in das digitale Kreditgeschäft einsteigen könnten, könnten den Druck auf die Margen noch mal verstärken.

Ob Konzerne wie Google oder Amazon irgendwann tatsächlich ins Bankgeschäft einsteigen hängt laut Hoyer davon ab, ob die etablierten Banken und Sparkassen es zügig schaffen, ihr Angebot entsprechend zu verbessern. Nur dann dürften die Tech-Konzerne das Interesse am Markt verlieren. Als Beispiel nennt Hoyer Polen. Hier hätten innovative Banken wie beispielsweise die mBank, eine Tochter der Commerzbank, schon früh auf kundenorientierte Leistungen gesetzt und könnten damit die großen Konkurrenten aus dem Silicon Valley auf Distanz halten. Der Bezahldienst PayPal zum Beispiel ist in Polen längst nicht so verbreitet wie in Deutschland oder Frankreich.

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