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Banken wittern Geschäft Kinder sparen mehr als ihre Eltern

Junge sparen mehr als ihre Eltern, besagt eine Studie. Die Sparquote junger Menschen bis 25 Jahre liegt bei 28 Prozent. Die Sparwut greifen Banken auf und raten zur Geldanlage für die Schultüte.

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Was Kinder mit ihrem Taschengeld machen
Stolze 27 Euro haben Deutschlands Kinder im Durchschnitt monatlich in der Tasche. Was tun sie damit? Und was treiben sie sonst in ihrer Freizeit am liebsten? Seit 20 Jahren erlaubt die Kids-Verbraucher-Analyse des Egmont Ehapa Verlages repräsentative Einblicke in das Konsum- und Medienverhalten des Nachwuchses. Quelle: dpa
Ein Fazit der Studie: Der Einfluss der Kinder als Wirtschaftskraft ist groß. „Rechnet man allein das Taschengeld und die Geldgeschenke der Kinder zwischen 6 und 13 Jahren zusammen, so stehen dieser Gruppe 2012 insgesamt 2,87 Milliarden Euro zur Verfügung“, sagte Studienleiter Ralf Bauer am Dienstag. Im Folgenden finden Sie einige Einzelaspekte der Analyse. Quelle: dpa
Nach wie vor sind Bücher und Zeitschriften bei den 6- bis 13-Jährigen gefragt. Konstant über 90 Prozent schmökern zumindest ab und an in Print-Produkten, in Zeitschriften etwas öfter als in Büchern. Über einen Computerzugang verfügen vier von fünf Kindern ab 6 Jahren, drei Viertel nutzen auch das Internet. In der Hauptsache werden dabei Schul-Infos gesammelt (82 Prozent), aber kostenlose Online-Spiele und das Sammeln von Freizeit-Infos sind ebenfalls beliebt (73 und 72 Prozent). Allerdings ist kaum jemand bereit, Geld für Online-Spiele auszugeben. Eltern gestatten zumeist nur bei Lernprogrammen eine Ausnahme. Quelle: Handelsblatt Online
Smartphones und vor allem Tablet-Computer spielen noch keine dominante Rolle bei den Jüngeren. Die Kinder haben darauf in aller Regel nur Zugriff, wenn sie die Geräte der Eltern nutzen dürfen. Allerdings besitzt bereits immerhin ein Fünftel der Kinder zwischen 10 und 13 ein Smartphone. Quelle: dpa
Im Freizeitverhalten unterscheiden sich Jungen und Mädchen deutlich: Die Jungen sind elektronischen Medien besonders zugetan und zählen Computer, Internet und Spielekonsolen zu ihren Top 10 – allerdings auf den hinteren Rängen. Weit vorn liegen bei den Hobbys liegen Freunde treffen und Fernsehen, gefolgt von diversen Sportaktivitäten. Quelle: dapd
Auch bei den Mädchen liegen FreundInnen und Fernsehen an der Spitze, gefolgt von Musik hören, Radfahren und Bücher lesen. Computer und Internet tauchen 2012 erstmals in der Mädchen-Top 10 auf, nämlich auf Platz 8 und 10. Quelle: dpa
Marken scheinen nach der rückläufigen Tendenz der vergangenen Jahre wieder eine größere Rolle für den Nachwuchs zu spielen. Vor allem bei gut sichtbaren Dingen wie Sportschuhen, (Schul-)Taschen und sonstigen Kleidungsstücken und Accessoires, aber auch beim Handy ist die „richtige“ Marke für mehr als die Hälfte der Kinder wichtig. Quelle: dpa

Die vermeintlich konsumorientierte Jugend in Deutschland ist einer Studie zufolge besonders sparsam. Junge Menschen legen fast ein Drittel des ihnen zur Verfügung stehenden Geldes zurück, hat eine am Mittwoch vorgestellte repräsentative Online-Umfrage im Auftrag der Deutschen Bank ergeben. Prinzipiell könnte man jetzt darauf verweisen, dass junge Menschen auch in der Regel deutlich geringere Ausgaben haben, als ihre Eltern beziehungsweise die Elterngeneration. Dennoch ist die Sparquote von 28 Prozent deutlich über dem Schnitt sämtlicher Haushalte. Diese sparten im vorigen Jahr 11 Prozent ihres Netto-Einkommens und erreichen damit im internationalen Vergleich einen sehr hohen Wert.

Mehr sparen trotz weniger Einkommen

Junge Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahre sind noch vorsichtiger: Von durchschnittlich 446 Euro im Monat wandern demnach 130 Euro in die meist traditionellen Sparformen wie Sparbücher, Bauspar- oder Sparverträge. 2011 waren es noch 112 Euro. Damit ist der Sparbetrag um 16 Prozent gestiegen. Das ist besonders bemerkenswert, weil das Einkommen der Jugendlichen aus Taschengeld, Nebenjobs, Ausbildung und Berufstätigkeit im Vergleich zum letzten Jahr um durchschnittlich 37 Euro gesunken ist. Junge Männer haben mit 494 Euro monatlich 47 Euro weniger in der Tasche. Bei den weiblichen Befragten ist das Einkommen im Schnitt um 28 Euro auf 438 Euro pro Monat gesunken. Wie in den Vorjahren steht jungen Frauen durchschnittlich insgesamt weniger Geld zur Verfügung als jungen Männern. Der Unterschied liegt immerhin bei 56 Euro pro Monat. Dennoch legen auch junge Frauen mit 115 Euro mehr Geld zurück als im Vorjahr (86 Euro). Ihre männlichen Altersgenossen sparen 145 Euro (2011: 137 Euro). Damit ist insgesamt unter den jungen Menschen die Bereitschaft gestiegen, trotz geringeren Einkommens mehr Geld auf die hohe Kante zu legen. Offensichtlich wirkt sich hier die Wirtschaftslage entsprechend aus: Laut Umfrage machen sich 58 Prozent der Jugendlichen Sorgen um ihre wirtschaftliche Zukunft.

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    Grundsätzlich setzen junge Menschen bis 25 Jahre auf konservative Anlagemethoden, an Aktien oder Fonds versuchten sich nach eigenen Angaben nur 11 Prozent der Jungen gegenüber 15,5 Prozent in der Gesamtbevölkerung. Die jungen Männer sind bei der Geldanlage noch ein bisschen mutiger als die Frauen: Von ihnen entscheiden sich 14 Prozent für Aktien, bei den jungen Frauen waren es nur neun Prozent. Hinter der Vorsicht stecken bei der Mehrheit von 55 Prozent größere Konsumwünsche wie Führerschein, Auto oder eine Reise. 26 Prozent legen Geld für die eigene Ausbildung zurück. 19 Prozent schaffen Rücklagen für die Altersvorsorge.

    Sparbuch statt Zuckertüte

    So sparen die Deutschen
    „Die Deutschen sind für ihren enormen Spareifer bekannt. Umso erfreulicher ist es, dass noch mehr Menschen die Notwendigkeit erkannt haben, finanzielle Rücklagen zu bilden – gerade auch in wirtschaftlich stürmischen Zeiten wie aktuell“, sagt Bertil Bos, Managing Director der Bank of Scotland in Deutschland. In einer repräsentativen Studie hat das Meinungsforschungsinstitut das Spar- und Anlageverhalten der Bundesbürger untersucht. Dabei zeigten sich große Unterschiede in den einzelnen Regionen. Wie die Deutschen mit Geld umgehen, hängt auch von ihrem Wohnort ab. Doch gängige Vorurteile zeigten sich dabei nicht. Quelle: Sparerkompass Deutschland 2012Eine forsa-Studie im Auftrag der Bank of Scotland Quelle: dpa
    Selbstbewusste BayernDie Einwohner Bayerns (41 %) halten sich häufig für „gut“ oder „sehr gut“ informiert. Männer sind dabei selbstbewusster als Frauen: 38 % der Männer geben an, beim Thema Finanzen „gut“ oder „sehr gut“ im Bilde zu sein. Gefragt worden war: „Wie schätzen Sie Ihren Informationsstand ein, wenn es um Finanzangelegenheiten und Geldanlagen geht?“ Quelle: dpa
    Unsichere SchwabenDie Menschen in Baden-Württemberg (30 %) schätzen ihren Wissensstand besonders oft als „gering“ oder „sehr gering“ ein. Bei den Frauen fühlen sich nur 29 % umfassend informiert, dafür gibt fast jede vierte Bundesbürgerin (24 %) an, keine oder nur geringe Finanzkenntnisse zu besitzen. Das überrascht, denn eigentlich beurteilen die Menschen in Westdeutschland (34 %) ihr Finanzwissen etwas häufiger als „gut“ oder „sehr gut“ als die Bundesbürger im Osten der Republik (30 %). Gefragt worden war: „Wie schätzen Sie Ihren Informationsstand ein, wenn es um Finanzangelegenheiten und Geldanlagen geht?“ Im Bild: Blick auf Stuttgart mit dem Fernsehturm. Quelle: dpa
    Geschickte Sachsen-AnhalterDie Menschen in Sachsen-Anhalt sind von ihrem Finanzgeschick überzeugt. Als „sehr gut“ bewerten ihren Umgang mit Geld 57 Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt ihren Umgang mit Geld. Generell glauben die Bürger in Ostdeutschland (48 %) etwas häufiger als die Menschen im Westen der Republik (43 %), sehr gut mit Geld umgehen zu können. Frauen (47 %) sind dabei übrigens von ihrem Finanzgeschick etwas mehr überzeugt als Männer (40 %). Im Bild: Das Hundertwasserhaus in Magdeburg. Quelle: dpa
    Fleißige RheinländerDie Menschen in Westdeutschland (58 %) geben häufiger an, regelmäßig Geld zurückzulegen als die Menschen im Osten der Republik (54 %). Am fleißigsten sparen die Rheinländer und Westfalen. Der Anteil der Menschen, die regelmäßig Geld zurücklegen, liegt in Nordrhein-Westfalen bei 63 Prozent – das ist Spitze. Im Bild: Die Rheinwiesen in Düsseldorf. Quelle: dpa
    Faule BerlinerDie Berliner und die Brandenburger vergessen es am häufigsten, den Freistellungsauftrag für Zinserträge einzureichen. Sie sind zudem die faulsten Sparer. Der Anteil der Menschen, die regelmäßig Geld zurücklegen, liegt bei nur 42 Prozent. Im Bild: Der Berliner Reichstag. Quelle: dpa
    Optimistische PfälzerDie Menschen in Rheinland-Pfalz (53 %) und in Hessen (47 %) bewerten ihre finanzielle Situation besonders häufig als „gut“ oder „sehr gut“. Im Bild: Der Mainzer Dom. Quelle: dpa

    Das Ranking der liebsten Geldanlageformen junger Menschen sieht laut der Deutschen Bank wie folgt aus:

    • 61 Prozent vertrauen auf Sparplan, Sparbuch oder Sparcard - bei jungen Frauen ist mit 59 Prozent besonders das Sparbuch beliebt (Männer 50 Prozent).
    • 39 Prozent setzen auf Tagesgeldkonten
    • 22 Prozent haben Bausparverträge
    • 13 Prozent besitzen eine Riester-Rente
    • 11 Prozent versuchen es mit Aktien und Fonds
    • 08 Prozent haben eine Lebensversicherungen abgeschlossen

    Zu den besonders renditeschwachen, konservativen Anlageformen wie Sparbuch und Tagesgeldkonto rät erstaunlicherweise auch das Online-Verbrauchertarif TopTarif. Um Ausbildung, Führerschein und die erste eigene Wohnung abzusichern, sollten Eltern ihren Kindern statt Süßigkeiten doch lieber Finanzprodukte in die Schultüte packen. Prinzipiell ist die Idee ja nicht schlecht, nur die konkreten Empfehlungen werden aus den jetzigen ABC-Schützen höchstwahrscheinlich keine reichen Abiturienten machen.

    "Haben sich Eltern dazu entschlossen, ihrem Sprössling eine Geldanlage zur Einschulung zu schenken, sollten sie unbedingt auf eine mündelsichere Anlage wie etwa Sparbücher, Tages- und Festgelder sowie Banksparpläne zurückgreifen", heißt es in der Empfehlung. Die Finanzexpertin des Portals, Janine Pentzold, verweist noch darauf, dass Sparbücher der Einlagensicherung unterliegen. Das ist durchaus korrekt. Nur von mitunter weniger als einem Prozent Zinsen werden sich die Schulanfänger in zehn, zwölf Jahren keine eigene Wohnung leisten können. Und auch keinen Führerschein. Selbst wenn die Eltern samt Oma und Opa richtig großzügig waren.

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      Auch die Empfehlung, das Geld für die Zwerge aufs Festgeldkonto zu packen, klingt nicht viel verlockender. Selbst wenn Petzold rät, den Anlagebetrag zu splitten - egal, wie klein er ist. "Entscheiden sich Eltern beispielsweise für einen langfristigen Fondssparplan und eine kurzfristige festverzinste Anlage zur Einschulung, profitieren sie von einem idealen Mix aus Liquidität, Sicherheit und attraktiven Erträgen", sagt sie. Von einem schönen Schulranzen, Süßigkeiten und vielleicht einem Spielzeug haben die Schulanfänger wahrscheinlich mehr, als von 500 Euro verteilt auf Sparbuch, Fonds und Festgeld.

      ked

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