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Bargeld Deutsche misstrauen dem alten 500-Euro-Schein

Seit das Ende des Fünfhunderters besiegelt ist, wollen ihn viele loswerden. Was der neue 50-Euro-Schein damit zu tun hat und warum es bald Bio-Geld in der Euro-Zone gibt.

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So sieht der neue 50-Euro-Schein aus
Der NeueDie Europäische Zentralbank (EZB) hat den neuen 50-Euro-Schein am Dienstag in Frankfurt präsentiert. Der Schein ist nach Fünfer, Zehner und Zwanziger die vierte Banknote, die im Rahmen der neuen "Europa"-Serie ausgetauscht wird. Quelle: AP
RückseiteNicht nur die Vorder-, sondern auch die Rückseite des neuen Scheins erinnert stark an das Vorgängermodell. In den Umlauf gebracht werden soll der neue Fünfziger ab dem 4. April 2017. Neun Monate lang hatten Banken und Einzelhändler die Gelegenheit, die neuen Scheine auszuleihen, um Geräte und Personal auf den Umgang mit den runderneuerten Geldscheinen vorzubereiten. Die Hersteller von Bankautomaten bekamen Prototypen der Scheine schon im März 2015. So sollen Probleme wie bei der Einführung des Fünfers vermieden werden. Quelle: AP
Mehr SicherheitNeue Sicherheitsmerkmale sollen Geldfälschern das Handwerk erschweren. Das Wasserzeichen zeigt ein Porträt der griechischen Mythenfigur Europa, der Namensgeberin der neuen Banknotenserie: „Europa-Serie“. Zudem gibt es, wie beim Zwanzig-Euro-Schein, ein sogenanntes „Porträtfenster“. Hält man den Schein gegen das Licht, wird es durchsichtig und man sieht von beiden Seiten ein Porträt der Europa. Quelle: dpa
Ohne LackDer von EZB-Ratsmitglied Yves Mersch präsentierte Schein hat im Gegensatz zum Fünfer und Zehner keine spezielle Lackierung. Ziel ist, die kleinen Scheine haltbarer zu machen - denn gerade sie wechseln häufig den Besitzer. „Die bisher gesammelten Erfahrungen lassen den Schluss zu, dass sich die Lebensdauer der Euro-Banknoten durch die Beschichtung tatsächlich erhöht hat“, bilanziert die Bundesbank. Die Produktion des neuen Fünfzigers kostet rund zehn Cent. Der Fünfziger der ersten Serie war mit sechs Cent deutlich billiger. Quelle: dpa
Gegen FälscherDer Fünfziger ist der Lieblingsschein der Fälscher: Von den 82.000 Blüten, die im vergangenen Jahr eingezogen wurden, waren 50.000 Fünfziger. Auch deshalb sind die besseren Sicherheitsmerkmale der neuen Scheins wichtig. Auf der Vorderseite trägt er die glänzende „Smaragd-Zahl“ aufgedruckt, die ihre Farbe ändert, wenn man die Banknote etwas neigt. An der Seite trägt der Schein die Prägung, welche bereits von den anderen Scheinen der Europa-Serie bekannt ist. Quelle: dpa
Sehen, fühlen, kippenEin neues Sicherheitsmerkmal ist der Streifen mit Hologramm-Bildern: Sie reflektieren das Licht in Regenbogenfarben. An den Seitenrändern weisen die Scheine eine raue Struktur auf, die es Blinden leichter macht, den Schein zu erfühlen. Im Licht wird zudem das Wasserzeichen, ein Porträt der Europa, sichtbar. Um Blüten zweifelsfrei zu erkennen, empfiehlt die Bundesbank die drei Arbeitsschritte: Sehen, fühlen, kippen.
Alt und neuBeim Design unterscheiden sich alte und neue Banknote nur wenig. Beim neuen Fünfziger fallen vor allem der kräftigere Orange-Ton und die smaragdgrüne Zahl unten links auf.

Immer mehr Verbraucher tauschen ihre 500-Euro-Scheine bei der Bundesbank ein. "Die Einzahlungen sind in diesem Jahr um 35 Prozent höher als in den Jahren zuvor", sagte der für Bargeld zuständige Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele am Mittwoch in Frankfurt. Zwar behalte der Schein seine Gültigkeit, der Umtausch finde aber bereits statt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte Anfang Mai beschlossen, den Fünfhunderter abzuschaffen, ab Ende 2018 wird der Schein nicht mehr nachgedruckt. Der Schein mit dem höchsten Wert sei ein Eldorado für Geldwäsche und Kriminelle, damit begründen die Notenbanker ihre Entscheidung, die mit Kosten von geschätzt mindestens 500 Millionen Euro verbunden ist, da andere Scheine in größerer Stückelung nachgedruckt werden müssen.

Ob der neue 50-Euro-Schein, den die EZB in der vergangenen Woche präsentierte, auch schon in einer höheren Anzahl auf den Markt kommt, darauf wollte sich Bundesbankvorstand Thiele nicht festlegen. Die Erstausstattung sei niedriger als die Anzahl der sich derzeit im Umlauf befindenden 50-Euro-Scheine. Das liegt daran, dass die Notenbanken die Scheine schrittweise austauschen.

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Geld im Tieflader

Insgesamt ist Thiele aber zuversichtlich, dass auch der neue Fünfziger schnell getauscht werde. Beim Zwanziger seien schon nach sieben Wochen mehr neue als alte Scheine bei der Bundesbank eingezahlt worden, so Thiele. Ab dem 4. April 2017 wird der neue Fünfziger ausgegeben, dafür werden 5,4 Milliarden Scheine gedruckt. Würde man diese nebeneinanderlegen, so Thiele, wäre das eine Fläche von 8153 Fußballfeldern. "Oder eine Stadt wie Rüsselsheim", erklärt Thiele. Insgesamt wiegen die neuen Scheine, die auch mit Tiefladern an ihren Bestimmungsort gebracht werden, rund 5400 Tonnen.

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Der Fünfziger ist neben dem 20-Euro-Schein die am häufigsten gefälschte Banknote. Die Bundesbank hofft, dass die Zahl der Fälschungen mit der neuen Europa-Serie und ihren vielfältigen Sicherheitsmerkmalen sinkt. Beim Zwanziger, der bereits eingeführt wurde, habe es bisher nur simple Fälschungen gegeben. "Das ist ein guter Erfolg", konstatiert Rainer Elm, der in Mainz das Analysezentrum für Falschgeld der Bundesbank leitet.

Im Gegensatz zu den Scheinen mit geringerem Wert bekommt der Fünfziger auch in der neuen Europa-Serie keine Lackierung. Diese soll die Scheine länger haltbar machen und wird deshalb vor allem bei den Banknoten angewendet, die besonders oft den Besitzer wechseln. Bisher habe sich die Lebensdauer "spürbar" erhöht, heißt es bei der Bundesbank. Genaue Zahlen gibt es allerdings noch nicht.

Auch ohne Lackierung ist der Druck von neuen Scheinen teuer, die Kosten sind je nach Zentralbank verschieden. Die nationalen Notenbanken des Eurosystems wechseln sich mit dem Druck ab, einige haben eigene Druckereien, andere vergeben die Aufträge an speziell ausgewählte Druckereien. Der Druck erfolgt nach dem Kapitalschlüssel, die Bundesbank druckt also rund 27 Prozent des Geldes in der Euro-Zone. Dabei achten die Frankfurter auf Qualität. "Wir nehmen für das Papier nur nachhaltige Baumwolle", sagt Thiele. Bald soll das Bio-Geld aber in der gesamten Euro-Zone Standard sein.

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