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Bargeldzwang wird aufgeweicht Ohne Bares durch Dänemark

Die Deutschen lieben Münzen und Scheine, bargeldlos bezahlen sie nicht so gerne. Dänen dagegen zahlen gerne mit Karte - einige Geschäfte dort müssen bald kein Bargeld mehr annehmen.

Kreditkarte Quelle: dpa

Wer in einem Kopenhagener Club abends tanzen geht, dem wird schnell ein Unterschied zu Deutschland auffallen - die meisten Dänen zahlen Gin Tonic, Weinschorle oder Bier mit ihrer Kreditkarte. Bargeld dagegen haben die meisten gar nicht dabei, viele tragen nur ein kleines Etui für die wichtigsten Karten und Ausweise bei sich.

Während sich die Deutschen an ihr Bargeld klammern und das Bezahlen mit EC- oder Kreditkarte oft aus Angst vor Datenmissbrauch oder ähnlichem ablehnen, gehören Kartenzahlungen in Dänemark seit langem zum Alltag. Das liegt allein daran, dass die Kreditkartenterminals in den Geschäften dort deutlich schneller funktionieren als hierzulande. Karte rein, Pin eingeben, fertig. In Deutschland dagegen baut sich erst langsam eine Verbindung zur Bank auf, während das Gerät noch überlegt, ob es diesmal lieber eine Unterschrift oder doch den Pincode haben will, kommt schnell Nervosität in der Kassenschlange auf. Wer bei kleinen Beträgen die Karte zückt, kassiert in Deutschland rollende Augen - in Dänemark ist das ganz normal. Und könnte künftig sogar nicht mehr anders funktionieren.

Welche Zahlungsmittel Europäer bevorzugen
Das Geschäft mit dem Versenden von Geld über Smartphone-Apps lockt jetzt auch etablierte Banken an. Die Deutsche Kreditbank (DKB) kooperiert dafür mit dem Startup Cringle. Pro Monat kann ein Nutzer bis zu 100 Euro über die Cringle-App verschicken, abgewickelt wird die Zahlung per Lastschrift von der DKB. Pro Transaktion werden 20 Cent fällig, zum Start wurde die Gebühr auf 10 Cent gekappt. Das neue Angebot trifft bereits auf Wettbewerb im Markt. So bietet der Online-Bezahldienst PayPal seit Juli das Versenden von Geld über seine Smartphone-App in Deutschland an. Für Kunden, die ihren PayPal-Account mit einem deutschen Bankkonto verknüpft haben, ist das Angebot kostenlos, bei Kreditkarten wird eine Gebühr fällig. In vielen europäischen Ländern tun sich moderne Bezahlsysteme jedoch noch so schwer... Quelle: dpa
ÖsterreichOhne Bargeld geht in Österreich gar nichts. 86 Prozent bezahlen an der Kasse in bar, 12 Prozent mit EC-Karte. Eine Kreditkarte kommt nur in einem Prozent der Fälle zum Einsatz. Auf sonstige Alternativen wie Schecks, PayPal, Lastschrifteinzug oder Ähnliches entfällt insgesamt nochmal ein Prozent. Quelle: Deutsche Bundesbank; Europäische Kommission; Deloitte (Stand: 2014) Quelle: dpa
PolenIn Polen werden 80 Prozent der Bezahlvorgänge an der Kasse bar beglichen. Eine EC-Karte nutzen –ähnlich wie in Österreich – 13 Prozent der Bevölkerung. Immerhin werden auch drei Prozent der Bezahlvorgänge durch Kreditkarten abgewickelt. Auf die alternativen Zahlungsmittel entfallen vier Prozent. Quelle: dpa
DeutschlandAuch die Deutschen haben ihr Geld beim bezahlen lieber in fester Form in der Hand – in 79 Prozent der Fälle wird bar bezahlt. Zwölf Prozent der Käufe werden mit der EC-Karte beglichen, weitere sechs Prozent per mit Lastschrifteinzug, Scheck und anderen alternativen Zahlungsmethoden. Quelle: dpa
ItalienZwar ist Bargeld mit 69 Prozent noch immer das beliebteste Zahlungsmittel in Italien, aber auf Platz zwei kommen auch schon alternative Zahlungsmittel mit 17 Prozent. So sind Schecks, Kundenkarten, PayPal und andere Alternativen zusammen genommen bei den Italienern beliebter als die EC-Karte mit neun Prozent und die Kreditkarte mit sechs Prozent. Quelle: dpa
Sagrada Familia Quelle: AP
London Tower Bridge Quelle: dpa

Denn die dänische Regierung will den gesetzlichen Annahmezwang für Münzen und Banknoten teilweise aufheben. Künftig sollen Tankstellen, Restaurants oder andere kleine Länden (keine Supermärkte) Bargeld nicht mehr annehmen müssen. Den Unternehmen sollen die Kosten und der Zeitaufwand durch die Bargeldabwicklung erspart werden.

Zentrale Geschäfte wie große Supermärkte oder Apotheken sollen weiterhin Bargeld annehmen. Wer also Urlaub im Nachbarland plant, kann weiterhin mit Kronen Milch und Brot kaufen. Trotzdem dürften EC- oder Kreditkarten auch für Touristen wichtiger werden. Die dänische Notenbank hat bereits angekündigt, ab Ende 2016 keine neuen Banknoten mehr drucken zu wollen, die Nachfrage sei nicht hoch genug.

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Teuer ist Bargeld vor allem aufgrund der nötigen Sicherheitsvorkehrungen. Vor allem für kleine Geschäfte ist der Aufwand groß, regelmäßig muss Geld wieder zur Bank gebracht werden, damit nicht zu viel in der Kasse ist. Insgesamt kostet das Bargeld die deutsche Volkswirtschaft laut einer Studie der Berliner Steinbeis-Hochschule mehr als zehn Milliarden Euro im Jahr. Die größten Kostentreiber sind das nötige Personal im Handel und bei den Banken, auch der Transport ist nicht billig.

In Dänemark ziehen derartige Argumente, die Regierung will den Bargeldzwang im Rahmen eines Konjunkturprogramms abschaffen. In Deutschland sind wir von solchen Maßnahmen allerdings noch meilenweit entfernt. Die Bundesbürger lieben ihre Münzen und Scheine. Neben der Angst vor Datenmissbrauch legt der deutsche Konsument wert auf die Freiheit, bezahlen zu können wie er will.

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