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Barren, ETFs, Goldschmuck Goldnachfrage fällt auf das Niveau von 2009 zurück

Goldhandel im Oman Quelle: imago images

Im dritten Quartal ist die globale Goldnachfrage gegenüber dem Vorjahreswert um 19 Prozent gesunken – so tief wie seit 2009 nicht mehr. Dafür sind allerdings nicht die Anleger verantwortlich, im Gegenteil.

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892,3 Tonnen – so viel Gold wurde im dritten Quartal 2020 weltweit gekauft. Zum aktuellen Kurs von 1625 Euro je Feinunze entspricht das der gewaltigen Summe von 47,8 Milliarden Euro. Dennoch: Aus Sicht der Goldbranche, deren Dachorganisation, der World Gold Council (WGC), nun aktuelle Zahlen zum Markt vorlegte, ist das wenig. Im Vergleich zur Nachfrage vor einem Jahr wurden weltweit 19 Prozent weniger nachgefragt. Im dritten Quartal 2019 waren es noch 1100 Tonnen. So wenig Gold wurde in einem dritten Quartal zuletzt 2009 gekauft, im Zenit der globalen Finanzkrise.

Auch bei Betrachtung der ersten neun Monate des Jahres 2020 fällt die Bilanz ernüchternd aus, im Vergleich zum Vorjahr sank die Goldnachfrage um zehn Prozent, also 332 Tonnen. Haupttreiber des Rückgangs war die globale Schmucknachfrage, die zwar gegenüber dem zweiten Quartal wieder etwas anzog, auf das Gesamtjahr bezogen jedoch um 29 Prozent abstürzte. Auch die Nachfrage nach Gold für Elektronikbauteile oder Industrieanwendungen sowie Zahngold gab nach, in Summe um sechs Prozent.

Laut Louise Street, der leitenden Marktanalystin beim WGC, haben eine Reihe von Faktoren den Nachfragerückgang ausgelöst, wobei die Coronapandemie für den Löwenanteil verantwortlich ist. „Die anhaltenden sozialen Einschränkungen in vielen Ländern, die wirtschaftlichen Auswirkungen des Lockdowns und die dauerhaft hohen Goldpreise in vielen Währungen waren eine zu große Last für Schmuckkäufer“, begründet Street das Minus. Gerade die nun beginnende Hochzeitssaison in Indien und China, in denen Goldschmuck als Hochzeitsgeschenk eine große Rolle spielt, sollte nun für eine Erholung der Nachfrage sorgen. Allerdings glaubt Street nicht, dass das hohe Nachfrageniveau von 2018 und 2019 in Zukunft wieder erreicht wird, da der Goldpreis noch immer hoch ist.

Gestützt wird der Goldpreis hingegen durch das nach wie vor große Interesse an mit Anlagegold in Form von Barren, Münzen und mit unterlegten börsengehandelten Fonds (ETF). Hier ist die Nachfrage im dritten Quartal mit einem Plus von 21 Prozent sogar deutlich gestiegen, vor allem in Indien und China. Gold-ETFs haben seit Jahresbeginn ihren Goldbestand um über 1000 Tonnen Gold erhöht und halten nun ein Rekordvolumen von 3880 Tonnen. Die Investitionen in Barren und Münzen aus Gold kletterten gegenüber dem Vorjahresquartal sogar um 49 Prozent, vor allem in China und Indien kauften die Menschen Gold zu Anlagezwecken. „Wir sehen auch in diesem Quartal, dass Gold für private Anleger als sicherer Hafen gefragt ist, da sich die Menschen weiterhin Stabilität in einem volatilen Markt wünschen“, erklärt Street den Anstieg. Sie erwartet, dass die Nachfrage der Anleger auch weiterhin hoch bleibt, da die niedrigen Zinsen noch lange anhalten werden und auch die geopolitischen Risiken oder die Gefahr von Investmentblasen noch weiter bestehen werden.

Die gestiegene Nachfrage im Investmentbereich konnte jedoch die Nachfrageausfälle im Schmucksektor nicht kompensieren. Im vergangenen Jahrzehnt war die Schmuckindustrie regelmäßig der größte Goldkäufer am Markt. Nun ist deren Goldnachfrage zum ersten Mal seit dem Jahr 2000 für die ersten neun Monate eines Jahres unter 1000 Tonnen gefallen.


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Für den Goldpreis, der sein historisches Hoch im August mit 2067 Dollar je Feinunze erreicht hat, dürfte die seit September laufende Korrektur weiter anhalten, zumal das Goldangebot aus Minenförderung und Gold-Recycling im Vergleich zum Vorjahr lediglich um drei Prozent zurückgegangen ist und auch die Notenbanken derzeit nicht als große Käufer auftreten. Chinas Zentralbank, die jahrelang ihre Goldbestände aufstockte, kauft schon seit einem Jahr kein Gold mehr, auch die Zentralbank Russland hält sich derzeit zurück. In der Summe haben die Notenbanken im dritten Quartal sogar 12 Tonnen Gold verkauft – das erste Quartalsminus seit 2010. Verantwortlich für den Rückgang waren die Notenbanken der Türkei und Usbekistans.

Dass der Goldpreis durch fortdauernde Krisen weiter steigt, ist also keineswegs ausgemacht.

Mehr zum Thema: Dass der Goldpreis Rekordhöhen erreicht, hat fundamentale Gründe. Thorsten Polleit erklärt in einem Gastbeitrag, warum das Edelmetall noch teurer wird.

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