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Bausparzinsen Belastungsprobe für Bausparkassen

Die Finanzaufsicht Bafin sorgt sich um die Ertragssituation der Bausparkassen. Wenn der Zins so niedrig bleibe, werden sie ihr Geschäftsmodell ändern müssen. Der Branchenverband hingegen gibt Entwarnung.

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Was Banken bei der Hausfinanzierung wichtig ist
Haushaltsplan Quelle: FM2 - Fotolia
Gefülltes Portemmonaie Quelle: Klaus Eppele - Fotolia
Mann am Schreibtisch Quelle: detailblick - Fotolia
Holzhaus Quelle: Svenni - Fotolia
VorhabenImmobilien als Kapitalanlage (Gewerbeimmobilien, Mietshäuser) werden nicht von allen Banken finanzier. Häuser in den ländlichen Gegenden der neuen Bundesländer können ebenfalls aufgrund der schlechten Zukunftsaussichten durch das Raster der Bank fallen. Quelle: dpa
Verfallene Häuser Quelle: dapd
Neubau Quelle: obs

Das Niedrigzinsniveau im Euroraum wird nach Einschätzung der deutschen Finanzaufsicht Bafin zunehmend zur Belastung für Banken und Bausparkassen. Bleibe das Zinsniveau so niedrig, werde „die Branche weiter gegensteuern müssen und über neue Lösungen und andere Geschäftsmodelle nachdenken müssen“, sagte die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Elke König, bei einer Bankentagung der „Börsen-Zeitung“ am Mittwoch in Frankfurt mit Bezug auf Bausparkassen.

So funktioniert Bausparen

"Die Medizin, die die EZB den Banken und den Staaten verabreicht hat, um sie zu stützen, hat wie jede Medizin Nebenwirkungen“, stellte König fest. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den ohnehin schon extrem niedrigen Leitzins im Euroraum im Mai 2013 auf 0,5 Prozent gesenkt. Seither verharrt der Zins auf diesem Rekordtief. Bausparkassen haben damit zu kämpfen, dass Kunden Altverträge mit vergleichsweise hohen Guthabenzinsen weiter besparen, teilweise ohne die zuteilungsreifen Kredite abzurufen. Für die Bausparkassen ist das ein Klotz am Bein, denn im Niedrigzinsumfeld haben sie bei den derzeit extrem niedrigen Zinsen Schwierigkeiten, die versprochenen Renditen zu erwirtschaften. Deswegen gehen haben einige Anbieter damit begonnen, Altvertragskunden in neue Verträge umzuschichten oder die hochverzinsten Altverträge sogar zu kündigen. Das Problem hat die Branche aber auch dadurch selbst geschaffen, weil einige Anbieter Bausparverträge vor einigen Jahren als renditeträchtiges und solides Sparvehikel angepriesen haben. Nun reagieren derart geköderte Kunden ohne große Ambitionen auf einen Immobilienkauf zu recht verschnupft.

Besondere Risiken sieht die Bafin vor allem bei einem schnellen Ende der historisch bislang einmaligen Niedrigzinsphase - allerdings für die gesamte Bankenbranche. Für Banken sei es wichtig, „dass die Institute genug Eigenkapital haben, um die Risiken auch aus dem Zinsänderungsrisiko abfedern zu können“, sagte König. Das Thema werde auch beim anstehenden Bilanzcheck der Europäischen Zentralbank (EZB) auf der Agenda stehen. Die EZB soll im November 2014 die Aufsicht über die größten Banken im Euroraum übernehmen. Vorher wollen EZB und nationale Aufseher die Bilanzen von 124 Bankkonzernen durchleuchten. Zudem ist ein Stresstest in Vorbereitung.

Gegen die Darstellung, dass Kundengelder durch die schwierige Marktsituation gefährdet sein könnten, wehrt sich die Branche. In einer aktuellen Stellungnahme räumt der Verband der Privaten Bausparkassen zwar eine Belastung auf der Ertragsseite ein, hält aber in punkto Stabilität der Branche dagegen. Bausparkassen lebten schließlich nicht auf einer Insel der Seligen. „Selbstverständlich sind auch sie herausgefordert, dem entgegenzusteuern. Ihr Geschäft war, ist und bleibt aber solide und zukunftssicher“, lässt Verbandschef Andreas Zehnder verlauten.

Anbieter müssen Risiken durchspielen

Bestätigt sieht sich der Verband in diesem Urteil durch das Ergebnis einer umfassenden Umfrage der Bankenaufsicht zum Zinsrisiko und zur Ertragslage der Bausparkassen im Herbst 2012. Dabei wurde gefragt, welche Auswirkungen es hätte, wenn die Niedrigzinsphase noch 20 Jahre andauern würde. Gefragt wurde zudem, ob die Bausparkassen auch einen sprunghaften Anstieg der Zinsen – und zwar um fünf Prozentpunkte innerhalb von zwei Jahren – bewältigen können. Nach Angaben des Verbands wären alle Bauspar-Anbieter einem solchen Szenario gewachsen. „Trotzdem käme auch dann durch die vorhandenen Steuerungsmöglichkeiten keine Bausparkasse in wirkliche Nöte“, stellte Zehnder in einer Mitteilung klar.

Die zehn häufigsten Fehler bei der Baufinanzierung

Gegen kollabierende Bausparkassen spricht auch, dass die Branche derzeit eine hohe Zahl an Neuverträgen verzeichnet. Im ersten Halbjahr 2013 stieg die Zahl neuer Bausparverträge gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr um 25 Prozent. Zwar verdankten die Anbieter die steigende Nachfrage auch der Umstellung von Tarifen, doch selbst wenn man diese Sondereffekte herausrechnet, erwartet die Bausparbranche zum Jahresende noch ein signifikantes Wachstum. Zudem müssten die Bausparkassen vor Einführung neuer Tarife gegenüber der BaFin deren langfristige Tragfähigkeit durch Simulationsrechnungen unter Beweis stellen.

Zwar haben Bausparverträge als reines Anlageinstrument aufgrund der mickrigen Zinsen auf das Sparguthaben ausgedient. Doch für den Sparer mit der festen Absicht, eine Immobilie zu finanzieren, zu sanieren oder zu modernisieren haben Bausparverträge durchaus Vorteile - vor allem im Hinblick auf Planbarkeit und Finanzierungssicherheit.

Geldanlage



Im Gegensatz zu den übrigen Banken im Privatkundengeschäft binden die Bausparkassen wie auch die Lebensversicherer ihre Kunden oft für viele Jahre und sogar Jahrzehnte. Das sorgt zumindest auf der Einnahmeseite für größere Stabilität gegenüber anders aufgestellten Banken. Die Niedrigzinsen hätten „spürbare Auswirkungen auf die Ertragssituation der Finanzinstitute“, erklärte Commerzbank-Privatkundenvorstand Martin Zielke. „Jede Bank, die im Privatkundengeschäft erfolgreich sein will, muss ihr Geschäftsmodell radikal umbauen. Nur das Schrauben an kleinen Teilen des Geschäftsmodells wird nicht mehr ausreichen.“

Somit erfährt die gesamte Finanzbranche einen Belastungsprobe. Für Sparer gibt es keinen Grund, gleich in Panik zu verfallen. Schließlich sind die Spareinlagen per Gesetz und durch zusätzliche freiwilligen Sicherungseinrichtungen der Finanzbranche zumindest bei den staatlich überwachten Instituten weitgehend geschützt.

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