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BCG-Vermögensreport Das sind die Geldhäfen der Superreichen

Viele Milliardäre und Multimillionäre parken ihr Geld gern im Ausland – meist aus steuerlichen Gründen Quelle: imago images

Trotz Corona ist das globale Privatvermögen laut dem BCG-Report gewachsen – auf 431 Billionen Dollar. Vor allem Aktien und Sachwerte haben zugelegt. Besonders profitiert hat eine kleine Gruppe an Superreichen.

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Eine neue Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) zeigt ein überraschendes Ergebnis: Anders als zu erwarten hat sich die Coronapandemie kaum auf die Privatvermögen weltweit ausgewirkt. Im vergangenen Jahr sei allein der Wert von Bankguthaben, Wertpapieren und Lebensversicherungen um 8,3 Prozent auf 250 Billionen Dollar gewachsen, so BCG. Für diesen Rekordzuwachs macht die Unternehmensberatung zum einen die robusten Aktienmärkte verantwortlich. Zudem seien die Bankguthaben um elf Prozent gewachsen. „Noch nie in den vergangenen 20 Jahren haben Private ihre Bargeld- und Sichteinlagenbestände so stark ausgebaut“, sagt Anna Zakrzewski, BCG-Partnerin und Autorin der Studie.

Auch Sachwerte waren 2020 bei Privatanlegern weltweit beliebt. Insgesamt 235 Billionen Dollar haben sie in Immobilien, Autos, Gold oder Schmuck investiert. Nach Abzug der Schulden verfügen Privatpersonen weltweit über ein Nettovermögen von 431 Billionen Dollar aus Finanzanlagen und Sachwerten. Das Budget der US-Regierung liegt bei rund zehn Billionen Dollar jährlich. 

Dabei ist die Schweiz noch der beliebteste Geldtresor ausländischer Superreicher. Laut der BCG-Studie sind bei den Eidgenossen 2,4 Billionen Dollar Privatvermögen aus dem Ausland gebunkert. Allerdings werde Hongkong bis 2025 die Schweiz als ersten Finanzplatz für Milliardäre ablösen.



Das ist ein klares Indiz dafür, dass sich die Gewichte des Wohlstands auf der Welt zugunsten der Schwellenländer verschieben. Bis 2025, so der BCG-Report, wird das Privatvermögen in Asien mit 6,8 Prozent jährlich deutlich schneller wachsen als in Westeuropa mit lediglich drei Prozent. Auch in Nordamerika ist die Prognose mit 4,4 Prozent pro Jahr geringer.

Das weltweite Privatvermögen liegt vor allem in den Händen von Superreichen: 15 Prozent halten rund 60.000 Privatpersonen mit einem Vermögen von 100 Millionen Dollar und mehr. Gemessen an der Weltbevölkerung von knapp 7,9 Milliarden Menschen, entsprechen sie nur 0,0008 Prozent davon. Von diesen Superreichen leben in den USA 20.600 und in China 7800. An dritter Stelle kommt Deutschland mit 2900. Deren Anteil am gesamten deutschen Privatvermögen beträgt sogar 20 Prozent. 

Laut dem Magazin Forbes leben in Deutschland derzeit 138 Milliardäre. Gegenüber der Auswertung aus dem vergangenen Jahr stieg deren Zahl um 35 Prozent. Ganz vorne in der Forbes-Liste liegen die Erben der Handelsriesen Aldi und Lidl. Auf Platz drei folgt die BMW-Großaktionärin Susanne Klatten. Unterhalb dieser Liga der Superreichen gibt es in Deutschland noch Hunderttausende sehr vermögender Privatpersonen.

Mehr zur Liste der reichsten Menschen der Welt können Sie hier nachlesen.

Als reich gelten zumeist die jeweils ein Prozent wohlhabendsten Privatpersonen eines Landes. Die Schwelle zu diesem exklusiven Club ist je nach Land unterschiedlich hoch. In Deutschland liegt die Hürde bei zwei Millionen Dollar wie die Unternehmensberatung Knight Frank ermittelt hat. In der Schweiz sind es mit 5,1 Millionen Dollar mehr als doppelt so viel. Weltweiter Spitzenreiter ist Monaco mit 7,9 Millionen Dollar.



Viele dieser Milliardäre und Multimillionäre parken ihr Geld gern im Ausland – meist aus steuerlichen Gründen. Deutsche Superreiche legen ihr Vermögen bevorzugt im Nachbarland Schweiz an. Auch weltweit sind die Eidgenossen beim Auslandvermögen die Nummer eins. Noch. Obwohl China die Bürgerrechte in Hongkong massiv eingeschränkt hat, wird die ehemalige britische Kronkolonie die erste Adresse für Superreiche, so BCG. 

Hongkong profitiert vom schnell wachsenden Wohlstand in Asien. BCG erwartet von 2021 bis 2025 plus neun Prozent jährlich beim ausländischen Finanzvermögen aus Privatbesitz (siehe Grafik unten). In der Schweiz liegt die geschätzte Wachstumsrate bei nur drei Prozent. Langfristig könnten die Schweizer sogar noch hinter Singapur fallen, dessen privates Finanzvermögen aus dem Ausland ebenfalls um neun Prozent jährlich zulegen wird. Bis 2025 bleibe Singapur zwar wie bisher auf Platz 3, aber der Abstand zur Schweiz verringere sich jedoch, so BCG.



Hongkong, die Schweiz und Singapur gelten ohnehin als diskrete Steueroasen. Den USA, die weltweit die Nummer vier bei den Geldhäfen der Superreichen sind, haftet dieses Image jedoch nicht an.

Rein nach den Fakten müsste das aber so sein. Denn schon die Milliardäre mit US-Pass wie Jeff Bezos (Amazon) oder Elon Musk (Tesla) zahlen in den USA kaum Steuern, wie jüngste Enthüllungen zeigen. Sie können legale Steuervermeidungsmodelle nutzen. Verwunderlich ist das kaum. Schließlich kommt der amtierende US-Präsident Joe Biden aus dem Steuerparadies Delaware. 

Mehr zum Thema: Immer weniger Deutsche glauben, dass sie selbst zu Reichtum kommen könnten. Das liegt jedoch nicht nur an ihrer tatsächlichen Situation, sondern oftmals schlicht an einem Missverständnis, wie Reichwerden überhaupt geht.

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