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Benzinpreis Teures Öl ist an der Zapfsäule zweitrangig

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Rückgang alter Felder kann nicht ausgeglichen werden

Was unterm Strich an neuer Öl-Produktion hinzukommt, kann den Rückgang der alten Felder nicht mehr ausgleichen Quelle: dpa

Doch dieser Stand wird sich nicht mehr lange halten lassen. Zwar investieren die Öl-Konzerne laufend in neue Technik, die es erlaubt, Ölfelder zu bis zu 70 Prozent auszubeuten und nicht, wie bis vor kurzem, nur zu rund 30 Prozent. Und sie haben ihre Suchanstrengungen nach neuen Feldern (Exploration) laufend erhöht.

Doch was dank all dieser Anstrengungen unterm Strich an neuer Öl-Produktion hinzukommt, kann den Rückgang der alten Felder nicht mehr ausgleichen. Viele unabhängige Experten mutmaßen zudem, dass die meisten der größten Felder der Welt, die fast alle in Saudi Arabien liegen, schon sehr viel weniger hergeben, als die Saudis öffentlich zugeben. Neue so genannte Giant Fields werden trotz aller Anstrengungen kaum entdeckt, und wenn, dann lagern sie oft in mehreren tausend Metern unter dem Meer, etwa vor Brasilien oder Westafrika.

Theoretisch genug Öl für die nächsten zwei Jahrzehnte

Dort gibt es zwar theoretisch noch genug Öl für die nächsten zwei Jahrzehnte, doch ob es sich jemals komplett fördern lässt, ist unklar. Mit welchen Gefahren die Förderung aus so großen Tiefen unter dem Meer verbunden ist, zweigte die Katastrophe um die havarierte Bohrinsel Deepwater Horizon im April 2010.

Neben der angespannten Angebotssituation treibt vor allem die in den vergangenen zehn Jahren schnell gestiegene und kontinuierlich hohe Nachfrage aus den Schwellenländern für teures Öls. Das rasante Wirtschaftswachstum von Ländern wie China, Indien und Brasilien verschlingt immer mehr Öl. Schon jetzt ist China der zweitgrößte Ölimporteur der Welt, nach den USA, obwohl die Motorisierung der chinesischen Bevölkerung mit eigenen Autos gerade erst begonnen hat. Noch vor wenigen Jahren war China nur auf Platz zehn der weltgrößten Öl-Importeure.

Rohölpreis - und Steuern

Genervte deutsche Autofahrer, die nicht in ein paar Jahren – wie die meisten Chinesen heute – mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren wollen, sollten auf einen Rückgang der Rohölpreise lieber nicht zählen, meinen Experten. "Hält der China-Trend an, wird die Welt in 20 Jahren etwa um 40 Prozent mehr Öl verbrauchen als heute", schätzt der Chef des britischen Ölkonzerns BP, Robert Dudley. Und es wird nicht weniger kosten.

Was wir nach dem Besuch an der Zapfsäule dann tatsächlich zahlen, hängt in 20 Jahren wie schon heute von etlichen weiteren Faktoren ab. Der Rohölpreis allein hat eigentlich noch nicht einmal den größten Einfluss auf den Benzinpreis. Ein anderer ragt deutlich heraus: Von den 1,70 Euro, die der Liter Superbenzin zur Zeit kostet, entfällt bereits heute der größte Teil auf Steuern.

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