Berkshire Hathaway Buffetts Lehrlinge sind erfolgreicher als er

Warren Buffetts Lehrlinge Todd Combs und Ted Weschler haben im vergangen Jahr mit ihren Anlagen so gut abgeschnitten, dass sie sogar Investment-Legende Buffett in den Schatten stellen. Dafür gibt es ein besonderes Geschenk.

Warren Buffets Lehrlinge haben mit ihren Anlagen ins Schwarze getroffen. Quelle: REUTERS

Todd Combs und Ted Weschler wurden von Warren Buffett ausgewählt: Die beiden Fondsmanager kümmern sich um die Wertpapiere und Anlagen von Berkshire. Dafür bekamen sie jeweils drei Milliarden Dollar. Das Vertrauen hat sich gelohnt, die beiden scheinen ein gutes Gespür für die aktuellen Börsentrends zu haben. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet, dass Combs und Weschler besser abgeschnitten haben als der 83 Jahre alte Buffett. Der belohnt sie mit ein paar Milliarden Dollar Spielgeld mehr. Ab diesem Jahr verwalten sie mehr als 7 Milliarden Dollar. In Zukunft sollen die beiden alle Wertpapieranlagen von Buffetts Gesellschaft Berkshire Hathaway verantworten.

Laut FAZ trägt Buffett weiterhin die Verantwortung über die großen Akquisitionen im Aktienportfolio von Berkshire. Das umfasst ein Volumen von mehr als 100 Milliarden Dollar. Auf vier Aktien entfällt dabei etwas mehr als die Hälfte aller Anlagen: Coca-Cola, American-Express, IBM und die Bank Wells Fargo. Zu den kleineren Positionen gehören der Satellitenfernseh-Anbieter DirecTV und die Kreditkarten-Unternehmen Mastercard und Visa. Diesen Erfolg können vermutlich Combs und Weschler verbuchen. Im vergangenen Jahr ist der Aktienkurs von DirecTV um 34 Prozent, die Kurse von Mastercard um 64 Prozent und von Visa um 43 Prozent gestiegen.

Die nutzlosesten Börsenweisheiten
"The Trend is your friend""Der Trend ist dein Freund" gehört wohl in die Kategorie der irreführenden Börsenweisheiten. Denn es animiert Anleger dazu, einem Aufwärts- oder Abwärtstrend durch Käufe oder Verkäufe von Wertpapieren zu folgen, blendet dabei aber aus, das Trends endlich sind und auch jäh kippen können. Das Problem: Die Gefahr ist hoch, dass der Anleger zu spät auf den fahrenden Zug aufspringt und er bis zu der Erkenntnis, dass sich der Freund "Trend" von einem abgewendet hat, hohe Verluste eingefahren hat. Gerade in turbulenten Börsenzeiten wie in den vergangenen Jahren wechseln Trends sehr häufig und sehr schnell. Quelle: "Sell in May and go away - Was die Börsenweisheiten von Kostolany, Buffett und Co. heute noch taugen", von Jessica Schwarzer (Handelsblatt), erschienen im Börsenbuchverlag im Dezember 2013, sowie eigene Recherchen. Quelle: dpa
"Sell in may and go away"Eine weit verbreitete Börsenweisheit, die die Entscheidung zu kaufen oder zu verkaufen anhand des Kalenders propagiert. Doch leider hält sich die Kursentwicklung an der Börse nicht an Termine. Zwar nimmt der Handel in den Sommermonaten oftmals ab und im Herbst wieder zu, doch gibt es in der Historie auch reichlich Gegenbeispiele. Etwa den Mai 2013, als der deutsche Hauptindex Dax seine Rekordjagd begann und nur in diesem einen Monat um sechs Prozent zulegte. Letzten Endes ist es nicht das Datum, sondern die erwartete Wirtschaftslage, die über Auf und Ab an der Börse entscheidet. Quelle: Fotolia
"Timing ist alles"Jeder möchte Aktien gerne kaufen, wenn die Kurse auf dem Tiefpunkt sind, und verkaufen, wenn sie ihren Zenit erreichen. Das Problem: Wann Hoch- oder Tiefpunkt erreicht wurden, wissen Anleger erst im Nachhinein. Denn leider klingelt kein Wecker, wenn die Kauf- und Verkaufskurse optimal sind. Nicht einmal Profis gelingt das perfekte Timing ohne eine große Portion Glück - aber sie erkennen, wann eine Aktie günstig bewertet oder schon zu teuer ist und verfolgen meist eine langfristige Strategie. Wer aber versucht, immer in die Kurstäler und -spitzen zu handeln, generiert hohe Handelsgebühren, die viel von der Rendite aufzehren. Hier gilt eher der Börsenspruch: "Durch eine verpasste Gelegenheit ist noch niemand arm geworden." Gleiches gilt für Gewinnmitnahmen bevor der Kurs seinen Gipfel erklommen hat. Quelle: dpa
"Beim Denken ans Vermögen, leidet oft das Denkvermögen"Diesen Spruch gibt es auch in vereinfachter Form: Gier frisst Hirn. Zwar neigt die Psyche des Menschen dazu, sich die eigenen Fehler schönzureden und wer allzu gierig ist, schlägt leicht über die Stränge oder geht allzu vollmundigen Versprechen oder gar Betrügern auf den Leim. Aber im Grunde ist diese Erkenntnis nutzlos, denn schließlich kann sich kein Anleger seiner Psyche entziehen. Der einzige Rat der daraus folgt, sollte für Anleger an der Börse eigentlich eine banale Selbstverständlichkeit sein: Bewerten Sie die Fakten so objektiv wie möglich und verlassen Sie sich nicht einfach auf ihr Bauchgefühl. Das weiß aber jeder Anleger, der schon einmal zulange an einem Wertpapier festgehalten und dadurch schmerzliche Verluste gemacht hat. Quelle: dpa
"Buy on bad news, sell on good news"Grundsätzlich ist es ja richtig: Gibt es zu einer Aktie schlechte Nachrichten, fällt in der Regel der Kurs, und das Papier kann billig gekauft werden. Aber häufig sind bei Unternehmen in Schwierigkeiten ganze Serien schlechter Nachrichten zu beobachten, so dass die Kurse immer noch tiefer fallen. Woher sollen Anleger auch wissen, ob es nicht noch schlimmer kommt? Umgekehrt gilt das ebenso: Es gibt Unternehmen, die regelmäßig mit ihren Ergebnissen die Markterwartungen übertreffen. Wer gleich bei der ersten positiven Überraschung verkauft, verpasst womöglich das Beste. Beispiele dafür waren in der Vergangenheit etwa Werte wie Apple oder Google. Was die Zukunft aber bringt, kann kein Anleger wissen. Quelle: AP
Hermann Josef Abs und Josef Fischer Quelle: Picture-Alliance/dpa
"Ein Spekulant der auf fallende Kurse setzt, gräbt eine Grube, in die andere hineinfallen."Hintergrund ist, dass zum Beispiel Hedgefonds Aktien verkaufen können, die sie gar nicht besitzen. Geschieht das in großer Menge, fallen die Kurse und der Spekulant kann die Aktien günstiger kaufen, um seine Verkaufsposition auszugleichen - und erzielt so einen Spekulationsgewinn auf Kosten der anderen Aktionäre. Die Erkenntnis hilft einem Privatanleger jedoch wenig, denn mit seinen kleinen Handelspositionen ist er dem Auf und Ab durch derlei Kursmanipulationen zunächst ausgeliefert. Ist der Kurssturz jedoch nicht durch fundamentale Daten wie Umsatz, Gewinn oder Cash-Flow eines Unternehmens untermauert, dürfte sich eine so heruntergeprügelte Aktie in der Folge wieder erholen. Anleger können die Schwächephase also aussitzen. Quelle: dpa
"An der Börse kann man nur 100 Prozent verlieren, aber 1.000 Prozent gewinnen."Frank Lehmann, der ehemalige Börsenberichterstatter der ARD, verstand es, die Börse dem Publikum mit einfachen Worten und auf unterhaltsame Weise näher zu bringen. Mitunter waren seine Sätze jedoch allzu zugespitzt. Denn wer "nur" alles verloren verloren hat, dürfte die Nase von der Börse gestrichen voll haben. Die Verzehnfachung des Investments ist zwar möglich, aber auch eher eine Ausnahmeerscheinung. Was dem Satz aber unzweifelhaft innewohnt, ist vielmehr, das hohe Risiken auch mit großen Chancen einhergehen. Des Risikos sollten sich Anleger dabei aber immer bewusst sein - und an der Börse nur Geld investieren, auf dass sie schlimmstenfalls verzichten können. Quelle: dpa
"Börsensignale sind wie Musik, man benötigt eine Antenne um sie aufzufangen, um dann den Rhythmus zu erkennen."Mit musikalischem Verständnis kommt man an der Börse nicht weit, nicht einmal bei den Aktien von Konzertveranstaltern oder Tickethändlern. Der Ausspruch ist genauso gefährlich, wie das Festhalten an einem Trend oder das Vertrauen auf das Bauchgefühl. An Börsen wird auf die wirtschaftliche Zukunft von Unternehmen gewettet - und die einzigen Anker dafür sind die Börsenbewertung, die Geschäftszahlen, die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells und die mehr oder minder fundierten Erwartungen zur Zukunft. All das müssen Aktionäre berücksichtigen - sonst spielt die Musik ohne sie oder endet jäh. Quelle: dpa
"Man kann auch durch Zufall die richtigen Entscheidungen treffen."Der Satz ist zweifellos richtig. Da sich der Zufall jedoch nicht planen lässt, ist der Satz eher nutzlos. Sollte damit gemeint sein, dass sich Anleger bei ihren Anlageentscheidungen vom Zufall leiten lassen können, ist der Spruch sogar gefährlich. Es stimmt zwar, dass eine zufällige Auswahl von Wertpapieren in Versuchen mit Affen ähnlich erfolgreich war, wie die gezielte Auswahl durch gestandene Fondsmanager. Langfristig zahlt sich jedoch die gezielte Auswahl von Wertpapieren aus, weil Verluste möglichst vermieden werden. Schließlich investieren Anleger in Unternehmen, die Geld verdienen wollen. Ein Spiel am Roulettetisch kann hohe Gewinne bescheren - ein Investment ist es jedoch nicht. Und am Ende gewinnt immer das Casino. Quelle: dpa

Nach Informationen des Wall Street Journal haben Weschler und Combs sowohl Buffett als auch das zweite Jahr in folge den amerikanischen Aktienindex S&P 500 geschlagen. Der hat im vergangenen Jahr um 32 Prozent zugelegt (wenn die Dividendenzahlung mit eingerechnet werden) - die beiden Fondsmanager waren besser. Buffett bezeichnete seine Lehrlinge als "Lottogewinn". Bevor sie bei Berkshire Hathaway anfingen, hatten beide einen eigenen Hedgefonds, waren an der Wall Street aber nicht besonders bekannt.

Bill Smead ist Vermögensverwalter und selbst mit seiner Investmentgesellschaft an Berkshire beteiligt. Er erklärt sich den Erfolg von Combs und Weschler durch ihre Strategie. Bei der Aktienauswahl denken sie ähnlich wie Buffett. n-tv berichtet, dass Buffett häufig auf Unternehmen setzt, die wie eine Mautautobahn funktionieren. Smead erklärt, dass die Unternehmen oft Produkte oder Dienste anbieten, die die Verbraucher täglich benötigen. Der Anbieter sammle dann "Mautgebühren" ein. Für Smead ist DirevTV ein gutes Beispiel für die Strategie bei Berkshire.

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Momentan ist Buffett in Personalunion Vorstandschef, Chefanleger und Verwaltungsvorsitzender von Berkshire. Berkshire hat zudem rund 80 Tochtergesellschaften. Sobald Warren Buffett ausscheidet, sollen seine drei Rollen getrennt werden. Buffett selbst gibt aber an, derzeit keine Pläne für seinen Rückzug zu haben. Sollte es aber soweit sein, soll der Verwaltungsrat von Buffetts Sohn Howard übernommen werden. Die Wertpapiere sollen Combs und Weschler verwalten, für den neuen Vorstandsvorsitzen gibt es noch keinen angedachten Nachfolger.

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