WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

BGH stärkt Rechte von Banken Erfahrene Anleger haben bei riskanten Wetten Pech

Anleger mit viel Erfahrung dürfen sich bei riskanten Finanzwetten nicht auf den Schutz des Staates verlassen. Wer das Risiko eines Deals kennt und sich verzockt, hat schlicht Pech, entschied der Bundesgerichtshof.

Wer sich des Risikos einer Geldanlage bewusst ist, bekommt keinen Schadenersatz, wenn der Deal schief geht. Quelle: dpa

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Rechte von Banken gestärkt, die erfahrenen Anlegern riskante Finanzwetten vermitteln. Die Richter wiesen die Klage eines Geschäftsmannes ab, der 2008 Währungswetten abgeschlossen und erhebliche Verluste erlitten hatte. Die verklagte Bank habe den Anleger nicht falsch beraten, urteilte der BGH. Sie habe davon ausgehen können, dass dem Anleger aufgrund seiner Erfahrung das Risiko bewusst gewesen sei.

Fragen & Antworten zum Kleinanlegerschutz

Im konkreten Fall hatte ein Geschäftsmann die Sparkasse Nürnberg wegen angeblicher Falschberatung beim Abschluss eines Währungsswap-Vertrages mit der Landesbank Baden-Württemberg auf rund 180.000 Euro Schadenersatz verklagt. (Az. XI ZR 316/13) "Cross-Currency-Swaps" (CCS) sind "Wetten" mit der Bank auf die Wechselkursunterschiede von zwei vorher festgelegten Währungen. Der Geschäftsmann wettete auf einen Anstieg der türkischen Lira gegenüber dem Schweizer Franken. Während der Laufzeit von drei Jahren wertete die Türkische Lira jedoch gegenüber dem Franken ab und der Kläger verlor Geld. Das forderte der Geschäftsmann zurück - hatte damit nun aber auch in dritter Instanz keinen Erfolg.

Die größten Fehler der Anleger

Außerdem entschied der BGH, dass vermittelnde Banken weniger Aufklärungspflichten haben als die Kreditinstitute, die das Geschäft dann mit dem Kunden abschließen. Wenn eine Bank nur berate, habe sie keinen „schwerwiegenden Interessenskonflikt“, hieß es. Für das Kreditinstitut ist eine derartige Wette nur profitabel, wenn sie zum Nachteil des Kunden ausgeht. In dem Fall war die Sparkasse nur beratend tätig - die Finanzwette auf Wechselkursunterschiede von Türkischer Lira und Schweizer Franken schloss der Geschäftsmann dann vereinbarungsgemäß mit einer Landesbank.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Der BGH betonte, dass der "anfängliche negative Marktwert" des Swap-Vertrages nicht den voraussichtlichen Erfolg und Misserfolg des Geschäftes widerspiegele, sondern die Höhe des Verlusts für den Kunden, falls er den Vertrag sofort nach Abschluss auflösen würde. Das Verlustrisiko sei damit vergleichbar mit anderen Finanzprodukten - außerbörsliche Derivatgeschäfte weisen häufig einen negativen Marktwert auf. Die Empfehlung eines Swap-Vertrages könne daher trotz des anfänglich negativen Marktwerts "objektgerecht" sein, sofern die Gewinnchancen nicht nachhaltig durch übermäßige Kostenbestandteile beeinträchtigt würden.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%