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Bill Ackman So tickt der Störenfried der Wall Street

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Im Dienste der Gesellschaft

Schlecht gemanagte Unternehmen leistungsfähiger machen, kriminelle Unternehmen ausschalten – Ackman versteht das nicht nur als gewinnbringende Tätigkeit für seine Kunden, sondern auch als Dienst an der Gesellschaft. Sein Hedgefonds ersetze, so Ackmans Lesart, den früher üblichen Firmenpatriarchen, der in seiner Machtfülle Fehlentwicklungen schnell korrigieren konnte.

In öffentlich gehandelten Aktienunternehmen dagegen gebe es eine „Demokratisierung“, die nötige Entscheidungen verlangsame oder verhindere. Pershing Square Capital erwerbe immer nur Minderheitsanteile von 10 oder 15 Prozent an den Firmen: „Wir sind immer darauf angewiesen, dass wir andere von unseren Vorstellungen überzeugen.“ Aber was passiert, wenn mehrere Hedgefonds bei einem Unternehmen einsteigen und sich heimlich absprechen? Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat den Verdacht, dass genau das bei aktivistischen Hedgefonds passiert. Seit die SEC aufgrund verschärfter Regulierung mehr Daten der Hedgefonds über ihre Investitionen bekommt, ist sie solchen Verbindungen auf der Spur und hat angeblich mehrere Untersuchungen gestartet. Ob Pershing Square Capital unter den Verdächtigen ist, ist nicht bekannt.

Das verdienen die Hedgefonds-Stars
David TepperDavid Tepper gilt in der Hedgefonds-Branche nicht gerade als bescheiden. Bei einer Preisverleihung sagte der 56-Jährige einmal, er wolle als der beste Manager seiner Generation anerkannt werden. Im Ranking der reichsten institutionellen Investoren des Alpha-Magazins belegt Tepper bereits zum zweiten Mal in Folge die Top-Position. Im vergangenen Jahr verzeichneten die zwei wichtigsten Fonds seiner Investment-Gesellschaft, Appaloosa I und Palomino, geschätzte Gewinne von 42 Prozent. Seine Karriere startete Tepper mit Kauf und Verkauf von Junkbonds. In den vergangenen zwei Jahren wurde er vor allem mit Aktienwetten bekannt, die er auf Unternehmen und Branchen abschloss, die scheinbar aus der Mode gekommen waren, etwa Delta Airlines und United Continental Holdings. Gesellschaft: Appaloosa Management Verdienst 2013: 3,5 Milliarden Dollar Quelle: Forbes Quelle: Screenshot
Steven CohenFür Steven Cohen war 2013 juristisch gesehen kein gutes Jahr. Die US-Aufsichtsbehörden verurteilten seine Hedgefonds-Firma SAC Capital wegen Insiderhandels zu einer Geldstrafe von 1,8 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro). Das ist die höchste Strafe, die in den USA jemals verhängt wurde. Die US-Behörden hatten im Juli Anklage gegen den Fonds des Milliardär Cohen erhoben. Sie waren überzeugt, dass SAC bei Spekulationen verbotenerweise Tipps von Informanten aus Unternehmen genutzt hatte, mehr als ein Jahrzehnt lang. Für den rund 15 Milliarden schweren Fonds könnte die Klage das Aus bedeuten. Finanziell geht es Cohen aber wohl nach wie vor blendend. Mit 2,4 Milliarden Dollar Gewinn gehört er nach wie vor zu den Top-Verdienern der Wall Street. Gesellschaft: SAC Capital Advisors Verdienst 2013: 2,4 Milliarden Dollar Quelle: REUTERS
John PaulsonJohn Paulson machte sich 2007 einen Namen, als er 3,7 Milliarden Dollar durch Wetten gegen den Subprime-Hypothekenmarkt verdiente. Doch in den Folgejahren ging es für den Manager steil nach unten. 2011 etwa büßten die von Paulson verwalteten Vermögenswerte rund die Hälfte ein. 2013 feierte der Manager sein Comeback mit Aktien, offenbar erfolgreich. Inzwischen fährt er seine Gewinne durch Investments in den Telekommunikationssektor und die Gesundheitsbranche. Gesellschaft: Paulson & Co. Verdienst 2013: 2,3 Milliarden Dollar Quelle: dpa
James SimonsJames Simons ist beim Reichenranking ein alter Hase. Der Manager hat es in den vergangenen 13 Jahren jedes Mal auf die Alpha-Liste geschafft und das, obwohl er lange keinen Hedgefonds mehr verwaltet. Der 75-Jährige ist eigentlich Mathematikprofessor. Die Vorliebe für Zahlen spiegelt sich auch in der Mitarbeiterpolitik von Renaissance Technologies wieder: Simons stellt besonders gerne Physiker, Statistiker und Astronomen ein. Gesellschaft: Renaissance Technologies Verdienst 2013: 2,2 Milliarden Dollar Quelle: AP
Kenneth GriffinDer 45-jährige Griffin stand im vergangenen Jahr auf der Gewinnerseite, wenn auch nicht so stark wie in den Jahren davor. Obwohl seine Hedgefonds-Firma Citadel nur einer mäßige Performance am US-Aktienmarkt aufweisen konnte, brachten die wichtigsten Fonds mit 19,25 Prozent ordentlich Rendite. 2012 waren es noch 25 Prozent. Von sich reden machte der Manager durch seine 150 Millionen Dollar schwere Spende an die Uni Harvard. Das Geld soll finanziell schwachen Studenten zugute kommen. Gesellschaft: Citadel Verdienst 2013: 950 Millionen Dollar Quelle: REUTERS
Israel (Izzy) Englander Mehr als 21 Milliarden Dollar verwaltet die von Israel Englander 1990 gegründete Hedgefonds-Gesellschaft Millennium Management. Gewinn 2013: 13,07 Prozent laut Forbes. Das Besondere am Management Stil Israels: Er teilt die Kosten und Gewinne mit seinen Investoren, anstatt eine fixe Verwaltungsgebühr zu verlangen. Das bedeutet auch, dass der Manager nur dann bezahlt wird, wenn er Gewinne einfährt. Gesellschaft: Millennium Management Verdienst 2013: 850 Millionen Dollar Quelle: mpl.com Quelle: Screenshot
Leon CoopermanDie Fonds von Leon Coopermans Omega Advisors verzeichneten 2013 ein besonders starkes Jahr. Die Gewinne der Hedgefonds-Gesellschaft betrugen 30 Prozent und stiegen damit im Vergleich zu 2012 (25 Prozent). Gesellschaft: Omega Investors Verdienst 2013: 825 Millionen Dollar Quelle: Forbes Quelle: Screenshot

Einziges Vorbild Buffett

Die Liste der Hedgefondskollegen, die Ackman nicht mag, ist lang. In der Kategorie Vorbilder dagegen findet sich nur einer: Warren Buffett. Der Chef der Investmentfirma Berkshire Hathaway, der mit größtenteils langfristig angelegten Investitionen in Unternehmen der drittreichste Mensch der Erde wurde – sein Vermögen beläuft sich auf geschätzte 72 Milliarden Dollar –, sei „unvergleichlich“ in der Investorenszene, sagt Ackman, auch weil er für die Unternehmen, an denen er beteiligt ist oder war so viel Gutes bewirkt habe. Auf Buffett geht auch die Initiative Giving Pledge zurück, deren 137 Mitglieder das Versprechen abgelegt haben, mindestens die Hälfte ihres Milliardenvermögens zu spenden. Ackman ist einer dieser Spender.

In Arbeit
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Mit Buffett hat Ackman die Investorenikone schlechthin zu seinem Maßstab erklärt. Um dem „Orakel von Omaha“ das Wasser reichen zu können, fehlt ihm allerdings noch eine Gesellschaft wie Buffetts Berkshire Hathaway, mit der er nicht nur vorübergehend investiert, sondern unter deren Dach er ein ganzes Konsortium von Firmen versammeln kann. Doch Ackman, den sie an der Wall Street schon Baby-Buffett nennen, arbeitet daran. „Pershing Square 2.0“ hat er die Neuausrichtung seiner Firma genannt: Noch langfristigere Investments, noch konstruktivere Mitarbeit bei den Firmen mit Beteiligungen, eher ein Image als Unternehmer denn als Investor. Dafür braucht er deutlich mehr Mitarbeiter als bisher. Den nötigen Platz hat er gerade mit dem Kauf des neuen Firmensitzes 787 11th Avenue in New York für angebliche 250 Millionen Dollar von Ford geschaffen.

Wenn Ackman eine Erfolgsbilanz wie Buffett haben will, muss er bis zum 87. Lebensjahr als Investor arbeiten. Das scheint sein Plan zu sein. Doch der Mann, der nicht müde wird, den Beitrag seiner Arbeit für die Gesellschaft zu betonen, und der seine wohltätige Stiftung schon mit über 350 Millionen Dollar versorgt hat, wäre auch einem Politiker-Dasein nicht völlig abgeneigt. Aber auch da denkt er in Superlativen: „Ich will nicht für jemand arbeiten, ich will der Vorstandschef sein, etwas bewegen können.“ Also Präsident? „Nein, nicht Präsident. Vorstandschef von Amerika. Der Präsident kann dann Hände schütteln und auf Beerdigungen gehen.“

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