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Bill Ackman So tickt der Störenfried der Wall Street

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Ohne Furcht vor dem Absturz

„Mein Leben verlief erst so“, sagt Ackman, und seine rechte Hand zeichnet eine steile Kurve nach oben. „Nach dem Studium war alles super, dann aber“ – die Hand schnellt nach unten –„musste ich meinen ersten Hedgefonds nach zehn Jahren abwickeln. Jetzt bin ich wieder oben. Stellt sich die Frage, ob es gut weiterläuft oder ob es erneut in den Keller geht?“ Sonderlich groß scheint seine Furcht vor dem Absturz nicht zu sein. Ackman ist notorischer Optimist („Ich wüsste nicht, dass Pessimisten in der Geschichte der Menschheit bislang sonderlich viel zustande gebracht hätten“) und risikoaffin. Hedgefondsmanager Robert Chapman, einer von vielen Feinden Ackmans in der Investorenszene, drückt sich weniger höflich aus: „Ackman hat einen Superman-Komplex. Er würde von einem Haus springen und danach die unvorhersehbare und unfaire Schwerkraft anprangern.“

Wo der erfolgreichste Hedgefondsmanager der Welt investiert ist

Bei Ackman vermengt sich die Risikobereitschaft mit einem schon von den Eltern vermittelten unerschütterlichen Selbstbewusstsein und unbedingtem Siegeswillen. Sein verbissener Kampf um Platz eins macht vor nichts halt. Nicht vor den sonntäglichen Tennispartien mit Tochter Eloise und nicht vor einer Radtour mit Kollegen, die in Hedgefondszirkeln zu den beliebtesten Ackman-Anekdoten gehört: Im Sommer 2012 traf sich der Investor mit Freunden zu einem Ausflug auf Long Island. Aus der lockeren Fahrradtour wurde ein Radrennen gegen Dan Loeb, in das sich Ackman derart hineinsteigerte, dass er erst allen davonfuhr, dann jedoch noch vor dem Ziel kollabierte und vor Schmerzen schreiend nach Hause gerollt werden musste.

Zerrüttete Verhältnisse zu den Kollegen

Loeb und Ackman, früher einmal Freunde, sind einander heute als Menschen und als Herbalife-Antipoden in herzlicher Abneigung verbunden. Und das ist nicht das einzige zerrüttete Verhältnis zu Kollegen. Die Ablehnung in New Yorker Investorenkreisen sei so groß, dass viele nur deshalb zu Herbalife-Unterstützern wurden, um Ackman zu schaden – so eine weitverbreitete Sicht an der Wall Street. Es ist wohl auch Ackmans kühle Souveränität, die sein Umfeld nervt. „Er ist verdammt intelligent, und das lässt er alle spüren“, sagt ein Fondsmanager. In einer Live-Sendung im US-Fernsehen arbeitete sich Carl Icahn, der als aggressiver Hedgefondsmanager ein ganz ähnliches Geschäftsmodell wie Ackman verfolgt, erfolglos an Ackman ab und geriet darüber so in Rage, dass er sich zu primitivsten Hasstiraden hinreißen ließ. Ackman wurde nicht ein einziges Mal ausfällig.

Herbalife Quelle: REUTERS

Es ist aber auch Ackmans Erfolg, der an der Wall Street Neid provoziert. Denn der Wettbewerb unter den „Heuschrecken“ ist in den vergangenen Jahren härter geworden. Die Fonds werden von Anlegern mit so viel Geld geflutet, dass es ihnen zunehmend schwerfällt, renditestarke Anlagemöglichkeiten zu finden. Wenn die Mehrzahl der Fonds nur noch Renditen erwirtschaftet, die unterhalb der Entwicklung des Aktienindex S&P 500 liegen, wird Ackman mit seinen zweistelligen Renditen zum Ärgernis.

Ackman erzwingt Veränderungen

Dass Ackman in der amerikanischen Unternehmenslandschaft wenige Fans hat, liegt in der Natur der Sache: Er sagt dem Top-Management von Firmen, was seiner Ansicht nach falsch läuft, erzwingt Änderungen. Das Management der Fast-Food-Kette Wendy’s musste seine Besserwisserei ertragen, ebenso die Chefs der Handelsketten Target und J.C. Penney oder der kanadischen Eisenbahngesellschaft Canadian Pacific Railway. Meist ging es den Firmen nach seinen Interventionen besser als vorher, doch willkommen waren seine Störmanöver trotzdem nicht.

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