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Bill Gross, Felix Zulauf, Marc Faber "Wir befinden uns auf der Titanic"

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US-Treasuries nicht so unsicher wie gedacht

Bill, was unternimmt die Fed?

Gross: Die Fed wird den Leitzins im September oder Dezember anheben. Sie will beweisen, dass sie wie ein kranker Patient aus dem Bett kriechen und aufstehen kann. Nullzinsen sind schön für Kreditnehmer, aber sie haben negative Auswirkungen für Pensionsfonds, Versicherungen und andere große Anleiheinvestoren. Die Rendite für zehnjährige US-Treasuries hängt davon ab, auf welchem Niveau Fed-Chefin Janet Yellen die „neutrale“ Federal Funds Rate sieht, also ein Zinsniveau, das weder Inflation anfacht noch das Wachstum bremst. Das sind derzeit rund zwei Prozent. Eine Rendite von 2,37 Prozent für zehnjährige US-Staatsanleihen erscheint adäquat, aber die Renditen europäischer Papiere könnten noch wesentlich über das aktuelle Niveau steigen. Die Aussichten für Euro-Staatsanleihen und britische sind ungünstiger als für US-Treasuries – womit ich diese aber keineswegs empfehle.

Investmentideen von Felix Zulauf

Gibt es Anleihemärkte, die Sie mögen?

Gross: Mexiko ist mein Favorit. Die Inflationsrate beträgt drei Prozent, die Renditen liegen zwei bis drei Prozentpunkte über den amerikanischen. Mexiko hat derzeit ein einfaches A-Rating, ist aber nur halb so hoch verschuldet wie die USA. Ich mag die zehnjährige inflationsgeschützte Anleihe. Sie bringt drei Prozent Realrendite, verglichen mit 0,5 Prozent für das vergleichbare US-Papier. Allerdings muss das Währungsrisiko berücksichtigt werden. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen würde ich leer verkaufen. Die Rendite könnte auf zwei Prozent steigen. Ein Leerverkauf würde zehn Prozent Gewinn einspielen.

Sie haben getwittert, die Börse Shenzhen sei ein guter Leerverkaufskandidat.

Gross: Der Shenzhen-Index ist seit Jahresanfang um 120 Prozent gestiegen. Die lockere Geldpolitik treibt die Aktienkurse nach oben. Tausende chinesische Kleinsparer eröffnen Konten, sie lassen sich auf eine Art Schneeballsystem ein, wie an der Nasdaq 1999. Bei Finanzanlagen bildet sich gerade eine Blase, obwohl das Wachstum nachlässt. An einem gewissen Punkt wird China seine Währung gegenüber dem Dollar abwerten. Das, gepaart mit einer Konjunkturverlangsamung, bedeutet Stress für eine überbewertete Börse. Ein Ausverkauf bei chinesischen Aktien könnte eine globale Krise lostreten.

Investmentideen von Marc Faber

Marc, rechnen Sie auch mit einer Korrektur?

Faber: Chinesische Aktien haben sich zwischen 2007 und 2014 relativ schwach entwickelt. Im Sommer 2014 erkannten internationale Vermögensmanager, wie billig chinesische Papiere waren, und stiegen ein. Chinesische Investoren realisierten, dass Immobilien überbewertet waren und Cash keine Erträge brachte, also kauften sie ebenfalls Aktien. Ich vergleiche die Situation mit jener am US-Aktienmarkt 1982. Der hob damals, ebenfalls getragen von hohen Handelsumsätzen, ab. Nach ein paar Jahren gab es eine Korrektur. Anschließend gewann der Bullenmarkt wieder an Fahrt. China könnte um 30 bis 40 Prozent korrigieren, aber danach wird es wieder hoch gehen.

Was erwarten Sie für die US-Börse?

Faber: Das Potenzial ist beschränkt. Es gibt wenige Aktien, die den Index treiben. Theoretisch kann der Markt steigen, wenn nur die Apple-Aktie steigt. Gesund ist das nicht.

Wie tief fallen die Kurse?

Zulauf: Ich erwarte für die großen Börsen eine Korrektur um 10 bis 20 Prozent. Hochkapitalisierte Wachstumsaktien korrelieren stark mit den Anleihekursen. Kommen diese unter Druck, brechen auch Standardwerte ein. Der Dax hat vom Hoch etwa 10 Prozent eingebüßt, er könnte 20 Prozent fallen. Aber das ist nicht der Anfang eines Bärenmarkts. Vom vierten Quartal an dürften die Kurse wieder nach oben gehen. Die seit 2009 laufende Hausse hält womöglich noch etwa anderthalb Jahre an.

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