Billiges Öl Kaum Preissenkungen beim Erdgas

Der Ölpreis ist deutlich gefallen und könnte seine Talfahrt noch fortsetzen. Beim Gas passiert dagegen nur wenig. Für Verbraucher ist das trotzdem eine gute Nachricht.

Diese Produkte müssten billiger sein
Öl ist momentan so billig wie lange nicht. Zwar hat sich der Preis zuletzt etwas stabilisiert, im vergangenen Jahr im Juni war Öl aber noch rund 40 Prozent teurer. Quelle: dpa
An der Tankstelle hat sich der Preissturzes beim Öl bereits ausgewirkt, Diesel und Benzin sind deutlich günstiger geworden. Allerdings nicht so stark wie es möglich gewesen wäre... Quelle: dpa
Die Verbraucherzentrale hat eine Studie in Auftrag gegeben, um zu untersuchen, wie stark Verbraucher von den niedrigeren Ölpreise profitiert haben. Ergebnis: Bei vielen Produkte war der Effekt gering. „Allein an der Tankstelle und beim Heizen hätte ein durchschnittlicher Haushalt etwa 15 Euro im Monat sparen können, wenn die gesunkenen Rohstoffpreise vollständig weitergegeben worden wären“, sagt Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband. Und auch bei anderen Produkten kam vom Ölpreissturz nur wenig bei Verbrauchern an. Quelle: dpa
Der Preis für einen Liter Bier hätte zum Beispiel zwischen Januar 2014 und Januar 2015 um 14 Cent sinken können, hat das Hamburger Forschungsbüro Energy Comment, das die Studie für die Verbraucherzentrale erstellt hat, berechnet. In Wirklichkeit stieg der Preis für Bier in diesem Zeitraum sogar. Quelle: dpa
Uncle Ben’s Express Nasi Goreng (Mars) Quelle: AP
Bei Laptops, die meistens in Asien gefertigt werden, sollten sich eigentlich auch die niedrigeren Transportkosten bemerkbar machen: Um 1,68 Euro hätte der durchschnittliche Preis für einen Laptop laut Verbraucherzentrale sinken sollen. Quelle: dpa
Eine 1,5 Kilogramm-Packung Teelichter hätte 29 Cent billiger sein können. Auf den ersten Blick sind das zwar nur kleine Beträge, auf ein Jahr gesehen können sie aber trotzdem einen Unterschied machen. „2014 sind dadurch ungerechtfertigte Mehrkosten von rund 100 Euro pro Haushalt entstanden“, sagt etwa Nicole Maisch, verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen. Quelle: dpa

Jahrelang kletterte die jährliche Gasrechnung im Gleichschnitt mit dem Ölpreis aufgrund der sogenannten Ölpreisbindung. Gaskunden fühlten sich lange ausgenutzt, es hagelte tausende Klagen von Erdgaskunden und Verbraucherschützern gegen die Energiekonzerne. Schließlich verbot der Bundesgerichtshof 2010 entsprechende Klauseln in den Lieferverträgen für Endkunden, die Preisanpassungen allein aufgrund der Entwicklung des Ölpreises vorsahen, Verwaltungskosten und andere Preistreiber aber unberücksichtigt ließen. Seitdem hat sich die Entwicklung der Gaspreise immer mehr vom Ölpreis abgekoppelt. Ein großer Erfolg für Verbraucher.

Jetzt aber bekommen Gasbezieher aber die Nachteile der neuen Preispolitik zu spüren. Erst vor knapp zwölf Monaten fiel der Preis für Nordsee-Öl der Sorte Brent erstmals nach etlichen Monaten unter die Marke von 100 Dollar für ein Barrel (159 Liter). Es war der Beginn einer steilen Talfahrt. In diesem Sommer kostet Rohöl weniger als 50 Dollar je Barrel. Auch viele andere industrielle Rohstoffe verloren an Wert, etwa Kupfer oder Eisenerz. Ebenso wie Öl sind sie so billig wie seit mehreren Jahren nicht mehr, gemessen am HWWI-Rohstoffpreisindex.

Auch Erdgas wurde günstiger. Im vergangenen Jahr mussten die deutschen Importeure im Durchschnitt noch 6538 Euro für ein Terajoule (TJ) Erdgas bezahlen, im Mai dieses Jahres nur noch 5686 Euro, nach den Zahlen des Bundesamtes für Wirtschaft. Das ist immerhin ein Rückgang um gut 13 Prozent. Zum Vergleich: Rohöl verbilligte sich, ebenfalls gerechnet in Euro, innerhalb eines Jahres um rund 40 Prozent.

Der Rückgang der Gaspreise auf dem Weltmarkt kam aber nicht beim Verbraucher an. Gegenwärtig sind viele Gaskunden frustriert, weil sie wenig spüren von den sinkenden Energiepreisen. Während Heizöl bei einem aktuellen Preis von rund 56 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern, inkl. MwSt) um rund 29 Prozent günstiger ist als vor einem Jahr, beträgt der Rückgang beim Erdgas gerade einmal zwei Prozent. Der Verivox-Verbraucherpreisindex steht aktuell bei 6,37 Cent je Kilowattstunde und hat sich damit nur hinter dem Komma geringfügig verändert. Durchgreifende Besserung ist nicht in Sicht. Von August bis September haben 23 Versorgungsunternehmen angekündigt, dass sie ihre Preise senken wollen - von 710 Versorgern, die Verivox beobachtet. Das Ausmaß der vorgesehenen Preissenkungen liegt nur bei knapp fünf Prozent.

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