1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Geldanlage
  4. Bitcoin, Ether & Co.: Kryptocrash wegen Angst vor höheren Zinsen und Kollaps des Celsius-Coins CEL

Bitcoin, Ether und Co.Angst vor höheren Zinsen und einem neuen Kollaps belasten Kryptomarkt

Erneut geben die Kurse von Kryptowährungen massiv nach. Anleger haben die Zinswende im Blick und starten einen Ausverkauf. Zudem bahnt sich nach dem Terra-Crash ein weiter Kryptokollaps an.Philipp Frohn 13.06.2022 - 11:34 Uhr

Die Zinswende belastet die Kure von Bitcoin und Co.

Foto: REUTERS

Wer hoffte, das Schlimmste an den Kryptomärkten wäre überstanden, sieht sich eines Besseren belehrt: Am Wochenende gaben die Kurse der Digitalwährungen erneut nach. Der Bitcoin, die älteste und bekannteste Kryptowährung, notierte zuletzt knapp über 25.000 Dollar und damit auf dem niedrigsten Stand seit Dezember 2020. Binnen einer Woche verlor der Coin damit ein Fünftel an Wert. Noch schlimmer sieht es bei Ether aus, der zweitgrößten Kryptowährung. Sie büßte 30 Prozent ein und notierte zuletzt bei 1290 Dollar.

Nach dem Coronacrash vor über zwei Jahren hatten Kryptowährungen so stark zugelegt wie keine andere Anlageklasse. Doch seit Monaten schon stehen sie zunehmend unter Druck. Seit November vergangenen Jahres wurde mehr als die Hälfte des Börsenwerts des gesamten Kryptomarkts verbrannt.

Und alles deutet darauf hin, dass Bitcoin und Co. weiter im Bärenmarkt verharren dürften. Dafür gibt es mehrere Gründe.

1. Zinssorgen belasten Kryptokurse

Die Zinswende schwebt wie ein Damoklesschwert über den Kryptowährungen. Zinserhöhungen entziehen dem Markt Liquidität. Für spekulative Assets wie den Bitcoin sind sie schädlich. Höhere Zinsen machen Kryptowährungen gegenüber sichereren Anlageklassen unattraktiver. Die Renditen neu ausgegebener Anleihen beispielsweise steigen. Das setzt den Bitcoin unter Druck, weil er keine laufenden Erträge wie Zinsen oder Dividenden abwirft.

Die Veröffentlichung der jüngsten US-Inflationsdaten legt nahe, dass die Notenbank Federal Reserve weiter an der Zinsschraube drehen dürfte. Im Mai lag die Teuerungsrate dort bei 8,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat – dem höchsten Stand seit 40 Jahren. Die Fed steht unter Zugzwang, die steigende Inflation zu bändigen. Das würde das Umfeld für Aktien- und Kryptoinvestments weiter eintrüben.

„Einige Investoren stehen derzeit zwischen der Entscheidung ihre Verluste auszusitzen oder die noch bestehenden Buchgewinne zu versilbern“, sagt Timo Emden vom gleichnamigen Analysehaus Emden Research. Mitte Mai kam eine Studie des US-Analyseunternehmens Glassnode zu dem Ergebnis, dass 40 Prozent der Anleger mit ihren Kryptoinvestments im Minus stehen.

2. Extreme Angst unter Anlegern

Am Kryptomarkt herrscht große Unsicherheit. „Anleger sollten sich vor diesem Hintergrund auf weitere Abwärtsrisiken einstellen“, sagt Emden. Ein Indikator dafür ist der Fear-and-Greed-Index (zu Deutsch: Angst und Gier). Die Daten des Sentiments zeigen gerade, dass unter Anlegern „extreme Angst“ herrscht.

Podcast – BörsenWoche

Aktien, Gold, Bitcoin: Wie sichere ich mein Depot gegen hohe Inflation?

von Philipp Frohn und Georg Buschmann

Grundlage für die Bewertung der Marktlage sind Daten zu Volumen und Volatilität. Aktuell liegt der Index bei 11 von 100. Ein Wert von null würde auf allergrößte Angst hindeuten, 100 auf völlige Gier und Sorglosigkeit. Tendenziell gilt zwar: Je niedriger der Wert, desto unwahrscheinlicher ist ein weiterer Kursrückgang, weil verkaufswillige Anleger ihre Positionen bereits abgestoßen haben. Allerdings gibt es aktuell vor dem Hintergrund weiterer Zinserhöhungen wenig Phantasien für nennenswerte Kursanstiege.

3. Erst Terra, jetzt Celsius? Kryptomarkt leidet unter Vertrauensverlust

Es ist erst wenige Wochen her, dass der Terra-Crash den gesamten Kryptomarkt ins Wanken brachte. Der Stablecoin TerrasUSD hatte seine Bindung an den US-Dollar verloren. Stablecoins sollen eigentlich eins zu eins an den Wert eines anderen Vermögenswerts gekoppelt sein. Der Terra-Crash kratzte am Vertrauen des kompletten Kryptomarktes.

Jetzt gibt es wieder ein Problem mit einem einzelnen Kryptounternehmen, das aber auf das Ökosystem digitaler Währungen zurückschlägt: Der Kryptokreditplatz Celsius Network hat bekanntgegeben, dass „alle alle Abhebungen, Swaps und Überweisungen“ zwischen Konten pausiert werden. Grund dafür seien die aktuellen Marktverwerfungen.

Krypto-ABC: Die wichtigsten Begriffe verständlich erklärt
Der Fokus am Kryptomarkt liegt klar auf dem Bitcoin. Unter Altcoins versteht man Kryptowährungen, die nach der ältesten Digitalwährung erfunden wurden und eine Alternative zum Bitcoin darstellen. Beispiele dafür sind Ethereum, Cardano oder Solana.
Der Bitcoin ist nicht nur die dem Volumen nach größte, sondern auch die älteste Kryptowährung der Welt. Schon im Oktober 2008 skizzierte Satoshi Nakamoto, das Pseudonym des Bitcoin-Erfinders, in einem Whitepaper mit dem Titel „A Peer-to-Peer Electronic Cash System“, wie so eine virtuelle Währung aussehen könnte. Kurz darauf, im Januar 2009, wurden die ersten Bitcoin geschürft. Weil Nakamoto unter einem Pseudonym agierte, ist bis heute unklar, wer genau den Bitcoin ins Leben gerufen hat.
Transaktionen von Kryptowährungen werden auf der Blockchain dokumentiert. Die Blockchain ist eine öffentliche, dezentrale Datenbank. Die Informationen werden nicht auf einem einzelnen Server, sondern auf vielen tausenden Rechnern gespeichert. „Chain“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „Kette“.Jede Transaktion wird in einem Block gespeichert und an eine Kette der bereits vorhandenen Datensätze angehängt. Deshalb wird die Blockchain auch digitales Kassenbuch genannt. Die gespeicherten Daten können im Nachgang nicht mehr oder nur mit Zustimmung des Netzwerkes geändert werden. So soll ein fälschungssicheres Protokoll entstehen.
Ether ist hinter dem Bitcoin die zweitgrößte Kryptowährung und basiert auf der Ethereum-Blockchain. Im Vergleich zur Bitcoin-Blockchain gilt diese als moderner und leistungsfähiger und soll in Kürze auf das energiesparendere Proof-of-Stake-Verfahren umgestellt werden. Auch Smart Contracts können über Ethereum gehandelt werden. Beliebt ist die Kryptowährung auch, weil NFTs (non fungible Token) oft auf Ethereum basieren und deshalb mit Ether bezahlt werden.
Mining ist das Erzeugen (Schürfen) neuer Coins. Bei diesem Prozess stellen Miner im Fall des Bitcoin die Rechenleistung ihrer Computer zur Verfügung, um komplexe mathematische Aufgaben zu lösen. So werden Transaktionen verifiziert und auf der Blockchain gespeichert. Die Miner werden fürs Bereitstellen der Rechenleistung mit neu generierten Bitcoin belohnt.Bei einigen anderen Kryptowährungen basiert das Mining dagegen nicht auf Rechenleistung, sondern auf den Anteilen der Netzwerk-Teilnehmer an der jeweiligen Kryptowährung (siehe Proof of Stake). In diesem Fall wird das Mining deshalb auch oft als Staking bezeichnet. Auch dafür bekommen Teilnehmer eine Prämie, also quasi eine Art Verzinsung für ihren Anteil.
Minten bezeichnet das Erstellen eines NFTs (non fungible Token). Mit dem „Prägen“ des Bildes ist in diesem Fall das Hochladen in die Blockchain gemeint.
Die Abkürzung NFT steht für non-fungible Token, also nicht austauschbare Wertmarken. NFTs sind virtuelle Güter, die über die Blockchain gehandelt werden. Oft sind es etwa digitale Bilder oder Sammelkarten. Jeder NFT ist einzigartig. Wer einen kauft, wird in der Blockchain als Eigentümer registriert und kann so beispielsweise ein Echtheitszertifikat für ein virtuelles Bild oder ein digitales Kunstwerk vorweisen.
Mit dem Proof-of-Work-Verfahren werden neue Münzen einiger Kryptowährungen wie dem Bitcoin geschaffen. Dafür stellen die Miner die Rechenleistung des Systems zur Verfügung, um komplexe Aufgaben zu lösen. Wer es zuerst schafft, die Aufgabe zu lösen, darf den Block an die Blockchain anhängen und erhält eine Belohnung in Form digitaler Münzen. Der Proof-of-Work-Ansatz gilt als besonders energieintensiv.
Einige Blockchains basieren auf dem Proof of Stake-Verfahren. Anders als bei Proof of Work werden dabei fürs Mining keine umfangreiche Hardware und große Mengen an Rechenleistung benötigt. Proof of Stake gilt daher als wesentlich energieschonender.Statt dessen dürfen diejenigen Transaktionen und neue Coins freigeben, die einen besonders hohen Anteil an einer Kryptowährung halten. Sie werden dann Validatoren genannt. Der Prozess beruht auf einem Konsensmechanismus. Je höher der Preis, desto höher die Anzahl der Coins, um am Prozess teilzunehmen.
Smart Contracts sind virtuelle Verträge, die über die Blockchain getauscht werden. Diese treten unter bestimmten zuvor festgelegten Bedingungen selbstständig in Kraft. Insbesondere Banken und andere Finanzinstitute sehen in Smart Contracts einen großen Nutzen. Sie könnten zum Beispiel beim Börsenhandel Intermediäre – also zwischengeschaltete Stellen wie Wertpapierbroker– überflüssig machen.
Die Wallet ist eine Art digitale Geldbörse für Kryptowährungen. Sie ermöglicht es Nutzern, Kryptoguthaben zu kaufen und zu verschicken. Es gibt mehrere Arten von Wallets. Die Hardware-Wallet ist quasi ein USB-Stick, auf dem das Kryptovermögen und die Zugänge eines Nutzers gespeichert sind. Eine Paper-Wallet wird auf Papier ausgedruckt.Dafür wird ein QR-Code generiert, den man einscannen muss, um Transaktionen zu tätigen. Eine Software-Wallet kommt ohne externe Geräte oder Papierausdrucke aus. Hier werden die Daten in einem Computerprogramm gespeichert. Nutzer dürfen ihre Zugangsdaten nicht vergessen: Sonst bliebe ihnen der Zugriff auf ihr Kryptovermögen verwehrt.
Dieses Krypto-ABC entstammt dem großen Krypto-1x1 der WirtschaftsWoche: Das vollständige Dossier finden Sie hier zum Download

Auf der DeFi-Plattform (das Kürzel DeFi steht für "Decentralized Finance", also ein alternatives Finanzsystem ohne zwischengeschaltete Institutionen wie Banken) können sich Anleger am Staking beteiligen. Staking funktioniert im Prinzip wie ein Tagesgeldkonto: Anleger können bei Celsius Network 35 Kryptowährungen (unter anderem Bitcoin, Ether und Litecoin) einzahlen, die dann verwahrt werden. Im Gegenzug erhalten sie eine Verzinsung, die Staking Rewards.

Das Unternehmen wirbt mit jährlichen Renditen von bis zu 17 Prozent. Lassen Anleger ihre Zinsen über den Token der Celsius Plattform (CEL) auszahlen, erhöht sich die Auszahlung um 30 Prozent. Eigenangaben zufolge verwaltet Celsius Networks Vermögenswerte in Höhe von 11,8 Milliarden Dollar. Per 17. Mai hatte es demzufolge Kredite im Wert von 8,2 Milliarden Dollar abgewickelt.

Die Nachricht, dass Celsius Networks Auszahlungen stoppt, ließ den Wert des CEL-Tokens abrauschen. Binnen eines Tages verlor der Token mehr als die Hälfte seines Werts. Auch andere Digitalwährungen bekommen die Auswirkungen zu spüren. „Die Gefahr ist hoch, dass ähnliche Projekte sich von den Unsicherheiten rund um CEL anstecken lassen“, sagt Marktexperte Emden.

Das zeigt sich bereits bei Lido Staked Ethereum (stETH), an dem Celsius Networks einen hohen Betrag hält. Eigentlich soll die Cyberdevise an den Wert von Ether gekoppelt sein. Aktuell jedoch notiert sie 12,4 Prozent unter dem Ether-Kurs. „Es dominiert derzeit die Sorge am Markt, dass die Wunden rund um den jüngsten Zusammenbruch der Terra Blockchain offensichtlich nicht vollständig geheilt sind und weitere Projekte den Bach runtergehen könnten“, resümiert Emden.

Lesen Sie auch: Wie erkenne ich Krypto-Betrug?

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick