Bitcoin, Ether und Co. Angst vor höheren Zinsen und einem neuen Kollaps belasten Kryptomarkt

Die Zinswende belastet die Kure von Bitcoin und Co. Quelle: REUTERS

Erneut geben die Kurse von Kryptowährungen massiv nach. Anleger haben die Zinswende im Blick und starten einen Ausverkauf. Zudem bahnt sich nach dem Terra-Crash ein weiter Kryptokollaps an.

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Wer hoffte, das Schlimmste an den Kryptomärkten wäre überstanden, sieht sich eines Besseren belehrt: Am Wochenende gaben die Kurse der Digitalwährungen erneut nach. Der Bitcoin, die älteste und bekannteste Kryptowährung, notierte zuletzt knapp über 25.000 Dollar und damit auf dem niedrigsten Stand seit Dezember 2020. Binnen einer Woche verlor der Coin damit ein Fünftel an Wert. Noch schlimmer sieht es bei Ether aus, der zweitgrößten Kryptowährung. Sie büßte 30 Prozent ein und notierte zuletzt bei 1290 Dollar.

Nach dem Coronacrash vor über zwei Jahren hatten Kryptowährungen so stark zugelegt wie keine andere Anlageklasse. Doch seit Monaten schon stehen sie zunehmend unter Druck. Seit November vergangenen Jahres wurde mehr als die Hälfte des Börsenwerts des gesamten Kryptomarkts verbrannt.

Und alles deutet darauf hin, dass Bitcoin und Co. weiter im Bärenmarkt verharren dürften. Dafür gibt es mehrere Gründe.

1. Zinssorgen belasten Kryptokurse

Die Zinswende schwebt wie ein Damoklesschwert über den Kryptowährungen. Zinserhöhungen entziehen dem Markt Liquidität. Für spekulative Assets wie den Bitcoin sind sie schädlich. Höhere Zinsen machen Kryptowährungen gegenüber sichereren Anlageklassen unattraktiver. Die Renditen neu ausgegebener Anleihen beispielsweise steigen. Das setzt den Bitcoin unter Druck, weil er keine laufenden Erträge wie Zinsen oder Dividenden abwirft.

Die Veröffentlichung der jüngsten US-Inflationsdaten legt nahe, dass die Notenbank Federal Reserve weiter an der Zinsschraube drehen dürfte. Im Mai lag die Teuerungsrate dort bei 8,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat – dem höchsten Stand seit 40 Jahren. Die Fed steht unter Zugzwang, die steigende Inflation zu bändigen. Das würde das Umfeld für Aktien- und Kryptoinvestments weiter eintrüben.

„Einige Investoren stehen derzeit zwischen der Entscheidung ihre Verluste auszusitzen oder die noch bestehenden Buchgewinne zu versilbern“, sagt Timo Emden vom gleichnamigen Analysehaus Emden Research. Mitte Mai kam eine Studie des US-Analyseunternehmens Glassnode zu dem Ergebnis, dass 40 Prozent der Anleger mit ihren Kryptoinvestments im Minus stehen.

2. Extreme Angst unter Anlegern

Am Kryptomarkt herrscht große Unsicherheit. „Anleger sollten sich vor diesem Hintergrund auf weitere Abwärtsrisiken einstellen“, sagt Emden. Ein Indikator dafür ist der Fear-and-Greed-Index (zu Deutsch: Angst und Gier). Die Daten des Sentiments zeigen gerade, dass unter Anlegern „extreme Angst“ herrscht.

Grundlage für die Bewertung der Marktlage sind Daten zu Volumen und Volatilität. Aktuell liegt der Index bei 11 von 100. Ein Wert von null würde auf allergrößte Angst hindeuten, 100 auf völlige Gier und Sorglosigkeit. Tendenziell gilt zwar: Je niedriger der Wert, desto unwahrscheinlicher ist ein weiterer Kursrückgang, weil verkaufswillige Anleger ihre Positionen bereits abgestoßen haben. Allerdings gibt es aktuell vor dem Hintergrund weiterer Zinserhöhungen wenig Phantasien für nennenswerte Kursanstiege.

3. Erst Terra, jetzt Celsius? Kryptomarkt leidet unter Vertrauensverlust

Es ist erst wenige Wochen her, dass der Terra-Crash den gesamten Kryptomarkt ins Wanken brachte. Der Stablecoin TerrasUSD hatte seine Bindung an den US-Dollar verloren. Stablecoins sollen eigentlich eins zu eins an den Wert eines anderen Vermögenswerts gekoppelt sein. Der Terra-Crash kratzte am Vertrauen des kompletten Kryptomarktes.

Jetzt gibt es wieder ein Problem mit einem einzelnen Kryptounternehmen, das aber auf das Ökosystem digitaler Währungen zurückschlägt: Der Kryptokreditplatz Celsius Network hat bekanntgegeben, dass „alle alle Abhebungen, Swaps und Überweisungen“ zwischen Konten pausiert werden. Grund dafür seien die aktuellen Marktverwerfungen.

Krypto-ABC: Die wichtigsten Begriffe verständlich erklärt

Auf der DeFi-Plattform (das Kürzel DeFi steht für "Decentralized Finance", also ein alternatives Finanzsystem ohne zwischengeschaltete Institutionen wie Banken) können sich Anleger am Staking beteiligen. Staking funktioniert im Prinzip wie ein Tagesgeldkonto: Anleger können bei Celsius Network 35 Kryptowährungen (unter anderem Bitcoin, Ether und Litecoin) einzahlen, die dann verwahrt werden. Im Gegenzug erhalten sie eine Verzinsung, die Staking Rewards.

Das Unternehmen wirbt mit jährlichen Renditen von bis zu 17 Prozent. Lassen Anleger ihre Zinsen über den Token der Celsius Plattform (CEL) auszahlen, erhöht sich die Auszahlung um 30 Prozent. Eigenangaben zufolge verwaltet Celsius Networks Vermögenswerte in Höhe von 11,8 Milliarden Dollar. Per 17. Mai hatte es demzufolge Kredite im Wert von 8,2 Milliarden Dollar abgewickelt.

Die Nachricht, dass Celsius Networks Auszahlungen stoppt, ließ den Wert des CEL-Tokens abrauschen. Binnen eines Tages verlor der Token mehr als die Hälfte seines Werts. Auch andere Digitalwährungen bekommen die Auswirkungen zu spüren. „Die Gefahr ist hoch, dass ähnliche Projekte sich von den Unsicherheiten rund um CEL anstecken lassen“, sagt Marktexperte Emden.

Das zeigt sich bereits bei Lido Staked Ethereum (stETH), an dem Celsius Networks einen hohen Betrag hält. Eigentlich soll die Cyberdevise an den Wert von Ether gekoppelt sein. Aktuell jedoch notiert sie 12,4 Prozent unter dem Ether-Kurs. „Es dominiert derzeit die Sorge am Markt, dass die Wunden rund um den jüngsten Zusammenbruch der Terra Blockchain offensichtlich nicht vollständig geheilt sind und weitere Projekte den Bach runtergehen könnten“, resümiert Emden.

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