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BlackRock-Mahnbrief Mehr Klimaschutz für Kapitalanleger: Klatsche für Kaeser

Kann BlackRock-CEO Larry Fink mit seinem Brief Bewegung in den Kampf gegen den Klimawandel bringen? Quelle: AP

Im jährlichen Mahnbrief von BlackRock-Chef Fink geht es nur noch um Klima und Nachhaltigkeit – der Standard, an dem sich alle messen müssen. Siemens-Chef Kaeser wird aufhorchen. Aber BlackRock ist auch kein Vorbild.

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Siemens-Chef Joe Kaeser, wegen Lieferungen von Signaltechnik für ein neues Kohle-Kraftwerk in Australien unter Druck der Fridays For Future-Bewegung, hätte es wissen können, denn so neu ist das Thema für Unternehmen nicht: Nachhaltigkeit ist eine Macht und sie hat mächtige Fürsprecher.

Etwa den Chef des weltweit größten Geldverwalters BlackRock. Der amerikanische Anbieter von Indexfonds, kurz ETF, ist Mehrheitsaktionär in vielen Unternehmen und auch für deutsche Aktien bei den heimischen Größen aus Dax und MDax einer der größten Investoren. BlackRock-CEO Larry Fink richtet sich seit ein paar Jahren im Januar stets in einem Brief direkt mit seinen Anliegen an die Chefs weltweiter Konzerne. Eine gute PR-Masche ist das, die auch BlackRock immer als engagierten Fürsprecher der Anleger erscheinen lässt. An den Worten des Herrn Fink kommt niemand vorbei. Er setzt darin häufig die Themen, an denen sich dann während der Hauptversammlungssaison der Aktiengesellschaften viele andere Geldverwalter abarbeiten.

In diesem Jahr hat er Nachhaltigkeit zum großen Thema erkoren und auch das dürfte jetzt in vielen Unternehmen ganz oben auf die Agenda kommen. Für Fink ist es das Thema, das die Finanzlandschaft „fundamental umbildet“: „A Fundamental Reshaping of Finance“ ist der Titel seines diesjährigen Briefes. Klimawandel wird der bestimmende Faktor. Denn eine der weltweit wichtigsten Fragen, die BlackRock inzwischen gestellt würden, sei die von den Folgen des Klimawandels für das Depot. Und da hat BlackRock natürlich eine Antwort parat und auch die passenden Produkte in der Pipeline.

Fink macht die Auswirkungen an einigen Beispielen klar: Städte müssen investieren, um die Auswirkungen des Klimawandels zu bewältigen, das hat Auswirkungen auf den riesigen Markt der US-Kommunalanleihen und die Bonitätsbeurteilung mancher Städte. Wenn die Auswirkungen des Klimawandels auf Gebäude unsicher sind kann das mitbestimmen, ob ein Geldverleiher noch über viele Jahrzehnte eine Immobilie finanziert. In Schwellenländern könnte die Produktivität durch extreme Hitze zurückgehen und damit das Wachstum bremsen und Aktiengesellschaften belasten. Fazit: Wer sich den Nachhaltigkeits-Risiken nicht stellt, der muss mit skeptischen Investoren und höheren Kapitalkosten rechnen.

Der Brief ist deutlich und der Druck auf Aktiengesellschaften wächst. BlackRock wird nahezu sein gesamtes Produktangebot klonen und für alles auch Nachhaltigkeits-Produkte oder nach sogenannten ESG-Kriterien gemanagte Produkte („Environmental, Social, Governance“) anbieten. Vom Rentensparplan bis zur Anlage der Barreserven oder den bekannten iShares-ETF, die künftig wohl durchgängig auch in einer auf ESG-Kriterien optimierten Variante gehandelt werden können. Das Angebot an ESG-ETF soll in den nächsten Jahren auf 150 verdoppelt werden. Fink sieht sie nicht länger in einer Nebenrolle, sie sollen die neuen Flaggschiffe des Hauses werden.

Wenn es dann auch von S&P 500 und Dax 30 die Nachhaltigkeits-Versionen gibt, könnte manch mächtiger Dax-Wert ein niedrigeres Gewicht im Index bekommen. Wie diese Indizes genau zusammengestellt werden, ist dann schwerer nachzuvollziehen, als eine Umbesetzung im Dax-Index durch die Deutsche Börse. Wenige Ratingagenturen, die die Nachhaltigkeit von Unternehmen bewerten, werden damit sehr mächtig. Was nicht in Finks Brief steht, seine hauseigenen Analysten aber bereits herausgefunden haben: Die Vereinigten Staaten selbst, Heimat von BlackRock, stehen bei den Diskussionen um Nachhaltigkeit eher abseits, während es in der EU und auch in Asien politische Initiativen gibt, um Nachhaltigkeit im Finanzsektor voranzutreiben. Wenn es von den Indizes dann ESG-Ableger gibt, könnte das auf Dauer den momentan mit über 60 Prozent hohen Anteil von US-Unternehmen in den weltweiten Aktienindizes durchaus drücken.

Mit ESG-Daten wird auch das Analyse-System Aladdin von BlackRock gefüttert, das viele andere Fondsgesellschaften bei der Beurteilung von Portfolios einsetzen. Es beinhaltete etwa ein „Carbon Beta Tool“, das automatisch die Auswirkungen eines höheren CO2-Preises auf Emittenten und Portfolios prüfen kann. All diese Prüfungen und Bewertungen schreiten schnell voran – verstecken kann sich da kein Unternehmen. Kohleproduzenten und Kohlestromanbieter, deren Umsätze zu mindestens einem Viertel auf Kohlegeschäften beruhen, werden bei BlackRock bis Mitte 2020 verbannt – komplett allerdings nur aus den aktiv gemanagten Fonds. Für die ETF gilt dieser Bann bislang nur in ganz speziellen Produkten.

Auch auf die Probleme mit ESG-Daten geht Fink in seinem Brief ein. Dass er eine stärker standardisierte Veröffentlichungspflicht für Unternehmen fordert, überrascht nicht. Nur dann können solche Daten auch günstig von Indexanbietern und Datenprovidern verarbeitet werden und in seine günstigen ETF einfließen. BlackRock hält den Sustainability Accounting Standards Board (SASB) für einen klaren Standard, der viele ESG-Themen berücksichtige und BlackRock hält auch Vorschläge der Task Force on Climate-Related Financial Disclosures (TCFD) für brauchbar. Wenn sich Unternehmen daran orientieren, um einen Analyse-Rahmen für Klima-, Governance- und Sozialstandards zu haben, dürfte nicht allzu viel schiefgehen.

Und wenn sich die Unternehmensführung dem nicht stellt? Nicht nur BlackRock würde dann daraus schließen, dass das Unternehmen seine Klimarisiken nicht ausreichend managt. Der Vorstand könnte zur Verantwortung gezogen werden, in ESG-Ratings muss sich ein Unternehmen auf schlechte Werte einstellen und mitunter Aktienkursverluste fürchten, wenn sich Investoren abwenden. Nachhaltigkeit wird sehr konkret. Über Sinn oder Unsinn vieler Kriterien für bestimmte Unternehmen wird da auch nicht mehr lange diskutiert. Unternehmen hätten eine Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, Aktionären und der Gesellschaft – das sei der „economic imperative“.

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