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Börse Russland Kein sicherer Platz für Anleger und Unternehmer

Russische Aktien gehören zu den günstigsten weltweit. Der steigende Ölpreis und eine zeitweise Entspannung der Ukraine-Krise macht sie interessant. Aber ein Experte warnt vor Putins Unberechenbarkeit.

Russlands Konjunktur bremst Investitionen Quelle: dpa Picture-Alliance

Anleger reiben sich die Hände: 22 Prozent ließen sich am russischen Aktienmarkt in diesem Jahr schon verdienen. Und selbst der russische Präsident Wladimir Putin jubelt: "Der Höhepunkt der Wirtschaftskrise ist überschritten". Da sollte er sich nicht so sicher sein. Großinvestoren wie der Bad Homburger Vermögensverwalter Feri haben sich bereits 2012 komplett aus dem Markt zurückgezogen. „Es gab damals schon sehr viel Skepsis der lokalen Fondsmanager, das Umfeld für Investitionen wurde immer intransparenter und Investments unterlagen einem zu großen politischen Einfluss“, sagt Marcus Storr, Head of Hedge Funds bei Feri. Dass sie bald wieder einsteigen, sieht Storr nicht.

Bonität auf Ramschniveau

Wegen der politischen Risiken hat Feri Euro Rating Services die Bonitätsnote Russlands im Februar auf Ramschniveau heruntergestuft. Feri-Chefvolkswirt Axel D. Angermann rechnet nicht mit einer Staatspleite. Die Staatsverschuldung sei gering, die Devisenreserven noch immer üppig, allerdings seien staatlich gelenkte Unternehmen sehr hoch verschuldet mit rund 500 Milliarden Dollar, von denen sie noch in diesem Jahr insgesamt 180 Milliarden zurückzahlen müssen. Und diese Lasten können sie immer schwerer schultern. Es fehle an wirtschaftlicher Dynamik, die Inflation ist sehr hoch, die Wettbewerbsfähigkeit niedrig und die Abhängigkeit von Öl- und Gasexporten durch deren vergleichsweise niedrigen Preise belastend. „Der Ölpreis wird auf längere Sicht niedrig bleiben, weil die Araber kein Interesse an einem hohen Ölpreis haben“, sagt Angermann.

Die stärksten Börsen 2014
Moskau Quelle: imago
Börse Athen Quelle: AP
Börse Wien Quelle: REUTERS
Börse Warschau Quelle: REUTERS
Börse São Paulo Quelle: dpa Picture-Alliance
Börse Paris Quelle: dpa
Börse Frankfurt Quelle: dpa

Und da es für Unternehmer in Russland schwieriger wird, bekommt etwa die Wiesbadener Unternehmensberaterin Alice Drooghmans verstärkt Anfragen russischer Mittelständler, die in Westeuropa nach einem sicheren Hafen für ihr Geschäft suchen. „Sie würden sich auch gerne in Deutschland niederlassen, um noch ein Standbein in einer sicheren Jurisdiktion zu haben“, sagt Drooghmans. Sie beobachtet zudem auch, dass russische Unternehmen stark in Kasachstan investieren, weil sie sich dort besser aufgehoben fühlen. 

Die stärksten Marken auf Russlands Automarkt

Aktuell: Exxon drangsaliert

Jüngstes Beispiel dafür, wie Unternehmen drangsaliert werden, die sich de Staatsmacht nicht beugen: Aktuell klagt der Ölriese ExxonMobil Steuerrückerstattungen in Höhe einer halben Milliarde Dollar in Russland ein. Im Gegenzug muss Exxon jetzt ein außerplanmäßige Überprüfung eines Förderprojekts über sich ergehen lassen, was im schlimmsten Fall dazu führen könnte, dass erteilte Förderlizenzen entzogen werden könnten.

Staatsfeind Nummer Eins

Dieses Hickhack ist für den gebürtigen Amerikaner William Browder (51), früherer Fondsmanager und heutiger Buchautor, das übliche Prozedere in Russland.  Browder hatte sehr erfolgreich in privatisierte russische Unternehmen investiert und Anlegern hohe Gewinne, aber in der Russlandkrise 1998 auch 90prozentige Verluste beschert. Der Bundesverband Alternative Investments (BAI) und Feri hatten ihn nach Bad Homburg eingeladen, damit er seine Erfahrungen mit Russland-Investments schildert. Waren die Teilnehmer der BAI-Veranstaltung zunächst noch uneins darüber, ob der Markt für Anleger eine interessante Chance bietet, weil die Unternehmen an der Börse günstig bewertet sind, wurde vielen danach klar, dass man sich nur darauf einlassen kann, wenn man Korruption, fehlende Rechtssicherheit und Willkür ausblenden kann.

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