Börsen-Roundtable Das sind die Anlage-Empfehlungen der Star-Investoren

Treffpunkt New York, Harvard Club: Neun Starinvestoren liefern sich am runden Tisch unseres Partnermagazins „Barron’s“ einen Schlagabtausch über die Agenda von Donald Trump, über steigende Renditen, hohe Bewertungen und geopolitische Umwälzungen. Was Abby Cohen, Jeff Gundlach, Meryl Witmer, Felix Zulauf und die anderen Gurus empfehlen und wie deutsche Anleger die Tipps umsetzen.

Roundtable der Starinvestoren: Jeff Gundlach, Scott Black, Felix Zulauf, Mario Gabelli, Meryl Witmer, Brian Rogers, Oscar Schafer, Abby J. Cohen und Bill Priest (v. links) Quelle: Brad Trent

Die Welt wandelt sich, nicht nur wegen Donald Trump. Mario, was bringt 2017?

Mario Gabelli: Unser Land wurde von Leuten geführt, die keine Ahnung hatten, wie man Geschäfte macht. Sie wussten nicht, wie man für sich das Beste rausverhandelt. Aber wie Nobelpreisträger Bob Dylan sagte: „The times they are a-changin’“ – die Zeiten ändern sich. Trumps Sieg bringt eine Wiedergeburt des Kapitalismus. Die USA bleiben ein Ort, wo Kapital geschätzt wird. Die Republikaner werden mit ihrer Kongressmehrheit Regulierungen abbauen. Eine Steuerreform wird die Wettbewerbskraft von US-Unternehmen stärken. Geldpolitische Stimuli enden, fiskalische Ausgabenprogramme kommen, etwa in Infrastruktur und Militär. Im ganzen Land macht sich Optimismus breit. Die Frage ist: Wie weit steckt das in den Aktienkursen schon drin?

Brian, Sie nicken.

Brian Rogers: Ich stimme Mario in vielem zu. Paul Ryan, der Sprecher des Repräsentantenhauses, ist jetzt der wichtigste Mann. Er wird federführend sein bei der Ausgestaltung und Umsetzung einer Steuerreform. Weniger Steuern fördern das Wachstum. Firmenvermögen, die im Ausland liegen, könnten in die USA fließen.

Die Risiken von Allianz bis Siemens

Felix Zulauf: Wird die Steuerreform schon 2017 greifen?

Rogers: Ich gehe davon aus, dass viele Änderungen schon 2017 betreffen. Das Umfeld zum Jahresauftakt ist günstig, aber Aktien sind mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 nicht günstig. Mal sehen, wie weit die Kurse noch steigen.

Oscar Schafer: Als Ronald Reagan Präsident wurde, stiegen die Kurse zwischen Wahltermin und Amtseinführung im Januar 1981 um neun Prozent. Dann fielen sie bis August 1982 um 30 Prozent. So muss es nicht kommen, aber es gibt derzeit viel Euphorie.

Bill Priest: Aktienrenditen werden von drei Komponenten bestimmt: Dividenden, Gewinne und dem KGV. Der MSCI-Weltaktienindex legte in den letzten fünf Jahren 87 Prozent zu. Davon gingen 74 Prozentpunkte auf Steigerungen des KGVs zurück. Die Gewinne sanken um zwei Prozentpunkte, die Dividenden stiegen um rund 15 Prozentpunkte. Die Kurse gingen nach oben, weil „Quantitative Easing“ die Renditen gedrückt und damit den Abzinsungssatz auf Gewinne und Cashflows reduziert hat. Jetzt steigen die Anleiherenditen. Dadurch wird das KGV eingebremst. Das lässt sich durch beschleunigtes Gewinnwachstum auffangen. Dazu kann eine Steuerreform beitragen.

Scott Black: Der Effekt niedrigerer Steuern ist vielleicht nicht ganz so toll wie angenommen. Unternehmen, die auf das Inland ausgerichtet sind, profitieren von Steuersenkungen. Doch die Unternehmen im S&P 500 machen viel Geschäft im Ausland. Apple und Alphabet etwa zahlen heute schon wenig Steuern – deutlich unter dem Satz von 25 Prozent, der vielleicht eingeführt wird.

Meryl Witmer: Trump redet von 15 Prozent, nicht von 25 Prozent.

Abby Cohen: Trump mag sich eine Menge vorgenommen haben, doch vieles davon muss vom Kongress gebilligt werden, teilweise mit qualifizierter Mehrheit. Manche Maßnahmen werden das Defizit massiv nach oben treiben. Es könnte sich bis 2020 auf fünf Prozent der Wirtschaftsleistung verdoppeln. Die Wirtschaft wächst nicht schnell genug, um diese Lücke zu stopfen.

Black: Ich bin kein Makroökonom, aber von der industriellen Revolution an bis etwa 2006 wurden Produktivitätssteigerungen durch Wellen technologischer Innovation ausgelöst. Heute wird Risikokapital in soziale Medien gesteckt. Das erhöht die Produktivität nicht.

Das wurde 2016 aus 100.000 Euro
Platz 27: Aktien NigeriaEuro-Investoren, die im vergangenen Jahr an der kleinen nigerianischen Börse investierten, machten ein sehr schlechtes Geschäft. Das lag gar nicht mal an den Aktien selbst, der Leitindex Nigeria All Share verlor zwar „nur“ sieben Prozent. Das lag vor allem daran, dass der bevölkerungsreichste afrikanische Staat stark von den Öleinnahmen ist. Doch am 20. Juni gab die Zentralbank die Anbindung der heimischen Währung Naira an den Dollar auf. Die darauf folgende deutliche Abwertung der Währung Naira zu vielen Währungen macht die Aktien aber zum weltweit größten Verlustbringer. Wer Anfang des Jahres theoretisch 100.000 Euro an der Börse in Nigeria investierte, hat jetzt nur noch 61.390 Euro auf dem Konto. Privatanleger können jedoch kaum in Nigeria direkt investieren, es gibt auch keine Zertifikate oder börsengehandelte Indexfonds auf den Nigeria All Share. Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: dpa
Platz 26: GhanaAuch gezielte Investitionen an der Börse in Ghana sind für hiesige Privatanleger kaum möglich. Das ist auch gut so. Denn der Aktienindex der ebenfalls sehr kleinen Börse in Ghana, entwickelte sich sehr schlecht. Die agrarisch strukturierte  Wirtschaft des als Musterdemokratie auf dem Kontinent geltenden Landes,  schrumpft. Das Land ist stark vom Export von Rohstoffen wie Gold, Öl, Kakao und Edelhölzern abhängig. Dabei steigen zwar im vergangenen Jahr viele Rohstoffpreise, doch der Kakaopreis brach um fast ein Drittel ein. Von 100.000 in Ghana investierten Euro blieben bis Jahresende nur 77.840 Euro übrig. Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: dpa
Platz 25: Aktien ÄgyptenNoch dramatischer als in Nigeria schlägt in Ägypten die Währungsentwicklung zu Buche. Dort gab die Zentralbank im November den Wechselkurs des ägyptischen Pfunds frei, das daraufhin abstürzte. Das bescherte Anlegern, die im Januar 100.000 Euro in den Leitindex EGX 30 investierten einen Verlust von 20.430 Euro, so dass nur noch 79570 Euro übrig bleiben. Das fast Tragische dabei: Die Abwertung beflügelten den Aktienmarkt. Der EGX 30 selbst gehört in Lokalwährungen gerechnet mit einem Plus von mehr als 70 Prozent zu den weltweit besten Börsen und stieg auf ein Rekordhoch nach dem anderen. Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: dpa
Platz 24: Aktien ChinaDer Entwicklung der chinesischen Wirtschaft verunsichert Anleger weltweit seit anderthalb Jahren. Das spiegelt sich auch der Börse wider. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandchinas erfasst, verlor über elf Prozent. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro weiter abwertete, bleiben Anlegern die 100.000 Euro in den Index investiert haben, nur 85.450 Euro übrig. Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: dpa
Platz 23: Britisches PfundDas knappe Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union schockte am 24. Juni Europa die ganze westliche Welt. Der britische Aktienmarkt erholte sich – wie auch andere europäische Börsen – von dem Schock zwar recht schnell. Auf Jahressicht hat der Leitindex Footsie deshalb in Pfund gerechnet über 14 Prozent zugelegt und stieg Ende Dezember sogar auf ein Allzeithoch. Doch das britische Pfund selbst steht weiter unter massivem Druck. Zum Euro hat es in diesem Jahr gut 13 Prozent verloren und damit so viel wie keine andere Hauptwährung. Aus 100.000 in Pfund investierten Euro wurden so nur noch 86.980 Euro. Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: dpa
Platz 22: Mexikanischer PesoDem mexikanischen Peso – dem zweitgrößten Verlierer der Hauptwährungen zum Euro – machte der Wahlsieg von Donald Trump zum US-Präsidenten zu schaffen. Kein Wunder, die USA sind Mexikos wichtigster Handelspartner, doch Trump will den Handel massiv besteuern und die Grenzen zu Mexiko dichter machen- auch wenn zuletzt vom dem im Wahlkampf propagierten Mauerbau nichts mehr zu hören war. Wer zu Jahresbeginn 100.000 Euro in mexikanischen Peso anlegt, verfügte Ende des Jahres jetzt nur noch über 89.510 Euro. Mexikos Leitindex IPC legte aber um zumindest rund sechs Prozent zu. Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: dpa
Platz 21: SparbuchSeit Jahren lässt sich mit dem Sparbuch nichts mehr verdienen. So war es auch 2016. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro anlegt hat einen Gewinn von gerade mal 50 Euro – entsprechend von 0,05 Prozent gemacht. Immerhin verloren Anleger aber zumindest nominal – also ohne Berücksichtigung der Inflation – auch nichts. Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: dpa

Im Gegenteil.

Black: Wir brauchen eine neue Innovationswelle in der Technologie. Aber wir stecken fest im langsamen Wachstum. Trump mag Gutes tun, etwa in Sachen Deregulierung. Aber das ist keine Garantie, dass Amerika zurückfindet zu früherem Wachstum.

Gabelli: Vergessen Sie nicht den psychologischen Effekt: der Gedanke, dass Erfolg nicht mehr kleingemacht wird.

Witmer: Für Unternehmen sind niedrigere Steuern und weniger Regulierung himmlisch. Wenn der Unternehmenssteuersatz auf 15 Prozent sinkt, warum sollte man dann irgendwo anders unternehmerisch tätig sein? Wenn die Wirtschaft expandiert, wie ich es erwarte, brauchen die Unternehmen mehr Arbeitskräfte. Es gibt viele unterbeschäftigte Menschen, die gern Arbeit hätten. Es könnte auch mehr legale Einwanderung geben.

Black: In den Prognosen schwingt viel Euphorie mit.

Witmer: Ich erwarte keinen Höhenflug, aber wenn es der Kongress nicht verbockt, dann werden langfristig auch die Börsen gut laufen. Es ist faszinierend, dass Trump durch simples Twittern so viel erreicht.

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