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Börsen-Roundtable Was Zulauf, Faber, Gross und Co. jetzt raten

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"Es herrscht mehr Gier als Angst"

Investoren warnen vor Börsencrashs
Der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller warnte davor, dass die stark steigenden Preise an Aktien- und Immobilienmärkten zu gefährlichen Finanzblasen führen könnten. „Ich rufe noch nicht Alarm. Aber in vielen Ländern liegen die Kurse an der Aktienbörse auf einem hohen Niveau, und auch an manchen Immobilienmärkten sind die Preise stark angestiegen“, sagt der US-Ökonom dem „Spiegel“. Diese Entwicklung könne böse enden. "Der Boom am Aktienmarkt in den USA macht mir die meisten Sorgen", so Shiller. "Auch weil unsere Wirtschaft noch immer schwach und anfällig ist." Für ihn sind Preisblasen eine "gesellschaftliche Geisteskrankheit". Seine "Sorge" sei viel mehr, jenes von ihm entwickelte Maß des zyklisch bereinigten Kurs-Gewinn-Verhältnis. Aktien seien aber derzeit noch nicht übertrieben teuer. Er selbst habe sein Geld in Aktien angelegt, "die ich noch für niedrig bewertet halte". Dazu zählten laut Shiller Werte "etwa aus dem Energie- und Gesundheitssektor. Ich setze aber auch auf weltweite Aktienindizes", sagte er. Aus Branchen wie dem Finanz- und Technologiesektor habe er sich bereits zurückgezogen. Quelle: REUTERS
Der amerikanische Großinvestor Warren Buffett macht sich keinerlei Sorgen um den Aktienmarkt. Er erklärte: Aktien seien nicht überkauft, sondern befänden sich einer "Zone der Angemessenheit". Aktien würden nicht auf Blasen-Niveau notieren. "Man muss sein Vermögen in irgendetwas investieren und ich denke, dass gute Unternehmen, in die man sein Geld für lange Zeiträume steckt, mit Sicherheit gute Ergebnisse liefern werden." Quelle: dapd
Analysten der Deutschen Bank erwarten einen Absturz des deutschen Aktienmarkts. Dies berichtet das " Wall Street Journal". Die Prognose: Zum Jahresende werden der Dax nur noch bei 8400 Punkten liegen. Der Pessimismus rührt von den relativ schwachen Zahlen für das dritte Quartal her, die viele Unternehmen in den letzten Wochen vorgelegt haben. Eine Aufwärtsbewegung soll es demnach erst im kommenden Jahr wieder geben. "Ende 2014 dürfte der Dax mit der Erholung der Weltwirtschaft [...] zulegen und auf 9700 Punkte steigen", lautet die Prognose der Deutsche-Bank-Analysten. Quelle: REUTERS
Finanzinvestoren sollten sich nach Einschätzung der europäischen Branchengröße Permira nicht von den günstigen Kreditkonditionen blenden lassen. "Nur weil man derzeit viel Geld leihen kann, ist es nicht unbedingt eine gute Idee, dies auch zu tun", sagte Co-Chef Kurt Björklund. Das günstige Marktumfeld verlange ein großes Maß an Disziplin, um nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Permira ist eine der größten europäischen Beteiligungsgesellschaften, die Konzerne wie Hugo Boss und ProSieben Sat1 in ihrem Portfolio hat. Quelle: dpa
Der umtriebige US-Investor Carl Icahn hat nach eigenen Angaben momentan besonders leichtes Spiel. "Meiner Meinung nach gab es noch nie eine bessere Zeit für aktivistische Investoren", sagte der Profi-Anleger. Wegen der anhaltend niedrigen Zinsen seien Übernahmen derzeit günstiger und leichter umsetzbar als sonst. Allerdings hat der Großinvestor auch Bedenken vor einem zu großen Engagement an den Börsen geäußert. Er sei derzeit bei Aktien sehr vorsichtig, sagte Icahn auf einer Reuters-Veranstaltung. Schließlich könnten die Kurse tief fallen, weil die Gewinne vieler Unternehmen mehr durch die niedrigen Kreditzinsen befeuert würden als durch die Strategie des Managements. Diese Einschätzung des 77-jährigen Milliardärs, der mit seinen Investitionen oft saftige Gewinne einfährt, sorgte an der New Yorker Börse für Aufsehen. Der S&P 500, der vor Icahns Rede praktisch unverändert notiert hatte, gab 0,4 Prozent nach. Der für sein aggressives Auftreten gegenüber dem Management seiner Beteiligungen bekannte Icahn signalisierte zudem, dass er seinen Kampf bei Apple nicht aufgeben wolle. Der Investor fordert, dass der US-Konzern sein Aktienrückkaufprogramm auf 150 Milliarden Dollar ausbaut. Apple will dem bisher nicht nachkommen. Quelle: REUTERS
Auch der US-Investor Jim Rogers hatte vor Kurzem vor Kurseinbrüchen um bis zu 50 Prozent gewarnt. Für ihn sei die aktuelle Bewertung von US-Aktien nicht zu rechtfertigen. Die wirtschaftliche Situation er USA gebe einen solchen Jubel nicht her, auch wenn der Shutdown abgewendet worden sei. "Es ist total künstlich, was wir sehen", sagt er gegenüber dem Deutschen Anleger Fernsehen. "Wenn der Markt das nächste Mal einbricht, dann geht es bis zu 50 Prozent nach unten." Quelle: AP
Mitte September hatte auch die EZB zur Vorsicht gemahnt. In einem Interview mit der "Bild" sagte EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen auf die Frage, ob eine neue Blase oder ein neuer Crash drohten: "Leider haben viele Investoren ein kurzes Gedächtnis. Wir müssen immer damit rechnen, dass es zu Instabilitäten kommt." Quelle: dpa

Gabelli: Das stimmt nicht. Gewöhnliche Amerikaner haben ihre Pensionspläne. Die Behauptung, dass nur ein Prozent der Bevölkerung das gesamte Aktienvermögen besitzt, gehört hinterfragt.

Faber: Der Aufwärts-Zyklus der Konjunktur befindet sich im fünften Jahr. Am 6. März jährt sich der Bullenmarkt bei Aktien zum fünften Mal. Historisch gesehen ist das lange. Irgendwann in diesem Jahr könnte der Aktienmarkt abstürzen, so wie 1987. Dann werden langfristige Anleihen im Kurs stark zulegen, und Bill Gross wird belohnt.

Warum wird die Börse abstürzen?

Hickey: Die gewaltige Aktienrally verdankt ihre Schubkraft der Politik des Gelddruckens. Nach vier sehr guten Jahren konnte der Dow Jones 2013 noch einmal 27 Prozent zulegen. Der Standard & Poor’s-500-Index kletterte 30 Prozent, der Nasdaq 38 Prozent. Amazon.com notiert zum 530-Fachen des Jahresgewinns. Die Marktkapitalisierung von Google ist im letzten Quartal 2013 um 90 Milliarden Dollar gestiegen. Das ist doch alles nicht normal.

Meryl Witmer: Es herrscht mehr Gier als Angst an den Märkten.

Hickey: Als QE1 beendet wurde, ging der Markt innerhalb weniger Monate um 13 Prozent zurück; deshalb beschloss die Fed eine zweite Phase quantitativer Lockerung, QE2. Als die zu Ende ging, gab der Markt 17,5 Prozent nach. Wenn Bill Gross recht hat und die Fed ihre Anleihekäufe bis Ende 2014 einstellt, fliegt uns die Börse binnen Jahresfrist um die Ohren. Derzeit liegen die Bewertungen weit über dem Niveau am Ende von QE1 oder QE2. Der Markt ist weit instabiler.

Gross: Die Aktienrückkäufe der Unternehmen haben ebenfalls zu der starken Rally beigetragen. Insgesamt hat der US-Unternehmenssektor – gestützt auf leicht verfügbares Geld – 2013 rund 500 Milliarden Dollar für den Rückkauf eigener Aktien aufgewendet; das entspricht zwei Prozent des Börsenwerts aller 500 Aktien im S&P 500.

Investmentideen von Marc Faber

Das sind 50 Prozent der Summe, welche die Fed im Vorjahr ausgegeben hat.

Gross: Wenn die Unternehmen keine Rückkäufe mehr tätigen, müssen die übrigen Anleger die Kurse hoch halten.

Hickey: Zahlreiche Unternehmen finanzieren die Rückkäufe über Kredite. Wenn die Zinsen steigen, werden Rückkäufe schwerer finanzierbar.

Gabelli: An den globalen Kapitalmärkten standen zu Jahresende 85 Billionen Dollar an Schulden 62 Billionen Dollar an Aktien gegenüber. Die Kredite zum Kauf von Wertpapieren stehen auf einem Allzeithoch. Die Regulierer sollten die Sicherheiten, die Anleger für Wertpapierkredite hinterlegen müssen, kräftig erhöhen und so das Risiko spekulativer Blasen senken, ohne der Wirtschaft zu schaden.

Gross: Da gebe ich Ihnen recht.

Hat die US-Notenbank eine Börsenblase aufgepumpt?

Cohen: Die Fed ist nicht perfekt, aber die Herausforderungen, mit denen sie sich mitten in der katastrophalen Wirtschaftslage weltweit konfrontiert sah, werden hier nicht genug gewürdigt.

Zulauf: Diese Lage hat sie selbst herbeigeführt.

Cohen: Entschuldigen Sie, jetzt rede ich. Wir müssen weit zurückblicken in der amerikanischen Geschichte, um einen Fall zu finden, in dem die Regierung eine tiefe Rezession durch Herbeiführung von Steuerverschärfungen noch verschlimmert hätte. Zusätzlich unter Druck geriet die Fed, weil andere nichts taten, um sich zu schützen. Die Europäische Zentralbank war zu Beginn der Finanzkrise um die Stabilität des Euro weit stärker besorgt als um das Wirtschaftswachstum in Europa. Die Fed holte die Finanzindustrie viel erfolgreicher aus der Krise als die Europäer. Die Bilanzen der US-Banken sind viel stärker als die der europäischen. Wir sind anderen Jahre voraus. Die Fed hat Lorbeeren verdient.

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