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Börsennotierte Goldförderer Minenaktien: Turbo für Goldanleger

Goldmine in Australien: Die Kurse von Goldminenaktien legen meist überproportional zu, wenn der Goldpreis steigt Quelle: imago images

Goldminenaktien zählen zu den spekulativsten Investments, um von einer Goldpreishausse zu profitieren. Sie gleichen einer Option auf den Goldpreis, nur ohne Laufzeitgrenze. Was derzeit für die Goldminen spricht.

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Der Goldpreis bestimmt maßgeblich den Trend von Goldminenaktien. Entsprechend müssen sich Anleger bei einem Investment in Goldminen zunächst klar sein, was für einen stabilen oder gar weiter steigenden Goldpreis spricht. Gold hat zwar nicht in Dollar, dafür aber immerhin in Euro und zahlreichen anderen Währungen unlängst neue Allzeithochs markiert.

Die wichtigsten Bestimmungsfaktoren für den Goldpreis sind das Zinsumfeld und die Inflation.

1. Negativer Realzins

Weil Gold keine Zinsen abwirft, ist es weniger attraktiv für Anleger in Gold zu investieren, je mehr Zinsen sie nach Abzug der Inflation mit Anleihen und anderen Zinsanlagen vereinnahmen können. Wer aber heute nicht in den Hochrisikobereich geht, der zahlt mit Zinsanlagen nach Abzug der Inflation drauf. Selbst nominal rentieren weltweit Anleihen im Volumen von 13,4 Billionen Dollar im negativen Bereich. Real sieht es noch düsterer aus.
Die rasantesten Aufwärtsbewegungen erlebte der Goldpreis in Dollar bisher immer in Phasen, wenn der reale US-Leitzins unter zwei Prozent gefallen war. Nach drei Zinssenkungen der US-Notenbank Fed liegt die Obergrenze des Leitzinses in den USA seit 31. Oktober bei 1,75 Prozent. Die US-Inflationsrate lag zuletzt bei 2,5 Prozent. Das macht real also minus 0,75 Prozent.

2. Störungsanfälliges Weltfinanzsystem

Flankiert wird die lockere Geldpolitik der Fed mit dem Ankauf von Wertpapieren. Sie kauft monatlich für 60 Milliarden Dollar kurzfristige US-Staatsanleihen und stützt inzwischen schon seit September den US-Repo-Markt mit Milliarden Dollar schweren Liquiditätsspritzen. Der Repo-Markt ist ein Teil des Geldmarktes, an dem sich Banken untereinander und von Geldmarktfonds kurzfristig Geld leihen, für wenige Tage oder auch nur für eine Nacht. Im September 2019 stand dieser Billionen Dollar schwere Markt kurz vor dem Kollaps. Das zeigt: Trotz Rekordjagd an den Börsen bleibt das Weltfinanzsystem anfällig für Unfälle. Auch das spricht für Gold. Der negative Zinstrend ist übrigens ein weltweites Phänomen. Allein im vergangenen Jahr haben 41 Zentralbanken 73 Mal die Zinsen herabgesetzt.

3. Gold-Gewinne trotz des starken Dollars

Anti-Dollar wird Gold auch genannt. Denn historisch gesehen liefen Gold und Greenback oft in entgegengesetzte Richtungen, also ein fallender Greenback ging einher mit einem steigenden Goldpreis – und umgekehrt. Der aktuell starke Dollar aber vermag den Goldpreisanstieg allenfalls zu bremsen, nicht aber zu stoppen. Auch das Argument, starke Aktienmärkte seien negativ für Gold, zieht nicht. Es gab in der Vergangenheit immer längere Phasen, in denen es für Gold und Aktien parallel nach oben ging, etwa zwischen 2003 und 2007 oder zwischen 2009 und 2011. Und auch seit Anfang 2016 zeigt der Trend für beide Anlageklassen nach oben. Insgesamt spricht also einiges dafür, dass es für Gold im Trend weiter nach oben geht.

4. Hebel auf den Goldpreis

Und damit werden Goldaktien interessant. Denn sie bieten einen Hebel auf den Goldpreis. Einerseits erlösen die Minen mehr aus Ihren Goldverkäufen. Die Gesamtkosten je geförderter Unze liegen im Goldbergbau derzeit recht konstant bei durchschnittlich 1200 Dollar. Jeder Goldpreisanstieg sorgt demnach für eine Ausweitung der Gewinnmargen. Andererseits steigt der Substanzwert der Minen wegen der höheren Bewertung ihrer Goldreserven. 2019 stieg der Goldpreis in Dollar um 18 Prozent, Goldminenaktien, gemessen am Branchenindex S&P/TSX Global Gold, aber legten um durchschnittlich 40 Prozent zu, also mehr als doppelt so stark.

5. Übernahmefantasie

Auch Übernahmen werden die Minenkurse treiben. Denn das Wachstum der weltweiten Goldförderung flacht ab, 2022 sei der Zenit erreicht, anschließend ginge es bergab, sagt Goldfondsmanager Georges Lequime, Senior Partner bei der Earth Resource Investment Group aus Zug in der Schweiz. Grund: Es gäbe immer weniger lukrative Lagerstätten auf der Welt. Zwischen 1990 und 2007 hat die Goldindustrie 32 Milliarden Dollar ausgegeben für die Erkundung neuer Goldvorkommen. Entdeckt wurden 222 Vorkommen mit einem Goldgehalt von 1726 Millionen Unzen. Zwischen 2007 und 2017 lagen die Explorationsausgaben mit 54 Milliarden Dollar zwar deutlich höher. Gefunden wurden aber nur 41 neue Vorkommen mit einem Goldgehalt von nur 216 Millionen Unzen. Ohne Neuentdeckungen werde die Produktion der 25 größten Goldförderer bis 2030 von aktuell 35 Millionen Unzen auf 21 Millionen Unzen sinken.

Für die großen Goldkonzerne sind Übernahmen eine Alternative, um Produktion und Reserven wieder auszuweiten. Als Übernahmeziele begehrt sind vor allem wachstumsstarke kleine und mittelgroße Goldunternehmen. Darauf ausgerichtet ist auch die Titelauswahl des von Lequime gesteuerten Earth Gold Fund (ISIN DE000A0Q2SD8).

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