Börsenprofessor Max Otte “Das Ganze hat einen gewissen Endspielcharakter!”

Max Otte hat den Crash 2008 vorhergesagt. Seit Monaten warnt der Professor, Buchautor und Fondsmanager vor der nächsten, viel schärferen Krise. Im Gespräch erläutert er, warum – und was Anleger 2015 tun können.

Max Otte im Interview Quelle: Presse

Herr Otte, 2014 war ein bewegtes Börsenjahr. Wie fällt ihre Bilanz zum Jahresende aus?
Max Otte: Insgesamt war das Börsenjahr okay, ich würde sagen, die Bilanz ist verhalten positiv. Was unsere eigenen Fonds angeht, die ja wachstumsorientiert ausgerichtet sind, ist die Bilanz verhalten negativ.

Wo lief es gut, wo eher schlecht?
Wir waren sportlich unterwegs, haben auch in Südeuropa und im Rohstoffbereich investiert - und in diesen Sektoren leider eins drauf bekommen. Aber Qualität hat sich behauptet: Nestlé, Fuchs Petrolub oder Novartis waren schon gut bewertet, haben sich im Absturz aber auch gut behauptet. Im Moment strebt alles zur Qualität. Die ist nun nicht mehr billig, aber es gibt auch noch keine Blase.

Zur Person

Ist der Dax nach der jüngsten Rekordjagd nicht schon zu hoch bewertet?
Im Dax haben wir neue Höchststände gesehen. Dass die 10.000 Punkte erreichbar sind, habe ich schon im Frühjahr 2013 vorhergesagt – da stand der Dax bei 7600 Punkten, inzwischen haben wir diese Hürde schon zweimal genommen. Wenn die Situation politisch stabil bleibt, kann der Dax im kommenden Jahr auch noch auf 11.000 bis 12.000 Punkte steigen. Die 30 Unternehmen im Dax haben seit dem Jahr 2000 im Durchschnitt ein Umsatz- und Gewinnwachstum von 5,5 Prozent pro Jahr erreicht. Daran gemessen ist der Dax mit 9500 Punkten fair bewertet. Insofern mache ich mir wegen der Bewertung noch keine Sorgen. Viele Aktienmärkte sind sogar geradezu billig. Der Sturm auf Aktien wird anhalten.

Auch wenn die ersten Zinserhöhungen der Notenbanken seit Ausbruch der Finanzkrise bevorstehen, bleiben Aktien alternativlos?
Wir haben nun mal die schleichende Entwertung beim Geldvermögen. Wir haben zwar einen Mischfonds, konzentrieren uns aber nach wie vor auf Aktien. Wir würden uns mit Anleihen beschäftigen, wenn es dort vernünftige Chance-Risiko-Verhältnisse gäbe. Aber davon sind wir weit entfernt. Die Verwerfungen im Markt drücken die Renditen von Anleihen derzeit auf ein grotesk niedriges Niveau. Das ist den Aufwand nicht wert. Im Moment konzentrieren wir uns auf reines Stockpicking und ein bisschen Cash.

Welche Rendite die Dax-Aktien liefern
Dividendenrendite sinktFast 9800 Punkte Mitte Januar: Über die vergangenen zwölf Monate ist der Dax zu neuer Höchstform aufgelaufen. Doch kaum eines der großen deutschen Unternehmen wird die Dividende je Aktie im gleichen Maß anheben, wie die Kurse angezogen sind. Nach Berechnungen der Commerzbank (Stichtag 20.1.2014) ist die Dividendenrendite, das Verhältnis von der Ausschüttung je Aktie zum Kurs, im Dax flächendeckend gesunken. Und mit K+S, Eon oder RWE liegen gerade solche Unternehmen vorn, deren Kurse sich weniger berauschend entwickelt haben. Die Dividende dagegen schwankt nicht so stark, sie kann gleich bleiben oder nur leicht zurückgehen. Quelle: dpa
Platz 1: Munich ReAktionäre des größten weltweiten Rückversicherers können sich freuen: Voraussichtlich wird kein anderer Dax-Konzern 2014 relativ zum Aktienkurs mehr ausschütten. Zum 20.1. errechnet die Commerzbank eine Dividendenrendite von 4,59 Prozent. Damit kommen Anteilseigner jedoch schlechter weg als noch vor einem Jahr. Damals betrug das Verhältnis von Dividende zu Kurs mehr als fünf Prozent. Grund: Munich Re könnte laut Studie mit 7,25 Euro nur 25 Cent mehr ausschütten als noch 2013. Das wäre ein geringer Anstieg angesichts satter Kursgewinne (+12 Prozent) im vergangenen Jahr. Quelle: dpa
Platz 2: EonDividendenrenditen von mehr als sieben Prozent wie im vergangenen Jahr kann auch der Energieversorger Eon seinen Aktionären nicht mehr liefern. Atomausstieg und Erneuerbares Energiegesetz (EEG) hat dem Versorger zugesetzt. Nach einem Gewinneinbruch von mehr als 50 Prozent, schaffte der Aktienkurs auf Jahressicht lediglich ein Plus von 1,76 Prozent. Laut Commerzbank könnte Eon daher die Dividende von 1,10 Euro auf 60 Cent kürzen. Dennoch bietet das Unternehmen Aktionären im Dax-Vergleich mit 4,39 Prozent Rendite noch den zweitgrößten Ertrag im Verhältnis zum Aktienkurs. Quelle: dpa
Platz 3: K+SWegen politischer Querelen zwischen Russland und Weißrussland hat der Aktienkurs des Düngemittel-Herstellers im vergangenen Jahr eine rasante Talfahrt durchgemacht. Als die beiden Großkonzerne Uralkali (Russland) und Belaruskali (Weißrussland) ihr Kartell beendeten und damit einen Preisverfall auf dem Markt für Düngemittel auslösten, riss es auch die K+S-Aktie nach unten. In den vergangenen zwölf Monaten büßten K+S-Papiere rund 33 Prozent ein. Die Dividende allerdings könnte weniger stark nachgeben: die Commerzbank rechnet mit Kürzungen von 40 Cent je Aktie – oder 28 Prozent. Dann würde die Dividendenrendite insgesamt nicht fallen, sondern im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht anziehen, von vier auf 4,07 Prozent. Quelle: dpa
Platz 4: Deutsche TelekomAktionäre der Deutschen Telekom können über 3,98 Prozent Dividendenrendite freuen, schätzt die Commerzbank. Das wäre das viertbeste Verhältnis zwischen Ausschüttung je Aktie und Kurs. Die meisten dürfte das dennoch enttäuschen: im Vorjahr konnten Anteilseigner noch 8,14 Prozent Dividendenrendite einstreichen. Grund für den starken Rückgang: Während die Telekom ihre Dividende je Aktie laut Commerzbank für 2014 von 70 auf 50 Cent sogar senken könnte, war der Aktienkurs binnen eines Jahres um 42,6 Prozent gestiegen. Quelle: dpa
Platz 5: AllianzAuch die Allianz hat mit geschätzten 3,95 Prozent eine niedrigere Dividendenrendite vorzuweisen als im vergangenen Jahr (4,29 Prozent). Trifft die Einschätzung zu, würde das Verhältnis zwischen Dividende und Aktienkurs etwa auf dem Stand von 2007 liegen. Der Aktienkurs des Versicherers ist um rund 19,5 Prozent gestiegen. Bei der absoluten Dividende erwarten die Analysten der Commerzbank einen Anstieg von 4,5 Euro auf 5,25 Euro je Aktie. Quelle: dpa
Platz 6: RWEMit RWE findet sich ein weiterer Versorger unter den Dax-Konzernen mit der höchsten Dividendenrendite. Sie soll für das Jahr 2013 bei 3,71 Prozent liegen und ist damit rund 2,7 Prozent niedriger als im Vorjahr. Wie Eon und EnBW hatte auch RWE mit der Energiewende und den daraus entstehenden Verlusten zu kämpfen. Die Commerzbank erwartet, dass der Versorger seinen Anlegern einen Euro pro Aktie statt zwei Euro wie im vergangenen Jahr zahlt. Der Kurs der RWE-Aktie hat im vergangenen Jahr rund 4,1 Prozent verloren. Quelle: dpa

Sie haben auch große Positionen an Energiewerten und Minenaktien in Ihrem Portfolio. Ist das nicht sehr gewagt?
Wir haben zehn Prozent Goldminen in unseren Fonds, seit eineinhalb Jahren. Bei Goldminen gibt es inzwischen null Prozent Bullen. Für einen Value-Investor ist das eine gute Sache, weil sich das irgendwann ändern muss. Aber man muss die Geduld haben, das ein bis zwei Jahre auszusitzen. Nach eineinhalb Jahren könnte jetzt langsam mal was passieren. Wir springen nicht auf Züge auf, sondern setzen auf das, was gerade schwach ist. Da muss man dann durch.

Andererseits hält der Russland-Ukraine-Konflikt die Börse weiter in Atem.
Über den Wirtschaftskrieg der USA gegen Russland, vor allem seit dem Frühsommer, bin ich sehr erschrocken und enttäuscht. Das Streben der USA nach Dominanz in der Region erzeugt eine sehr instabile Situation.

Sagen Sie das mit Blick auf den Ölpreis, der durch die OPEC und das amerikanische Fracking-Öl gerade künstlich niedrig gehalten wird, um Russland in die Knie zu zwingen?
Die ganze Welt ist doch mittlerweile kartellisiert. Goldman Sachs und Blackrock allein haben in der Finanzwelt einen Rieseneinfluss, auch bei Flugzeugbauern gibt es ein Duopol. Selbst in der Informationstechnik sind es auch nur die Giganten mit Microsoft, Google, Apple und IBM. Wir haben doch keine freien Märkte. In vielen Märkten steht letzten Endes Amerika dahinter. Beim Öl haben wird die Fracking-Förderung in den USA intensiviert, was wiederum Saudi-Arabien und die OPEC anspornt. Solche Preiskämpfe und der Wirtschaftskrieg gegen Russland sind einige der Gefahren. So etwas kann auch zum Absturz führen.

„Merkel macht das Spiel mit und agiert amerikahörig“

Nur ein Absturz oder die nächste schwere Krise?
Ich habe schon mehrfach gesagt, dass ich das nun für eine reale Gefahr halte. Das Risiko kriegerischer Auseinandersetzungen ist so hoch wie seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr – vielleicht abgesehen von der Kuba-Krise. Wenn jetzt Krieg ausbricht oder sich der Wirtschaftskrieg verschärft, bekommen wir eine Weltwirtschaftskrise. Die hatten wir 2008 nicht. Heute glaubt Amerika, den sogenannten unilateralen Moment mit aggressiver Politik in eigene Expansions- und Machtvorteile umwandeln zu können. Darüber wird in den Eliten der USA offen philosophiert.

Glauben Sie, Russland wird nachgeben?
Ich hatte mal die Gelegenheit, Putin kennenzulernen. Der wird nicht einknicken. Aber Amerika will diese Auseinandersetzung, um Russland in die Knie zu zwingen. Das macht die Situation so gefährlich. Die USA sehen die Chance zur Expansion und Putin wehrt sich – nicht gerade überraschend. Die Krim kann er aber nicht mehr hergeben, in den Enklaven der Ostukraine hätte er gerne Autonomie. Dann hätte man wenigstens einen kleinen freien Streifen zwischen dem Westen und Russland. Das will aber der Westen nicht. Merkel macht das Spiel mit und agiert amerikahörig. Amerika setzt darauf, dass Russland irgendwann einknickt. Die potenziellen Schäden bis hin zur kriegerischen Auseinandersetzung in Europa sind zumindest einigen Strategen in Amerika relativ egal. Kein Wunder, dass drei Altkanzler der Bundesrepublik eine andere Russlandpolitik gefordert haben.

Wo deutsche Unternehmen in Russland aktiv sind
E.On-Fahnen Quelle: REUTERS
Dimitri Medwedew und Peter Löscher Quelle: dpa
Dem Autobauer bröckelt in Russland die Nachfrage weg. Noch geht es ihm besser als der Konkurrenz. Martin Winterkorn hat einige Klimmzüge machen müssen - aber theoretisch ist das Ziel erreicht: Volkswagen könnte in Russland 300.000 Autos lokal fertigen lassen. Den Großteil stellen die Wolfsburger in ihrem eigenen Werk her, das 170 Kilometer südwestlich von Moskau in Kaluga liegt. Vor gut einem Jahr startete zudem die Lohnfertigung in Nischni Nowgorod östlich Moskau, wo der einstige Wolga-Hersteller GAZ dem deutschen Autoriesen als Lohnfertiger zu Diensten steht. Somit erfüllt Volkswagen alle Forderungen der russischen Regierung: Die zwingt den Autobauer per Dekret dazu, im Inland Kapazitäten aufzubauen und einen Großteil der Zulieferteile aus russischen Werken zu beziehen. Andernfalls könnten die Behörden Zollvorteile auf jene teuren Teile streichen, die weiterhin importiert werden. Der Kreml will damit ausländische Hersteller zur Wertschöpfung vor Ort zwingen und nimmt sich so China zum Vorbild, das mit dieser Politik schon in den Achtzigerjahren begonnen hat. Die Sache hat nur einen Haken: Die Nachfrage in Russland bricht gerade weg - nicht im Traum kann Volkswagen die opulenten Kapazitäten auslasten. 2013 gingen die Verkäufe der Marke VW um etwa fünf Prozent auf 156.000 Fahrzeuge zurück. Wobei die Konkurrenz stärker im Minus war. Hinzu kommt jetzt die Sorge um die Entwicklungen auf der Krim. VW-Chef Martin Winterkorn sagte der WirtschaftsWoche:

Sie erwarten also, dass dieser Konflikt die Börse noch lange beschäftigen wird?
Es ist eine sehr dynamische und damit instabile Situation. Die Frage ist ja, wie weit kann das gehen? Russland hat eine relativ geringe Staatsverschuldung. Die können das schon noch ein oder zwei Jahre durchhalten. Aber was dann passiert – wer weiß. Ich sehe jedenfalls nicht, dass der Westen in irgendeiner Form Signale der Entspannung sendet. Die Gefahr, dass das entgleist, ist relativ hoch. Aber letzten Endes setze ich mit meinem Fonds doch auf die Vernunft, etwa weil ich die billigen Zykliker gekauft habe.

Alles andere könnte in einer neuen Krise untergehen?
Die ganze Sache hat schon einen gewissen Endspielcharakter. Neben der Russlandfrage, erweist sich ja auch die Politik der Notenbanken  mehr und mehr als Sackgasse. Die zunehmenden staatssozialistischen Maßnahmen ziehen nicht mehr, der Westen ist also auch am Ende. Nach dem Finale kommt es sicher zur Neuordnung des Währungssystems, vielleicht kommt ein Schuldenschnitt oder etwas in der Art. Trotzdem halte ich weiter Aktien, weil sie Sachvermögen - "real Assets" - sind und auch Währungskrisen überstehen. Trifft der schlimmste Fall ein, müssen wir uns über ganz andere Dinge Gedanken machen. Dann müssen wir nicht mehr über die Börse nachdenken.

"Mario Draghi wird Italiens Präsident"
„Der britische Immobilienmarkt wird zusammenbrechen“Bei ihren unwahrscheinlichen, aber nicht zu unterschätzenden Szenarien, geht die Saxo Bank unter anderem davon aus, dass der britische Immobilienmarkt zusammenbrechen wird. Die bevorstehende Zinserhöhung der Bank of England wird die Nachfrage einbrechen lassen und die Preise um 25 Prozent drücken. Quelle: Saxo Bank, Outrageous PredictionsBei den „Outrageous Predictions“ handelt es sich laut Saxo Bank um zehn Szenarien, die zwar unwahrscheinlich sind, bei Unterschätzung der mit ihnen einhergehenden Risiken jedoch enorme Folgen für die globalen Märkte hätten. Quelle: dpa
„China wertet den Yuan um 20 Prozent ab“China macht einen auf Japan und wertet beim Kampf gegen die Deflation die Währung massiv ab. Damit reiht sich die chinesische Zentralbank in den Abwertungswettlauf ein, um die eigene Wirtschaft zu stützen. Quelle: REUTERS
„Mario Draghi legt sein Amt nieder und wird Italiens Präsident“Ein unwahrscheinliches, aber mögliches Szenario: EZB-Chef Mario Draghi überlässt den Kampf für die Inflation und die Wirtschaft Europas einem anderen. Stattdessen kandidiert er als Präsident in Italien und erhält dafür eine Empfehlung des aktuellen Präsidenten Napolitano, der sich damit für die niedrigen Zinsen bei den Staatsanleihen bedankt. Quelle: REUTERS
„Europa wird keinen Sommer erleben“Der der bereits aktive isländische Vulkan Bardarbunga wird ausbrechen und giftiges Schwefeldioxid freisetzen. Der Himmel über Europa wird sich verdunkeln und das Klima wird sich verändern. Ängste vor Ernteausfällen werden die Getreidepreise in die Höhe treiben. Quelle: dpa
„Der Kakaopreis wird auf 5.000 Dollar pro Tonne steigen“Die asiatische Mittelschicht wird immer größer und verlangt immer mehr nach Schokolade – und auch der Westen greift immer häufiger zu Kakaoprodukten. Damit wird die Nachfrage nach Kakao das Angebot weit übertreffen und den Preis auf 5.000 Dollar pro Tonne treiben. Quelle: dpa-dpaweb
„Großbritannien steht vor dem Austritt aus der EU“Bei der Wahl im Mai 2015 wird die UKIP überraschend 25 Prozent der Stimmen auf sich vereinen und eine Koalition mit der Konservativen Partei eingehen. Schließlich wird die UKIP dann ein Referendum zum Austritt aus der EU ausrufen. Quelle: REUTERS
„Hochzinsanleihen schießen durch die Decke“Bei hochverzinslichen Anleihen werden Anleger vor geringer Liquidität und starken Preisrückgängen stehen. Wenn alle durch den engen Flaschenhals flüchten und verkaufen, wird die europäische Wirtschaft wieder erschüttert. Der Markit iTraxx Europe Crossover-Index verdoppelt sich 2015 auf 700 Basispunkte. Quelle: dpa

Wie bereiten Sie sich auf eine neue Krise vor?
Deshalb setze ich auf Sachvermögen, den Schwankungen zum Trotz vor allem auf Aktien und etwas Gold. Anlagen in Geldforderungen sind hingegen deutlich zu verringern, zumal es dort auch keinen Renditen gibt.

Selbst die gestiegenen Renditen der US-Staatsanleihen sind für Sie uninteressant?
Ich will den Teufel nicht an die Wand malen. Aber mit Geldvermögen fühle ich mich im Moment unwohl, obwohl es natürlich weniger schwankt. Wenn die Zinsen noch etwas steigen, würden wir uns US-Staatsanleihen nochmal ansehen. Aber was soll ich mit einer amerikanischen Staatsanleihe mit drei Prozent Verzinsung, wenn ich bei Aktien vier bis fünf Prozent Dividendenrendite bekomme? Wenn sie sich die Verschuldungssituation der Staaten anschauen, die ihre Rückzahlungen strecken oder auch mal ausfallen lassen, sieht man, dass der Westen mit der Politik des billigen Geldes an Grenzen stößt. Dann ist eine Dividendenausschüttung auch nicht unsicherer als der Schuldendienst der Staaten.

„Gold ist eine Versicherung“

Welche Aktien sollten eine Katastrophe überstehen?
Was kann schon passieren, wenn Sie sich an die großen Oligopole, sprich die großen Ölfirmen, die großen Nahrungsmittelkonzerne oder großen IT-Unternehmen halten? Das sind planbare Märkte, auch wenn mal der eine und dann wieder der andere die Nase vorn hat. Für Privatanleger ist es sicherlich eine Basisstrategie, sich an die großen Namen zu halten. Mit großen stabilen Ölwerten, Nahrungsmittelkonzernen und Konsumwerten wie etwa Nestlé, Procter & Gamble, Beiersdorf und Henkel, großen Pharmakonzernen oder auch Autokonzernen liegen Anleger derzeit nicht so schlecht. Damit können sie ihr Vermögen unter Schwankungen schon über die Krise bringen. Das sind alles globale Konzerne. Viele davon sitzen in den USA und profitieren von der dort sehr aktiven Industriepolitik. Dafür ist Amerika schon ein bisschen teurer als andere Regionen, gemessen daran kosten viele europäische Aktien nur ein Drittel. Deswegen steckt in unseren Fonds auch viel Europa – auch wenn das im Moment nicht hilft

Aktien in engeren Märkten eigenen sich nicht?
Für Privatanleger sind sie anspruchsvoll. Aber natürlich finden sich Spezialtitel mit guten Chancen. Ein Beispiel ist der Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont mit Marken wie Cartier, Dunhill und vielen mehr. Das Unternehmen hat eine total saubere Bilanz und Wachstumspotenzial in Asien. Schwanken werden aber auch solche Aktien.

Reich sein ist trendy
Der Reichtum in Deutschland wächst und verfestigt sich – das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie. Ebenso wie die Armut hat auch der private Reichtum in Deutschland über die vergangenen zwei Jahrzehnte deutlich zugenommen. Der Anteil der Personen, die reich oder sehr reich sind, liegt heute um ein gutes Drittel höher als Anfang der 1990er Jahre: Galten 1991 noch 5,6 Prozent aller Menschen in Deutschland wegen ihres verfügbaren Haushaltseinkommens als reich oder sehr reich, waren es 2011, dem jüngsten Jahr, für das Daten vorliegen, 8,1 Prozent. „Die sehr Reichen setzen sich vom Rest der Bevölkerung regelrecht ab“, sagen die Autoren. Quelle: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung Quelle: dpa
Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg Schaeffler sind derzeit die reichste Familie in Deutschland: Der Studie zufolge haben die Einkommen der sehr Reichen stärker zugelegt als im Durchschnitt der Gesellschaft. Die Gruppe ist zwar sehr klein, doch ist sie im Verhältnis besonders stark gewachsen – von 0,9 Prozent aller Personen 1991 auf 1,9 Prozent im Jahr 2011. Das liegt wesentlich am höheren Anteil, der reichen und insbesondere sehr reichen Personen aus Kapitaleinkommen zufließt. Und: Wer einmal reich oder sehr reich ist, muss zunehmend weniger fürchten, beim Einkommen in die Mittelschicht „abzusteigen“. Quelle: dpa
Konzernvorstände wie Daimler-Chef Dieter Zetsche, dessen Gesamtvergütung im vergangenen Jahr 8,25 Millionen Euro betrug, liegen weit über der Grenze zum Reichtum: Reich ist nach gängiger wissenschaftlicher Definition wer in einem Haushalt lebt, der das Doppelte und mehr des mittleren verfügbaren Jahreseinkommens hat. Dieses beträgt rund 18.000 Euro pro Person. Für Alleinstehende gilt demnach: Eine Person, die netto mindestens knapp 36.000 Euro im Jahr als verfügbares Einkommen hat, gehört zur Gruppe der Reichen. Als sehr reich wird bezeichnet, wer mindestens dreimal so viel wie üblich hat. Die Untergrenze für einen Alleinstehenden liegt hier also bei knapp 54.000 Euro. Quelle: dpa
Vermögenseinkommen gewinnen an Bedeutung: Da Menschen mit hohen Einkommen sehr häufig auch größere Vermögen besitzen, profitieren sie in besonderem Maße von Zinsen, Dividenden oder Mieteinnahmen. Gerade während der 2000er Jahre haben sich Kapitaleinkommen deutlich stärker entwickelt als Lohneinkommen. Und durch die pauschale Abgeltungssteuer werden sie niedriger besteuert als Arbeitseinkommen. Bei den sehr Reichen stammten so 2011 rund 24 Prozent des Einkommens aus Vermögen, bei den Reichen waren es noch 12 Prozent. Unter Menschen mit mittleren Einkommen machen die Vermögenserträge dagegen acht Prozent aus, bei ärmeren lediglich vier Prozent. Quelle: dpa
Auf dem Weg zur Schule: Schüler, die später das Abitur machen, haben eine rund doppelt so hohe Chance, reich oder sehr reich zu sein wie Personen mit mittlerer Reife. Umgekehrt sinkt die Wahrscheinlichkeit für Menschen mit Hauptschulabschluss oder ohne Abschlusszeugnis. Schaut man auf die Berufe, machen Angestellte zwar den größten Teil der Reichen aus. Mit Blick auf ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung, sind aber Selbständige, Freiberufler und Unternehmer unter den Reichen und vor allem den sehr Reichen deutlich überrepräsentiert. Die Chance von Selbständigen, sehr reich zu sein, ist mehr als 3,5 mal höher als bei Angestellten. Beamte sind vor allem unter den Reichen relativ gut vertreten. Arbeiter und nicht Erwerbstätige bilden hingegen in beiden Gruppen nur eine kleine Minderheit. Quelle: dpa
Werbung für das ostdeutsche Bundesland Sachsen: Weiterhin gibt es erhebliche Unterschiede zwischen alten und neuen Ländern. Der Erhebung zufolge zählen nur 3,1 Prozent der Ostdeutschen zu den Reichen, verglichen mit 9,4 Prozent im Westen. Auch zwischen der Haushaltsstruktur und dem Einkommen besteht ein signifikanter Zusammenhang: Paare ohne Kinder finden sich am häufigsten unter den Reichen und insbesondere den sehr Reichen. Ein bedeutender Einflussfaktor ist zudem die Anzahl der Kinder im Haushalt. Die Wahrscheinlichkeit reich beziehungsweise sehr reich zu sein, verringert sich pro Kind um 27 Prozent beziehungsweise 20 Prozent. Quelle: dpa
Ein hilfsbedürftiger Mann bittet auf dem Kurfürstendamm in Berlin um Spenden: Im Zeitverlauf von 1991 bis 2011 habe sich die Einkommensverteilung am oberen Rand „merklich verfestigt“, konstatieren die Wissenschaftler. Da die Gruppe der Reichen insgesamt gewachsen ist, sind die Chancen, aus darunter liegenden Gruppen aufzusteigen, zwar relativ konstant geblieben. Abstiege aus der Gruppe der Reichen oder sehr Reichen sind hingegen über die Jahre deutlich seltener geworden. Was für die betroffenen Besserverdiener erfreulich ist, stellt die Gesellschaft insgesamt vor Probleme, sagen die Autoren. Die zunehmende Konzentration der Einkommen und Vermögen am oberen Ende der Hierarchie vergrößerten die Ungleichheit. Quelle: dpa

Wie passt denn Gold in Ihr Portfolio?
Gold ist eine Versicherung. Am Goldmarkt ist derzeit der Pessimismus sehr hoch. Wenn es rummst, ist physisches Gold sicherlich eine echte Absicherung, also ein Vermögenswert, der sich gegen den Markt entwickeln sollte. Die Goldminen in unserem Fonds sind hingegen eine aggressivere Investition. Selbst zum jetzigen Goldpreis sind die Minen profitabel. Dreht der Goldpreis nach oben, haben die Minen gleich eine Gewinnexplosion. Das ist eine gute Basis.

Wie gehen Sie jetzt ins neue Jahr?
Ich bleibe so aufgestellt. Ich habe meine Qualitätstitel, meine billigen europäische Zykliker, ich habe Gold aufgestockt – was soll man sonst tun? Als Value-Investoren sitzen wir das aus. Was uns jetzt passieren kann, ist, dass einzelne Titel absaufen. Zum Beispiel halten wir kleine Positionen der russischen Sberbank und von Gazprom. Dabei haben wir unseren Russland-Anteil auf maximal fünf Prozent begrenzt. Die beiden Aktien stehen satt im Minus – eine Gelegenheit zum Aufstocken. Wir kaufen gerne billig.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Rechnen Sie damit, dass die Kursschwankungen weiter zunehmen?
Wir hatten jetzt eine Zeit lang steigende Volatilität. Die Wahrscheinlichkeit ist daher jetzt auch sehr hoch, dass sie wieder abklingt. Darauf zu wetten, finde ich als Anlagestrategie zu spekulativ. Anleger rennen da immer hinterher. Ich plädiere für die Langfristanlage und der Anlage in Qualitätsaktien – und ich glaube, das ist für Privatanleger auch das Beste.

Ihr Rat für Privatanleger im Jahr 2015?
Anleger sollten darauf achten, dass ihr Portfolio ordentlich gestreut ist, möglichst bestückt mit den Klassikern aus den oligopolistischen Märkten. Damit können sie gut schlafen. Ein bisschen Gold, und wer es sich zutraut, noch ein paar Spezialtitel. Aufgrund einer politischen oder volkswirtschaftlichen Situation auszusteigen, ist meistens falsch. Anleger müssen daher eher auf den Einzeltitel achten und sich die Frage stellen, wie der bewertet ist.

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