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Börsenprofi Lingohr "Es wird langsam etwas heiß"

Auf der Suche nach spannenden Aktien beobachtet Vermögensverwalter Frank Lingohr derzeit vor allem Finanztitel. Warum er mit einer baldigen Kurskorrektur rechnet und dennoch viele Einstiegschancen sieht.

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Frank Lingohr, Gründer und Chef der unabhängigen Vermögensverwaltung Lingohr & Partner in Erkrath bei Düsseldorf, ist einer der bekanntesten Profianleger Deutschlands. In seinem Flaggschifffonds, dem Lingohr Systematic LBB Invest, verwaltet er ein Vermögen von mehr als 1,2 Milliarden Euro. Seine Investmentstrategie setzt systematisch und mit computergestützter Vorauswahl auf unterbewertete Aktien mit Wachstumsperspektive. Quelle: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche Online: Herr Lingohr, die Jahresendrally ist im vollen Gange, kaum ein Tag ohne Börsenrekorde. Beunruhigt Sie das?

Lingohr: Wir haben ein außergewöhnliches Jahr an den Aktienmärkten gehabt. Wenn wir wie jetzt im Dax oder im amerikanischen S&P-500-Index mit 27 Prozent im Plus liegen, dann ist das exzellent. Das erleben wir nicht oft. Und natürlich freue ich mich wie jeder andere über steigende Kurse. Aber es wird langsam etwas heiß. Ich würde als Anleger, der voll in Aktien investiert ist, sicherlich so langsam 20 bis 25 Prozent verkaufen und die Barreserven erhöhen.

Das heißt, Sie halten es für möglich, dass sich die Börsenkurse dem Zenit nähern?

Dem Zenit nicht unbedingt. Aber ich halte es für möglich, dass wir eine Korrektur bekommen. Viel deutet darauf hin: Insider etwa verkaufen sehr stark. Das bedeutet aber nicht, dass ich pessimistisch bin, längerfristig bin ich sogar eher optimistisch. Aber es geht gerade alles ein bisschen schnell.

Auf was für ein Jahr blicken Sie für Ihr Portfolio zurück?
Wir bei Lingohr hatten in diesem Jahr Performanceprobleme mit dem weltweit investierenden Fonds. Zum einen weil wir alle Märkte gleich gewichten, was zu einer Untergewichtung des amerikanischen Marktes führt. Zum anderen wegen der Schwellenländer-Investments. Wir haben lange Jahre von dieser Mischung sehr profitiert, aber diesmal haben uns die asiatischen Titel Performance gekostet.

Diese Indizes haben 2013 am meisten zugelegt
ATXDer Australien Traded Index (ATX) bildet die 20 größten börsennotierten Unternehmen Österreichs ab. In den ersten drei Quartalen hat der Leitindex ein Plus von sechs Prozent verbucht. Die dazugehörige Wiener Börse ist 1771 gegründet worden und gehört damit zu den ältesten Handelsplätzen der Welt. Heute beherbergt sie neben dem klassischen Wertpapierhandel auch die Strombörse EXAA sowie die CEGH Gas Exchange. Quelle: dpa
Euro-Stoxx-50Noch mehr zulegen konnte der Euro-Stoxx 50, der die 50 größten börsennotierten Unternehmen der Eurozone beinhaltet. Zehn Prozent legte das europäische Börsenbarometer seit Beginn des Jahres zu. Wenn sich die europäische Wirtschaftslage weiterhin stabilisiert und das Vertrauen der Anleger steigt, ist bis zum Jahresende noch mehr drin. Quelle: dapd
DAXDer deutsche Leitindex DAX belegt im internationalen Vergleich Rang sieben. Im Verlauf der ersten drei Quartale des Jahres konnte der deutsche Aktienindex 13 Prozent zulegen. Für das vierte Quartal sind Analysten ebenfalls optimistisch. Die meisten von ihnen sehen lediglich die Gefahr zwischenzeitlicher Rücksetzer an den Börsen. „Wir gehen davon aus, dass wir die Jahreshöchststände noch nicht gesehen haben“, schreiben etwa die Marktspezialisten der Landesbank Baden-Württemberg. Quelle: dpa
Dow JonesDie lockere Geldpolitik der Fed hat sich für den amerikanischen Aktienindex Dow Jones rentiert. Nachdem klar war, dass die US-Notenbank weiterhin monatlich Immobilienpapiere und Anleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar kaufen wird, ging es für den Index nach oben. Allgemein stieg der Wert des Dow Jones' in den ersten neun Monaten des Jahres um 15 Prozent. Quelle: AP
SMIDer Schweizer Leitindex "Swiss Market Index" (SMI) zieht sogar am amerikanischen Dow Jones vorbei. Der SMI legte bis September um 16 Prozent zu. Grund dafür dürften die starken Kursgewinne von UBS und Credit Suisse sein, die im Index enthalten sind. Quelle: AP
Nikkei 225Die wirtschaftlichen Reformpläne in China haben zu Wochenbeginn für gute Stimmung an den Aktienmärkten in Fernost gesorgt. Die internationalen Märkte wird es freuen, weil der ohnehin schon erfolgreiche japanische Index Nikkei 225 dadurch noch mehr zulegen könnte. Bis September 2013 legte der Index um 40 Prozent zu. Quelle: AP
GSE-All-Share-IndexNoch stärker legte der GSE-All-Share-Index an der Börse in Ghana zu. Im internationalen Vergleich erreicht die Börse in Accra mit einem Plus von 44 Prozent den dritten Rang - vor Europa, Deutschland, den USA und der Schweiz. Der Grund für den starken Zuwachs ist das gute Rohstoffgeschäft der Minengesellschaften, die den Index dominieren. Quelle: dpa

Wenn man den langfristigen Verlauf Ihres Flaggschiff-Fonds Lingohr-Systematic mit der weltweiten Entwicklung der Aktienmärkte vergleicht, waren Sie in langen Phasen erfolgreicher, haben den Vorsprung aber auch immer wieder eingebüßt. Jetzt scheinen Sie wieder an so einem Punkt angelangt zu sein.
Und danach ist es immer wieder aufgegangen. Ganz genau. Ich bin optimistisch fürs nächste Jahr. So schnell wie das Wachstum an den Märkten derzeit ist, kann es nicht weitergehen. Das würde mir Angst machen, ich mag es lieber etwas langsamer.

Warum sind Sie dennoch langfristig optimistisch gestimmt?
Normalerweise schneiden wertorientierte Investoren, also Value-Investoren, wie wir es sind, im langfristigen Trend besser ab als wachstumsorientierte Anleger. Aber in den vergangenen fünf Jahren lief die Value-Strategie stark unterdurchschnittlich. Ich bin der Überzeugung, dass sich das jetzt drehen wird.

Vor einem halben Jahr waren Sie der Meinung, dass viele Aktien noch unterbewertet seien. Sehen Sie das heute noch genauso?
Die Situation ist paradox. Wir finden nicht nur mehr unterbewertete Titel, sondern der Abstand zwischen den unter- und überbewerteten Titeln ist sehr viel größer als üblich. Durch die expansive Notenbankpolitik ist sehr viel Geld in defensive Titel geflossen, beispielsweise in Pharmaaktien. Das hat dazu geführt, dass die defensiveren Titel sehr viel stärker gelaufen sind als normale Value-Titel, die am Konjunkturzyklus hängen. Wir sind also jetzt in einer Situation eines eher hitzigen Marktes, aber trotzdem finden wir Aktien, die teilweise 35 bis 40 Prozent unter ihrem fairen Wert notieren und unserem Stil entsprechen. Das ist eine Menge Holz.

"Wir sichern uns nicht ab"

Investoren warnen vor Börsencrashs
Der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller warnte davor, dass die stark steigenden Preise an Aktien- und Immobilienmärkten zu gefährlichen Finanzblasen führen könnten. „Ich rufe noch nicht Alarm. Aber in vielen Ländern liegen die Kurse an der Aktienbörse auf einem hohen Niveau, und auch an manchen Immobilienmärkten sind die Preise stark angestiegen“, sagt der US-Ökonom dem „Spiegel“. Diese Entwicklung könne böse enden. "Der Boom am Aktienmarkt in den USA macht mir die meisten Sorgen", so Shiller. "Auch weil unsere Wirtschaft noch immer schwach und anfällig ist." Für ihn sind Preisblasen eine "gesellschaftliche Geisteskrankheit". Seine "Sorge" sei viel mehr, jenes von ihm entwickelte Maß des zyklisch bereinigten Kurs-Gewinn-Verhältnis. Aktien seien aber derzeit noch nicht übertrieben teuer. Er selbst habe sein Geld in Aktien angelegt, "die ich noch für niedrig bewertet halte". Dazu zählten laut Shiller Werte "etwa aus dem Energie- und Gesundheitssektor. Ich setze aber auch auf weltweite Aktienindizes", sagte er. Aus Branchen wie dem Finanz- und Technologiesektor habe er sich bereits zurückgezogen. Quelle: REUTERS
Der amerikanische Großinvestor Warren Buffett macht sich keinerlei Sorgen um den Aktienmarkt. Er erklärte: Aktien seien nicht überkauft, sondern befänden sich einer "Zone der Angemessenheit". Aktien würden nicht auf Blasen-Niveau notieren. "Man muss sein Vermögen in irgendetwas investieren und ich denke, dass gute Unternehmen, in die man sein Geld für lange Zeiträume steckt, mit Sicherheit gute Ergebnisse liefern werden." Quelle: dapd
Analysten der Deutschen Bank erwarten einen Absturz des deutschen Aktienmarkts. Dies berichtet das " Wall Street Journal". Die Prognose: Zum Jahresende werden der Dax nur noch bei 8400 Punkten liegen. Der Pessimismus rührt von den relativ schwachen Zahlen für das dritte Quartal her, die viele Unternehmen in den letzten Wochen vorgelegt haben. Eine Aufwärtsbewegung soll es demnach erst im kommenden Jahr wieder geben. "Ende 2014 dürfte der Dax mit der Erholung der Weltwirtschaft [...] zulegen und auf 9700 Punkte steigen", lautet die Prognose der Deutsche-Bank-Analysten. Quelle: REUTERS
Finanzinvestoren sollten sich nach Einschätzung der europäischen Branchengröße Permira nicht von den günstigen Kreditkonditionen blenden lassen. "Nur weil man derzeit viel Geld leihen kann, ist es nicht unbedingt eine gute Idee, dies auch zu tun", sagte Co-Chef Kurt Björklund. Das günstige Marktumfeld verlange ein großes Maß an Disziplin, um nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Permira ist eine der größten europäischen Beteiligungsgesellschaften, die Konzerne wie Hugo Boss und ProSieben Sat1 in ihrem Portfolio hat. Quelle: dpa
Der umtriebige US-Investor Carl Icahn hat nach eigenen Angaben momentan besonders leichtes Spiel. "Meiner Meinung nach gab es noch nie eine bessere Zeit für aktivistische Investoren", sagte der Profi-Anleger. Wegen der anhaltend niedrigen Zinsen seien Übernahmen derzeit günstiger und leichter umsetzbar als sonst. Allerdings hat der Großinvestor auch Bedenken vor einem zu großen Engagement an den Börsen geäußert. Er sei derzeit bei Aktien sehr vorsichtig, sagte Icahn auf einer Reuters-Veranstaltung. Schließlich könnten die Kurse tief fallen, weil die Gewinne vieler Unternehmen mehr durch die niedrigen Kreditzinsen befeuert würden als durch die Strategie des Managements. Diese Einschätzung des 77-jährigen Milliardärs, der mit seinen Investitionen oft saftige Gewinne einfährt, sorgte an der New Yorker Börse für Aufsehen. Der S&P 500, der vor Icahns Rede praktisch unverändert notiert hatte, gab 0,4 Prozent nach. Der für sein aggressives Auftreten gegenüber dem Management seiner Beteiligungen bekannte Icahn signalisierte zudem, dass er seinen Kampf bei Apple nicht aufgeben wolle. Der Investor fordert, dass der US-Konzern sein Aktienrückkaufprogramm auf 150 Milliarden Dollar ausbaut. Apple will dem bisher nicht nachkommen. Quelle: REUTERS
Auch der US-Investor Jim Rogers hatte vor Kurzem vor Kurseinbrüchen um bis zu 50 Prozent gewarnt. Für ihn sei die aktuelle Bewertung von US-Aktien nicht zu rechtfertigen. Die wirtschaftliche Situation er USA gebe einen solchen Jubel nicht her, auch wenn der Shutdown abgewendet worden sei. "Es ist total künstlich, was wir sehen", sagt er gegenüber dem Deutschen Anleger Fernsehen. "Wenn der Markt das nächste Mal einbricht, dann geht es bis zu 50 Prozent nach unten." Quelle: AP
Mitte September hatte auch die EZB zur Vorsicht gemahnt. In einem Interview mit der "Bild" sagte EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen auf die Frage, ob eine neue Blase oder ein neuer Crash drohten: "Leider haben viele Investoren ein kurzes Gedächtnis. Wir müssen immer damit rechnen, dass es zu Instabilitäten kommt." Quelle: dpa

Wie sichern Sie Ihre Fonds denn gegen eine drohende Korrektur oder einen Crash ab?
Wir sichern uns nicht ab, das haben wir noch nie gemacht. Wir kaufen einfach unterbewertete Titel. Der Grund ist einfach: Wenn Sie die 40 stärksten Monate in den vergangenen 80 Jahren verpasst hätten, dann wäre Ihre Performance sehr, sehr schlecht gewesen. Dann hätten Sie aus dem Aktienmarkt nur so viel wie bei Staatsanleihen herausgeholt.

Sie schützen sich nicht einmal vor Wechselkursrisiken?
Nein. Wir sind der Überzeugung, dass wir Wechselkursveränderungen nicht vorhersehen können. Daher würde eine Absicherung nur Kosten für unsere Kunden verursachen. Außerdem sichern viele global agierende Unternehmen wie die Volkswagen AG ihre Währungsrisiken selbst ab – mit eigenen Mechanismen könnten wir möglicherweise die Strategie, die Volkswagen verfolgt, konterkarieren. Das ergibt keinen Sinn. Längerfristig und global gleichen sich die Wechselkursschwankungen ohnehin aus.

Was betrachten Sie als langfristig? Wie lange halten Sie Ihre Titel?
Die durchschnittliche Haltedauer liegt ungefähr bei 600 Tagen.

Wenn ich das richtig gesehen habe, schlagen Sie mehr als ein Drittel Ihres Portfolios einmal im Jahr um.
Der wahre Turnover liegt vermutlich noch höher, weil wir ja immer nach einem halben Jahr ein „Rebalancing“ vornehmen. Es gehört zu unserer Philosophie, dass wir systematisch investieren. Alle sechs Monate stellen wir das Gleichgewicht unter den Ländermodulen, die aus einem oder mehreren kleineren Länder bestehen können, wieder her und innerhalb der Ländermodule auch das Gleichgewicht zwischen den Aktien. Davon abgesehen haben wir eigentlich eine umschichtungsarme Strategie.

Ihr zweites Prinzip ist die computergestützte Titelauswahl.
Wir haben nur eine computergestützte Vorauswahl. Diese Titelauswahl ist nur vorläufig und nicht endgültig. Damit finden wir anhand einer Vielzahl von Faktoren unterbewertete Aktien. Danach fängt die Arbeit erst an: Wir müssen die Papiere finden, die wirklich unterbewertet sind und fundamental gute Chancen haben. Wenn man sich komplett auf den Computer verlässt, erlebt man mittel- bis langfristig einige böse Überraschungen.

Trotzdem geht Ihr Kalkül, wie jüngst mit asiatischen Aktien, nicht immer auf.
Es gibt eine Reihe von Investoren, die auf die Nase fallen, bei uns passiert das auch. Wir müssen von einem Investment überzeugt sein. Ein Beispiel: Der US-Energiekonzern Enron war lange Jahre der Liebling der wertorientierten Investoren. Wir haben die Aktie damals glücklicherweise nicht gekauft, weil wir uns nicht erklären konnten, dass ein Unternehmen in einer zyklischen Branche ein so viel stärkeres Margenwachstum haben kann als alle Wettbewerber. Weil wir uns die Kapitalströme nicht erklären konnten, haben wir die Finger davon gelassen. Später ging Enron spektakulär Pleite. Die Bilanzen waren gefälscht.

"Wir bevorzugen langweilige Unternehmen"

Was Experten für den Kapitalmarkt 2014 erwarten
Jeden Winter veröffentlichen die internationalen Banken ihren Kapitalmarktausblick für das kommende Jahr: Wie entwickeln sich einzelne Währungen, Staatsanleihen, die Inflation, das Wirtschaftswachstum einzelner Länder und Wirtschaftsregionen oder die Leitindizes. Als Rückversicherung geben viele Geldhäuser neben ihren Prognosen aber auch gleich noch mit an, dass natürlich alles ganz anders kommen kann. So gab beispielsweise der Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg, Uwe Burkert, zum Abschluss seines Kapitalmarktausblickes zu, dass gleich ein ganzes Bündel möglicher Gefahren die Zuversicht der Investoren ins Wanken bringen und sämtliche Aktienprognosen über den Haufen werfen könnte. So könnte die Angst vor dem Platzen von Preisblasen an den Finanzmärkten für Verunsicherung sorgen. Im Folgenden also die Analystenprognosen - wie immer ohne Gewähr. Quelle: Fotolia
Aktienprognose von SchroedersDie Experten der britischen Vermögensverwaltung Schroeders gehen davon aus, dass europäische Aktien auch 2014 ein starkes Aufwärtspotenzial haben. "Ein verbessertes Ertrags-Momentum dürfte als nächster Impulsgeber für einen Aufschwung bei europäischen Aktien dienen", sagt Rory Bateman, Leiter britische und europäische Aktien bei Schroders. Für ihn ist im kommenden Jahr ein Stockpicking-Ansatz der Schlüssel zum Erfolg, um die Gewinner unter den europäischen Werten zu ermitteln. "Anleger sollten sich nun darauf konzentrieren, zwischen den verschiedenen Grautönen innerhalb des europäischen Marktes zu unterscheiden. Allgemeingültige Anlagestrategien für bestimmte Sektoren oder Ländern sind nämlich nicht mehr angebracht. 2014 wird für den europäischen Aktienmarkt ein Jahr der Einzeltitelauswahl", ist der europäische Aktienexperte überzeugt. Er rät beispielsweise zu Papieren von Unternehmen aus dem Lebensmittel- und Getränkesektor sowie zu Konsumgüterherstellern. Quelle: Screenshot
Schroeders zur Entwicklung bei den BankenMit Blick auf die viel befürchtete Bankenkrise in Europa kann Bateman beruhigen: „Das Risiko einer systemischen Bankenkrise in Europa ist praktisch nicht mehr vorhanden. Die Banken in der Region haben den Fremdkapitalanteil und die Risikopositionen in ihren Bilanzen abgebaut und geben Aktien aus. Der Sektor ist also auf dem richtigen Weg, um die in Basel III festgelegte Kernkapitalquote von zehn Prozent bis Ende 2013 umzusetzen – weit vor der gesetzlich vorgesehenen Frist.“ Außerdem werde die Europäische Zentralbank (EZB) 2014 die Vermögensqualität im Bankensektor prüfen. Und auch wenn einzelne Banken vermutlich zusätzliches Kapital benötigen werden, geht der europäische Aktienexperte davon aus, dass das Vertrauen damit nicht nur wiederhergestellt, sondern auch signalisiert werde, dass die europäischen Banken kein systemisches Risiko mehr darstellen. Während spanische Banken aufgrund von Immobilienkrediten mit Schwierigkeiten zu kämpfen hätten, würden notleidende Kredite auch den italienischen Banken gewisse Unsicherheiten bescheren. Quelle: dpa
DAX-Prognose der TargobankDer Targobank-Chefvolkswirt Otmar Lang blickt optimistisch in das kommende Börsenjahr: „Wir sehen für den DAX ein Rückschlagpotenzial bis 8.300 Indexpunkte, erwarten ihn aber zum Jahresende 2014 bei rund 10.700 Zählern“, sagt er. Obwohl der deutsche Leitindex in den letzten zwei Jahren gut 30 Prozent zugelegt habe, sei er noch nicht überwertet. "Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt in der Nähe der langfristigen Durchschnitte", so Lang. Die große Skepsis der Vergangenheit, die sich in sehr niedrigen Bewertungen niederschlug, sei in hoffnungsvolle Erwartungen umgeschlagen. Quelle: obs
Rohstoffausblick der TargobankBei den Rohstoffmärkten werde sich auch 2014 nicht viel tun, so Lang. Jedenfalls lasse die Aufwärtsbewegung weiter auf sich warten. Quelle: dpa
Targobank zur Inflation und GeldpolitikChefvolkswirt Lang geht davon aus, dass die US-Notenbank FED unter neuer Führung eine Wende in der Geldpolitik einleiten, aber sehr, sehr viel Augenmaß walten lassen wird. "Die Notenbanken werden ihre Geldpolitik nur ändern, wenn die Konjunktur anzieht." Es sei dennoch möglich, dass die FED im Laufe des zweiten Quartals 2014 ihr Anleihen-Ankauf-Programm reduziere. Und weiter: "Je lockerer die europäische Geldpolitik wird, desto fester notiert der Euro." Der Glaube an mögliche Wunderwaffen der EZB und vor allem an den "Magier" Draghi erstaune, solle aber nicht beiseite gewischt werden. "Wir sind skeptisch, ob ein Zurückfahren der lockeren Geldpolitik, womit im ersten Halbjahr 2014 gerechnet werden sollte, in den USA wirklich einen stärkeren Dollar bedingt. Das gilt umso mehr, wenn Europa sich 2014 aus der Rezession befreien kann." Inflation spielt Lang zufolge 2014 keine Rolle. "Es ist sogar möglich, dass sich der Preisauftrieb für den gesamten Euroraum der Null-Linie nähert", prognostiziert er. "Das wird der EZB nicht gefallen." Auch die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in den europäischen Südländern dürfte sie beunruhigen. Quelle: REUTERS
Targobank zur Weltkonjunktur und den Anleihemärkten"Die Weltkonjunktur wird sich in den kommenden sechs Monaten nur langsam erholen", sagt Lang. "Belebungseffekte gehen von den USA aus, aber weiter nur sehr verhalten von den Emerging Markets." So werde die chinesische Wirtschaft erst in der zweiten Hälfte 2014 Fahrt aufnehmen. Europa könne sich zwar aus der Rezession befreien, doch ein konjunktureller Aufwärtstrend werde sich frühestens Mitte 2014 herausbilden. "Deutschland kann mit positiven Wachstumsraten rechnen", glaubt der Experte. An den Rentenmärkten haben "Südeuropäische Anleihen Kurspotenzial, weil es der Politik gelingen sollte, die Euro-Krise weiter einzudämmen", sagt Lang. "Die jüngsten, wenn auch nur marginalen Rating-Verbesserungen für Griechenland und Spanien, sind Vorboten einer Stabilisierung in der Eurokrise." Das Schwerpunktinvestment der Targobank blieben aber dennoch Unternehmensanleihen mit kürzeren Laufzeiten. Quelle: dpa

In welchen Fällen lagen Sie auch schon mal daneben?
Wir waren beispielsweise in Sino-Forest investiert.

Der chinesische Waldplantagenbetreiber steht im Verdacht, seine Bilanz in Bezug auf die Größe der Waldflächen geschönt zu haben. Die Aktie stürzte um mehr als 90 Prozent ab.
Wir haben nicht bemerkt, dass da von vorne bis hinten betrogen wurde. Dagegen kann sich ein Anleger nur mit einer guten Diversifikation schützen. Aber eben leider auch nicht immer. Da hilft dann nur aufstehen, Hosen abklopfen und weitermachen.

Welche Aktien und Branchen halten Sie noch für spannend?

Spannend? Wir bevorzugen lieber langweilige, dafür aber günstige Unternehmen. Nehmen Sie zum Beispiel Telekomunternehmen. Seit etwa Mitte des Jahres entdecken wir hier immer mehr Unternehmen, die uns attraktiv bewertet erscheinen. Natürlich muss man sich die Verschuldung genauer anschauen und darauf achten, ob und inwiefern ein Zinsanstieg diese Unternehmen beeinflussen könnte. Nichtsdestotrotz sind wir der Meinung, dass es genügend Titel gibt, die man sich ins Portfolio legen sollte. Ein Beispiel wäre da das Unternehmen China Mobil mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von zehn, einer Dividende von +plus vier Prozent, hoher Cash-Position und stabilen Cashflows. Ein stabiles Unternehmen, das dem Anlegerinteresse entgegenkommt und auch noch günstig bewertet ist.
Wir finden auch eine Menge unterbewerteter Aktien im IT-Bereich in den USA. Noch vor zehn Jahren schien so ein Investment für jeden Value-Investor völlig absurd. Aber Unternehmensbeteiligungen wie zum Beispiel Intel bieten eine günstige Bewertung, verfolgen eine anlegerfreundliche Unternehmenspolitik und sind breit genug aufgestellt, um dem Anleger mittel- bis langfristig eine solide Renditechance zu bieten.

Auf welche Branchen schauen Sie besonders?
Sie werden lachen: Finanztitel. Seit August 2007 hatte ich diese komplett ausgeschlossen, auch wenn sie billig aussahen. Wir haben den Zahlen einfach nicht mehr getraut. Derzeit sind wir in Finanztiteln sogar leicht übergewichtet. Dabei sind wir nach wie vor misstrauisch gegenüber europäischen Banken, finden aber in Asien das eine oder andere unterbewertete Papier.

Sind Sie noch immer kein Freund von Gold als Stabilitätsanker im Depot?
Vor einer Woche habe ich bei einer Bank einen Vortrag gehalten, da sagte der Vorstandsvorsitzende, dass von dem Herrn Lingohr das Zitat stamme: 'Gold ist nur was für Psychopathen und alte Männer.' Jetzt bin ich selbst ein alter Mann, aber Gold habe ich noch nicht. Ich fühle mich dafür noch zu jung. Nur bei den privaten Depots mischen wir es auf Wunsch des Kunden bei. Bei den institutionellen Depots sind es nur Minenaktien, aber kein physisches Gold.

Machen Sie sich Sorgen, wenn es heißt, dass der Goldpreis von einigen Großbanken manipuliert sein könnte?
Ich freue mich, dass die Finanzbehörden aktiv werden und den Fall prüfen. Wir sind von solchen Nachrichten in den vergangenen Jahren ja nicht unbedingt verschon geblieben. Es ist gut, wenn sie die Leute erwischen.

Welche Rolle spielt die Geldpolitik der Notenbanken in Ihrer Investment-Strategie?
Ich bin jetzt seit 35 Jahren im Geschäft und habe so ein Umfeld in dieser Form noch nicht erlebt. Ich bin aber der Meinung, dass wir mit Aktienanlagen eine relative Sicherheit gegenüber anderen Anlagen genießen, vor allem mit einer Value-Strategie. In unsicheren Zeiten muss man sich vor Aktien mit hoher Bewertung in Acht nehmen, da man nicht immer vom bestmöglichen Ende ausgehen kann. Hingegen bieten Unternehmen, die produzieren, investieren und Geld verdienen größtmögliche Absicherung in turbulenten Zeiten. Mit apokalyptischen Vorstellungen komme ich nicht weiter. Ich habe immer die Erfahrung gemacht, dass ich kaufen muss, wenn ich Existenzangst habe. Man muss zwar eine Menge Schmerzen aushalten, aber es ist der richtige Weg.

"You have to buy them when they're cold"

Welche Länder ihre Sparer enteignen
TürkeiDie Inflation liegt in der Türkei bei sehr hohen 7,71 Prozent im Jahr. Dafür sind aber auch die Tagesgelder in türkischer Lira relativ hoch verzinst, es gibt 7,63 Prozent Zinsen. Damit liegt der Realzins, errechnet aus Tagesgeldzins und Inflationsrate mit -0,08 Prozent nur leicht im Minus. In den nachfolgenden Ländern ist die Lage allerdings noch schlimmer. Mehr gibt es zum Beispiel in Spanien. Dort fallen die Preise, es gibt also Deflation mit -0,10 Prozent Preissteigerung. Weil es auf dem Tagesgeldkonto immerhin 0,08 Prozent Zinsen gibt, verdienen Sparer in Spanien sogar noch etwas. Der Realzins liegt bei +0,18 Prozent. Ähnliches gilt für die Schweiz. Stand: 25.11.2013, Quelle: Bloomberg Quelle: REUTERS
KanadaDie Inflationsrate liegt in Kanada bei moderaten 1,10 Prozent, auf dem Tagesgeldkonto gibt es aber auch nur 0,95 Prozent. Für Sparer ein reales Minus von 0,15 Prozent. Quelle: REUTERS
RusslandDie Inflation beutelt das lang mit einer Preissteigerungsrate von 6,30 Prozent. Dafür gibt es für Tagesgeld 6,00 Prozent. Der Wertverlust der Ersparnisse liegt so bei 0,30 Prozent im Jahr. Dennoch erwartet die staatlich kontrollierte Sberbank (Logo neben einer Kirche in Moskau) eine Verdoppelung der Vermögen und Gewinne in den nächsten fünf Jahren.emetov (RUSSIA - Tags: BUSINESS LOGO) Quelle: REUTERS
SüdafrikaDer südafrikanische Rand verliert jährlich 5,5 Prozent an Wert. Wer sein Geld auf Tagesgeldkonto bekommt nur 5,0 Prozent Zinsen. Realer Wertverlust pro Jahr: 0,5 Prozent Quelle: AP
Frankreich Der große Nachbar Deutschland verzeichnet eine Preissteigerungsrate von 0,6 Prozent. Für Tagesgeld gibt es im Schnitt nur noch 0,08 Prozent Zinsen. Der reale Wertverlust liegt somit jährlich bei 0,53 Prozent. Frankreichs Probleme liegen auch im Bankensektor. Zu den von der Ratingagentur S&P heruntergestuften Banken gehörten auch Frankreichs Großbanken BNP Paribas, Société Générale und Credit Agricole. Quelle: dpa
ChinaDer chinesische Yuan verliert jährlich 3,2 Prozent an Wert, der 3-Monats-Zinssatz liegt aber nur bei 2,6 Prozent. Macht für Sparer ein Minus von 0,6 Prozent pro Jahr. Quelle: REUTERS
ItalienIn Italien steigen die Preise nach jüngsten Angaben um 0,8 Prozent. Tagesgeld wird aber nur mit 0,08 Prozent verzinst. Für Sparer unter dem Strich ein Wertverlust von 0,73 Prozent pro Jahr. Quelle: dpa

Messen Sie sich denn mit anderen Fonds, Benchmarks im Markt oder gibt es Investoren, die Sie für vorbildlich halten?
Selbstverständlich. Das mache ich, seit ich 1976 als Broker angefangen habe. Nachdem ich eine Aktie als interessant eingestuft habe, war es immer wichtig für mich, auch zu schauen, wer diese Aktie noch besitzt. Und wenn da bekannte und anerkannt gute Value-Investoren investiert waren, bedeutete das für mich: Haken dran und ein Grund weniger, die Aktie nicht zu kaufen, weil auch andere ein Qualitätsurteil abgegeben haben.

Welche Value-Investoren sind das denn?
Früher gab es einen John Templeton, bis vor kurzem war das Graham French, ein toller Mann. Schade, dass er aufgehört hat. Die letzten Jahre waren für ernsthafte, systematische Value-Investoren schwierig, deswegen haben viele sehr gute Köpfe aufgehört.
Wir verfolgen die Strategien anderer Value Investoren wie Grantham, Mayo, Van Otterloo oder Pzena, die gute, systematische Value-Denker sind. Deren Stärken liegen auch darin, dass sie in schwierigen Zeiten ihrem Grundprinzip treu bleiben. Als Value-Investor vertrauen wir unseren Kernansätzen und lassen uns vom Markt nicht beeinflussen. Wie schon Ben Graham, der Urvater von Value-Investing sagte: „You are neither right nor wrong because the crowd disagrees with you. You are right because your data and reasoning are right.“

Bei Value denken Anleger zuerst immer an Warren Buffett.
Warren Buffett ist kein klassischer Value-Investor, er setzt vielmehr auf eine Mischung aus Value und Growth. Sicherlich ist Warren Buffett immer verfolgenswert, aber ich habe das vor einiger Zeit aufgegeben. Viel genauer beobachte ich seinen Partner Charly Munger. Gerade erst habe ich ein 350-Seiten-Kompendium mit seinen erfolgreichsten Vorträge und Arbeiten gefunden. Das zu lesen, wird viel Spaß machen – und stärkt die eigene Disziplin und das Durchhaltevermögen in derartig schwierigen Marktphasen.

Was müsste eigentlich in Deutschland passieren, damit das Vertrauen in Aktien ein bisschen zunehmen würde?
Ich muss vorsichtig sein, was ich da jetzt sage, weil ich da eine sehr krasse Meinung habe. Man sollte in den Schulen anfangen, die Wirtschaftsfeindlichkeit abzulegen und die Schüler mehr in Wirtschaftsdingen schulen. Dass sich nicht solche Dinge wie die Neuemission der Telekom ereignen: Wenn sich alle darauf stürzen und damit Schiffbruch erleiden, dann sind für die nächsten fünf Jahre Aktien wieder out. Ich sehe das ganz klar als Ausbildungsproblem. Da gibt es viel zu tun. Es ist für uns alle deutlich leichter, Kunden im Ausland zu finden als in Deutschland.

Schadet sich Deutschland damit langfristig?
Ich denke ja. Die Deutschen bevorzugen bedauernswerter Weise Anlagen in Lebensversicherungen und auf Sparkonten. Diese Anlageformen sind zwar kurzfristig stabiler, langfristig ist jedoch lediglich eine unterdurchschnittliche Rendite erzielbar. Die Vermögensanlage in Aktien erzielt auf längere Zeit hingegen nicht nur eine höhere Verzinsung, sie unterstützt auch die Unternehmenskultur in Deutschland - einem Land, welches zu Recht mit Stolz auf seinen guten Ruf als Exportnation blickt.

Wie finden Anleger einen guten Aktienfonds?
Oft schauen Anleger auf die Liste der erfolgreichsten Fonds des Vorjahres, kaufen die erfolgreichen und verkaufen die weniger erfolgreichen. Das ist grundfalsch. Ein amerikanischer Manager hat mal gesagt: ‘You have to buy them when they are cold.’ Jemand der langfristig gut war, aber kurzfristig ein Problem hat - den sollten sich Anleger anschauen. Aber nicht die Gewinner des letzten Jahres.

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