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Bondkönig Bill Gross "Ich habe nicht vor, mein Engagement zu drosseln"

Vor wenigen Wochen wechselte der legendäre Bondkönig Bill Gross von Pimco zu Janus. Im Interview warnt er vor Apple-Bonds - und wettet gegen den Euro.

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Auf zu neuen Ufern: Bill Gross vor dem Büro der Janus Capital Group Quelle: REUTERS

Seit Montag, 29. September, steht auf der Visitenkarte von Bill Gross schlicht Portfoliomanager, nicht Chairman, Chief Executive, Präsident oder sonst ein Cheftitel. Für einen der mächtigsten Investoren auf der ganzen Welt mag die plötzliche Veränderung eine Enttäuschung sein, in mancher Hinsicht ist sie aber auch eine Erleichterung. Wichtiger noch, sie könnte eine ungewöhnliche Chance darstellen.

Wer nicht auf einem anderen Planeten lebt, hat die Neuigkeit inzwischen erfahren: Der in der Finanzwelt als „Bondkönig“ gefeierte Gross ist am 26. September bei Pacific Investment Management (Pimco) ausgeschieden. Pimco ist die kalifornische Fondsfirma, die Gross vor 43 Jahren mitbegründet und – laut Vorwürfen von Kollegen – , wie ein Tyrann geführt haben soll; die er aber auch ausgebaut hat zu einem Zwei-Billionen-Dollar-Koloss, der die Welt der Rentenmärkte dominiert.

Sein neuer Arbeitgeber, der in Denver ansässige und – wie passend – nach dem römischen Gott des Anfangs und des Endes benannte US-Vermögensverwalter Janus Capital Group verwaltet lediglich 178 Milliarden Dollar.

Das verdienen die Hedgefonds-Stars
David TepperDavid Tepper gilt in der Hedgefonds-Branche nicht gerade als bescheiden. Bei einer Preisverleihung sagte der 56-Jährige einmal, er wolle als der beste Manager seiner Generation anerkannt werden. Im Ranking der reichsten institutionellen Investoren des Alpha-Magazins belegt Tepper bereits zum zweiten Mal in Folge die Top-Position. Im vergangenen Jahr verzeichneten die zwei wichtigsten Fonds seiner Investment-Gesellschaft, Appaloosa I und Palomino, geschätzte Gewinne von 42 Prozent. Seine Karriere startete Tepper mit Kauf und Verkauf von Junkbonds. In den vergangenen zwei Jahren wurde er vor allem mit Aktienwetten bekannt, die er auf Unternehmen und Branchen abschloss, die scheinbar aus der Mode gekommen waren, etwa Delta Airlines und United Continental Holdings. Gesellschaft: Appaloosa Management Verdienst 2013: 3,5 Milliarden Dollar Quelle: Forbes Quelle: Screenshot
Steven CohenFür Steven Cohen war 2013 juristisch gesehen kein gutes Jahr. Die US-Aufsichtsbehörden verurteilten seine Hedgefonds-Firma SAC Capital wegen Insiderhandels zu einer Geldstrafe von 1,8 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro). Das ist die höchste Strafe, die in den USA jemals verhängt wurde. Die US-Behörden hatten im Juli Anklage gegen den Fonds des Milliardär Cohen erhoben. Sie waren überzeugt, dass SAC bei Spekulationen verbotenerweise Tipps von Informanten aus Unternehmen genutzt hatte, mehr als ein Jahrzehnt lang. Für den rund 15 Milliarden schweren Fonds könnte die Klage das Aus bedeuten. Finanziell geht es Cohen aber wohl nach wie vor blendend. Mit 2,4 Milliarden Dollar Gewinn gehört er nach wie vor zu den Top-Verdienern der Wall Street. Gesellschaft: SAC Capital Advisors Verdienst 2013: 2,4 Milliarden Dollar Quelle: REUTERS
John PaulsonJohn Paulson machte sich 2007 einen Namen, als er 3,7 Milliarden Dollar durch Wetten gegen den Subprime-Hypothekenmarkt verdiente. Doch in den Folgejahren ging es für den Manager steil nach unten. 2011 etwa büßten die von Paulson verwalteten Vermögenswerte rund die Hälfte ein. 2013 feierte der Manager sein Comeback mit Aktien, offenbar erfolgreich. Inzwischen fährt er seine Gewinne durch Investments in den Telekommunikationssektor und die Gesundheitsbranche. Gesellschaft: Paulson & Co. Verdienst 2013: 2,3 Milliarden Dollar Quelle: dpa
James SimonsJames Simons ist beim Reichenranking ein alter Hase. Der Manager hat es in den vergangenen 13 Jahren jedes Mal auf die Alpha-Liste geschafft und das, obwohl er lange keinen Hedgefonds mehr verwaltet. Der 75-Jährige ist eigentlich Mathematikprofessor. Die Vorliebe für Zahlen spiegelt sich auch in der Mitarbeiterpolitik von Renaissance Technologies wieder: Simons stellt besonders gerne Physiker, Statistiker und Astronomen ein. Gesellschaft: Renaissance Technologies Verdienst 2013: 2,2 Milliarden Dollar Quelle: AP
Kenneth GriffinDer 45-jährige Griffin stand im vergangenen Jahr auf der Gewinnerseite, wenn auch nicht so stark wie in den Jahren davor. Obwohl seine Hedgefonds-Firma Citadel nur einer mäßige Performance am US-Aktienmarkt aufweisen konnte, brachten die wichtigsten Fonds mit 19,25 Prozent ordentlich Rendite. 2012 waren es noch 25 Prozent. Von sich reden machte der Manager durch seine 150 Millionen Dollar schwere Spende an die Uni Harvard. Das Geld soll finanziell schwachen Studenten zugute kommen. Gesellschaft: Citadel Verdienst 2013: 950 Millionen Dollar Quelle: REUTERS
Israel (Izzy) Englander Mehr als 21 Milliarden Dollar verwaltet die von Israel Englander 1990 gegründete Hedgefonds-Gesellschaft Millennium Management. Gewinn 2013: 13,07 Prozent laut Forbes. Das Besondere am Management Stil Israels: Er teilt die Kosten und Gewinne mit seinen Investoren, anstatt eine fixe Verwaltungsgebühr zu verlangen. Das bedeutet auch, dass der Manager nur dann bezahlt wird, wenn er Gewinne einfährt. Gesellschaft: Millennium Management Verdienst 2013: 850 Millionen Dollar Quelle: mpl.com Quelle: Screenshot
Leon CoopermanDie Fonds von Leon Coopermans Omega Advisors verzeichneten 2013 ein besonders starkes Jahr. Die Gewinne der Hedgefonds-Gesellschaft betrugen 30 Prozent und stiegen damit im Vergleich zu 2012 (25 Prozent). Gesellschaft: Omega Investors Verdienst 2013: 825 Millionen Dollar Quelle: Forbes Quelle: Screenshot

Der nun von Gross verwaltete Fonds, der Janus Global Unconstrained Bond, nimmt sich mit einem verwalteten Vermögen von zunächst 12,9 Millionen Dollar wie ein Winzling aus neben dem Pimco Total Return, dem zuletzt 202 Milliarden schweren Flaggschiff, an dessen Steuer Gross 27 Jahre lang stand und mit dem er den Markt lange Zeit locker davonfuhr, ehe der Fond in den vergangenen Jahren zu schwächeln begann.

Aber die relativ geringe Größe seines neuen Fonds – der schon nach einer Woche größer, wenn nicht sogar viel größer gewesen sein dürfte – könnte für Gross auch Vorteile haben, zumal ihm das „Unconstrained“ (deutsch: Unbeschränkt) im Namen des Fonds erlaubt, auf der Suche nach Rendite fast jeden Weg zu gehen.

Die größten Börsengänge weltweit
Telekom Quelle: dapd
Platz 10Japans Telekommunikations-Riese Nippon Tel ging bereits 1987 an die Börse und nahm 15,3 Milliarden Dollar ein. 1999 wurde der Konzern umstrukturiert und ging in der NTT Communications Corp auf. Im Bild NTT-Präsident Masanobu Suzuki. Quelle: AP
General Motors Quelle: dpa
Facebook Quelle: dpa
Platz 7Der italienische Energieversorger Enel SpA beschäftigt über 58.000 Mitarbeiter. Bei seinem Börsengang im Jahr 1999 konnte der Konzern 16,5 Milliarden Dollar einsammeln. Quelle: REUTERS
Platz 6Ein Blick auf den AIA-Turm in Hong Kong. Die asiatische Sparte des US-Versicherers AIG nahm bei seinem Börsengang im Oktober 2010 17,8 Milliarden Dollar ein. Quelle: REUTERS
visa Quelle: dapd

Der 70-Jährige Gross, Mitglied des renommierten Barron’s Roundtable, erklärt in einem Interview seine Erwartungen im neuen Job und seine Sicht der aktuellen Marktlage. Ob der Bondkönig seine Krone letztlich behalten wird, bleibt abzuwarten. Unbestritten ist: Er ist einer der gelehrtesten, engagiertesten und scharfsinnigsten Akteure am Rentenmarkt.

WirtschaftsWoche: Sie sind seit über 40 Jahren in diesem Geschäft, Sie haben das nötige Kleingeld, und die meisten Leute glauben, der Markt bewege sich in die „Hundestellung Kopf nach unten“. Warum setzen Sie sich nicht einfach zur Ruhe, anstatt bei Janus einen Neustart zu machen?

Bill Gross: Das Geldverwalten, das habe ich im Blut. Morgens um 5.30 Uhr aufstehen, Geld für meine Kunden verdienen und mich mit anderen Fondsmanagern messen, das sind Dinge, die ich mag; das kann man nicht einfach abstellen. Ich bin nachgerade versessen darauf, den Anlegern Renditen zu liefern und mein persönliches Spiel zu gewinnen. Ich will mich an diesem Punkt meiner Karriere nicht zur Ruhe setzen, das passt mir einfach nicht.

Zeitpunkt für den Start neuer Rentenfonds?

Aber ist es der richtige Zeitpunkt, um einen neuen Rentenfonds zu starten? Die US-Zentralbank fährt ihr Anleihekaufprogramm zurück und dürfte nächstes Jahr die Zinsen anheben.

Ich werde einen unbeschränkten Anleihenfonds verwalten – den Janus Global Unconstrained Bond Fonds; dieser richtet sich an US-Anleger, hat aber auch eine Offshore-Version für nicht amerikanische Anleger. Aufgrund seiner unbeschränkten Natur werden Restlaufzeit, Laufzeit der Anleihen insgesamt und das Risiko von Kursverlusten bei Zinsänderungen geringer sein als bei traditionellen Anleihenfonds. Die meisten mittelfristig aufgestellten Anleihenfonds orientieren sich an einem Index von Anleihen mit durchschnittlichen Laufzeiten von fünf bis sieben Jahren. Unbeschränkte Fonds haben keine derartige Benchmark. Generell zielen unbeschränkte Fonds auf vier bis fünf Prozent Rendite bei geringem Zinsrisiko ab. Solche Fonds wollen unabhängig von den Marktbedingungen positive Renditen erwirtschaften. Rentenwerte werden zwar 80 Prozent des Portfolios ausmachen, dennoch eröffnet sich hier eine Reihe von Möglichkeiten. Man kann den Hebel unterschiedlich ansetzen, beim Kredit-, Volatilitäts-, Liquiditäts- oder Restlaufzeit-Risiko. Die Zeit ist vermutlich sehr günstig für einen unbeschränkten Fonds.

Der Janus Unconstrained Bond wurde im Mai aufgelegt und hatte Ende August ein Vermögen von weniger als 13 Millionen Dollar, davon etwa 60 Prozent in Cash. Man kann das jetzt einen Zufall nennen, aber es sieht so aus, als wäre er für Sie geschaffen worden.

Er wurde nicht für mich geschaffen, auch wenn es mir wichtig ist, dass ich einen Fonds verwalten kann.

Was können Sie bei Janus tun, was bei Pimco nicht möglich war?

Janus ist viel kleiner. Ich werde dadurch natürlich viel weniger Management- und Mitarbeiterverantwortung haben; daher kann ich mehr Zeit für die Verwaltung des Geldes nutzen und weniger für Managementaufgaben. Die Arbeit wird weiter großen Einsatz fordern, ich habe schon lange begriffen, dass ich das nicht ändern kann. Aber die Intensität und der Schallpegel nehmen mit der Größe etwas ab. Es ist auch einfach logisch, dass sich Ideen in einem 100-Millionen-Dollar-Portfolio leichter umsetzen lassen als in einem über 200 Milliarden Dollar schweren Fonds.

Ist der Pimco Total Return am Ende zu groß geworden, um ihn effizient managen zu können?

Wo es noch Zinsen gibt
Wer derzeit für ein Jahr lang Geld auf einem Tagesgeldkonto parkt, bekommt durchschnittlich nur 0,54 Prozent Zinsen. Wer also 10.000 Euro auf der hohen Kante hat, hat nach einem Jahr lediglich 54 Euro mehr. (Stand: 12. Mai 2014) Quelle: AP
Die besten Anbieter von Tagesgeldkonten sind derzeit die Renault Bank direkt Tagesgeld mit 1,31 Prozent p.a. und MoneyYou Tagesgeld (1,31 Prozent p.a.). Viel mehr als 1,3 Prozent Prozent Jahreszins sind derzeit aber - unabhängig vom Anbieter - nicht drin. Quelle: Tagesgeldvergleich.net Quelle: Screenshot
Beim Festgeld ist die Verzinsung gut doppelt so hoch. Wer 10.000 für drei Jahre festlegt, bekommt schon zwischen 2,1 und 3,3 Prozent Zinsen. Für ein einjähriges Festgeld bekommen Sparer in Deutschland allerdings maximal 1,7 Prozent Zinsen. Besonders hohe Zinsen bieten Tochtergesellschaften ausländischer Banken. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Im Dezember 2013 hat die Saving­Global GmbH die Onlineplattform Welt­sparen.de gestartet, über die deutsche Sparer Festgeldkonten im Ausland eröffnen können. Die First Investment Bank in Sofia bietet derzeit 2,9 Prozent Zinsen für einjährige Festgeld-Anlagen an, bei einer Laufzeit von 36 Monaten winken 3,3 Prozent. Das Geld wird in Euro angelegt, es gibt also kein Währungsrisiko. Quelle: Screenshot
Künftig sollen auch andere ausländische Banken über die Plattform deutschen Kunden Festgeldkonten anbieten. So soll neben einer italienischen und einer portugiesischen Direktbank auch ein Institut aus Norwegen dazu stoßen, das 2,2 Prozent Zinsen für ein einjähriges Festgeld bei einer Mindestanlage von 15.000 Euro anbietet. Allerdings müssen die Kunden in norwegischen Kronen anlegen. Quelle: dpa
Um ein solches Festgeldkonto eröffnen zu können, müssen Sparer bei Welt­sparen.de Kunde werden, in dem sie online und per Postident-Verfahren ein Konto bei der deutschen MHB Bank eröffnen. Die MHB Bank ist Abrechnungsbank für die Festgeldgeschäfte der Saving­Global und legt das Geld der Sparer bei den ausländischen Partnerbanken an. Sobald das Konto eröffnet ist, können Kunden via Online-Plattform den gewünschten Betrag überweisen. Am Ende der Laufzeit überweist die Partnerbank das Geld mit Zinsen auf das Weltsparkonto bei der MHB Bank zurück. Quelle: Screenshot
Die Kontoführung ist für Kunden der MHB Bank kostenlos. Saving-Global und MHB verdienen an einer Vermittlungsgebühr von den ausländischen Partnerbanken. Wie hoch diese Provision ist, lässt sich nur schätzen. So bekommen beispielsweise bulgarische Kunden bei der Fibank für ein einjähriges Festgeld in Höhe von 10.000 Euro 4,15 Prozent Zinsen, Deutsche dagegen 2,9 Prozent. Die Differenz dürfte der Vermittlungsgebühr entsprechen. Quelle: dpa

Dazu möchte ich nicht ins Detail gehen. Der Total Return hatte durch seine Größe Vorteile und auch Nachteile. Alles was ich sagen kann, ist: Es wird einfacher sein, Positionen aufzubauen, wenn einem die Presse nicht täglich oder monatlich auf die Finger schaut. Die Rentenmarkt-Paparazzi wird Janus weit weniger interessieren als der Total Return.

Aber Bill Gross wird sie um nichts weniger interessieren. Im Total Return haben sie im großen Stil Derivate zur Steigerung der Renditen und der Liquidität eingesetzt. Werden Derivate auch in dem neuen Fonds eine wichtige Rolle spielen?

Der Total Return Fonds hat sich, zum Vorteil der Anleger, finanzielle Instrumente wie etwa Credit Default Swaps zunutze gemacht. Der neue Fonds wird einige Derivate einsetzen, aber nicht viele.

Janus war für Gross perfekt

Wird Janus ETFs auflegen, die Ihren Fonds abbilden?

ETFs zu entwickeln und zu registrieren erfordert Zeit, aber die Absicht besteht bei Janus. Ein Grund, warum ich zu Janus ging, ist etwas anbieten zu können, das auch für Kleinanleger günstig und zugänglich ist. Ein ETF bietet das, ebenso wie der unbeschränkte Fonds. Wir wollen ein Angebotsmenü erstellen, das dem Kleinanleger ebenso schmeckt wie dem institutionellen Anleger.

Beim Pimco haben sie mit einem erstklassigen Team von Analysten und Managern gearbeitet. Wollen Sie bei Janus ein großes Team aufbauen?

Die glücklichsten und traurigsten Zocker aller Zeiten
Die erfolgreichsten Trades - Platz 5: Jesse LivermoreEr war der Crash-Prophet des 20. Jahrhunderts. Jesse Livermore hat sowohl die Börsenpanik von 1907 als auch den Schwarzen Freitag von 1929 vorhergesagt – und darauf gewettet. Die erste Krise brachte ihm damals drei Millionen Dollar ein (heutzutage umgerechnet 70 Millionen Dollar), die zweite Krise spülte sogar 100 Millionen Dollar auf sein Konto, was heutzutage sage und schreibe 1,2 Milliarden Dollar entsprechen würde. Livermore selbst war allerdings kein gelernter Börsianer. Er hat auf eigene Faust investiert und ist für viele Spekulanten bis heute ein Vorbild. Quelle: imago images
Platz 4: Andy KriegerDer Optionshandel hat Andy Krieger reich gemacht. Als Händler der Bankers Trust Company wettete Krieger 1987 gegen den Neuseeländischen Dollar. Er war der Ansicht, dass der „Kiwi“ überbewertet sei. Seine Wette ging auf und bescherte dem Geldhaus Einnahmen in Höhe von 300 Millionen Dollar. Krieger selbst erhielt dafür von der Bank einen Bonus in Höhe von drei Millionen Dollar. Quelle: REUTERS
Platz 3: George SorosSeine Wetten gegen das britische Pfund haben das Ansehen der Bank of England zerstört. Star-Investor George Soros hat 1992 mit riesigen Geldsummen gegen das Pfund gewettet. Wie Krieger fünf Jahre zuvor beim Neuseeländischen Dollar war auch Soros beim Pfund davon überzeugt, dass die Währung überbewertet sei. Nach mehreren Versuchen, das Pfund zu stabilisieren, musste die Bank of England letztlich klein beigeben. Die englische Währung verlor gegenüber dem Dollar 25 Prozent, Soros verdiente etwa eine Milliarde Dollar. Quelle: dpa
Platz 2: Michael HasenstabMit der Krise Geld verdienen – Michael Hasenstab von Templeton Global Bond Fund hat 2011 gezeigt, wie das geht. Entgegen der allgemeinen Stimmung kaufte Hasenstab irische Staatsanleihen in Milliardenhöhe. Die Position machte rund acht Prozent des gesamten Portfolios des Templeton Global Bond Fund aus. Mit der irischen Zustimmung zu den Troika-Bedingungen machte sich das Investment bezahlt. Denn nur so konnte die Pleite von Irland abgewehrt werden. Hasenstab erzielte mit dieser Anlagestrategie einen Gewinn von rund 2,5 Milliarden Dollar. Quelle: dapd
Platz 1: John PaulsonDie Subprime-Krise hat die Weltwirtschaft bedrohlich ins Wanken gebracht. Banken gingen pleite, Menschen mussten ihre Häuser aufgeben – nur einer hatte während der Krise gut lachen. John Paulson. Der Amerikaner wettete als einer der ersten gegen den Hypothekenmarkt, was ihm letztlich einen unbeschreiblichen Gewinn von 15 Milliarden Dollar bescherte. 2007 verdiente Paulson umgerechnet zehn Millionen Dollar pro Tag. Das war in etwa genauso viel wie J.K. Rowling, Oprah Winfrey und Tiger Woods verdient haben – zusammen. Quelle: REUTERS
Die schlechtesten Trades - Platz 5: Nick LeesonWegen ihm ist die Barings Bank, die bis dahin älteste Investmentbank Englands, pleitegegangen. Nick Leeson hat 1995 mit Call-Optionen auf den Nikkei sage und schreibe 1,4 Milliarden Dollar verbrannt. Zum Verhängnis wurde ihm ein Erdbeben in Kobe, das den Kurs des Nikkei fallen ließ. Um die Verluste wieder wettzumachen, setzte Leeson im Anschluss auf eine schnelle Erholung des japanischen Leitindex, die allerdings nicht eintrat. Nach einer Flucht über Brunei, Bangkok und Abu Dhabi wurde Leeson in Frankfurt am Main festgenommen und nach Singapur ausgeliefert, wo er seine Geschäfte tätigte. Dort wurde er wegen Urkundenfälschung und Betrug zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Quelle: REUTERS
Platz 4: John MeriwetherEine wagemutige Wette auf russische Staatsanleihen hat das Long Term Capital Management an den Rand der Pleite gebracht. Zu verantworten hatte diese Wette der Manager und Mitgründer des Fonds John Meriwether. Mit einem Hebel von 100 (!) pumpte er Geld in die Anleihen des postsowjetischen Staates. Zwischenzeitlich beliefen sich die Verluste des Fonds auf 4,8 Milliarden Dollar. Danach schritt die Fed ein, da befürchtet wurde, dass das internationale Finanzsystem zusammenbrechen könne. Am Ende betrug das Minus rund 1,9 Milliarden Dollar. Quelle: Handelsblatt Online

Es gibt dort bereits ein Team. Das ist ein weiterer Grund, warum Janus für mich perfekt war. Außerdem stehe ich mit Janus-Chef Dick Weil beruflich seit 20 Jahren in Verbindung. Er hat 15 Jahre für Pimco als Leiter des Tagesgeschäfts gearbeitet. Seine Frau war einige Jahre meine Chefassistentin. Ich war am 26. September erstmals in Denver und habe Janus besucht. Das Unternehmen hat ein gut aufgestelltes Team im Kredit-Research und Bond-Management, das wirklich gute Ergebnisse aufweist. Sie haben den Total Return in den vergangenen Jahren sogar übertroffen.

Werden Sie in einem Büro in Newport Beach nicht einsam sein?

Es gibt bereits eine Handvoll Leute in dem Büro. Ich plane einen Mitarbeiter fürs Portfoliomanagement und einen Händler, und ich brauche eine ständige Videoverbindung mit dem Team in Denver. Ein weiteres Plus ist, dass ich wieder mit Myron Scholes, dem Chefanlagestrategen von Janus, zusammenarbeiten werde. Es war Myron, der uns Anfang der Achtzigerjahre auf die Idee gebracht hat, mit Finanz-Futures zu arbeiten. Er war damals im Verwaltungsrat von Pimco. Ich werde zusammen mit Myron Teil des Teams sein, das sich um die globale Vermögensallokation kümmert. Also nein, ich werde hier in Newport Beach nicht isoliert dasitzen.

Werden Sie bei Janus die eine oder andere Managementfunktion übernehmen, neben dem Fondsmanagement und der Beratung in Sachen globale Vermögensallokation?

Ich glaube nicht, dass ich bei den Weichenstellungen im Unternehmen eine Rolle spielen werde. Davon hatte ich bei Pimco genug. Die Mitarbeiterführung und Geschäftsplanung liegen ganz in den Händen von Dick und seinem Team. Ich habe mich immer für die Anlageseite interessiert; der übrige Kram – Einstellung, Bezahlung, Planung und so weiter – wurde für mich zum Problem. Ich bin hocherfreut, dass ich mit diesen Dingen nichts mehr zu tun habe.

Kommen wir zu den Märkten: Die Börsen sind unter Druck geraten. Der Dow Jones ist von seinem Rekordhoch im vergangenen Monat gefallen. Ist das der Beginn eines viel stärkeren Abverkaufs?

Es ist eine wohlverdiente Pause. Die Aktien sind fünf Jahre hindurch gestiegen. In den USA hängt nun viel davon ab, ob die Wirtschaft drei, zwei oder ein Prozent wächst. Eine Wachstumsrate von drei Prozent ist fraglich, speziell wenn der Rest der Welt nicht wächst oder sogar schrumpft. Ich rechne mit einer Wachstumsrate von zwei Prozent. Die US-Wirtschaft funktioniert zwar ziemlich unabhängig, aber eine Insel ist sie nicht. Sie steht in Verbindung mit Regionen, die zu kämpfen haben, wie etwa China und Europa.

Die Alterung der Gesellschaft drosselt das Wirtschaftswachstum

Warum verläuft die globale Konjunkturerholung nach der Rezession so schleppend?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Die Welt ist nach wie vor hoch verschuldet. Die USA und andere Länder verdanken von dem Wachstum der vergangenen 30 Jahre einer Ausweitung der Kredite und der Verschuldungsquoten. Wenn die kapitalhungrigen Länder und Unternehmen erkennen, dass sie nicht mehr mit dem gleichen Tempo Schulden anhäufen können, verlangsamt sich das Wachstum. Auch demografische Faktoren spielen eine Rolle bei der Abschwächung des Wachstums. Die Baby-Boomer boomen nicht mehr, sie werden älter und gehen in Ruhestand.

Diese Aktien sind viel zu teuer oder viel zu billig

Sie nicht! Sie starten gerade neu.

Die meisten Baby-Boomer brauchen eine Gesundheitsversorgung, aber ein weiteres Haus oder ein drittes Auto brauchen sie nicht. Die Alterung unserer Gesellschaft drosselt das Wirtschaftswachstum. Der dritte Punkt ist die Technologie; sie ist ein Segen und ein Wunder, aber sie vernichtet Jobs, die nicht im gleichen Tempo ersetzt werden. Apple ist großartiges Unternehmen, aber sie stellen nicht so viele Leute ein wie die guten, alten General Motors. Und schließlich ist auch die Globalisierung ein Thema. Da hat die USA seit dem Zweiten Weltkrieg die Nase vorn. Wir haben von der Ausweitung des Handels profitiert, weil der Dollar die Reservewährung war. Jetzt laufen die Dinge im Ausland nicht so gut. Und wenn man Gegenwind hat, fliegt man nicht so schnell.

Viele Anleger glauben, der Anleihemarkt komme nach seiner 30-jährigen Rally in eine Phase mit starkem Gegenwind. Teilen Sie diese Meinung?

Dreijährige deutsche Bundesanleihen notieren mit einer negativen Rendite von sechs Basispunkten. Wenn das nicht Gegenwind ist, weiß ich nicht, was Gegenwind wäre. Die Zinsen sind weltweit niedrig. Das heißt nicht, dass die Renditen nicht trotzdem fallen und die Anleihekurse steigen können, wenn sich die Menschen von irgendetwas stark beunruhigen lassen, sei dies die Wachstumsabschwächung in China oder die Ausbreitung des Ebola-Virus. Anleihen sind ein Schutz gegen Inflation und Katastrophen. Zunächst erwarte ich, dass die Wirtschaft geringfügig wachsen und Anleihen ihren Kupon verdienen werden. Die Fed hat erklärt, der angemessene Zins, um die US-Wirtschaft im Gleichgewicht zu halten, liege bei 3,75 bis 4,0 Prozent. Ich sage, es sind zwei Prozent. Wenn die Fed ihr Vorhaben durchzieht und die Leitzinsen in den nächsten Jahren auf vier Prozent anhebt, ist auf allen Märkten und bei allen Vermögenswerten der Bär los.

Warum unterscheidet sich Ihr Ausblick so stark von dem der Fed?

Es gibt kein Modell, an dem man sich nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers orientieren könnte – abgesehen vielleicht den USA in den Dreißigerjahren oder dem Platzen der Vermögenspreisblase in Japan. In einer hoch verschuldeten Welt kann es aus Sicht des gesunden Menschenverstandes nicht sinnvoll sein, die Leitzinsen auf das frühere Normalniveau von vier Prozent anzuheben. Einige Fachleute meinen, es wäre sinnvoll, die Zinsen bis zur Gesundung der stark gehebelten Wirtschaft unter dem Normalniveau zu halten. Die von mir genannten zwei Prozent sind nur ein ungefährer Richtwert, ein Schuss ins Blaue wie die vier Prozent der Fed. Was ich eigentlich sagen will: Die Zinsen müssen wegen der strukturellen Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, länger niedrig bleiben, als die Zentralbanken erwarten. Das heißt nicht, dass Gross und Janus klüger sind als die Fed, aber Fed-Chefin Janet Yellen und ihre Mitarbeiter orientieren sich an einem Modell, und sie wissen nicht, wie sie die genannten strukturellen Veränderungen da einbauen sollen. Es gibt Dinge, die sich nicht in ein Modell pressen lassen.

Die besten Chancen entwickeln sich im Ausland

Die Fed will ihr Anleihekaufprogramm, ihr so-genanntes Quantitative Easing, in diesem Monat beenden. Könnte Yellen angesichts geopolitischer Krisen oder eines massiven Abverkaufs an der Aktienbörse eine vierte Runde starten?

Der politische Rückstoß wäre enorm, und die Fed will, speziell angesichts der bevorstehenden Wahl, ihre Unabhängigkeit erhalten. Sie profitiert davon, dass sie den Ball [die Zinssenkungen] zunächst an die Europäische Zentralbank und zuvor an die Bank of Japan weitergegeben hat. Solange keine Katastrophe eintritt, die ich nicht erwarte, wird es keine vierte Runde geben.

Wo sehen Sie derzeit am Rentenmarkt die besten Chancen?

20 Aktien, die Goldman Sachs für Schnäppchen hält

Die besten Chancen haben sich in den letzten Wochen im Ausland entwickelt. Beachtliche Möglichkeiten eröffnen sich in Mexiko, wo das Schuldenniveau, bei Zinsen im Bereich von sechs Prozent, nur halb so hoch ist wie in den USA. Mexiko ist handelsmäßig an die USA angeschlossen, somit ist es ein sehr sicheres Schwellenland. Dies ist eine der Chancen, die ich im Unconstrained Fund zu nutzen versuchen werde. Ich gehe davon aus, dass der Fonds nach meinem Einstieg schon am Montag einen beachtlichen Anteil – von 10 bis 25 Prozent – an kurzfristigen hochverzinslichen Papieren, die zwischen drei und vier Prozent Rendite bringen, im Portfolio haben wird. Ich, ebenso wie Janus, mag ein- bis dreijährige Hochzinspapiere von Emittenten wie Ally Financial und HCA Holdings. Eine andere Möglichkeit sind Währungen. Der Euro und der Yen fallen; das eröffnet Möglichkeiten, von der relativen Stärke des Dollar zu profitieren. Moderate Short-Positionen gegen den Euro oder den Yen könnten attraktiv sein.

Wo lauern Gefahren am Rentenmarkt?

Länger laufende Unternehmensanleihen könnten problematisch sein. Verizon Communications und Apple waren in den letzten zwölf Monaten die größten Emittenten. Anleihen mit Investmentgrade im 5-, 10- oder 30-jährigen Bereich sind anfällig, nicht wegen einer möglichen Pleite, aber aus Liquiditätsgründen. Wenn Anleger ihr Geld rasch zurückholen wollen, weil sie sich Sorgen machen über die Entwicklungen in der Welt oder das verlangsamte Wachstum in den USA, könnte es in diesem kleinen Theater einen Sturm auf die Ausgänge geben.

Geldanlage



Vielleicht noch ein Wort zum Abschluss?

Ich habe nicht vor, mein Engagement zu drosseln, aber Janus erscheint mir derzeit der rechte Ort zur rechten Zeit für mich. Ich weiß zu schätzen, dass Dick die Dinge so rasch geregelt hat – nämlich im Rahmen von 24 bis maximal 48 Stunden, und ich will ihn sicher nicht enttäuschen.

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