WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Bondkönig Bill Gross "Ich habe nicht vor, mein Engagement zu drosseln"

Vor wenigen Wochen wechselte der legendäre Bondkönig Bill Gross von Pimco zu Janus. Im Interview warnt er vor Apple-Bonds - und wettet gegen den Euro.

Auf zu neuen Ufern: Bill Gross vor dem Büro der Janus Capital Group Quelle: REUTERS

Seit Montag, 29. September, steht auf der Visitenkarte von Bill Gross schlicht Portfoliomanager, nicht Chairman, Chief Executive, Präsident oder sonst ein Cheftitel. Für einen der mächtigsten Investoren auf der ganzen Welt mag die plötzliche Veränderung eine Enttäuschung sein, in mancher Hinsicht ist sie aber auch eine Erleichterung. Wichtiger noch, sie könnte eine ungewöhnliche Chance darstellen.

Wer nicht auf einem anderen Planeten lebt, hat die Neuigkeit inzwischen erfahren: Der in der Finanzwelt als „Bondkönig“ gefeierte Gross ist am 26. September bei Pacific Investment Management (Pimco) ausgeschieden. Pimco ist die kalifornische Fondsfirma, die Gross vor 43 Jahren mitbegründet und – laut Vorwürfen von Kollegen – , wie ein Tyrann geführt haben soll; die er aber auch ausgebaut hat zu einem Zwei-Billionen-Dollar-Koloss, der die Welt der Rentenmärkte dominiert.

Sein neuer Arbeitgeber, der in Denver ansässige und – wie passend – nach dem römischen Gott des Anfangs und des Endes benannte US-Vermögensverwalter Janus Capital Group verwaltet lediglich 178 Milliarden Dollar.

Das verdienen die Hedgefonds-Stars
David TepperDavid Tepper gilt in der Hedgefonds-Branche nicht gerade als bescheiden. Bei einer Preisverleihung sagte der 56-Jährige einmal, er wolle als der beste Manager seiner Generation anerkannt werden. Im Ranking der reichsten institutionellen Investoren des Alpha-Magazins belegt Tepper bereits zum zweiten Mal in Folge die Top-Position. Im vergangenen Jahr verzeichneten die zwei wichtigsten Fonds seiner Investment-Gesellschaft, Appaloosa I und Palomino, geschätzte Gewinne von 42 Prozent. Seine Karriere startete Tepper mit Kauf und Verkauf von Junkbonds. In den vergangenen zwei Jahren wurde er vor allem mit Aktienwetten bekannt, die er auf Unternehmen und Branchen abschloss, die scheinbar aus der Mode gekommen waren, etwa Delta Airlines und United Continental Holdings. Gesellschaft: Appaloosa Management Verdienst 2013: 3,5 Milliarden Dollar Quelle: Forbes Quelle: Screenshot
Steven CohenFür Steven Cohen war 2013 juristisch gesehen kein gutes Jahr. Die US-Aufsichtsbehörden verurteilten seine Hedgefonds-Firma SAC Capital wegen Insiderhandels zu einer Geldstrafe von 1,8 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro). Das ist die höchste Strafe, die in den USA jemals verhängt wurde. Die US-Behörden hatten im Juli Anklage gegen den Fonds des Milliardär Cohen erhoben. Sie waren überzeugt, dass SAC bei Spekulationen verbotenerweise Tipps von Informanten aus Unternehmen genutzt hatte, mehr als ein Jahrzehnt lang. Für den rund 15 Milliarden schweren Fonds könnte die Klage das Aus bedeuten. Finanziell geht es Cohen aber wohl nach wie vor blendend. Mit 2,4 Milliarden Dollar Gewinn gehört er nach wie vor zu den Top-Verdienern der Wall Street. Gesellschaft: SAC Capital Advisors Verdienst 2013: 2,4 Milliarden Dollar Quelle: REUTERS
John PaulsonJohn Paulson machte sich 2007 einen Namen, als er 3,7 Milliarden Dollar durch Wetten gegen den Subprime-Hypothekenmarkt verdiente. Doch in den Folgejahren ging es für den Manager steil nach unten. 2011 etwa büßten die von Paulson verwalteten Vermögenswerte rund die Hälfte ein. 2013 feierte der Manager sein Comeback mit Aktien, offenbar erfolgreich. Inzwischen fährt er seine Gewinne durch Investments in den Telekommunikationssektor und die Gesundheitsbranche. Gesellschaft: Paulson & Co. Verdienst 2013: 2,3 Milliarden Dollar Quelle: dpa
James SimonsJames Simons ist beim Reichenranking ein alter Hase. Der Manager hat es in den vergangenen 13 Jahren jedes Mal auf die Alpha-Liste geschafft und das, obwohl er lange keinen Hedgefonds mehr verwaltet. Der 75-Jährige ist eigentlich Mathematikprofessor. Die Vorliebe für Zahlen spiegelt sich auch in der Mitarbeiterpolitik von Renaissance Technologies wieder: Simons stellt besonders gerne Physiker, Statistiker und Astronomen ein. Gesellschaft: Renaissance Technologies Verdienst 2013: 2,2 Milliarden Dollar Quelle: AP
Kenneth GriffinDer 45-jährige Griffin stand im vergangenen Jahr auf der Gewinnerseite, wenn auch nicht so stark wie in den Jahren davor. Obwohl seine Hedgefonds-Firma Citadel nur einer mäßige Performance am US-Aktienmarkt aufweisen konnte, brachten die wichtigsten Fonds mit 19,25 Prozent ordentlich Rendite. 2012 waren es noch 25 Prozent. Von sich reden machte der Manager durch seine 150 Millionen Dollar schwere Spende an die Uni Harvard. Das Geld soll finanziell schwachen Studenten zugute kommen. Gesellschaft: Citadel Verdienst 2013: 950 Millionen Dollar Quelle: REUTERS
Israel (Izzy) Englander Mehr als 21 Milliarden Dollar verwaltet die von Israel Englander 1990 gegründete Hedgefonds-Gesellschaft Millennium Management. Gewinn 2013: 13,07 Prozent laut Forbes. Das Besondere am Management Stil Israels: Er teilt die Kosten und Gewinne mit seinen Investoren, anstatt eine fixe Verwaltungsgebühr zu verlangen. Das bedeutet auch, dass der Manager nur dann bezahlt wird, wenn er Gewinne einfährt. Gesellschaft: Millennium Management Verdienst 2013: 850 Millionen Dollar Quelle: mpl.com Quelle: Screenshot
Leon CoopermanDie Fonds von Leon Coopermans Omega Advisors verzeichneten 2013 ein besonders starkes Jahr. Die Gewinne der Hedgefonds-Gesellschaft betrugen 30 Prozent und stiegen damit im Vergleich zu 2012 (25 Prozent). Gesellschaft: Omega Investors Verdienst 2013: 825 Millionen Dollar Quelle: Forbes Quelle: Screenshot

Der nun von Gross verwaltete Fonds, der Janus Global Unconstrained Bond, nimmt sich mit einem verwalteten Vermögen von zunächst 12,9 Millionen Dollar wie ein Winzling aus neben dem Pimco Total Return, dem zuletzt 202 Milliarden schweren Flaggschiff, an dessen Steuer Gross 27 Jahre lang stand und mit dem er den Markt lange Zeit locker davonfuhr, ehe der Fond in den vergangenen Jahren zu schwächeln begann.

Aber die relativ geringe Größe seines neuen Fonds – der schon nach einer Woche größer, wenn nicht sogar viel größer gewesen sein dürfte – könnte für Gross auch Vorteile haben, zumal ihm das „Unconstrained“ (deutsch: Unbeschränkt) im Namen des Fonds erlaubt, auf der Suche nach Rendite fast jeden Weg zu gehen.

Die größten Börsengänge weltweit
Telekom Quelle: dapd
Platz 10Japans Telekommunikations-Riese Nippon Tel ging bereits 1987 an die Börse und nahm 15,3 Milliarden Dollar ein. 1999 wurde der Konzern umstrukturiert und ging in der NTT Communications Corp auf. Im Bild NTT-Präsident Masanobu Suzuki. Quelle: AP
General Motors Quelle: dpa
Facebook Quelle: dpa
Platz 7Der italienische Energieversorger Enel SpA beschäftigt über 58.000 Mitarbeiter. Bei seinem Börsengang im Jahr 1999 konnte der Konzern 16,5 Milliarden Dollar einsammeln. Quelle: REUTERS
Platz 6Ein Blick auf den AIA-Turm in Hong Kong. Die asiatische Sparte des US-Versicherers AIG nahm bei seinem Börsengang im Oktober 2010 17,8 Milliarden Dollar ein. Quelle: REUTERS
visa Quelle: dapd

Der 70-Jährige Gross, Mitglied des renommierten Barron’s Roundtable, erklärt in einem Interview seine Erwartungen im neuen Job und seine Sicht der aktuellen Marktlage. Ob der Bondkönig seine Krone letztlich behalten wird, bleibt abzuwarten. Unbestritten ist: Er ist einer der gelehrtesten, engagiertesten und scharfsinnigsten Akteure am Rentenmarkt.

WirtschaftsWoche: Sie sind seit über 40 Jahren in diesem Geschäft, Sie haben das nötige Kleingeld, und die meisten Leute glauben, der Markt bewege sich in die „Hundestellung Kopf nach unten“. Warum setzen Sie sich nicht einfach zur Ruhe, anstatt bei Janus einen Neustart zu machen?

Bill Gross: Das Geldverwalten, das habe ich im Blut. Morgens um 5.30 Uhr aufstehen, Geld für meine Kunden verdienen und mich mit anderen Fondsmanagern messen, das sind Dinge, die ich mag; das kann man nicht einfach abstellen. Ich bin nachgerade versessen darauf, den Anlegern Renditen zu liefern und mein persönliches Spiel zu gewinnen. Ich will mich an diesem Punkt meiner Karriere nicht zur Ruhe setzen, das passt mir einfach nicht.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%