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BundesbankNegativzins lässt Milliarden sprudeln

Ein Blick in die Bundesbankbilanz zeigt, wie stark die Finanzwelt schon aus den Fugen geraten ist.KOMMENTAR von Mark Fehr 27.02.2018 - 16:53 Uhr

Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank

Foto: dpa

Kreditportale im Internet unterbieten sich gerade mit negativ verzinsten Krediten. Wer sich bei smava 1000 Euro leiht, muss nur 954 Euro zurückzahlen. Verteilt auf monatliche Raten über drei Jahre entspricht das einer Verzinsung von minus drei Prozent pro Jahr.

Die Aktion mag der Werbung dienen, die tiefere Ursache dahinter ist jedoch die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, die auch von der Bundesbank umgesetzt wird. Diese Geldpolitik führt unter anderem dazu, dass Parkgebühren für große Bankguthaben fällig werden. Sparen kostet also Geld, während Schuldner mit Krediten Geld verdienen können wie bei smava. Eine verkehrte Welt.
Die lässt sich nicht nur bei Ratenkrediten beobachten. In normalen Zeiten, also bei positivem Leitzins, verdient die Bundesbank an dem Geld, dass sie den Geschäftsbanken zur Verfügung stellt. Diese Einnahme fällt wegen des auf null gesenkten Leitzinses weg – Banken erhalten sozusagen zinslos Kredit bei der Notenbank.

Selbstversuch

Was hinter den Kreditschnäppchen von Check24 und Smava steckt

Trotzdem sind die Einnahmen der Bundesbank deutlich gestiegen, denn sie verdient am Negativzins für die Einlagen der Banken auf den Bundesbankkonten. Im Tagesdurchschnitt rund 400 Milliarden Euro horteten Banken im Jahr 2017 auf ihren Girokonten bei der Notenbank, für die 0,4 Prozent Negativzins fällig werden. Das zeigt der aktuelle Geschäftsbericht der Bundesbank.

Entsprechend verdoppelten sich die Erträge aus der Negativverzinsung dieser Einlagen auf 2,2 Milliarden Euro. Zählt man die Negativzinsen auf Bundesbankguthaben ausländischer Banken oder der öffentlichen Hand hinzu, kommt man sogar auf 3,2 Milliarden Euro Einnahmen aus negativen Zinsen.

Alles in Ordnung, könnte man da meinen. Doch warnt Bundesbank-Präsident Jens Weidmann vor einem erheblichen Zinsrisiko, wenn die Leitzinsen wieder steigen. Die Finanzmärkte erwarten, dass dies 2019 beginnen könnte. Der Negativzins als Einnahmequelle würde dann relativ schnell verschwinden, während die Zinseinnahmen auf die Anlagen der Bundesbank längst nicht so schnell zurückkommen. Denn das Vermögen ist sehr langfristig angelegt und wird daher auch längerfristig keine Erträge erzielen.

Die Bundesbank packt daher schon jetzt mehr als eine Milliarde Euro in ihre Risikorückstellungen. Zwar gehört es nicht zur Aufgabe der Notenbank, Geld für den Staat zu verdienen. Sie soll mit ihrer Geldpolitik vor allem für stabile Preise sorgen. Aber das kann zu einem riskanten Geschäft werden, wie die auf 16,4 Milliarden Euro gestiegenen Risikorückstellungen zeigen.

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