WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Clever Anlegen wie die Reichen "Ich würde nicht alles auf den Dax setzen"

Seite 2/5

"Überhitzungen in den nächsten Monaten"

Goldene Regeln für den Vermögensaufbau
Foto eines Eigenheims im Entstehen (Baustelle) Quelle: dpa
Foto Sparbuch Quelle: Fotolia
Foto eines Pappreiters "Lebensversicherung" Quelle: Fotolia
Börsenhändler vor Anzeige eines fallenden Kurses Quelle: dpa
Bild einer Rentnerin am Meer Quelle: Fotolia
Foto einer Finanzberatung Quelle: dpa
Die alte Börsenweisheit "Nicht alle Eier in einen Korb legen" stösst derzeit an Grenzen Quelle: Marcel Stahn

Über billige Kredite für Unternehmen sollen also die Investitionen zunehmen.

Ja, man kann es aber auch technischer sehen: Der ganze Geldumlauf in der Wirtschaft ist zu gering. Das kann eine Notenbank kaum direkt beeinflussen. Um den Geldkreislauf anzuregen, müsste auch der private Sektor mehr konsumieren und Kredite aufnehmen. Das wäre bei so niedrigen Zinsen normal. Aber nachdem wir aus einer Kreditblase herausgefallen sind, funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr. Weil die Banken nur sparen und ihre Bilanzen reparieren – auch wegen neuer Auflagen – fallen diese als Transmissionsriemen weitgehend aus. Das ist das Hauptproblem. Deshalb muss die Notenbank Starthilfe leisten, das Bankensystem mit einem Bypass umgehen und direkt für Konsumenten und Unternehmen was tun. Beim Konsumenten funktioniert das nur, wenn er Inflation erwartet. Das ist das japanische Modell.

Die Deflationsangst ist also übertrieben?

Im Grundsatz sind wir seit dem Ausbruch der Krise vor fünf Jahren eher in einem deflationären Szenario für die Realwirtschaft unterwegs. Inflation ist nirgendwo erkennbar. Die kann wegen der beschriebenen fehlenden Transmissionseffekte und der Verschuldung der Konsumenten derzeit auch nicht entstehen. Inflation findet momentan nur in den Anlagemärkten statt. Die Notenbanken – vor allem die US-Notenbank Fed – nehmen bewusst in Kauf, dass Immobilienmärkte und Aktienmärkte inflationiert werden. Das ist ein erklärtes Ziel der aktuellen Geldpolitik, und gleichzeitig  die Kehrseite der deflationären Tendenz in der Realwirtschaft. Eine schnelle Umkehr wird es wohl nicht geben, weil dazu die Banken erst einmal wieder in großem Umfang Kredite vergeben müssten. Das ist aber nicht in Sicht.

Sie beraten viele vermögende Familien und institutionelle Investoren. Worauf stellen Sie Ihre Kunden jetzt ein?

In den nächsten sechs bis zwölf Monaten wird sich dieser Zustand nicht ändern. Wir bleiben in einer Welt, in der die Notenbanken Dampf unterm Kessel machen. Das wird dafür sorgen, dass die liquiden Märkte ansteigen. Das sind in erster Linie die großen Aktienmärkte, so wie in den vergangenen ein, zwei Jahren. Wir müssen vor allem nach Amerika schauen, wann sich an dieser Politik etwas ändert. Aber der von Fed-Chef Ben Bernanke angedeutete Kurswechsel ist vorerst verschoben, seine designierte Nachfolgerin Janet Yellen wird wohl noch etwas länger auf dem Gaspedal stehen bleiben. So lange gilt ‚Go with the flow‘ und ‚Never fight the Fed‘. Aber: Dieses Spiel wird zunehmend sauerstoffarm.

Was bedeutet das?

Wir müssen damit rechnen, dass es in den kommenden Monaten zu Überhitzungen kommt, weil dann auch der letzte auf den fahrenden Zug aufgesprungen sein wird. Wenn dann die Weltwirtschaft immer noch nicht anspringt – was die EZB derzeit so besorgt -, kann es zu heftigen Korrekturen kommen. Realwirtschaft, die Erwartungen der Finanzmärkte sowie die Preise an den Aktienmärkten würden dann nicht mehr zusammenpassen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%