Commerzbank Müller legt offenbar Amt als Aufsichtsratschef nieder

Neben einem neuen Vorstandschef sucht die Commerzbank offenbar laut Insidern einen neuen Aufsichtsratschef. Klaus-Peter Müller will schon seit längerem sein Amt niederlegen. Seit drei Jahren suchte er einen Nachfolger.

Klaus-Peter Müller legt sein Amt als Aufsichtsratschef bei der Commerzbank nieder. Quelle: dpa/dpaweb

Die Commerzbank steht nach Informationen aus Kreisen vor einem weiteren personellen Umbruch. Das Institut sucht nun neben einem neuen Vorstandschef auch einen Nachfolger für Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, wie am Freitag aus Aufsichtsrats- und Bankkreisen verlautete, die damit entsprechende Informationen des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ bestätigten.

Der Aufsichtsrat habe auf Müllers Bitte Ende vergangenen Jahres eine Suchkommission für den Posten des Chefkontrolleurs eingerichtet. Zuvor soll Müller drei Jahre selbst erfolglos nach einem Kandidaten gesucht haben. Die Bank selbst kommentierte das nicht.

Im vergangenen Jahr hatte bereits Vorstandschef Martin Blessing angekündigt, seinen im Oktober 2016 auslaufenden Vertrag nicht mehr zu verlängern. Einen Nachfolger für den Manager gibt es noch nicht. Dies ist derzeit eine von Müllers wichtigsten Aufgaben.

Der langjährige Chefkontrolleur wird im September 72. Nach der im Commerzbank-Kodex fest gelegten Regelaltersgrenze müsste er bei der Hauptversammlung 2017 ausscheiden. Zwar läuft Müllers Vertrag noch bis zum Frühling 2018. Wenn die Suchkommission aber schnell Erfolg habe, sei ein früherer Ausstieg möglich, schreibt der „Spiegel“.

Die wertvollsten Namen der Bankenwelt
Die spanische Großbank Santander eröffnet das Ranking der wertvollsten Bankenmarken der Welt. Die Auswertung für das vergangene Jahr lieferte das Magazin „The Banker“. Bei der Bewertung der Marke spiele besonders der Geschäftsausblick (Gewinnprognose) und die Wahrnehmung von Risiken eine entscheidende Rolle. Viele Institute arbeiten an ihrem Markenwert, der sich nicht nur in Kundenvertrauen widerspiegelt, sondern auch in Eigenständigkeit und Innovation. Sprich: Eine starke Marke fällt im Wettbewerb auf. Die Spanier kommen auf einen Markenwert von 18,7 Milliarden US-Dollar, sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Das Markenrating ist AAA-. Quelle: Reuters
Die Bank of China zählt zu den vier riesigen Staatsbanken der Volksrepublik. Ihr Umsatz liegt bei über 300 Milliarden Yuan im Jahr. Das entspricht grob 40 Milliarden Euro. Im Boomland China haben die regulierten Institute reichlich zu tun. Die Bank of China wird zudem vom Finanzstabilitätsrat als systemrelevant überwacht und muss strenge Auflagen erfüllen. Der Markenwert beträgt rund 20,4 Milliarden Dollar, 22 Prozent mehr als zuletzt. Quelle: dpa
Die teilverstaatlichte chinesische Bank ist eine der größten ihrer Art. Die ABC hat schätzungsweise 320 Millionen Privatkunden und etwa 2,7 Millionen Geschäftskunden. Fast eine halbe Million Menschen arbeitet in knapp 24.000 Filialen. 2010 sammelte die Bank mit ihrem Börsengang 22,1 Milliarden Dollar ein. Ihr Markenwert beträgt 22,7 Milliarden Dollar, ein Plus von 28 Prozent. Quelle: REUTERS
First, we take Manhattan: JP Morgan Chase sitzt in New York und ist nach Marktkapitalisierung die größte Bank der USA und nach Eigenkapital das zweitgrößte Finanzinstitut der Welt. Den Markenwert können da auch die hohen Handelsverluste – also Fehlspekulationen – aus dem Jahr 2012 nicht nachhaltig schmälern. Die Marke Chase ist rund 24,8 Milliarden Dollar schwer. Der Zuwachs beträgt sieben Prozent. Quelle: DAPD
25,7 Milliarden Dollar beträgt der Markenwert der Bank of America – noch, muss man sagen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von vier Prozent. Das Fachmagazin „The Banker“, was die BoA 2008 noch als wertvollste Bankmarke führte, bescheinigt dem Finanzriesen, nach Eigenkapital das größte Institut seiner Art zu sein. Auch die Bank of America darf sich über das Prädikat „systemrelevant“ freuen – das stärkt natürlich das Markenvertrauen. Quelle: dpa
Wie die BoA gehört auch die Citigroup zu den „Big Four“ der US-Banken. Zuletzt lag die Bilanzsumme des Riesen bei 1,88 Billionen Dollar, der Umsatz 76,4 Milliarden. Sie ahnen es – systemrelevant, streng kontrolliert. Der Markenwert beträgt 26,2 Milliarden Dollar, was einem Plus von sieben Prozent entspricht. Quelle: DAPD
China wächst buchstäblich in den Himmel. In den zahlreichen Millionenmetropolen kommen mit dem Industrie-Boom auch die Wolkenkratzer. Der Bauwirtschaft kommt das gelegen – und damit der China Construction Bank, die rund 27 Prozent aller Baukredite im Reich der Mitte vergibt. Der Markenwert liegt bei 26,4 Milliarden Dollar. Das sind stolze 39 Prozent mehr als im Vorjahr. Quelle: REUTERS

Müller hat die Commerzbank in den vergangenen Jahrzehnten mit ihren Höhen und Tiefen maßgeblich geprägt. 1966 begann er in dem Geldhaus seine Karriere, rückte 1990 in den Vorstand auf und wurde 2001 dessen Sprecher. Im Mai 2008 wechselte er an die Spitze des Aufsichtsrats.

In den vergangenen Jahren musste er sich oft massive Kritik gefallen lassen. So fiel in seine Amtszeit als Vorstandschef zunächst die missglückte Übernahme des inzwischen weitgehend abgewickelten Immobilien- und Staatsfinanzierers Eurohypo.

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Schließlich fädelte er als Aufsichtsratschef zusammen mit Blessing die Übernahme der Dresdner Bank kurz vor dem vollen Ausbruch der Finanzkrise 2008 ein. Der Kauf des Konkurrenten führte schließlich dazu, dass die Commerzbank mit insgesamt 18,2 Milliarden Euro vom Steuerzahler vor dem Zusammenbruch gerettet werden musste.

Danach ging das Institut auf eine harten Schrumpfkurs, konnte sich aber in den vergangenen Jahren wieder stabilisieren. Der Aktienkurs der Bank liegt aber immer noch mehr als 90 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Rund 15 Prozent der Anteile hält weiter der Bund.

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