Contra "Spekulation verstärkt sich selbst"

Der Finanzexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, will Spekulanten an die Kette legen, um Agrarpreise zu stabilisieren.

Grünen Finanzexperte Gerhard Schick. Quelle: PR

WirtschaftsWoche: Herr Schick, seit Jahrhunderten handeln Landwirte und Agrarhändler mit Lebensmitteln an der Börse. Warum soll das auf einmal unmoralisch sein?

Schick: Der Handel ist an sich nicht verwerflich. Bedenklich ist, dass immer mehr Finanzinvestoren handeln, die kein Interesse an physischen Agrargütern haben. Wenn es einem Teil der Händler nur darum geht, auf steigende Preise zu spekulieren, sendet der Terminmarkt falsche Preissignale.

Wer sich absichern will, braucht doch einen Gegenpart, der auf steigende Preise spekuliert. Und der tut dies, weil er steigende Preise aufgrund fundamentaler Trends erwartet, beispielsweise auf Basis von Ernteprognosen.

Banken behaupten das gern. Inzwischen aber ist erkennbar, dass sich die Spekulation von selbst verstärkt. Kleinanleger wie große Investoren wetten auf steigende Agrarpreise. Mit der Knappheit von Agrargütern haben die Preise dann nichts mehr zu tun.

Wollen Sie Spekulation verbieten?

Nein, ein Verbot wäre kaum möglich. Sie muss aber so eingeschränkt werden, dass ein gesundes Verhältnis von Landwirten und Finanzinvestoren entsteht. Die US-Börsenaufsicht hat die Zahl der Kontrakte je Investor begrenzt. Das sollten wir auch in Europa tun.

Auf dem G20-Gipfel in Cannes im November war nur noch von mehr Transparenz für die Agrarmärkte die Rede.

Die Investmentbanken haben politischen Druck ausgeübt. Schließlich lassen sich derzeit gute Geschäfte mit dem Rohstoffhandel machen.

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