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Corona-Angst an der Börse Warum Anleger jetzt Gewinne mitnehmen sollten

Haben die Bären bald das Sagen? Quelle: REUTERS

Die Aktienkurse sind bereits hoch gestiegen, doch mit der neuen Corona-Variante Omikron droht neue Unsicherheit. Kein schlechter Zeitpunkt, jetzt Kursgewinne zu realisieren.

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Die Lage an den Aktienmärkten bleibt unübersichtlich. Ende vergangener Woche gaben die Kurse deutlich nach, zum neuen Wochenstart zeigten sich Anlegerinnen und Anleger an vielen Märkten entspannter. Wichtige Aktienindizes stehen auch nach dem „Black Friday“ – mit herben Kursverlusten fast weltweit – noch immer deutlich höher als zu Jahresbeginn. Doch genau das könnte Teil des Problems sein: Die Börsen nehmen schon viel von der Post-Corona-Erholung vorweg, während zugleich durch Omikron neue Unsicherheit droht. „Wenn diese Variante tatsächlich ansteckender ist und die Impfstoffe in der Wirksamkeit reduziert sind, bedeutet das, dass das Risiko für die Re-Implementierung von Lockdown-Maßnahmen größer wird. Das hätte negative Auswirkungen für die Märkte“, sagt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management.

Manch ein Investor dürfte sich angesichts der weit gelaufenen Kurse und der Angst vor Omikron fragen, ob es nicht an der Zeit ist, Gewinne mitzunehmen. Der Dax läuft unterm Strich bereits seit mehreren Monaten seitwärts, der S&P 500 scheint zumindest kurzzeitig in den Korrekturmodus geschaltet zu haben. Tatsächlich spricht einiges dafür, Kursgewinne zu realisieren – allerdings nicht aus Angst vor weiteren Börsenturbulenzen.

Komplett aus dem Aktienmarkt auszusteigen ist für Privatinvestoren keine gute Idee, egal, wie unsicher das Börsenumfeld auch wirken mag. Denn in den meisten Fällen gelingt es ihnen weder, ohne Verluste rauszukommen, noch, rechtzeitig wieder einzusteigen und voll von der anschließenden Erholung zu profitieren. „Es ist ein klassischer Fehler vieler Privatanleger, Gewinne zu früh zu realisieren und Verluste laufen zu lassen“, sagt Michael Huber vom bankenunabhängigen Finanzdienstleister VZ Vermögenszentrum.

Aktienquote wiederherstellen

Huber rät dazu, regelmäßig ein Rebalancing vorzunehmen und die ursprüngliche Gewichtung der Anlageklassen im Portfolio wiederherzustellen. Viele Vermögensprofis empfehlen diese Praxis einmal pro Jahr – Huber sieht das anders: Anleger sollten idealerweise dann „rebalancen“, wenn die Märkte besonders gut oder besonders schlecht gelaufen sind, rät er.

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    Wenn beispielsweise in einem Portfolio mit jeweils 50 Prozent Aktien und Anleihen die Aktienquote nach einer Marktrally bei mehr als 60 Prozent liege, sei es an der Zeit, ein paar von den Aktien mit Gewinn zu verkaufen. Eine solche Unwucht dürfte nach der Erholung, die im vergangenen Jahr ihren Anfang genommen hat, inzwischen in vielen Portfolios zu beobachten sein.

    Und noch ein weiteres Argument spricht für Gewinnmitnahmen: Das Jahresende naht. Wer seinen Sparerfreibetrag in Höhe von 801 Euro für das laufende Jahr bislang nicht ausgeschöpft hat, hat bis Ende Dezember Zeit dafür. „Will man einen noch nicht ausgeschöpften Sparerfreibetrag oder Grundfreibetrag nutzen, ist es überlegenswert, Gewinne mitzunehmen“, sagt Huber. Kapitalerträge bis zu dieser Gesamthöhe bleiben steuerfrei. Bei Ehepaaren kann es in Summe sogar doppelt so viel sein. Die Ampel-Koalition plant zudem eine Anhebung, von 801 auf 1000 Euro – doch davon sollen Sparer erst 2023 profitieren.

    Auch in diesem Fall können Anleger auf eine Art des Rebalancing setzen und eine Aktienposition, die sich besonders gut entwickelt hat, reduzieren. Man sollte allerdings darauf achten, gut laufende Investments nicht zu stark zu beschneiden – und sollte umgekehrt nicht bei Positionen nachkaufen, von denen man langfristig nicht mehr überzeugt ist, warnt Huber.

    Nach Einschätzung von Kapitalmarktstratege Galler ist es derzeit nicht angeraten, die Aktienquote pauschal zu senken. „Wir sehen den ‚Black Friday‘ beziehungsweise Omikron vorerst nicht als ein disruptives Element für die Märkte“, sagt er. „Für Investoren wäre es verfrüht, ihre Risikopositionen zu reduzieren.“

    Mehr zum Thema: Unsere Leserin möchte mit ihrer Geldanlage etwas für Klima und Umwelt tun. Reicht dafür ein ETF? Oder braucht es teurere Anlageprodukte? Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen antwortet.

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