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Crowdinvesting Süßer die Zinsen nie schienen

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Garantierter Erfolg sieht anders aus

Denn umgekehrt muss die Rechnung ja genauso gelten. Auch für Unternehmen war es lange nicht mehr so günstig, sich am Kapitalmarkt zu finanzieren. Weiterhin ist es für mittelständische Unternehmen einfach, einen Bankkredit zu erhalten. Das hat eine entsprechende Umfrage unter Unternehmen in Baden-Württemberg ergeben. Dort gaben 43 Prozent der Unternehmen an, es sei für sie leicht oder sehr leicht, einen Kredit von ihrer Bank zu bekommen.

Teure Finanzierung

Die Berliner Schokoladenmanufaktur Sawade greift dagegen nicht auf einen Bankkredit zurück, sondern zahlt statt dessen satte acht Prozent an ihre Finanzierer. Warum? Von Companisto heißt es, auch Sawade hätte auf einen Bankkredit zurückgreifen können. "Wir haben uns bewusst für Crowdinvesting entschieden. Zusammen mit der Crowd wollen wir die Marke Sawade zu neuer Größe führen und uns auch neue Zielgruppen erschließen", sagt Benno Hübel, Inhaber und Geschäftsführer der Manufaktur.

Das Unternehmen setzt also auf die Crowd, um bekannter zu werden und auf diese Weise Aufmerksamkeit zu generieren. Für den Anlageerfolg ist das auch nötig, denn bisher ist das Geschäft von Sawade noch ausbaufähig. 2013 übernahm Hübel das Unternehmen aus der Insolvenz - in die war das 1880 gegründete Unternehmen offenbar aufgrund von Managementfehlern gerutscht. Seit dem wurde vor allem die Marke und das Design von Sawade wieder aufgebaut.

Wer sich als Anleger auf die reinen Zahlen verlässt, muss beim Investment allerdings Mut beweisen. Wie bei Startups nicht unüblich machte auch Sawade zuletzt Verluste, über 224.000 Euro haben sich im vergangenen Geschäftsjahr angesammelt. Ansonsten wird die Passivseite der Bilanz von Verbindlichkeiten dominiert, gut 450.000 Euro davon sind kurzfristig zu bedienen. Dabei helfen könnten die Einnahmen aus dem Crowdinvesting - mindestens 100.000 Euro will Sawade damit einnehmen.

Geldanlage



Immerhin konnte der Umsatz unter den neuen Besitzern bereits um 30 Prozent gesteigert werden, erste Exporte nach China oder Japan wurden realisiert. Das ist wichtig, denn der Süßwarenmarkt in Deutschland entwickelt sich seit vielen Jahren relativ konstant und wird zudem von einigen großen Herstellern wie Lindt beherrscht. In Ländern wie China dagegen wächst mit zunehmender Industrialisierung auch der Hunger auf Süßes. Bedient werden sollen die schokoladigen Zinsen halbjährlich.

Insgesamt zeigt das Beispiel, dass der versuchte Schutz der Kleinanleger vor windigen Anlagen das Crowdinvesting für Anleger nicht unbedingt sicherer gemacht hat. Wer aktuell acht bis zwölf Prozent Zins auf eine Anlage ausgibt, verkauft dem Anleger ein extrem hohes Risiko. Daran ändern auch schokoladige Versprechungen nichts. Anleger dürfen sich von derart hohen Renditen in keinem Fall blenden lassen. Investieren macht nur Sinn, wenn jemand viel verfügbares Kapital hat, und gerne "Spielgeld" in die Hand nimmt, um damit junge Unternehmen zu unterstützen. Ein Totalverlust ist jederzeit möglich und sollte für Anleger verkraftbar sein.

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