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DAB-Bank Hoffnung für geschädigte Accessio-Anleger

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Bank und Broker vernetzt

Die Wahrheit über Bankberater
ZeitnotBeim Beratungsgespräch drängen viele Berater zur Eile. 61 Prozent der Gespräche dauern weniger als eine Stunde. Das ist knapp bemessen. Bei einer seriösen Beratung zur Anlagestrategie müssen Banker unter anderem Risikoneigung, Lebens- und Jobsituation, Steuerstrategie oder vorhandenen Immobilienbesitz ermitteln um daraus Empfehlungen für die Aufteilung des Depots abzuleiten. Die Ergebnisse stammen aus einer Umfrage des Privat Finance Instituts der EBS Business School unter mehr als tausend Bankberatern dauert jedes vierte Gespräch aber weniger als eine Dreiviertelstunde. Lesen Sie, wie frustriert die Berater sind und warum Provisionen bei der Beratung nach wie vor entscheidend sind. Quelle: AP
KundenstauDie Arbeitsleistung vieler Berater ist beachtlich. Jeder Banker führt im Schnitt 2,6 Gespräche pro Tag. Jeder fünfte Berater empfängt laut EBS Universität aber mehr als vier Kunden am Tag. Einige sogar mehr als zehn. Quelle: dpa
Nichts dazugelerntDie Banker haben offenbar keine Lehre aus der Finanzkrise gezogen. Nur zwölf Prozent gaben an, dass die Bemessungsgrundlage für einzelne Produkte und Dienstleistungen seitdem verändert wurde. In sieben Prozent der Fälle wurden Vertriebsvorgaben verringert. Für die  Masse der Berater (49 Prozent) haben sich die Vertriebsvorgaben nicht verändert. Bei mehr als jedem fünften Berater wurden die Vertriebsziele sogar erhöht. Quelle: dpa
Cash is KingDie meisten Banken steuern laut den Beratern ihren Vertriebe nach den Provisionserlösen, sagen 74 Prozent der Befragten und dem Volumen der verkauften Produkte (62 Prozent). Die Kundenzufriedenheit belegt abgeschlagen Platz neun (34 Prozent). Quelle: AP
Kunden zahlen die ZecheDie Kunden leiden unter dem Verkaufsdruck in den Instituten. Vier von zehn Beratern geben an, dass ihre Vertriebsvorgaben dem Kundeninteresse „häufig“ oder „fast immer“ widersprechen. Quelle: dpa
Berater unter DruckDie Kontrolle der Mitarbeiter ist in der Branche in den vergangenen jahren stark angestiegens. 74 Prozent der befragten Banker gaben an, dass die Vertriebsvorgaben bis auf den einzelnen Mitarbeiter runtergebrochen werden. Meistens gelten Jahresvorgaben. Wer nicht genügend vorgegeben Produkte verkauft oder Ertrag erwirtschaftet, steht als Berater häufig unter Rechtfertigungsdruck. 42 Prozent der Mitarbeiter gibt an, dass die Vorgesetzten Ranglisten führen. Quelle: dpa
HamsterradViele Berater fühlen sich überfordert. Jeder dritte Befragte gibt an, dass er seine Betriebsvorgaben nur schwer erreichen kann. 13 Prozent finden die Vorgaben „unrealistisch“. Zum Vergleich: Nur sieben Prozent der Banker erklärte, dass die Ziele gut erreichbar seinen. Quelle: dpa

Über den Inhalt von Verträgen lässt sich nur spekulieren. Es gibt aber weitere Hinweise, dass Accessio mehr als nur einer von vielen Kooperationspartnern war. So war die DAB-Bank von 2005 bis Juni 2007 mit der Revision bei Driver & Bengsch betraut. Zudem saß Robert Weiher, Bereichsleiter Vertrieb der DAB, bis Anfang 2008 im Aufsichtsrat von Driver & Bengsch. 2007 verließ Weiher die DAB-Bank, derzeit ist er Vertriebs-Chef bei der V-Bank. Weiher verweist darauf, dass er als Zeuge in Verfahren gegen die DAB aussagen müsse. Er lehne daher jede Stellungnahme ab.

DAB stellt sich ahnungslos

Dass die DAB-Bank nichts von den Unregelmäßigkeiten bei den von Accessio empfohlenen Unternehmen bemerkt haben will, ist für einige Anleger nicht nachvollziehbar. Schließlich beaufsichtigten vier leitende Angestellte der DAB-Bank im Verwaltungsrat bis 2008 den Fonds Adviser II, der in Anleihen und Genussscheine von Unternehmen investierte, die Accessio-Berater ihren Kunden empfohlen hatten.

Dass die DAB-Bank Einblick in die Anlagepolitik des Fonds Adviser II hatte, belegt ein 2007 veröffentlichter Prüfbericht der KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft. Den Prüfbericht hatte das Aufsichtsamt BaFin in Auftrag gegeben, um festzustellen, ob Accessio die Verhaltensregeln des Wertpapierhandels- und Kreditwesengesetzes eingehalten hat. Dem Bericht zufolge, habe die DAB-Bank in ihrem für Accessio erstellten Compliance-Bericht für das dritte Quartal 2006 die Investmentpolitik des Fonds Adviser II moniert. So habe die Compliance-Stelle der Direktbank kritisiert, dass der Fonds in Aktien der Driver & Bengsch AG investiert hatte. Gerichte könnten daraus Interessenkonflikte ableiten. Die Position sollte daher abgebaut werden, riet seinerzeit die DAB-Bank.

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Auch Anleger Hartung hatte in den Fonds investiert und gab nach „enttäuschender Wertentwicklung“ Anteile verlustfrei zurück. Das Geld investierte er in Wertpapiere von mittelständischen Unternehmen aus dem Accessio-Netzwerk. Das nutzte ihm jedoch nichts: 2010 ging die Cargofresh AG in die Insolvenz. Hartung verlor durch die Pleite des Unternehmens etwa 45 000 Euro. Das Unternehmensgeflecht fiel wie ein Kartenhaus zusammen. Eine Pleite folgte der nächsten. Schließlich war Accessio selbst insolvent.

Nun hofft der Münchner Unternehmer wie Tausende andere Anleger, dass das Urteil der Münchner Richter auch ihm verlorenes Geld zurückbringen wird. Ob sie tatsächlich Schadensersatz bekommen, ist derzeit noch völlig offen. Wenn die DAB-Bank tatsächlich in Revision ginge, müsste noch der BGH entscheiden.

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