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Dax 10.000 Die Magie der runden Zahlen

Der Dax ist auf Rekordjagd und Anleger schauen gebannt zu. Erst 9.000, bald schon 10.000 Punkte? Jede „runde Marke“ wird gefeiert – mehr noch als neue Allzeithochs. Worin liegt der Reiz dieser Zahlen?

10.000 Punkte: Wunschtraum oder realistisches Ziel? Quelle: Getty Images

Die 9.000 hat der Dax problemlos überwunden. Nun hat Super Mario alias EZB-Präsident Mario Draghi mit der erneuten Leitzinssenkung nicht nur ein kleines Kursfeuerwerk gezündet, sondern macht mit seiner nicht enden wollenden Politik des billigen Geldes den Weg frei für weitere Kursanstiege. Kleinen Rücksetzern zum Trotz: Deutschlands prominentestes Börsenbarometer ist im Höhenrausch. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, dass der Dax die magische Marke von 10.000 Punkten knackt.

Daran glauben immer mehr Finanzexperten. „Die Investoren wollen die 10.000 sehen“, sagt Tobias Basse, Analyst der NordLB. Schon in den nächsten drei bis sechs Monaten könnte sich der Leitindex 25 Jahre nach seinem Start der magischen Zahl nähern, prognostiziert der Stratege.

Auch Max Otte sieht die Marke in greifbarer Nähe: „Meines Erachtens haben die deutschen Anleger die Aktie gerade wieder entdeckt, sodass der Dax weiter steigen kann“, ergänzt der Fondsmanager und Bestsellerautor. Und Christoph Bruns, Chef des Fondshauses Loys, sagt im Interview mit Handelsblatt Online, dass der Dax bald eher bei 10.000 als bei 8.000 Punkten notiert. „Es sieht doch ganz gut aus an der Börse“, kommentiert er.

Dinge vereinfachen

Seit Jahresbeginn hat der Dax, in dem die 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen enthalten sind, mehr als 20 Prozent zugelegt und marschiert stramm von Rekord zu Rekord. Sein kleiner Bruder, der Nebenwerteindex MDax, hat bereits 2007 die 10.000-Punkte-Marke durchbrochen. Im Club der Fünfstelligen tummeln sich zudem Indizes wie der amerikanische Dow-Jones-, der japanische Nikkei-Index oder die Mailänder Börse.


Ringen um Aufmerksamkeit

Die runden Marken sind verlockend. Schon die 9000 wurde an der Börse gefeiert. Sie sei „prominenter als 8.745 und erzeugt deswegen mehr Aufmerksamkeit“, sagt Martin Weber von der Uni Mannheim und Experte für Börsenpsychologie. „Runde Zahlen kommen dem Bestreben der Menschen entgegen, Dinge zu vereinfachen“, sagt auch Conrad Mattern, Vorstand der Vermögensverwaltung Conquest Investment Advisory. „9000 ist nun einmal markanter und einfacher zu merken als 8973.“

Trotzdem räumt er ein, dass sie eigentlich ohne Bedeutung sei, „denn sie kommt nur deshalb, weil der Dax für den 31. Dezember 1987 auf 1000 normiert wurde und seitdem 900 Prozent gestiegen sei. Wäre er zu einem anderen Termin gestartet worden, würden wir nun vollkommen andere Stände sehen.“ Denn im Grunde bedeuten runde Zahlen, ob nun 9.000 oder 10.000, nicht viel. „Der Dax ist ja ein Performanceindex und man kann daher erwarten, dass er weiter steigt“, sagt Weber. Anders als bei einem Kursindex wird ein Performanceindex so berechnet, als ob alle Dividenden wieder in die Aktie reinvestiert würden.

Schlechte Nachrichten verdrängen

Derzeit lässt den Dax aber noch etwas anders steigen. Die Aktienrally wird getrieben vom billigen Geld der Notenbanken. „So sehr sich die Anleger auch über die Geldschwemme freuen, sie birgt auch Risiken“, warnt Basse von der NordLB. „Zumindest, wenn der Dax zu schnell die 10.000-Punkte-Hürde nimmt und die Konjunktur- und Unternehmensdaten nicht mithalten können.“

Der Reiz der magischen 10.000 dürfte aber so groß sein, dass die ein oder andere schlechte Nachricht schnell verdrängt werden dürfte. „Die verhaltenswissenschaftliche Finanzforschung hat gezeigt, dass Entscheider sich mangels besserer Informationen an Ersatzinformationen festhalten. Kursmarken sind solche Ersatzinformationen“, weiß Max Otte. „Sie haben zwar ohne die dazugehörigen Bewertungen keinen Sinn, dennoch werden sie von vielen Privatanlegern und Profis beachtet. Das zeigt unter anderem, dass viele Profis auch nicht wirklich nachdenken.“


Droht die Korrektur?

Außerdem rufen Kursmarken den – verhaltenswissenschaftlich ebenfalls belegten – Effekt des „Anchoring“ hervor: Sie werden zu einem Referenzpunkt, einem Anker, an dem sich die Handlungen orientieren. Auch deshalb fiebern Anleger den runden Kursmarken entgegen, „weil viele Börsianer von der Börse keine Ahnung haben und sich mit solchen Ersatzinformationen beschäftigen“, so Otte.

Rücksetzer und Korrekturen

Das bedeutet aber keinesfalls, dass der Dax schnurgerade steigt. Denn einig sind sich die Marktexperten auch darin, dass der Aufwärtstrend im Dax nicht ohne Rücksetzer erfolgen dürfte: „Mit kleineren Korrekturen müssen Anleger jederzeit mal rechnen, gerade angesichts der laufenden deutschen Berichtssaison“, sagt Basse. „Da dürfte die eine oder andere Enttäuschung gerne mal für Gewinnmitnahmen genutzt werden.“

Die drohen auch, wenn die 10.000 endlich geknackt ist. Das ist ein weiteres börsenpsychologisches Phänomen, das die Experten immer wieder beobachten. „Sobald so eine Marke erreicht wird, geben die Kurse dann meist erst einmal nach“, sagt Mattern. „Manchmal ist das nur eine Affäre von Minuten und dann geht es weiter, manchmal ist so eine Marke aber wirklich eine große Hürde.“ Aktuell würden die Märkte aber von der Liquidität gestützt und die mittelfristige Stimmung sei positiv.

Unterm Strich ist die Richtung also klar vorgegeben, glaubt man den Experten: Die 10.000 ist einfach eine verlockende Zahl.

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