Deutschland-Fonds Wie Anleger Dax-Schwankungen meistern

Die jüngste Korrektur an der Börse könnte nur der Anfang gewesen sein. Wer die Risiken einzelner Aktien scheut, schont seine Nerven mit guten Mischfonds, die auch in heimische Titel investieren.

Quelle: dpa

Die 10.000 Punkte beim Dax schienen am vergangenen Montag zunächst in weite Ferne gerückt zu sein. Knapp um fünf Prozent war das deutsche Börsenbarometer innerhalb weniger Tage gefallen, es ging von 9758 auf 9316 Punkte abwärts. Doch schon am Dienstag haben sich die Kurse leicht erholt.

Die deutschen Aktien boomen, weil das Geld vieler angelsächsischer Investoren ins Euroland fließt. Probleme mit der „Eurorettung“ blendeten diese Investoren derzeit aus, meint Christian Krahe, mitverantwortlicher Anlageberater des Mischfonds Deutsche Aktien Total Return (DATR), der in heimische Aktien und Unternehmensanleihen investiert. Nach Ansicht von Krahe könnte das Bundesverfassungsgericht diese Investoren allerdings verunsichern, wenn es voraussichtlich im April darüber entscheidet, ob die Europäische Zentralbank Kompetenzen beansprucht, die sie nach dem Grundgesetz nicht haben dürfte.

„Würde die EZB bei der Eurorettung Schranken erhalten und könnte EZB-Präsident Mario Draghi also nicht  - wie versprochen - alles tun, um den Euro zu retten, drohen neue Turbulenzen“, meint Krahe. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau gäbe es kontroverse Meinungen unter den achte Richtern des Zweiten Senats, die über ein Urteil zum Anleihe-Kaufprogramm der EZB beraten.

Tipps fürs Börsenjahr 2014
Blick in die GlaskugelSelten waren Analysten bei ihrem jährlichen Blick in die Börsen-Glaskugel so optimistisch wie in diesem Jahr. Im Schnitt erwarten die Banken, dass der deutsche Leitindex Dax am Ende des Jahres bei rund 10.120 Punkten steht. Die größten Optimisten, in diesem Jahr die Analysten von Barclays, erwarten sogar einen Sprung auf 11.000 Punkte. Es gibt aber auch skeptische Stimmen. Die Helaba und die National Bank aus Essen rechnen damit, dass der Schlussstand 2014 etwas unter dem von 2013 liegen wird. "Das war eine ziemlich unglaubliche Rally und irgendwann werden wir eine Korrektur sehen müssen, wenn voraussichtlich auch noch nicht im Januar", prognostizierte Aktienstratege Peter Garnry von der Saxo Bank. Quelle: dpa
Geldpolitischer KurstreiberGrund zur Skepsis gibt es. Denn es sind weniger die fundamentalen Daten, die die Kurse in die Höhe schießen lassen, als die Handlungen der Notenbanker. Mit ihrer ultra-expansiven Geldpolitik haben EZB-Chef Mario Draghi und Fed-Chef Ben Bernanke den Grundstein für die Börsen-Rally 2013 gelegt. Bernanke kündigte kurz vor Weihnachten an, die Wertpapierkäufe der Fed langsam um 10 Milliarden Euro zurückzufahren. Damit sorgte er für ein Jahresend-Feuerwerk an den Börsen, der Dax kletterte auf über 9600 Punkte und damit auf den höchsten Stand aller Zeiten. Auch 2014 wird vieles an den Börsen von Draghi und Co. abhängen. Zieht die Fed ihr Tapering durch? Schafft auch die EZB die Kehrtwende? Oder senkt Draghi die Zinsen noch weiter? Genug Unruhepotenzial gibt es auf jeden Fall. Quelle: dpa
Einstieg verpasst?Um rund 25 Prozent hat der Dax im vergangenen Jahr zugelegt. Das Problem: Viele Privatanleger in Deutschland konnten davon nicht profitieren. Die Furcht vor Blasen am Aktienmarkt ist noch so präsent wie nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes. Nur langsam kehren Anleger an die Börse zurück, an den globalen Aktienmärkten war 2013 das erste Jahr seit 2006 mit einem Nettozufluss. Laut dem deutschen Fondsverband BVI wurden zwischen Januar und Oktober sogar über sechs Milliarden Euro aus Aktienfonds abgezogen. Dabei gibt es auch für sicherheitsbewusste Anleger passende Aktieninvestments. Quelle: AP
Für SicherheitsfansAuch sicherheitsbewusste Anleger müssen nicht auf Aktien verzichten. Allerdings birgt die Auswahl einzelner Aktien höhere Risiken, gewisse Marktkenntnisse sind erforderlich. Einfacher haben es Anleger mit Indexzertifikaten. Deren Entwicklung ist nicht an einzelne Papiere, sondern an jeweils einen ganzen Index wie beispielsweise den Dax geknüpft. Steigt der Leitindex, ist auch das Zertifikat mehr wert. Zwar ist mit einer Mischung aus Einzelaktien im Zweifel eine noch höhere Rendite drin, dafür ist das Risiko bei Indexzertifikaten aufgrund der Mischung vergleichsweise gering. Hinzu kommt, dass die Papiere im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds günstig sind. Quelle: AP
Überschaubares RisikoWer dennoch Geld für einen aktiv gemanagten Fonds investieren will und Wert legt auf ein überschaubares Risiko, setzt am besten auf Mischfonds. Hier wird nicht nur in Aktien, sondern auch in festverzinsliche Papiere wie Anleihen investiert. Bekannt für ausgewogene Mischfonds ist der Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch von Bert Flossbach und Kurt von Storch. Ihr Fonds Multiple Opportunities R investiert neben Aktien und Anleihen auch in Edelmetalle. Die Manager haben dabei keine Beschränkungen, was den Anteil von Aktien oder Anleihen angeht. Was zählt, ist die positive absolute Rendite. Auch DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen ist für seinen ausgewogenen Mischfonds bekannt. Quelle: dpa
DividendenjagdWer als sicherheitsverliebter Anleger auf Aktien setzen will, stürzt sich mit Vorliebe auf dividendenstarke Titel. Grundsätzlich kann die Strategie zum Erfolg führen. Allerdings ist auch da Vorsicht geboten. Denn nicht immer bedeutet eine hohe Dividende gleichzeitig ein florierendes Geschäftsmodell. Wird die Dividende aus der Substanz gezahlt statt aus erwirtschafteten Gewinnen, ist das kein gutes Zeichen. Dennoch gibt es einige Papiere, die sich auch aufgrund ihrer stabilen Ausschüttungen lohnen. Im Dax gehört dazu die Allianz. Die Versicherung ist für eine stetige Ausschüttungspolitik bekannt, außerdem ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von weniger als dem zehnfachen des Jahresgewinns vergleichsweise günstig. Ähnlich sieht es beim Rückversicherer Munich Re aus. Wem die Auswahl einzelner Aktien zu kompliziert ist, kann auch hier auf einen Fonds setzen. Einige investieren gezielt in Papiere mit hoher Dividendenrendite, etwa der DWS Top Dividende oder der M&G Global Dividend A. Quelle: dpa/dpaweb
Mittleres RisikoWer mit Zukäufen ins neue Jahr starten will und etwas risikofreudiger ist, kann auf einzelne Aktien setzen. Dabei muss immer auf den Preis geachtet werden. Gerade lukrative Papiere im MDax, der zweiten Börsenliga, sind oft schon sehr teuer - Anleger zahlen ein Vielfaches des Jahresgewinns für eine Aktie. Es gibt aber auch noch Aktien großer Dax-Konzerne, die erschwinglich sind. Dazu zählt unter anderem die VW-Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von unter zehn. Sollte die globale Konjunktur 2014 wie erwartet weiter anziehen, dürften die Wolfsburger davon profitieren. Insbesondere die Entwicklung in China ist entscheidend. Auch Vorzugsaktien von BMW punkten bei Privatanlegern mit einem niedrigen KGV bei gleichzeitig attraktiver Dividendenrendite. Wem die Rendite bei Mischfonds zu niedrig ausfällt, der kann auch auf spezialisierte Fonds setzen, die beispielsweise gezielt in deutsche, europäische oder US-Aktien investieren. Quelle: dpa

Nur das Wachstum zählt

Aber nicht nur die Angelsachsen, auch die Manager der deutschen Aktienfonds blicken darüber derzeit hinweg. Gute Zahlen zum Wirtschaftswachstum aus den großen Industrienationen sind für sie wichtiger. Auch die aktuellen Turbulenzen in Schwellenmärkten wie Argentinien und der Türkei beeindrucken manchen wenig. Sie investieren derzeit meist offensiv in Unternehmen, die von dem weltweiten Konjunkturaufschwung profitieren sollen. Und das sind meist die großen Exportwerte aus dem Dax, die bei Branchenriesen wie der Deutsche Asset & Wealth Management (DWS)  oder  Fidelity derzeit gut ankommen.

Wie wichtig allerdings nach dem starken Anstieg des Marktes die richtige Aktienauswahl ist, zeigte sich auch gleich zu Anfang des Jahres durch drei Gewinnwarnungen. Sowohl die Deutsche Bank als auch ElringKlinger aus dem MDax und Pfeiffer Vacuum aus dem TecDax konnten die hohen Erwartungen der Börsianer nicht erfüllen und wurden mit hohen Kursverlusten bestraft. Fidelity-Fondsmanager Christian von Engelbrechten sieht beim Dax trotzdem weiteres Potenzial. Im Portfolio des von ihm gemanagten Fidelity Germany stecken mit VW, Daimler, BASF und Siemens viele Exportwerte unter den größten Titeln. Damit die Gewinne der Unternehmen steigen, benötigen sie eine brummende Weltwirtschaft. Davon geht von Engelbrechten aus.

Die besten Deutschland-Fonds

Rally auf vier Rädern

Interessant findet er vor allem den Autosektor: „China hat zwar Probleme, sorgt aber immer noch für  steigende Absatzzahlen und der Automarkt in Europa erholt sich von Tiefständen.“ Unter den deutschen Autobauern hält er vor allem VW für günstig. Die Aktie kostet das Achtfache der für 2014 erwarteten Gewinne, das Wachstum des Unternehmens würde bei diesem niedrigen Wert unterschätzt, meint der Fondsmanager. Die Wolfsburger verkaufen inzwischen jedes zweite Auto in Wachstumsmärkten und neue Modelle wie der Porsche Macan und der Passat sollten den Verkauf ankurbeln. Die Schwäche im US-Geschäft hält er für nicht dramatisch. Ähnlich positiv wie VW sieht er den Zulieferer Continental, der nicht nur bei Reifen, sondern mit Töchtern wie VDO Automotive in vielen Wachstumsfeldern im Autobereich präsent ist. „Ich erwarte, dass Conti schneller wächst als der Markt und bei der Bewertung noch aufholen kann“, sagt von Engelbrechten. Von den 48 Einzelwerten im Fonds sind rund 20 mittelgroße und kleinere Nebenwerte. Auch hier spielt für den Experten im Autosektor die Musik. Er ist mit den MDax-Titeln Bertrandt und SHW im Portfolio vertreten ist. Nebenwerte sind für ihn im Technologiesegment erste Wahl. Bei Dialog Semiconductor etwa rechnet er mit höheren Gewinnen, als der Markt, weil Smartphones und Tablet- Computern boomen.

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