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Digitale Vermögensverwaltung Die besten Robo Advisors

Kostengünstige Geldanlage: Die besten Robo Advisors im Vergleich. Quelle: imago images

Alles wird digitaler, auch die Geldanlage. Roboter als Vermögensverwalter erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Die WirtschaftsWoche kürt die besten Robo Advisor für eine Einmalanlage von 5000 Euro und für Sparpläne.

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Eine ausgefeilte Anlagestrategie mit nur ein paar Klicks – ohne finanzielles Hintergrundwissen, ohne aufwendige Verwaltung? Kein Problem, denken scheinbar viele Anleger. Immer häufiger übernehmen Roboter und clevere Algorithmen die Geldanlage der Deutschen. In der Coronakrise haben nicht nur viele die Börse für sich entdeckt – die Zahl der Aktionäre, Fonds- und ETF-Besitzer ist so stark gestiegen wie seit Jahren nicht –, sondern auch die Vorzüge der Robo Advisor.

Auch wenn der Marktanteil der Robos noch immer gering ist – schaut man das Vermögen in Publikumsfonds in Deutschland an, dann liegt der Anteil an Vermögen, der durch sie verwaltet wird, weiterhin deutlich unter einem Prozent –, so gewinnen sie doch immer mehr Anhänger. „Wir haben in den letzten Monaten sehr starkes Wachstum gesehen – bei einigen Anbietern auch im zweistelligen Prozentbereich“, sagt Kamil Kaczmarski, Partner bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman. „Aber es wird noch viele Jahre dauern, bis Robos einen wirklich marktverändernden Markanteil gewinnen.“ Dass die digitalen Helfer in der Pandemie viele Neukunden gewinnen konnten, überrascht auch Oliver Mihm nicht. „Die Kunden haben in der Krise entschieden, ihre Bankgeschäfte in Zukunft vermehrt ohne Filialbesuche zu erledigen“, sagt der Chef von Investors Marketing, einer Beratung für Finanzdienstleister. Neben den Neobrokern profitierten eben auch die Robo Advisor.

Etwa 40 Anbieter gibt es aktuell. Sie bieten mal aktivere, mal passivere Strategien an. Diese setzen sie in unterschiedlichen Portfolios um, je nach Risikoneigung der Anleger. Welches Depot das passende für den Kunden ist, wird über Online-Fragebögen ermittelt. Und dann geht es auch schon los – mit Einmaleinlagen, Sparplänen oder beidem. Das Angebot ist groß, und mittlerweile auch ziemlich unübersichtlich. Ein Ranking bringt Übersicht in den Angebotsdschungel.

Trend zu immer mehr Nachhaltigkeit

Die FMH-Finanzberatung hat exklusiv für die WirtschaftsWoche die besten Robo Advisor für Sparpläne und für eine Anlagesumme von 5000 Euro ermittelt. Bewertet wurden die Höhe der Mindestanlage, die Kosten im ersten Jahr, die Performance in 2020, die Anzahl der Risikoprofile beziehungsweise Strategien, ob ein Auszahlplan möglich ist und ob es Neukunden-Aktionen gibt. Bei den Risikoprofilen und Strategien war auch die Nachhaltigkeit ein Aspekt. „Der Trend geht eindeutig zu immer mehr nachhaltigen ETFs und Fonds“, sagt Beate Balke von der FMH-Finanzberatung. In vielen Strategien würden einzelne Produkte gegen die ESG-Variante ausgetauscht oder gleich das ganze Portfolio auf Nachhaltigkeit umgestellt.

Bei einer Anlagesumme von 5000 Euro punkten Evergreen, Quirion und Growney und wurden mit einem „Sehr gut“ ausgezeichnet. Beim erstplatzierten Evergreen können Anleger schon mit einem Euro starten, die Depotkosten liegen bei null, zur Auswahl stehen zehn Strategien, allerdings keine ESG-Variante. Für das Ranking wurden ausgewogene Strategien mit einem Aktienanteil von maximal 60 Prozent analysiert. Evergreen brachte es dabei im vergangenen Jahr auf eine Rendite von 6,43 Prozent. Quirion schaffte mit seinem „Globalen Depot 50/50“ immerhin acht Prozent. Los geht es ab 500 Euro, zur Wahl stehen zehn Portfolios. Die Kosten liegen bei 0,48 Prozent pro Jahr, im ersten Jahr erhalten Neukunden bei einer Anlagesumme bis 10.000 Euro aber einen Gebührenerlass. Platz drei geht an Growney. Die Mindestanlage beträgt ebenfalls 500 Euro, die Kosten liegen mit 0,68 Prozent etwas höher. Neukunden zahlen in den ersten drei Monaten allerdings nichts. Die Performance des „grow50“ lag 2020 nur bei 3,22 Prozent. Strategien gibt es zehn, davon fünf mit ESG-Filter.



Mit Blick auf die Performance gab es im Jahr des heftigen Corona-Crashs Ausreißer nach oben wie nach unten. „Positiv überrascht hat Vividam“, sagt Balke. Obwohl dieser Robo Advisor nur Anlagen nach ESG-Richtlinien anbietet, schnitt Viviam mit dem „vividam Nachhaltig 50“ mit Blick auf die Performance mit einem Plus von 11,84 Prozent nach Kosten am besten ab. Trotzdem reichte es nur für ein „Gut“ und den vierten Platz. „Negativ überrascht hat Ginmon mit einer negativen Performance von minus 0,29 Prozent für das Portfolio „apeironinvest 6“, so die Expertin. Im Vorjahr war es noch um 17,25 aufwärts gegangen.

Deutschlands größter Robo Advisor nach verwaltetem Vermögen gehört übrigens nicht zu den insgesamt 34 Bewerteten. „Scalable Capital konnte bei unserer Auswertung nicht berücksichtigt werden, da der Mindestbetrag 10.000 Euro beträgt“, sagt FMH-Expertin Balke. „Ein Sparplan kann auch erst eröffnet werden, wenn mindestens 10.000 Euro eingezahlt worden sind.“ Berücksichtigt wurden in dieser Kategorie nur Robos, die Sparpläne für 100 Euro anbieten – ohne eine Einmalanlage.



Die besten Robo Advisor für Sparpläne sind Evergreen, Quirion, Grwoney, Oskar und Fintego. Die Mindestanlagesummen variieren recht stark. Bei Evergreen geht es mit einem Euro los und bei Quirion mit 30 Euro. Growney und Oskar bieten Sparpläne ab 25 Euro an und Fintego ab 50 Euro. Auch bei den Kosten gibt es erhebliche Unterschiede. Während sie bei Evergreen und Quirion (im ersten Jahr) bei null liegen, berechnen die Dritt- bis Fünfplatzierten bis zu ein Prozent.

Noch sind die digitalen Vermögensverwalter Nischen-Player. „Der Anteil der Robo Advisor am Wertpapiervolumen in Deutschland beträgt unter 0,5 Prozent“, sagt Mihm. „Das wird nicht ausreichen, um die heute circa 40 Anbieter dauerhaft ökonomisch zu betreiben.“ Er rechnet damit, dass sich selbst bei einem Marktwachstum auf etwa 20 Milliarden in 2023 die Zahl der Anbieter ungefähr halbieren wird. Wie so oft, werden die größten und besten sich durchsetzen. „Wachstumstreiber der Zukunft ist das Marketing“, sagt Mihm. „Banken haben jedoch oftmals noch die Befürchtung, dass der Robo das lukrative Fondsgeschäft kannibalisiert und den Fintechs fehlt häufig das Geld für große Werbeaktionen.“

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Für Robos sprechen der einfache Einstieg in das Wertpapiersparen sowie die Kostentransparenz und insbesondere für wenig Vermögende leicht niedrigere Kosten. Doch es gibt auch Argumente, die gegen die digitalen Helfer sprechen. Kaczmarski nennt die fehlende persönliche Betreuung, aber auch den schwierigen Kundenzugang. Denn viele Anleger würden Robos schlicht noch nicht kennen. Und dann sei da noch „die Skepsis der Anleger, das Geld einem Algorithmus zu überlassen“. Der Experte von Oliver Wyman glaubt deshalb nicht, dass die Mehrheit der Deutschen ihre Finanzen in die Hände von Algorithmen geben. „Für die nächsten fünf bis zehn Jahre werden die Deutschen weiterhin auf den persönlichen Kontakt setzen beziehungsweise auch auf digitalem Weg auf eine individuellere Anlagestrategie achten“, sagt er. Viele würden weiterhin das gute Gefühl haben wollen, dass es jemanden gibt, den man auch anrufen kann und der persönlich für einen da ist. „Langfristig wird es sich mit einem Generationswechsel zwar ändern, aber wir glauben nicht, dass die überwiegende Mehrzahl der Anleger auf den persönlichen Berater verzichten wird – auch in Zukunft.“

Mehr zum Thema: Es gibt sie doch, die „Wunderroboter“. Minveo, ein kleiner, unbekannter Robo Advisor aus München hat das geschafft, was viele digitale Vermögensverwalter versprechen: Er hat den Corona-Crash frühzeitig erkannt und die Anlegergelder gesichert. Robo Advisor reagiert früh auf Crash: „Ab 27. Februar lag die Aktienquote bei null“

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