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Digitalwährungen Der Krypto-Dirigent: Wie Elon Musk Bitcoin und Co. beeinflusst

Wenn der Tesla-Chef twittert, schaut die Krypto-Szene genau hin. Quelle: AFP

Immer wieder bewegt Tesla-Chef Elon Musk die Krypto-Märkte. Allerdings macht sein Hin und Her es den Anlegern nicht leicht, ihm zu folgen. Einige sind zunehmend verärgert.

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Es bedarf nur 270 Zeichen von Elon Musk, um den Bitcoin-Kurs nach oben zu katapultieren. Der Wert der Kryptowährung stieg um fast 10 Prozent auf über 40.000 Dollar, nachdem der Tesla-Chef am Sonntagabend ankündigte, bei seinem Autokonzern bald womöglich wieder Zahlungen mit der Kryptowährung zu erlauben. Voraussetzung ist, so Musk, dass der Bitcoin sein Schmuddelimage aufbessert und künftig die Hälfte aller neuen Coins mit sauberer Energie gewonnen werden.

Als Musk Mitte Mai Bitcoin den Status als Zahlungsmittel entzog, war der Kurs eingebrochen. Den Chef des E-Autobauers überraschte damals angeblich plötzlich, dass das Mining – also die Herstellung neuer Bitcoins – so viel Energie frisst wie kleine Industrieländer. Es war ein herber Bedeutungsverlust für die Kryptowährungen. Kein Wunder also, dass Krypto-Anleger Musks Rückkehr zum Bitcoin jetzt mit Käufen honorieren.

Es ist nicht das erste Mal, dass Musks Meinungsfreude bei Twitter die Krypto-Kurse in Bewegung setzt. Wenn Musk twittert, springt die Krypto-Szene auf. Tiefgreifende Analysen muss er dafür nicht liefern, und auch zu den Hintergründen seiner Meinungsbekundungen will niemand etwas wissen. Er ist Tonangeber im Krypto-Reich.

Dem Tesla-Chef folgen auf Twitter 57 Millionen Nutzer. Es genügen ein paar Buchstaben bei Twitter, und Kleinanleger stilisieren ihn als großes Renditeorakel. Seine Beiträge lassen die Kurse in die Höhe springen und abstürzen. Und weil Musk-Gefolgschaft und Krypto-Fans das mittlerweile wissen, verstärkt sich der Effekt noch.

Twitter ist Musks Sprachrohr

In der Welt von Musk genügt es schon, den Hashtag #Bitcoin in die Twitter-Biografie aufzunehmen, um den Kurs zu treiben – so geschehen im Januar 2021. Anfang Juni sackte der Bitcoin-Wert um fünf Prozent ab, nachdem Musk ein Emoji eines gebrochenen Herzens und den Hashtag #Bitcoin getwittert hatte. Darunter war ein Meme von einem Paar, das sich gerade trennt.  Als Meme werden in den sozialen Netzwerken kleine Bild-, Ton- oder Videoschnipsel bezeichnet, die Nutzer in Beiträgen einbauen.

Mitte Mai verlautbarte er, mit dem Entwickler der Spaß-Kryptowährung Dogecoin daran zu arbeiten, die Transaktionen effizienter zu machen – und dass der Plan vielversprechend sei. Die Folge: Der Dogecoin-Kurs legte fast 37 Prozent auf 52 Cent zu. Nicht nur bei Twitter, sondern auch im US-Fernsehen sinniert Musk über Kryptowährungen. Als er im Mai bei der Comedy-Show „Saturday Night Life“ gastierte, holte er seine Mutter zu sich vor die Kamera – die dann scherzte, doch bitte keine Dogecoins zum Muttertag zu bekommen.

Später erklärte der Tesla-Chef die Spaßwährung dann als „Zukunft der Währung“, ehe er sie scherzhaft als „Hustle“ bezeichnete. Das Wort hat mehrere Bedeutungen. Es muss nicht unbedingt negativ gemeint sein, lässt sich aber auch mit Abzocke übersetzen. Und natürlich, der Kurs des Dogecoin tänzelte mit seinen Äußerungen.

Auch im Zockerkrieg zwischen Kleinanlegern und Hedgefonds um die Gamestop-Aktie Anfang des Jahres reagierten die Märkte auf seine Tweets. Binnen weniger Minuten stieg der Kurs um 30 Prozent, nachdem er in einem Beitrag „Gamestonk!“ schrieb und den Link zum Onlineforum Wallstreetbets geteilt hatte. Dort tauschen sich Privatanleger über Investments – wie zum Beispiel in Gamestop – aus. Musk twittert, und die Anlegerschar folgt ihm.

Aber warum? Wenn es nach Marktanalyst Timo Emden vom gleichnamigen Analysehaus geht, dann liegt das weniger an Musks Finanzexpertise als an seinem Image als Trendversteher: „Elon Musk gilt als innovativ, als jemand, der die großen Zukunftstrends erkennt.“ Viele Anleger glauben an seine Prognosen, stecken Geld in die von ihm angepriesenen Assets. Aufgrund des Markteinflusses, den Musk schon unter Beweis gestellt hat, kann Emden das verstehen. 



Kryptischer Krypto-Guru

Aber: Musks oft kryptische Tweets als einzige Investitionsgrundlage zu nehmen, sei keine gute Idee. Schließlich wisse man nie, ob ein Tweet nicht doch nur als Scherz gedacht war. „Manchmal weiß niemand, was genau Musk meint“, so Emden.

Das Twittergebaren des US-Unternehmers erzürnt die US-Finanzkontrolleure und provoziert Kritiker. Erst kürzlich warf die Geschäftsführerin des Finanzdienstleisters Magda Wierzcyka Musk Marktmanipulation vor. Sie führt die extremen Schwankungen des Bitcoin-Kurses auf seine Aktivitäten in den sozialen Netzwerken zurück. Manche werfen ihm vor, mit seiner Meinungsfreude die Ersparnisse von Anlegern zu vernichten. Musk weist die Vorwürfe zurück.

Mit seinem Hü und Hott hat Musk seinem Ruf in der Kryptowelt allerdings geschadet. „Mit seinen ständigen Strategiewechseln hat Musk Vertrauen verspielt“, sagt Emden. Und dennoch werde sein Twitter-Account auch weiter zur Pflichtlektüre für jeden Krypto-Anleger gehören.

Mehr zum Thema: Wie Anleger sich am Börsenboom berauschen und zunehmend Risiken eingehen.

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