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Drei Strategien, drei Depots Alle Augen auf China!

Früher gab die Wall Street für alle Börsen weltweit den Takt vor. Heute spielen aber auch Europa und insbesondere China eine wichtige Rolle. Frank Wiebe fürchtet deshalb, dass die Börse noch etwas politischer wird.

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Good Bye: Frank Wiebe, Korrespondent in New York, verabschiedet sich beim spekulativem Depot mit einer Rendite von 8,1 Prozent. Quelle: Jens Dietrich

Die Amerikaner reden viel davon, dass sie in ein paar Jahren möglicherweise von den Chinesen als größte Wirtschaftsnation überholt werden. Und manchmal ist an der Börse schon so etwas vorab zu spüren. Früher gab die Wall Street für alle Börsen weltweit den Takt vor. Heute spielt Europa manchmal auch eine Rolle – aber eigentlich nur, wenn die Krise dort gerade wieder hochkocht und die Stimmung verdirbt.

Neu ist aber, dass immer wieder die Chinesen den Takt vorgeben. Am Montag ist die Wall Street schwächer gestartet, weil Chinas Markt unter Druck stand – das wäre früher undenkbar gewesen. Damit ist die Börse aber noch etwas politischer geworden – denn in China hängen die Kurse doch sehr stark an politischen Entscheidungen.

Die amerikanische Privatbank Brown Brothers Harriman glaubt allerdings, dass die Chinesen sehr vorsichtig vorgehen bei ihrer "makroökonomischen Steuerung". Die Zentralbank werde eher "höflich darum bitten", bei der Kreditvergabe etwas vorsichtiger zu sein, als einfach die Zinsen zu erhöhen. Mit anderen Worten: Eigentlich ist Peking auf dem richtigen Weg. Die Regierung versucht eine Überhitzung zu vermeiden und möchte auch die Inflation zurückdrängen, ohne dabei aber die wirtschaftliche Entwicklung abzuwürgen.

Wenn dies gelingt, dürfte es im übrigen auch direkt der deutschen Wirtschaft und damit auch deutschen Aktien zu Gute kommen. Denn der chinesische Markt ist für viele heimische Unternehmen enorm wichtig - selbst da, wo er noch nicht den größten Exportanteil hat, ist er häufig für die Wachstumsperspektive unentbehrlich.


Peripherie-Aktien mit Nachholpotenzial

Das war ja zu erwarten. Nach fünf Tagen Klettertour haben die Aktienmärkte ein wenig den Rückwärtsgang eingelegt. Mit am heftigsten erwischte es Italien; doch auch das macht mir keine Sorgen. Als Begründung für den Kursrückgang der italienischen Aktien hielt an den Märkten die Aktion der Ratingagentur Fitch her. Die hatte Italiens Bonität am späten Freitag um eine Stufe auf „BBB+“ herabgesetzt, weil sei die „ergebnislose“ Wahl in Italien als einen „weiteren negativen Schock für die Realwirtschaft“ sieht.

Etwas in der Richtung wussten wir aber nun schon alle, die Wahl ist schließlich schon zwei Wochen her und die Märkte haben sich von ihrem kurzen Schock unmittelbar nach der Wahl längst erholt. Von daher dürfte die Herabstufung die Investoren nicht nachhaltig beunruhigen. Außerdem stufen die anderen großen Ratingagenturen Standard & Poor’s und Fitch Italiens Bonität schon seit einem Jahr im Bereich Dreifach-B ein. Und das entspricht immer noch einer zumindest mittleren Kreditwürdigkeit.

Ich bin mit einem Zertifikat der Royal Bank of Scotland vor allem in italienischen und spanischen, zum kleinen Teil auch in portugiesischen Aktien investiert. Dieses Zertifikat hat sich gut entwickelt, seit ich es vor rund vier Monaten gekauft habe, und ich werde es weiter halten. Schließlich haben die Aktienmärkte dieser drei Länder verglichen mit dem Dax immer noch ordentlich Nachholpotenzial, auch wenn es natürlich zwischendurch immer wieder holprig werden kann.


Innerhalb weniger Wochen mehr als 14 Prozent

Der Dax schlägt sich wacker: Zu Wochenbeginn rutschte der Aktienindex nur leicht ab. Die Gewinnmitnahmen hielten sich in Grenzen – und das trotz der wohl bekannten Damoklesschwerter in Italien und den USA. Heute dürften Unternehmensergebnisse die weitere Richtung vorgeben. Wichtige Konjunkturdaten werden erst gegen Ende der Woche veröffentlicht.

Allein die deutschen Verbraucherpreise für Februar stehen heute auf der Agenda. Das Statistische Bundesamt hat aber bereits vorläufige Schätzungen veröffentlicht und nach Einschätzung von Volkswirten ist nicht zu erwarten, dass die überarbeiteten Daten davon abweichen.

Das heutige Highlight dürfte die Bilanzpressekonferenz von Munich Re sein. Der Versicherungskonzern hat schon erste Zahlen zum vergangenen Jahr veröffentlicht und auch angekündigt, dass die Dividende auf  7,00 Euro (von 6,25 Euro im Jahr zuvor) angehoben werden soll. Deswegen dürften sich die Börsianer vor allem dafür interessieren, wie der Konzern die weiteren Geschäftsaussichten einschätzt.

Auch ich werde Munich Re im Blick behalten, schließlich habe ich mit Talanx eine Aktie aus der Versicherungsbranche in meinem Depot liegen. Bislang hat sich diese Investition für mich ausgezahlt. Seit dem Kauf ging es für Talanx um über 14 Prozent aufwärts.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

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