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Drei Strategien, drei Depots Der Dax auf Drogen

Der Dax bricht alle Rekorde. Doch was bedeutet das Allzeithoch für Anleger? Drei Handelsblatt-Redakteure veröffentlichen ihre Muster-Depots und analysieren die aktuelle Lage an den Märkten.

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Tschö: Jessica Schwarzer, Ressortleiterin des Finanzteams bei Handelsblatt Online in Düsseldorf schaffte mit dem spekulativen Depot eine Rendite von 2,1 Prozent. Quelle: Pablo Castagnola

Vom wegen Angst vor dem Allzeithoch. Sah es gestern noch so aus, als ob Börsianer ein wenig Höhenangst hätten, nahm der Dax die magische Marke von 8.152 Punkten nahezu im Flug. Damit hat der deutsche Standardwerteindex seinen Rekord aus dem Jahr 2007 geknackt. Fast bis auf 8.200 Punkte ging es nach oben.

Natürlich ist die Rally getrieben vom billigen Geld der Notenbanken. Und genau das könnte irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft zum Problem werden. Das billige Geld wirkt wie eine Droge, doch wehe die Märkte werden auf Entzug gesetzt.

Denn sollte sich die Konjunktur in den USA oder der Euro-Zone eines Tages erholen, könnten die Notenbanken ihre „Politik des billigen Geldes“ beenden und auch die Leitzinsen wieder anheben. Der genaue Ablauf wird zum Drahtseilakt - selten waren die Zentralbanken weltweit mit einer so kniffligen Aufgabe konfrontiert.

Schon kleine Andeutungen eines Richtungswechsels aus Kreisen der Währungshüter können dann für Erschütterungen an den Aktien- oder auch an den Anleihemärkten sorgen. Denn derzeit sind diese Märkte abhängig von den Entscheidungen der Notenbanken und weniger von fundamentalen Wirtschaftsdaten. Hoffen wir also, dass der Entzug – wenn er denn kommt – mit Maß vollzogen wird.


„Eines Tages kommt das böse Erwachen“

Der Dax hat heute sein Allzeithoch erreicht und lässt die Marke von 8.000 Punkten weit hinter sich. Doch die Skepsis wächst. Immer mehr Börsianer warnen, dass die Niedrigzinspolitik der Notenbanken zwar die Kurse befeuert, aber auch Nebenwirkungen hat und die Auswirkungen der letzten Zinssenkung auf die Wirtschaft begrenzt sind.

Eines Tages komme das böse Erwachen, prognostizieren sie, nach der Dividendensaison könnten die europäischen Aktienmärkte in ein großes Loch fallen. Ich bin zwar auch skeptisch, dass der Höhenflug des Dax in dem Tempo weitergeht, fühle mich aber mit meinen Aktien gut aufgestellt. Etwa mit Henkel. Das Unternehmen legt am Mittwoch Quartalszahlen vor.

Bisher hat sich die Investition für mich gelohnt: Die Dividendenzahlung fiel mit insgesamt 19 Euro zwar nicht gerade üppig aus. Doch der Kursanstieg brachte mir 200 Euro ein, denn das Papier zog seit meinem Einstieg Mitte November um über 16 Prozent an. Aussteigen will ich deswegen aber nicht. 


„Keine Alternative zu Aktien“

Mark Hulbert von „marketwatch.com“ macht, mit Bezug auf Berechnungen des Ökonomen Bob Shiller, eine interessante Rechnung auf. Er korrigiert die Entwicklung der Börse um die Inflation. Mit dem Ergebnis, dass der S&P 500, der wichtigste US-Index, seinen Höhepunkt im Jahr 2000 mitten in der Internet-Blase hatte und wir noch 25 Prozent davon entfernt sind. Rechnet man die Dividenden mit dazu, ist der Abstand geringer, aber wir haben immer noch keinen neuen Rekord.

Eine interessante Rechnung. Aber letztlich beantwortet sie nicht die Frage: Was wäre die Alternative zu Aktien? Bei Zinspapieren bewegen wir uns ohnehin schon im negativen Bereich, wenn man die reale Rechnung aufmacht. Und Gold ist zwar lange Zeit in etwa parallel zum S&P 500 gelaufen, aber zuletzt abgeschmiert, außerdem gibt es dafür keine Dividende. Da findet sich also auch keine wirkliche Absicherung gegen die Inflation.

Bei Immobilien kommt es sehr darauf an: In einigen Ländern, zum Glück nicht den USA, waren sie selbst Teil der Inflation, bis zum Einbruch in der Krise.

Fazit daher: Die Einrechnung der Inflation ist zwar ganz spannend, hilft aber nicht, Entscheidungen zu treffen.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

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