Drohende Deflation Fällt der Goldpreis auf 1000 Dollar?

Ein deflationärer Schock an den Finanzmärkten könnte auch den Goldpreis hart treffen. Aber das wäre kein Grund zur Panik.

Gold Quelle: dpa

Ein Goldbarren verschwindet nicht einfach und sagt: „Ich zahle nicht.“ So sehen das auch Schwellenländer, die hohe Währungsreserven aufgebaut haben. Weil sie diese Reserven meist in Form von Staatsanleihen halten, gehen sie Kreditrisiken ein. Um diese zu reduzieren, kaufen sie Gold. So hat Russland seine Goldbestände im Mai auf einen Rekordstand von 911,3 Tonnen aufgestockt.

Wie viel der Euro verliert - und gegen wen er gewinnt
Der Wert des Euros schmilzt - so sehen derzeit viele Experten die Zukunft des Euros. Die Probleme der Währungsunion, insbesondere in den Staaten Portugal, Italien, Spanien und Griechenland sorgen für die pessimistischen Prognosen. Doch wie sich der Euro gegenüber anderen Währungen wirklich geschlagen hat, kann nur ein Blick auf die Zahlen verraten. Alle Kursangaben zeigen die Veränderung seit Jahresanfang. Quelle: dpa
Real (Brasilien)Das rasante Wachstum ist vorbei. Ausländische Investoren ziehen ihr Kapital ab. Der Aktienmarkt knickt ein. Brasilien kann sich der Krise im Rest der Welt nicht entziehen. Die brasilianische Notenbank hat zur Stützung der Wirtschaft den Leitzins auf ein Rekordtief gesenkt. Dadurch hat der brasilianische Real sogar gegen den Euro verloren. Real/Euro: - 5,2 Prozent Quelle: Reuters
Peso (Argentinien)Argentinien sorgte in letzter Zeit mit der staatlichen Übernahme der Repsol-Tochter YPE international für Aufsehen. Das südamerikanische Land braucht wieder mal dringend Geld. Es hat seit Jahren mit einer hohen Geldentwertung zu kämpfen. Die Inflationsrate lag 2011 bei fast zehn Prozent. Das Land ist seit 1985 einer der größten Dauerkreditnehmer beim IWF. Argentinien war in seiner Geschichte bereits fünfmal Pleite. Pesos/Euro: - 3,1 Prozent Quelle: dapd
Rupie (Indien)Die indische Währung befindet sich seit Monaten auf Talfahrt. Ein Grund dafür ist die wachsende Zurückhaltung ausländischer Investoren gegenüber Indien, dessen Wirtschaft im ersten Quartal mit einer Wachstumsrate von 5,3 Prozent den geringsten Zuwachs in neun Jahren verzeichnete. Die Ratingagentur S&P sieht bei Indien schwächeres Wachstum und mangelnder Reformeifer. Dem Land droht eine Herabstufung. Rupie/Euro: - 2,1 Prozent Quelle: Reuters
Rubel (Russland)Die Sorge um eine globale Abschwächung der Wirtschaftsdynamik dürfte den Öl- und Gaspreis weiter belasten. Davon ist die russische Wirtschaft sehr stark abhängig. Etwa die Hälfte des Steuereinkommens generiert der Staat aus dem Energiesektor. Den ganzen Mai befand sich der Rubel im freien Fall. Inzwischen hat sich der Rubel-Kurs zwar wieder gefangen. Doch der Wertverlust weckte in Russland Erinnerungen an die Rubel-Krise von 1998. Rubel/Euro: - 1,5 Prozent Quelle: ap
Yen (Japan)Japans Wirtschaft durchlief in seiner jüngsten Geschichte immer wieder Phasen der Deflation. Seit 2009 befindet sich die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt wieder in so einer Deflationsphase. Diese soll Schätzungen zufolge allerdings 2012 beendet werden können. Dennoch sind die Probleme von Japans Wirtschaft kaum zu übersehen. Die Staatsverschuldung betrug 2011 immerhin 230 Prozent des BIP. Yen/Euro: - 1,3 Prozent Quelle: Reuters
Franken (Schweiz) Der Schweizer Franken gilt als eine der letzten harten Währungen der Welt, als sichere Reserve für Investoren. Das hat dem Franken im vergangenen Jahr so viel Zulauf beschert, dass die Schweizer Unternehmen erhebliche Wettbewerbsnachteile erlitten und Touristen die Schweiz mieden. Der Schweizer Nationalbank (SNB) wurde es irgendwann zu viel. Sie versuchte die Franken-Rally erst mit Liquiditätsspritzen für die Märkte zu stoppen. Als das nicht funktionierte, koppelte sie die Landeswährung an den Euro. Sie werde keine Kurse unter 1,20 Franken je Euro zulassen, erklärte die SNB. Die Maßnahme ließ den Franken zwar im Jahr 2011 nachgeben, allerdings holt er diese Verluste wieder auf. Franken/Euro: + 1,2 Prozent Quelle: dpa

Goldbesitzern, die keine Zinsen bekommen, entgehen anderswo kaum Einnahmen. Das Sparbuch bringt kaum Zinsen, Sparer tragen aber auch hier ein Kreditrisiko. Je länger die Zinsen tief und die Kreditrisiken hoch bleiben, umso mehr Geld sollte in Gold fließen.

Am Goldpreis selbst ist das kaum zu merken. Wenn kurzfristig Liquidität beschafft werden muss, wird alles verkauft, auch Gold. Das betrifft weniger physisches Gold, dafür aber Gold-Futures an den Terminmärkten, wo der Goldpreis gemacht wird.

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Das bringt immer wieder attraktive Kaufgelegenheiten. Sollten sich die deflationären Tendenzen verstärken, weil die Notenbanken den nächsten Einsatz der Notenpressen hinauszögern, um den Druck auf die Politik zu erhöhen, dann könnte es auch den Goldpreis noch einmal hart treffen.

Selbst ein Test der 2009 nach oben durchbrochenen 1000-Dollar-Marke wäre denkbar. Aber auch das wäre kein Grund zur Panik. Die Bedeutung von Gold liegt in seinem Besitz, weniger in seinem Preis.

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