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Echt grün Nachhaltig und rentabel? Diese Fonds schaffen das

Erneuerbarer Gewinn: Windräder von Vestas drehen sich im Windpark von Clearvise bei Düngenheim. Quelle: Süddeutsche Zeitung Photo/Rainer Unkel

Zahlreiche Fonds bieten eine Vermögensverwaltung mit überschaubaren Risiken und guter Rendite für Anleger. Ein WirtschaftsWoche-Ranking zeigt, welche bei der Nachhaltigkeit punkten.

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Der Klimaschutz soll mit milliardenschweren Regierungshilfen vorangetrieben werden. Und die UN-Klimakonferenz im November in Großbritannien könnte erneuerbaren Energien abermals weiteren Schub verleihen. Es entstehen: ein gigantischer Markt, interessante Anlagemöglichkeiten – und ein harter Konkurrenzkampf um das Geld von Anlegern. Die Exnachhaltigkeitschefin der Deutsche-Bank-Fondsgesellschaft DWS, Desiree Fixler, erhob jüngst den Vorwurf, dass die DWS bei Angaben zu ihren Nachhaltigkeitsbemühungen übertreibe. Ein halbes Jahr hatte die Amerikanerin bei der DWS gearbeitet, bevor sie im März gehen musste. Die Vorwürfe treffen das Haus zur Unzeit.

Seit diesem Jahr werden alle Fonds strenger reguliert. Aufseher wollen verhindern, dass den Anlegern Nachhaltigkeit nur vorgegaukelt wird. Die Regeln könnten noch strenger werden: Fonds sollen nach Plänen der Finanzaufsicht BaFin künftig nur noch als nachhaltig vermarktet werden dürfen, wenn sie mindestens 75 Prozent des Geldes nachhaltig investieren. Allerdings: Auch wenn sich ESG als Nachhaltigkeitskürzel überall verbreitet – der Begriff ist schwammig. ESG steht für Environment, Social, Governance, also übersetzt Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung. Fondsmanager sollen Unternehmen herauspicken, die in allen Punkten skandalfrei bleiben und eine segensreiche Wirkung fürs Klima entfalten.

„Nachhaltigkeit ist allerdings immer ein Abwägen“, sagt Jörg Moshuber. Der Österreicher ist einer der erfahrensten Fondsmanager bei dem Trendthema. Er lenkt in den Ethik-Fonds von Europas größtem Vermögensverwalter Amundi insgesamt drei Milliarden Euro. Seit zwölf Jahren macht er bereits das, was sich viele Fondsmanager jetzt antrainieren. Er achtet bei der Beurteilung eines Unternehmens nicht nur auf Finanzkennzahlen und Geschäftsaussichten. Sondern prüft auch, wie Firmen Emissionen reduzieren oder bei ihren Zulieferern Umweltschutzmaßnahmen einfordern. Ein Restrisiko bleibt, sagt Moshuber. Ein verstecktes Umweltrisiko, ein rufschädigender Skandal – alles möglich. „Tatsächlich habe ich bei einigen Titeln etwas Bauchweh“, gibt er zu.

Spezialisten liegen vorn

Im Nachhaltigkeitsranking vermögensverwaltender Fonds der WirtschaftsWoche, überzeugt der von Moshuber gelenkte Amundi Ethik Fonds Evolution VI trotzdem: mit guter Rendite bei wenig Risiken und dem besten Nachhaltigkeitswert der Top-Fonds.

1348 Fonds, die wie eine Art Vermögensverwaltung das Geld der Anleger in Aktien, Anleihen und Derivate anlegen, hat das Arnsberger Beratungshaus MMD Analyse & Advisory für den Vergleich ins Rennen geschickt. Im ersten Schritt wurden Rendite und Risiken verglichen. Im zweiten Schritt hat Datenspezialist Mountain-View die Nachhaltigkeit geprüft. Dazu haben die Österreicher den kompletten Depotbestand der Fonds durchleuchtet. Entscheidend waren nicht Marketingunterlagen oder eine vollmundig verkündete Klimastrategie. Es kam allein auf die Depots an.

Deshalb ist es kein Zufall, dass die Fonds mit der höchsten Nachhaltigkeitspunktzahl schon seit vielen Jahren ESG-Kriterien berücksichtigen. Für die Ethik-Fonds von Amundi sowie Fonds von Acatis Investment und Raiffeisen Capital Management ist das Thema nicht neu. „Ich sehe es mit gemischten Gefühlen, dass viele Assetmanager jetzt versuchen, sich rasch das grüne Mäntelchen anzuziehen, um in dem wachsenden Markt dabei zu sein“, sagt Thomas Motsch, Fondsmanager des Raiffeisen-Nachhaltigkeit-Solide.

Wer grün von grün geschminkt unterscheidet, ist im Vorteil. Motsch berücksichtigt Ausschlusskriterien, etwa bei Atomkraft, ansonsten legt er pragmatisch an und achtet auf eine breite Streuung. Produkte der Unternehmen, in die er investiert, sollen für die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen förderlich sein. Gesundheitstitel wie Novo Nordisk kommen dabei gut weg. Für das Depot hält Motsch die Aktie auch für wichtig, weil sie dem Fonds in Crashphasen Stabilität verleiht.

Manche Fondsmanager genießen sogar die Freiheit, Aktien von Unternehmen mit schlechtem ESG-Rating zu kaufen, um mit gutem Timing mehr Rendite zu erzielen. Der Spitzenreiter in der Kategorie offensiv&flexibel namens FUNDament Total Return überzeugt mit einem sehr niedrigen maximalen Verlust von nur 5,5 Prozent, für jeden denkbaren Ein- und Ausstiegstag in den vergangenen drei Jahren. Der Fonds ist nicht ausdrücklich als nachhaltig gekennzeichnet und erreicht in dieser Wertung auch nur die Mindestpunktzahl von 70. Am Stichtag 30. Juni hielt er mit geringem Anteil auch den Rüstungshersteller Rheinmetall und Ölkonzern BP.

Problembranchen im Wandel

Öl-, Tabak- oder Chemiekonzerne müssen bei der nachhaltigen Geldanlage nicht unbedingt tabu sein. Viele von ihnen haben längst Klima- und Nachhaltigkeitsstrategien vorgestellt. Im Ranking beurteilt Mountain-View allerdings nur den Ist-Zustand. Fondsmanager können stattdessen einen stärkeren Fokus auf die Zukunftspläne legen – je nach Anlagerichtlinien.

Zahlreiche Fonds investieren auch nachhaltig, ohne das offensiv zu zeigen. Der Selection Rendite Plus hat die höchste Nachhaltigkeitspunktzahl in der Kategorie „ausgewogen“. Fondsmanager Jörg Scholl setzt bei der Depotzusammenstellung und beim Risikomanagement auf ein Computermodell. Es zeigt ihm an, welche Werte sich lohnen könnten, momentan zum Beispiel E.On. Nach Abspaltung von Uniper hat sich E.On zum Energiedienstleister gewandelt, mit nur noch einem kleinem Umsatzanteil Atomstrom. Damit könnte die Aktie sogar für Ökofonds attraktiv werden.

Auch aufs Treppchen geschafft hat es ein Fonds der DWS, die von Ex-Mitarbeiterin Fixler kritisiert wird. Der DWS Strategic Allocation Balance überzeugt beim Rendite-Risiko-Vergleich. Die Nachhaltigkeitswertung von nur 71 Punkten, ist aber eher mau.

Aktienkurs von E-Auto-Bauer Tesla und Ölkonzern BP im Vergleich

Der DWS-Fondsmanager bestückt den Fonds vor allem mit Indexfonds (ETFs) und wählt ESG-konforme Ableger traditioneller Indizes. Sie sind meist eher holzschnittartig zusammengestellt. Geldanlage aus Überzeugung sieht anders aus.

Mehr zum Thema: Klimaschutz wird zum globalen Milliardengeschäft. Wer in die Unternehmen mit den innovativsten Technologien investiert, sichert sich hohe Renditechancen. Anlagechance Klimaschutz: Die 20 besten Aktien fürs grüne Gewissen

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