Edelmetall Langfristiger Optimismus beim Goldpreis

Einen richtigen Durchbruch beim "sicheren Hafen" Gold gab es lange nicht mehr, der Preis pendelt um die Marke von 1200 Dollar je Feinunze. Zumindest mittel- bis langfristig sind die Perspektiven besser.

Ist Gold weiterhin der

Mittlerweile ist der dramatische Einbruch des Goldpreises schon gut zwei Jahre her - an einen Aufstieg in alte Höhen ist aber weiterhin nicht zu denken. Weiterhin bewegt sich der Preis des Edelmetalls eher seitwärts, ein kurzer Sprung über die Marke von 1300 Dollar Anfang des Jahres war schnell wieder getilgt. Mittlerweile steigt aber die Zahl der Gold-Optimisten. Haben sie die richtigen Argumente?

Erst am Montag nahm der Goldpreis einmal mehr die wichtige Hürde von 1200 Dollar je Feinunze. Auslöser war der bevorstehende Zinsentscheid der amerikanischen Notenbank Fed. Am Mittwoch wird Fed-Chefin Janet Yellen die Öffentlichkeit möglicherweise mit neuen Hinweisen auf den Zeitpunkt einer Zinserhöhung versorgen. Eine Rolle spielen dürften dafür auch das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal, die Daten werden ebenfalls am Mittwoch veröffentlicht. Die zuletzt mittelmäßigen Wirtschaftsdaten aus den USA hatten für Spekulationen über eine spätere Zinswende gesorgt.

Die Gold-Nachfrage und deren Entwicklung

Je später die Zinswende, desto eher profitiert der Goldpreis, denn Gold als sicherer Hafen wird von Investoren eher in geldpolitisch lockeren Zeiten geschätzt, wenn hohe Inflationsraten das Vermögen der Sparer bedrohen. Allerdings haben die Märkte eine moderate Zinserhöhung längst eingepreist, mit nachhaltigen Ausschlägen an den Märkten rechnet kaum ein Analyst. Eigentlich spricht also vieles dafür, dass der Goldpreis sich ähnlich impulslos weiterentwickelt wie in den vergangenen Wochen. „Bevor sich die Stimmung gegenüber Gold nachhaltig zum Positiven wenden kann, muss die Marke von 1225 US-Dollar pro Feinunze überschritten werden“, sagt Ole Hansen, Rohstoffanalyst bei der dänischen Saxo Bank.

Auch Blackrock-Chef Larry Fink ist noch nicht überzeugt von einer Renaissance des Edelmetalls. Im Gegenteil, der Glanz der Vergangenheit sei ab, erklärte Fink auf einer Konferenz in Singapur. Seine Begründung: dank börsengehandelter Indexfonds (ETFs), die mit Gold hinterlegt sind, sei Gold zur Jedermann-Anlage geworden und nichts besonderes mehr.

So werden aus altem Schmuck Gold- und Silberbarren
Alter Schmuck wird in der Gold- und Silberscheideanstalt angeliefert. Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Ein Arbeiter der Scheideanstalt schmilzt den alten Schmuck ein. Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
So sieht der Metallbarren aus, den der Arbeiter aus der Lieferung eines Altgoldhändlers geschmolzen hat Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Was der Arbeiter im Kleinen mit dem Schmuck macht, passiert im Trommelofen im Großen: Dort werden metallische Abfälle aus der Industrie eingeschmolzen – weniger als ein Prozent davon ist Gold. Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Die flüssigen Metalle gießt ein Arbeiter in große Formen. Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Volkmar Häuser, Leiter der Edelmetall-Rückgewinnung bei Agosi (Allgemeine Gold- und Silberscheideanstalt) zeigt eine Flasche mit Goldsand. Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Hier ist Gold in seinen verschiedenen Stufen des Recycling-Prozesses zu sehen: In der kleinen Flasche links sind braune Flocken. Die entstehen, nachdem Agosi die von Lieferanten angelieferten Metalle einschmilzt und die flüssige Masse in Wasser kippt. Die Metalle flocken zu Cornflakes-ähnlichen braunen Teilchen aus. Aus den Flocken wird Goldsand (zweite Flasche von links). Der entsteht in Reaktoren, in denen die Flocken zu Goldsand verarbeitet werden. Eine Mischung aus Salz- und Salpetersäure – auch Königswasser genannt – ist die einzige Flüssigkeit, die Gold auflösen kann. Der Sand sieht aus wie Currypulver, enthält aber bereits Feingold. Erneut eingeschmolzen und wieder in Wasser gekippt entstehen die goldenen Granalien (dritte Falsche von links), aus denen dann endlich Barren werden (vorne). Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Hat Fink dabei preistreibende Faktoren übersehen? Ein Argument hat besonders viel Potenzial, den Goldpreis zu beflügeln, lässt sich aber auch kaum quantifizieren. Offiziell hält Chinas Notenbank etwas mehr als 1000 Tonnen an Goldreserven. Allerdings will die Regierung die Finanzmärkte weiter öffnen, der Renminbi soll zu einer der Reservewährungen aufsteigen. "Ein zentraler Aspekt dabei ist die "Deckung" der Währung", schreiben die Analysten des Goldhändlers Degussa in einer Analyse. Bisher hält China Reserven aber vor allem in Dollar. Laut Degussa müsste die Zentralbank deutlich mehr Gold kaufen als bisher, um auf dem Weg zu einer Reservewährung voranzukommen, die Analysten gehen davon aus, dass die chinesische Zentralbank noch zu einem der größten Goldnachfrager werden könnte. Einige Beobachter gehen längst davon aus, dass die Notenbank ihre Bestände kontinuierlich aufstockt.

Auch die russische Zentralbank hatte ihr Goldreserven zuletzt kräftig ausgeweitet. Analysten werteten das als gutes Signal für den Goldpreis, zumal Russland eigentlich durch die Sanktionen des Westens und den niedrigen Ölpreis belastet sei.

Nicht nur die Nachfrage der chinesischen Zentralbank könnte den Preis treiben, auch die physische Goldnachfrage wird vor allem aus Fernost befeuert. Die Schmucknachfrage steigt vor allem in China und Indien. Dieser Trend dürfte mit zunehmendem Wohlstand in den Schwellenländern anhalten. Das veranlasste zumindest die australische Bank ANZ vor kurzem, in einer Studie einen Goldpreis von 2400 Dollar je Feinunze für das Jahr 2030 vorherzusagen. Gründe für den Anstieg sind laut den ANZ-Analysten die Liberalisierung der asiatischen Finanzmärkte und der wachsende Wohlstand der Bevölkerung in Ländern wie China, Indien oder Indonesien.

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Eine Rolle für die künftige Preisbildung dürfte auch die Fördermenge spielen. Zwar ist China mittlerweile zum weltweit größten Goldförderer aufgestiegen und hat die Produktion im vergangenen Jahr erhöht. Allerdings bleibt das Edelmetall größtenteils im Land zurück, der Anstieg der Fördermenge spielt also für den Weltmarkt nur eine untergeordnete Rolle. Andere Förderländer wie beispielsweise Südafrika haben dagegen ihre Produktion zurückgefahren, das Angebot an physischem Gold steigt dadurch. Bei Südafrikas Goldproduzenten herrscht zudem Unsicherheit, da in den nächsten Monaten Arbeitskämpfe drohen. Die Verhandlungen über einen Tarifvertrag der Branche sollen im Mai beginnen, mit Streiks wird gerechnet. Arbeitskämpfe waren auch im Vorjahr der Hauptgrund für die gesunkenen Fördermengen.

Mittel- bis langfristig spricht also einiges für einen steigenden Goldpreis. Kurzfristig fehlen gewichtige Impulse, richtungsweisend dürfte vielmehr die Politik der US-Notenbank sein.

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