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Edelmetalle Goldpreis zieht Anleger wieder an

Für den Goldpreis ging es monatelang bergab. Bis Anfang August - da stieg die Notierung plötzlich deutlich. Warum das so ist und was Börsianer beachten sollten.

Gold dargestellt als Hufeisenmagnet Quelle: Zurek, Montage

Es ist ein Argument, das von Gegnern des Edelmetalls immer wieder gern ins Feld geführt wird: Gold wirft keine Zinsen ab. Na und – mögen Goldfans dem entgegnen – das Sparbuch zurzeit auch nicht.
Angesichts des Niedrigzinsniveaus, mit dem sie sich aktuell vor dem Hintergrund der finanziellen Repression konfrontiert sehen, haben sich die Anleger in den vergangenen Wochen auf die Suche nach Anlagealternativen zu Staatsanleihen, Fest- und Tagesgeld gemacht. Das war auch am Aktienmarkt zu spüren: Innerhalb von weniger als drei Monaten stieg der deutsche Aktien-Index Dax von unter 6.000 auf zuletzt über 7.000 Punkten.

Pro und Contra zu Rohstoff-Spekulationen
Die Frankfurter Skyline ist hinter einem Rapsfeld in Eschborn zu sehen: Die öffentliche Meinung ist eindeutig. Geht es nach einer Forsa-Umfrage vom Ende vergangenen Jahres, dann sind nur elf Prozent der Bevölkerung in Deutschland dafür, dass es Anlageprodukte auf Agrarrohstoffe überhaupt gibt. 84 Prozent sind dagegen. Trotzdem finden sich genügend Experten, die Spekulationen auf Agrarrohstoffe befürworten. Hier eine Auswahl: Quelle: dpa
Professor Harald von Witzke, Agrarökonom an der Humboldt-Universität in Berlin, sagt: „Nur Scharlatane glauben, dass Wetten an den Terminbörsen die Lebensmittelpreise dauerhaft nach oben treiben. Landwirte und Agrarhändler können sich nur gegen Preisrisiken absichern, wenn Finanzinvestoren auf der Gegenseite in die andere Richtung wetten.“ Quelle: obs
Sein Kollege George Rapsomanikis, Ökonom bei den Vereinten Nationen, verweist auf die gegenseitige Abhängigkeit der verschiedenen Märkte: "Wenn der Ölpreis steigt, dann steigt auch die Nachfrage nach Ethanol und damit die Nachfrage nach Mais. All diese Märkte sind eng miteinander verknüpft, weshalb wir bei jedem Ölschock auch eine Nahrungsmittelkrise erwarten." Steigende Rohstoffpreise hängen seiner Ansicht nach in erster Linie auch mit der zunehmenden Industrialisierung in den Schwellenländern sowie mit der veränderten Nutzung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen zusammen. Werden die vermehrt als Energieträger genutzt, dann führt die steigende Nachfrage auf dem Energiemarkt jedes Mal zu einem Preisanstieg auf dem Rohstoffmarkt. Quelle: Pressebild
Der Gießener Agrarökonom Michael Schmitz sieht vor allem die Entwicklungsländer selbst in der Verantwortung: "Der Hunger ist vor allem ein hausgemachtes Problem in den Entwicklungsländern. Die Preisschwankungen waren Anfang der 70er-Jahre ähnlich hoch wie heute - ohne große Zuflüsse an Kapital", sagt der Professor. 2006 bis 2008 gab es zudem massive Ernteausfälle. Das war seiner Ansicht nach der Grund, warum damals die Preise deutlich anzogen. Außerdem waren die Lagerbestände infolge der Knappheit abgebaut worden, was die Märkte besonders nervös werden ließ. Und dann kam infolgedessen die Politik ins Spiel. Viele Importländer verstärkten ihre Importe, und die Exportländer drosselten ihre Exporte, was den Engpass und somit den Preisauftrieb noch verstärkte. Zudem: 74 Studien zum Thema, wie Rohstoffspekulationen Preise und Hunger treiben, hat sich der Experte angesehen. Nur eine stand in einem qualitätsgeprüften Journal. Quelle: Pressebild
Es ist die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung, die sich aus ethisch-moralischen Gründen gegen das Spekulieren auf landwirtschaftliche Produkte ausspricht. Kern aller Argumente ist dabei stets, dass sich hinter der Vielzahl von Kontrakten, die an den Terminbörsen abgeschlossen werden, nur selten Absicherungsgeschäfte für Landwirte und Agrarhändler befinden. In den meisten Fällen wollen Spekulanten vom Auf und Ab der Preise profitieren. Quelle: dpa
"Wir erleben derzeit eine Achterbahnfahrt auf den Weltmärkten für Agrarrohstoffe. Dadurch drohen Grundnahrungsmittel für immer mehr Menschen gerade in den Entwicklungsländern unbezahlbar zu werden", äußerte sich beispielsweise kürzlich Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner. Die Politik hat dabei das große Ganze im Auge: Geht die Preistreiberei weiter, dann könnte es irgendwann Krieg um Grundnahrungsmittel geben. Erste Auswirkungen sah man bereits im vergangenen Jahr in Südostasien, als der Reispreis massiv angezogen hatte und die Menschen auf die Straße gingen. Quelle: dpa
Auch an den Börsen sieht man dieses Treiben zunehmend kritisch. „Es gibt volkswirtschaftlich gesehen überhaupt keinen Grund, warum man Investoren erlaubt, Lebensmittel aus dem Markt zu nehmen und zu horten, nur um von Preissteigerungen zu profitieren“, sagt etwa der als „Mister Dax“ bekanntgewordene Börsenmakler Dirk Müller. Immer wieder gab es Berichte, wonach in großen Lagerhäusern Lebensmittel bewusst zu Spekulationszwecken zurückgehalten wurden, um das Angebot gering zu halten. Quelle: dpa

Belastungsfaktoren für den Aktienmarkt

Nun scheinen die Aktienmärkte allerdings eine Verschnaufpause einzulegen. Am Dienstag gab der Dax nach zwei Tagen harten Ringens um die 7.000er-Marke erst einmal nach. Und für die kommenden Wochen und Monate geben sich viele Experten eher skeptisch. So zeigten sich etwa die Chefanalysten der öffentlichen Banken Deutschlands in ihrer erst kürzlich vorgestellten Dax-Prognose verhalten. „Nachdem sich die Aktienmärkte seit Anfang Juni – unterstützt durch die Ankündigung des EZB-Präsidenten, alles Erforderliche für den Erhalt des Euro zu tun – deutlich erholt haben, werden die europäische Staatsschuldenkrise, die konjunkturelle Schwäche im Euroraum, die gedämpfte Weltkonjunktur und deren negative Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne wieder zunehmend zu Belastungsfaktoren für weitere Kursgewinne“, so der Konsens der Experten von Bayern LB, Helaba, DekaBank, LBBW und NORD/LB. Im Durchschnitt gehen die Analysten für Dezember dieses Jahres von einem Dax-Stand von 6920 Punkten aus. Das wäre vom aktuellen Niveau keine Steigerung.

Schub für Gold

Anders stellt sich die Situation bei Gold dar. Von Korrektur kann keine Rede sein; die Notierung erreichte gerade erst ein Niveau, das sie zuletzt im März dieses Jahres gesehen hatte.
Den vorerst letzten Schub bekam der Goldpreis durch die Rede Ben Bernankes in Jackson Hole. Dort stellte der Chef der US-Notenbank Fed Ende der vergangenen Woche eine weitere Runde des sogenannten Quantitative Easing in Aussicht. Zwar nicht explizit, doch seine Äußerungen über den Arbeitsmarkt in den USA ließen sich in die Richtung deuten, dass er konjunkturfördernde Maßnahmen plane. Der Goldpreis zog in der Folge an. Schon im Anschluss an frühere Ankündigungen eines Quantitative Easing hatten Anleger aus Furcht vor einer Destabilisierung des Dollar den sicheren Hafen Gold angesteuert.

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