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Edelmetalle Spekulanten scheuen Silber

Der Silberpreis stagniert unterhalb der 20-Dollar-Marke. Jetzt drehen auch noch die institutionellen Investoren dem Metall den Rücken. Sie setzen auf fallende Preise. Lohnt das Edelmetall noch?

Silbermünzen sind sehr gefragt
Auf der Münchener Edelmetall- & Rohstoffmesse im 2013 gingen Münzen und Barren Kiloweise über die Tresen. Insbesondere Silbermünzen waren gefragt: Sie sind preiswerter als Gold und lassen sich im Fall der Fälle – wenn Papiergeld vielleicht eines Tages nichts mehr wert sein sollte – leichter „versilbern“. Quelle: dpa
Investoren machten mit dem Anlageobjekt Silber in den vergangenen drei Jahren keine guten Erfahrungen. Im April 2011 stürzte der Silberpreis innerhalb weniger Tage von fast 50 auf 33 US-Dollar ab. Von dieser technischen Zäsur hat sich der Handel mit dem Edelmetall bis heute de facto nicht mehr erholt. Heute liegt der Silberpreis bei gerade einmal 20 US-Dollar pro Unze. Quelle: dpa
Der Erwerb von Silbermünzen hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil : In einem Krisenszenario mit schnellem, inflationsgetriebenen Wertverfall des Papiergeldes bieten Silbermünzen einen gewissen Inflationsschutz. Nachteil: Silbermünzen werden – gerade bei kleinen Stückelungen – mit hohem Aufpreis verkauft. Quelle: dpa
Im Gegensatz zu Gold-ETCs verzeichneten Silber-ETCs mit physischer Hinterlegung ordentliche Mittelzuflüsse. Silber-ETCs physischer Hinterlegung sind börsengehandelte Fonds, die die Preisentwicklung von Silber eins zu eins nachvollziehen und als Absicherung Silberbarren in Tresoren verwahren. Quelle: obs
Der iShares Silver Trust (SLV) wurde im April 2006 aufgelegt und verwaltet heute physisches Silber im Wert von 4,85 Milliarden Euro. Quelle: dapd
Der ETF Silver vom Emittenten ETF Securities ist die Nummer zwei unter den physisch abgesicherten Silberfonds. Sein Silber im Wert von umgerechnet 2,75 Milliarden Euro lagert der Fonds bei der HSBC Bank USA. Ein weiterer Silber-ETF, der Physical Silver der Zürcher Kantonalbank, hält derzeit Feinunzen im Wert von 980 Millionen Euro. Quelle: dpa
Die Silberbarren der ETCs liegen in Banktresoren, zum Beispiel in den USA. Anleger sind bei diesen Silberfonds jederzeit dazu berechtigt, ihre Anteile in physisches Silber umzuwandeln. Ob dies in der  Praxis reibungslos funktionieren würde, wenn viele Anleger ihr Silber physisch anfragten, ist aber noch nicht erwiesen. Quelle: dpa

Vor rund einem Jahr begaben sich Silber und Gold auf eine Preistalfahrt - seitdem stagnieren beide Edelmetalle auf niedrigem Niveau: Der Goldpreis liegt derzeit knapp unter der Marke von 1300 Dollar. Die Notierung stieg am Kassamarkt um 0,1 Prozent auf 1295,26 Dollar je Unze.

Seit Beginn des Jahres ergibt sich damit ein Goldpreisanstieg von 7,8 Prozent. Die Unze Silber kostet derzeit 19,44 Dollar - auch ihr Preis ist damit nahezu unverändert. Von dieser Entwicklung haben die Investoren nun offenbar die Nase voll.

Laut dem kürzlich veröffentlichten Commitment of Traders-Report (COT) setzen spekulative Investoren im großen Stil auf fallende Silberkurse. Sie reduzierten die Zahl ihrer Netto-Long-Positionen - also der Wetten auf steigende Preise - um 30 Prozent auf nur noch 8.076 statt 11.537 Futures.

Der COT-Datenbericht wird jeden Freitagabend von der amerikanischen Aufsichtsbehörde CFTC veröffentlicht und stellt die Handelsbewegungen von Hedgefonds, Spekulanten und Anlegern dar. Zumindest letztere scheinen in Bezug auf Silber optimistischer zu sein. Berücksichtigt man alle drei Händlertypen, gab es bei Silber-Optionen dennoch einen Gesamtrückgang von fast zehn Prozent. So schlecht war das Vertrauen in das Edelmetall zuletzt im Februar gewesen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Das sei aber kein Grund zur Sorge. Bereits im März sagte "Silberjunge" Thorsten Schulte im Interview mit WirtschaftsWoche Online, dass der Rohstoffmarkt eine dreijährige Baisse erlebe: "Wir haben im letzten Jahr Rekordabflüsse aus Rohstofffonds erlebt. Zur Jahreswende hatten Großinvestoren und Kleinspekulanten den Silber-Future an der US-Terminbörse Comex im Rekordumfang verkauft. Im Januar war der Optimismus der nordamerikanischen Analysten und Berater für Silber sehr niedrig", so der Experte vor zwei Monaten.

Wenn man den COT-Report betrachtet, hält der Pessimismus an. Die Stimmung der Silber-Fans ist auf dem Tiefpunkt angelangt.

Für Schulte ist das kein Grund, Silber den Rücken zu kehren, wie er jetzt gegenüber WirtschaftsWoche Online sagt. Aus antizyklischer Sicht bestehe für Silberanleger sogar eine Chance aus den Verkäufen von Groß- und Kleinanlegern. "Wenn der Markt dann dreht, kaufen die Spekulanten die Futures wieder zurück. Und das macht etwas mit dem Preis", so der Experte. Diese Eindeckungsnot sorge dafür, dass der gewöhnliche Anleger keine allzu großen Verluste erwarten muss.

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Hinzu kommt, dass sich physisches Silber - konkret Silbermünzen - weiterhin gut verkauft. Der Absatz mit Münzen ist in den USA binnen eines Jahres um gut zwölf Prozent gestiegen. China importierte im Frühjahr dieses Jahres 22 Prozent mehr Silber als noch im Vorjahresquartal und auch reine Silberfonds kaufen zu.

Das wird den Preis nicht lange unberührt lassen. Und da Silber ein begehrtes Metall in der Industrie ist, kann der Preis mit einer Erholung der globalen Konjunktur ebenfalls anziehen.

Rohstoffkäufer sollten also nicht gleich aufgeben. Schulte: "Strategische Investoren sehen bei Silberpreisen unter 20 Dollar hervorragende mittel- bis langfristige Chance-Risiko-Relationen."

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