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Edelmetallnachfrage Chinas Goldrausch macht Pause

Im Jahr 2013 überstieg die Goldnachfrage aus China die aller anderen Staaten. Eine Studie kommt nun zu dem Schluss, dass der Nachfrageschub eine Ausnahme bleibt. Was das für den Goldpreis bedeutet.

Sieben ästhetische Gold- und Edelmetall-Investments
SchmuckDie wahrscheinlich älteste und auch am weitesten verbreitete Art, in Gold zu investieren, ist in Schmuckform. Wer seine alten Ringe und Ketten zu Gold machen möchte, hat bei zahlreichen Juwelieren und Goldhändlern die Möglichkeit, seine Wertsachen aufwiegen und schätzen zu lassen. Das Geld gibt es zumeist bar oder per Scheck. Foto: pro aurum Quelle: Presse
BarrenWer sich sein Gold nicht um den Hals legt oder es in Form von Zahngold im Mund mit sich führt, der kann bei Goldhändlern und Banken Edelmetallbarren aus Gold, Silber, Platin oder Palladium kaufen. Bis zu einem Wert von 15.000 Euro erfolgt der Kauf anonym, darüber hinaus sind Banken, Sparkassen und Edelmetallhändler dazu verpflichtet, die Käuferpersonalien zu registrieren. Foto: pro arum Quelle: Presse
TafelbarrenDie Edelmetall-Service GmbH (ESG) bietet seit rund vier Jahren Barren zum Abbrechen an. Wie bei einer Tafel Schokolade lassen sich von 50 oder 100 Gramm schweren Barren kleine Stücke mit einem Gewicht von einem Gramm einfach abbrechen. Die ESG hat sich ihre Edelmetall-Investment Erfindung 2010 patentieren lassen: Gold-, Silber-, Platin- und Palladiumtafeln werden in der Schweiz bei Valcambi, dem größten Goldbarrenhersteller der Welt, produziert und inzwischen weltweit vertrieben. Bereits kurz nach der Markteinführung waren CombiBars rund um den Globus ein Standardprodukt wie Goldbarren oder Goldmünzen. In Deutschland erfolgt der Vertrieb des ESG-Produktes neben dem Edelmetallhandel auch über Sparkassen. Foto: Edelmetall-Service GmbH & Co. KG Quelle: Presse
Verschiedene MünzformenDer Handel mit Goldmünzen besteht aus vier Bereichen: Den Bullion Goldmünzen, die nur für die Geldanlage geprägt werden und quasi das Pendant zum Goldbarren darstellen. Dazu gehören beispielsweise der Krügerrand oder der kanadische Maple Leaf. Gedenkgoldmünzensind oft limitierte Goldmünzen, die als Sonderprägung zu Jubiläen oder Sammelserien ausgegeben werden. Dann gibt es noch die alten Umlaufgoldmünzen, die tatsächlich einmal als Zahlungsmittel dienten wie die britischen Sovereigns oder die Schweizer Goldvreneli. Den vierten Bereich machen die numismatischen Sammlermünzen aus, die beispielsweise von Münzauktionshäusern vertrieben werden. Foto: pro aurum Quelle: Presse
SammlermünzenSo gibt beispielsweise die australische Münzprägeanstalt Perth Mint jedes Jahr die Lunar-Sammlermünzen in Gold, Silber und Platin heraus. Aber auch die Bundesregierung wartet regelmäßig mit neuen, wertvollen Münzen auf. Foto: pro aurum Quelle: Presse
Die australische Münzprägeanstalt Perth Mint folgt bei ihren Sammlermünzen dem chinesischen Kalender. 2014 ist das Jahr des Pferdes, weshalb die neue Serie sich ganz dem Thema Pferd widmet. Die hier dargestellte Münze hat einen Goldgehalt von 99,99 Prozent und ist limitiert. Erhältlich ist sie in drei Größen: Die Zehntelunze kostet 182,79 Euro, die Viertelunze 424,87 Euro und die Unze 1.647,50 Euro. In der nicht-colorierten Version ist die Münze auch im Dreier-Set erhältlich - kostet dann aber stolze 2.255 Euro. Zur Münze dazu gibt es ein Echtheitszertifikat. Erhältlich ist sie ab Oktober 2014 und bestellt werden kann sie hier. Bild: Perth Mint Quelle: Presse
MünztafelnAuch die Münze, ebenfalls ein beliebtes Sammler- und Anlageobjekt, stellt die ESG seit 2012 im CombiBar-Verfahren her. Statt der üblichen Münze kaufen Anleger also Münztafeln aus Feinsilber - mit offizieller Münzzulassung auf den Cook Islands. Foto: pro aurum Quelle: Presse

Im vergangenen kauften die Chinesen sogar mehr Gold als die bis dahin größte Goldkäufernation Indien. Chinas Privatwirtschaft kaufte insgesamt 1132 Tonnen des Edelmetalls - das entspricht einem Goldwürfel von rund vier Metern Kantenlänge. Den Grund für den erstaunlichen Nachfragezuwachs um rund ein Drittel gegenüber dem Vorjahr sehen die Experten des World Gold Council, einem internationalen Verband der Goldindustrie, in dem deutlich gefallenen Goldpreis auf dem chinesischen Markt. Dort war der Goldpreis im Jahresverlauf um 29 Prozent gesunken. Die Gelegenheit dürften viele Chinesen genutzt haben, um Goldkäufe vorzuziehen.

Gerade deshalb, so der World Gold Council (WGC), sei es wahrscheinlich, dass die private Nachfrage nach Goldschmuck und -barren im laufenden Jahr zurückgehe. Seit dem Jahr 2002 war die Goldnachfrage in China Jahr für Jahr gestiegen.

Zudem sei damit zu rechnen, dass das Handelsangebot in Ermangelung zusätzlicher Kapazitäten nur langsam wächst. Insgesamt würde der niedrige Goldpreis aber die private Nachfrage nach Gold weiter unterstützen, insbesondere nach 24-karätigem Goldschmuck. Es wird damit gerechnet, dass die Preise für Gold im Verbrauchermarkt weiterhin attraktiven bleiben - auch weil drei von fünf Chinesen damit rechnen, dass der Goldpreis wieder steigt.

Mittelfristig dürften die privaten Goldkäufe in China jedoch weiter zulegen. Dafür sollte schon der wachsende Wohlstand und die zunehmende Kaufkraft der chinesischen Konsumenten sorgen. Die Unternehmensberatung Ernst & Young schätzt, dass die Zahl der Mittelschicht-Haushalte in China von heute 300 Millionen bis 2020 auf 500 Millionen steigt. Zugleich sitzen die Chinesen auf einem enormen Sparvermögen. Davon liegen 7500 Milliarden US-Dollar auf Bankkonten, der private Goldbesitz der Chinesen entspricht hingegen nur einem Gegenwert von 300 Milliarden US-Dollar. Die Ersparnisse geben Chinas Sparern also weiterhin ausreichend Spielraum für Goldkäufe.

Unter dem Strich rechnet der WGC damit, das die private Goldnachfrage in den kommenden drei Jahren auf 1350 Tonnen ansteigt. Gegenüber dem Stand von 2013 wäre das nochmal ein Plus von 19 Prozent. Unterstützt wird diese Prognose von der Neuausrichtung der chinesischen Wirtschaft. Derzeit versucht die Regierung, die Konzentration der Wirtschaft auf Investitionen und Exporte abzubauen und gleichzeitig den Konsum der Bevölkerung anzukurbeln. Auch wenn des Wirtschaftswachstum Chinas zurückgeht, sollte der private Konsum überproportional wachsen - was auch den Schmuckhändlern und -produzenten zu steigenden Absatzzahlen verhelfen sollte. In China ist Gold ein traditionelles Geschenk auf Hochzeiten und anderen Feierlichkeiten.

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Die Nachfrage chinesischer Investoren nach Gold ist im Vergleich sehr gering. Lediglich 77 Milliarden Dollar betrug der Wert der Goldinvestments Ende 2013. Auch hier bleibt reichlich Spielraum nach oben, da Banken den Markt für Investoren mit dem Segen der Regierung weiter entwickeln wollen. Die WGC-Studie gelangt zu dem Fazit, dass der chinesische Markt für physisches Gold langfristig solide wachsen dürfte, auch wenn zwischenzeitliche Rückschläge möglich sind. Dabei hilft, dass die Anlagealternativen für chinesische Sparer begrenzt sind. Der überhitzte Immobilienmarkt verliert mit seinen überzogenen Preisen jedenfalls an Bedeutung. Vor dem Hintergrund anhaltenden Wachstums, zunehmender Bevölkerung und ihre tief verwurzelten Gold-Kultur dürfte der Goldmarkt in den kommenden Jahren also weiter von China als größtem Produzent und größter Nachfrager dominiert werden.

Seit Jahresbeginn ist der Goldpreis am Spotmarkt um rund zehn Prozent gestiegen. Es gibt jedoch auch Expertenstimmen, die vor dem Hintergrund der Kreditklemme und dem drohenden Platzen der Immobilienblase in China damit rechnen, dass auch der Goldpreis unter Druck gerät.

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