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Eigenes Auto Das kostet mein Wagen tatsächlich

7,6 Millionen Deutsche erwägen laut einer Umfrage, sich in den kommenden ein bis zwei Jahren einen Neu- oder Gebrauchtwagen zu kaufen. Quelle: dpa

Wer sich im kommenden Jahr ein neues Auto zulegen will, sollte vorher die Gesamtkosten kalkulieren. Unser Autor hat bei sich selbst nachgerechnet – und drei überraschende Erkenntnisse gewonnen.

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Das neue Jahr steht vor der Tür. Und für viele Deutsche wird sich auch 2020 – allen Diskussionen um die Verkehrswende zum Trotz – die Frage stellen, ob sie sich ein neues Auto zulegen wollen. Über eine Million Privatkunden haben nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts 2019 einen Neuwagen angemeldet. Und gar 7,6 Millionen Deutsche erwägen laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach, sich in den kommenden ein bis zwei Jahren einen Neu- oder Gebrauchtwagen zu kaufen.

Bei der Kaufentscheidung spielen viele Faktoren eine Rolle: Der Fahrzeug-Typ, die Marke, die Farbe oder die Antriebsart. Außerdem werden sich die allermeisten potenziellen Autokäufer auch mit der Frage befassen, was sie ein eigenes Auto monatlich kostet. Im Internet gibt es dazu viele Rechner, die unterschiedlich brauchbar sind. So lässt etwa der Kostenrechner des Portals „Autokostencheck“ den meist größten Posten, den Wertverlust eines Autos, standardmäßig bei der Kostenberechnung außen vor. Besser ist hier das Werkzeug des Automobilclubs ADAC, mit dem Autointeressenten für jeden Wagen die voraussichtlichen Unterhaltskosten inklusive des Wertverlusts abfragen können – allerdings nur für Neuwagen, nicht für Gebrauchte. Die Werte sind zudem lediglich geschätzt.

Ich wollte daher wissen, was mein Auto tatsächlich kostet und habe nachgerechnet. Mein Auto ist ein Benziner, Baujahr 2012, Kompaktklasse. Gekauft habe ich ihn vor viereinhalb Jahren und bin seither rund 15.000 Kilometer jährlich gefahren – zufälligerweise Werte, mit denen standardmäßig auch viele Vergleichsrechner arbeiten. Aus meinen Ergebnissen lassen sich drei überraschende Erkenntnisse ableiten, die für alle potenziellen Autokäufer relevant sind – egal, ob sie sich nun für einen Neu- oder Gebrauchtwagen interessieren, ob sie ein SUV oder Kleinwagen bevorzugen und ob sie lieber einen Diesel oder Benziner kaufen.

1. Der Wertverlust ist ein entscheidender Faktor

Als ich mein Auto 2015 kaufte, kostete es 14.000 Euro. Heute schätzt der Kfz-Datenspezialist Deutsche Automobil Treuhand (DAT) den Restwert noch auf etwa 7400 Euro. Das ergibt einen monatlichen Wertverlust von 127 Euro und ist mit einem Anteil von knapp einem Drittel die größte Position meiner Gesamtkostenrechnung.

Dass der Wertverlust ein entscheidender Kostenfaktor ist, zeigen auch Berechnungen des ADAC. Er hat für hunderte Neuwagen die monatlichen Unterhaltskosten bei fünf Jahren Haltedauer und 15.000 jährlich gefahrenen Kilometern untersucht. Ergebnis: Bei allen Modellen macht der Wertverlust den größten Teil der monatlichen Kosten aus. Dabei gilt: Je größer und teurer das Auto, desto stärker der Effekt. Bei der Oberklassenlimousine A8 von Audi etwa macht der Wertverlust laut ADAC in den ersten fünf Jahren über 70 Prozent der Gesamtkosten aus. Der Kleinwagen A1 kommt nur auf etwa 50 Prozent, beim Kleinstwagen Up von Volkswagen sind es sogar nur 37 Prozent.

Dass ich diese Quote unterbiete, hat zwei Gründe. Zum einen ist mein Auto in der Kompaktklasse eher günstig, der Wertverlust daher per se geringer als in der Mittel- oder Oberklasse. Zweitens habe ich einen Gebrauchtwagen gekauft. Der Bruttolistenpreis meines Autos betrug bei Neuzulassung knapp 24.000 Euro. Bis ich den Wagen 41 Monate später kaufte, hatte er also bereits fast 10.000 Euro an Wert verloren. Während die Vorbesitzerin folglich einen monatlichen Wertverlust von 240 Euro verkraften musste, kam ich mit gut der Hälfte erheblich billiger davon. Das ist auch der Normalfall, bestätigt mir der ADAC: „Bei Gebrauchten ist der jährliche Wertverlust verhältnismäßig gering im Vergleich zu den ersten drei Jahren.“

Wer den Wertverlust möglichst klein halten will, sollte sich also ein möglichst günstiges Auto kaufen und fährt mit einem jungen Gebrauchten in Sachen Kosten wesentlich besser als mit einem Neuwagen.

2. Die Gesamtkosten sind oft höher als gedacht

„Die Gebrauchten haben im mittleren Alter einen Vorteil“, sagt der ADAC. Denn neben dem geringeren Wertverlust hielten sich auch die Reparaturkosten noch in Grenzen. Auch dieser Befund deckt sich mit meiner persönlichen Erfahrung. Nur elf Euro monatlich habe ich für Reparaturen ausgegeben. Das fällt bei den Gesamtkosten kaum ins Gewicht. Trotzdem summieren sich meine monatlichen Ausgaben für das Auto auf 397 Euro oder 31 Cent je Kilometer. Das klingt für sich genommen nach sehr viel Geld – ist aber im Vergleich noch relativ wenig. Das günstigste Auto im ADAC-Kostencheck, der Citroen C1, kommt als Neuwagen bei ähnlichen Laufleistungen wie mein Gebrauchter über fünf Jahre auf monatliche Kosten von 331 Euro oder 26 Cent je Kilometer.

Der günstigste mit meinem Auto vergleichbare Neuwagen in der unteren Mittelklasse schlägt mit minimal mehr zu Buche als der C1. Schon deutlich teurer wird es, wenn Autokäufer sich ein SUV zulegen. Hier rechnet der ADAC für das günstigste Modell Suzuki Ignis mit monatlichen Belastungen von 419 Euro. Und wer sich die Oberklasse leisten will, der zahlt auch Oberklasse: Rund 1300 Euro monatliche Kosten sind für das günstigste Modell, einen Land Rover Range Rover, laut ADAC fällig. Diese Werte also müssen Autokäufer durchaus ansetzen, um ein realistisches Bild der finanziellen Belastungen zu erhalten.

Dass ich trotz des relativ geringen Wertverlusts und nahezu ohne Reparaturen in den viereinhalb Jahren immerhin auch auf fast 400 Euro monatlich komme, liegt an Posten, die Autokäufer vor dem Kauf manches Mal vergessen. In meinem Fall schlagen vor allem Spritkosten (29 Prozent Anteil an den Gesamtkosten), Ausgaben für die Wartung (17 Prozent), Versicherung und Steuern (zusammen 13 Prozent) sowie der Stellplatz in der Tiefgarage (7 Prozent) ins Kontor.

Zwei Punkte sind dabei auffällig. Zum einen entsprechen meine Wartungskosten von 69 Euro pro Monat fünf Cent je Kilometer. Dazu zähle ich alle Ausgaben für regelmäßig anfallenden Service, die Hauptuntersuchungen sowie Ausgaben für Reifen. Fünf Cent je Kilometer scheint üppig zu sein. Das Vergleichsportal „Autokostencheck“ rechnet bei meinem Fahrzeug im entsprechenden Alter nur mit zwei Cent. Ein Grund: Der Rechner unterschlägt Kosten für Reifen. Beim ADAC-Kostenrechner sollen die in 2,3 Cent Wartungskosten je Kilometer schon mit drin sein. Allerdings hat dieser Rechner mein Auto nur als Neuwagen, wodurch sich die deutliche Abweichung möglicherweise erklärt. Trotzdem: Wer auf Nummer sicher gehen will, setzt bei der Kalkulation für Wartung lieber ein bisschen mehr an als zwei Cent und berechnet auch Reifen mit ein. Ohne Reifen fahren schließlich die wenigsten Autos. Bei mir kosten sie gut einen Cent je Kilometer.

Zahle ich bei der Wartung also offenbar recht viel, komme ich dank niedrigem Verbrauch beim Sprit günstiger weg. Weil die Spritkosten einen erheblichen Teil der Gesamtkosten ausmachen, haben Autofahrer vor allem hier selbst einen mächtigen Hebel in der Hand, um die Kosten zu senken. Wer etwa auf der Autobahn 200 Stundenkilometer fährt, verbraucht erheblich mehr Sprit als Autofahrer, die nur mit 120 Stundenkilometern unterwegs sind. In Autoforen berichten Nutzer von rund rund 100 Prozent Mehrverbrauch. Doppelt so viel Sprit bedeutet auch doppelt so hohe Kosten. Wer sparsam fährt, schont Geldbeutel und Umwelt also erheblich.

3. Ein großer Teil der Kosten fällt unabhängig von der gefahrenen Strecke an

Neben dem großen Einfluss des Wertverlusts und den hohen absoluten Kosten hat mich bei meiner Kostenrechnung der Anteil der Fixkosten überrascht. Gemeint sind damit Kosten, die anfallen, auch wenn ich das Auto nicht fahre. Für die Kaufentscheidung ist die Quote höchst relevant: Denn je höher der Anteil von Fixkosten an den Gesamtkosten ist, desto weniger lohnt sich ein Auto für Menschen, die kaum fahren. Laut ADAC sollen nur 15 bis 20 Prozent der Unterhaltskosten fix anfallen. Zu den fixen Posten beim Autounterhalt zählen klassischerweise Versicherung und Steuern. Beides zusammen ergibt bei mir wie beschrieben allein 13 Prozent, wobei der Großteil auf die Versicherung entfällt (Teilkasko). Hinzu kommen die Gebühren für einen Parkplatz, die ich schließlich auch unabhängig davon bezahlen muss, ob ich den Wagen tatsächlich fahre oder nicht.

Auch ein Teil der Wartungskosten fällt immer an: Hauptuntersuchungen etwa muss ich machen lassen, egal, ob der Wagen steht oder fährt. Ebenso verhält es sich mit den vom Hersteller vorgegebenen Serviceintervallen. Denn die richten sich entweder nach der gefahrenen Kilometerzahl oder nach der vergangenen Zeit – je nachdem, welche Marke zuerst erreicht ist. Ich müsste selbst dann zum Service, wenn das Auto das ganze Jahr in der Garage stünde. Ein Teil der Wartungskosten also ist ebenfalls fix. Entsprechend sollten Autokäufer sie auch mit einplanen. Setze ich die Hälfte meiner Wartungskosten als Fixkosten an, lande ich bei 34 Euro monatlich. Zusammen mit den Ausgaben für Parkplatz, Versicherung und Steuer sind so 111 Euro jeden Monat schon mal weg, ohne dass ich einen Kilometer gefahren wäre.

Der größte Teil der Fixkosten allerdings kommt erst noch. Denn auch der Wertverlust scheint erstaunlich fix zu sein, wie ich beim Rechnen feststelle. Um meinen Wertverlust in einen fixen und einen variablen Teil zu trennen, habe ich für mein Auto bei DAT so getan, als hätte ich den Wagen viereinhalb Jahre lang nicht bewegt. Ich habe also seinen Restwert anhand des Kilometerstands von Mitte 2015 berechnen lassen. Ergebnis: 8900 Euro Restwert. In Wahrheit, also inklusive der von mir gefahrenen Kilometer, beträgt der Restwert 7400 Euro. 1500 Euro Wertverlust sind also variabel, der wesentlich größere Rest von 5100 Euro ist schlicht dem Faktor Zeit geschuldet.

Umgerechnet auf den einzelnen Monat verliert das Auto also – unabhängig davon, ob ich fahre oder nicht – fast 100 Euro Wert. Diesen Posten lässt der ADAC bei seinen Fixkostenberechnungen aber komplett heraus. Dabei zeigen sich auch für andere Fahrzeuge und Laufleistungen, die ich anhand der DAT-Daten durchrechne, ähnliche Ergebnisse. Die Laufleistung spielt stets eine deutlich kleinere Rolle für den Restwert als das Alter des Autos.

In Summe komme ich so inklusive des fixen Anteils des Wertverlusts auf circa 200 Euro monatliche Fixkosten. Das entspricht etwa der Hälfte der Gesamtausgaben und ist erheblich mehr als die 20 Prozent des ADAC. Dieser Unterschied verändert die Berechnung enorm. Denn je höher der Anteil der Fixkosten ist, desto teurer wird es, wenn das Auto viel steht. Setzt man meine Fixkostenquote an, ergibt sich bei einer jährlichen Laufleistung von nur 5000 Kilometern ein Kilometerpreis von 64 Cent – da lohnen eher Mietwagen oder Carsharing. Mit der günstigeren ADAC-Quote hingegen kommen lediglich 44 Cent Kosten je Kilometer heraus. Das eigene Auto wird also rechnerisch deutlich attraktiver. Doch der Schein kann trügen. Auch hier gilt daher: Wer abwägen will, ob sich ein Auto selbst bei wenigen gefahrenen Kilometern lohnt, sollte lieber etwas großzügiger rechnen und den Fixkostenanteil höher ansetzen.

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