Einigung im Iran Was der Atom-Deal für den Ölpreis bedeutet

Langfristig dürfte die Einigung mit dem Iran den Ölmarkt kräftig beeinflussen. Unmittelbar sind die Auswirkungen zwar gering. Aber der Preis reagiert trotzdem.

Die Flaggen des Iran und der nationalen iranischen Ölgesellschaft vor einem Gasfeld Quelle: dpa

Die Endlos-Verhandlungen sind vorbei, die Vetomächte haben sich im Atomstreit mit dem Iran geeinigt. Nun fragen sich Anleger, welche Folgen die Einigung für den Ölpreis haben dürfte. Welche Folgen hat die Einigung?

Insgesamt dürfte der Ölpreis nach der Einigung mit dem Iran weiter fallen. Viele Analysten schätzen, dass der Iran Abermillionen Barrel Öl auf Binnenschiffen angehäuft hat - exportieren durfte er es wegen der Sanktionen ja nicht. Wenn diese nun aufgehoben werden, dürfte es nicht lange dauern, bis der Export des Öls angeschoben wird. Durch das daraus entstehende Überangebot ist es dann möglich, dass der weltweite Erdölpreis sinkt. Die Handelskurse des US-Rohöls fielen am Dienstag als Reaktion auf die Bekanntgabe des Atom-Deals, auch am Mittwoch gab der Kurs für die Nordseesorte Brent weiter nach und pendelte um die Marke von 58 Dollar je Barrel (159 Liter).

Welche Firmen vom Iran-Deal profitieren
Der Iran feiert die Einigung im Atomstreit und das Ende der Sanktionen. Quelle: AP
Gasfeld "South Pars" Quelle: AP
Siemens Quelle: dpa
Shell Quelle: AP
Energiekonzern Eni Quelle: REUTERS
Flugzeugbauer Airbus und Boeing Quelle: AP
Baubranche Quelle: REUTERS

Allerdings zeichnet sich ab, dass der Opec-Staat seine Ölexporte erst im kommenden Jahr wieder ausweiten darf, erklärten Händler. "Es wird frühestens im nächsten Jahr soweit sein, sehr wahrscheinlich in der zweiten Jahreshälfte 2016", erklärt Amrita Sen, Chef-Ölanalystin des Research-Hauses Energy Aspects. Aber angesichts des weltweiten Überangebots und der saudi-arabischen Produktion auf Rekordniveau drücke allein die Aussicht auf zusätzliches Öl auf die Stimmung. Die erwarteten steigenden Exporte seitens des Iran werden vom Markt also zumindest teilweise vorweggenommen und eingepreist.

Goldman Sachs rechnet mit steigenden Ölexporten

Bis zum Durchbruch der Verhandlungen mit dem Iran in Wien waren die Ölpreise an mehreren Handelstagen zum Teil kräftig gefallen. Als klar wurde, dass Teheran seine Ölexporte im Zuge des schrittweisen Abbaus der Wirtschaftssanktionen erst vergleichsweise spät erhöhen darf, drehte sich die Stimmung am Ölmarkt. Rohstoffexperten der US-Bank Goldman Sachs gehen davon aus, dass das Land seine Ausfuhren im kommenden Jahr um 200.000 bis 400.000 Barrel steigern kann.

Damit dürfte das weltweite Überangebot noch weiter zunehmen. Ein Grund dafür ist die zunehmende Förderung von Schieferöl in den USA mit Hilfe des umstrittenen "Fracking". Dabei wird der Rohstoff durch hohen Druck und Chemikalien aus dem Gestein gelöst. Als Antwort darauf schraubte Saudi-Arabien seine Produktion in den vergangenen Monaten in die Höhe.

Die Idee dahinter: Bei einem Preis von unter 80 Dollar je Fass rentiert sich das kostspielige Fracking nicht mehr. Langfristig sollen dadurch Konkurrenten aus dem Markt gedrängt werden, da Saudi-Arabien das "schwarze Gold" viel billiger aus dem Boden holen kann.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%