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Elmar Peters, der Mann hinter Bert Flossbach „Geldanlage ist nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen“

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„Es kann nicht sein, dass wir Deutschen knapp 2,5 Billionen Euro auf Bankkonten liegen lassen“

Dass Zinsen nicht wieder steigen werden, ist die unbequeme Nachricht, die Ihr Haus verbreitet. Die Durchschnittsrendite der Anleihen in ihren Strategiefonds liegt aber immer noch bei 2,8 Prozent wie im Jahr 2015. Wie haben Sie das in Zeiten sinkenden Renditen geschafft?
Wir investieren natürlich nicht nur in Anleihen mit Top-Rating. In unserem Fonds Flossbach von Storch Multi Asset – Defensive haben beispielsweise knapp 30 Prozent der Anleihen kein Investment Grade Urteil der Agenturen. Nach unserer hauseigenen Analyse sehen wir hier aber kein Ausfallrisiko. Solche Anleihen können ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis aufweisen. Was viele Anleger vergessen: Der Kupon ist nur ein Teil der Wertentwicklung. Als aktiver Anleihemanager nutzen wir das gesamte Ertragsspektrum einer Anleihe, das neben Kursbewegungen auch aus Veränderungen des Zinsumfeldes bestehen kann.

Können Anleihen den Wert eines Portfolios stabilisieren?
Zumindest nicht mehr in der Form, wie wir es früher einmal kannten. Nehmen wir einmal das „Risiko“ steigender Zinsen. In einem solchen Fall kann es sowohl bei Anleihen als auch bei dividendenstarken, nicht-zyklischen Aktien zu Kursverlusten kommen. Einige defensive Titel haben mittlerweile ja den Ruf als Anleiheersatz. Wir stabilisieren unsere defensiven Portfolien mit einer entsprechenden Asset Allocation, Einzeltitelauswahl, durch Absicherungsinstrumente wie Derivate, Investitionen in Gold, um nur einige Beispiele zu nennen. Trotzdem können wir Kursschwankungen natürlich nicht gänzlich ausschließen.

Die Liquiditätsschwemme der Notenbanken ist das Thema, dass Flossbach von Storch und viele andere Vermögensverwalter umtreibt. Jetzt ziehen sich aber doch die Notenbanken langsam zurück. Beruhigt Sie das?
Nach der Finanzkrise wollte man eigentlich die Geldmenge wieder zurückführen. Aber das ist nie geschehen. Es wurde viel mehr Geld geschaffen, als mit Blick auf das weltweite Bruttoinlandsprodukt angemessen gewesen wäre. Nach der Finanzkrise haben die Notenbanker dann gemerkt, wie schwierig es ist, wieder zu einer „normalen“ Geldpolitik zurückzukehren. Die letzten Versuche in den Jahren 2015 und 2016 endeten nach Turbulenzen an den Märkten. Wir rechnen langfristig mit niedrigen Zinsen, nur so sind die ausufernden Staatshaushalte in der Eurozone finanzierbar.

Die Schweizer Nationalbank (SNB) macht das sehr geschickt, der Franken ist jetzt mit Aktien unterlegt. Dagegen können Sie doch nichts haben?
Das ist eine große Ungerechtigkeit. Um den Wert der eigenen Währung niedrig zu halten, hat die SNB die Bilanzsumme auf einem Wert von mehr als 800 Milliarden Euro ausgeweitet. Mit Geld, dass aus dem Nichts geschaffen wurde. Norwegen hat ja auch einen Staatsfonds. Dessen Geld stammt aber aus dem Verkauf von Öl – und Gas und wurde nicht einfach mal so gedruckt. Die Politik der Schweizer Notenbank besitzt politische Sprengkraft.

Bitte erklären Sie uns das genauer.
Nicht nur die Norweger dürften sich veräppelt vorkommen, wenn die SNB ein Vermögen aus dem Nichts aufbaut. Viele Menschen müssen dafür ein Leben lang sparen oder Länder ihren Rohstoffschatz eintauschen. Obwohl die Schweiz eine jahrhundertelange Erfahrung mit dem Kampf gegen die Aufwertung der eigenen Währung hat, handeln sie kurzfristig. Sollte es zu einem Währungscrash beim Euro kommen, ist der Franken ziemlich attraktiv. Die Währung ist zum Teil mit werthaltigen Sachwerten hinterlegt – und nicht nur mit Anleihen von hoch verschuldeten Unternehmen und Staaten, wie in der Eurozone.

Das dürfen Dax-Aktionäre an Dividenden erwarten

Werfen wir mal einen Blick zurück. Das Jahr 2018 war sehr speziell.
Auf den ersten Blick ein turbulentes Jahr mit einem unerfreulichen Ende. Im Dezember fielen die Aktien- und die Anleihekurse im Gleichklang, unsere Fonds schlossen moderat im Minus. Auf dem zweiten Blick zeigen sich die Chancen. Wir haben im Abschwung selektiv stark unterbewertete Aktien und Anleihen zugekauft. Stand Ende Februar notieren einige Fonds wieder auf ihrem Allzeithoch. Als langfristige Anleger orientieren wir uns weder an Stichtagen, noch an Branchenbenchmarks.

Der sehr defensive Fonds „Flossbach von Storch – der erste Schritt“ sollte wenig erfahrene Sparer an die Fondsanlage heranführen. Der Fonds beendete 2018 aber mit einem kleinen Minus. Das war kein gelungener Auftakt.
2018 war insofern ein besonderes Jahr, weil defensive Anlagen – vor allem Anleihen – an Wert verloren. Über das Minus ärgern wir uns natürlich. Bei diesem Fonds möchten wir eine möglichst konstante Wertentwicklung erreichen – auch wenn der Fonds die Verluste in den ersten zwei Monaten des neuen Jahres schon wieder aufgeholt hat.

Wozu soll der Einsteiger-Fonds taugen?
Es kann nicht sein, dass wir Deutschen knapp 2,5 Billionen Euro auf Bankkonten liegen lassen. Der Wert des Vermögens verliert real, also nach Abzug der Inflation, an Wert. Es ärgert uns, dass Jugendliche aus der Schule entlassen werden und kaum etwas über Geldanlage wissen, obwohl das Thema Geld in der Gesellschaft durchaus einen hohen Stellenwert hat. Unser Fonds soll unerfahrenen Sparern den ersten Schritt in den Kapitalmarkt ermöglichen. Nicht mehr und nicht weniger. Er kann für viele aber nur der erste Schritt sein. Wer etwa lebenslang für das Alter vorsorgt, kann etwas weniger risikoaverse Fonds wählen.

Mit knapp einem Prozent jährlichen Kosten ist der Fonds nicht so günstig.
Finden Sie? Wir haben die Kosten für einen Multi Asset Fonds extra sehr niedrig angesetzt. Wettbewerber verlangen deutlich mehr. Aktive Vermögensverwaltung kostet Geld, die Finanzberater des Kunden vor Ort müssen auch bezahlt werden. Wenn Kunden im Zuge dieses Fonds ihre private Geldanlage neu sortieren, dürfte sich das für sie langfristig auszahlen.

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