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Elmar Peters, der Mann hinter Bert Flossbach „Geldanlage ist nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen“

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„Gold ist für uns die Versicherung gegen die Risiken des Finanzsystems“

Bei Daimler ist Flossbach von Storch in die Offensive gegangen und hat einen offenen Brief geschrieben.
Wir finden, dass es bei Daimler sinnvoller wäre, das Unternehmen in drei eigenständige Einheiten aufzuteilen. Das wäre eine Struktur mit klaren Verantwortlichkeiten. Daimler hat riesiges Potenzial. Es geht uns aber ausdrücklich nicht darum, den Börsenwert des Unternehmens so schnell wie möglich in die Höhe zu treiben oder Mitarbeiter zu entlassen. Wir sind das Gegenteil einer Heuschrecke. Wir investieren langfristig. Stellen Sie sich einmal vor, Daimler würde ein Übernahmeziel. Ob damit der Belegschaft geholfen wäre, weiß ich nicht. Im Strukturwandel der Automobilbranche sollten Management, Aktionäre und Belegschaft zusammenstehen.

Wie motivieren Sie sich nach so vielen erfolgreichen Jahren? Das verwaltete Vermögen ist rasant gestiegen, aktuell verwalten sie mehr als 36 Milliarden Euro.
Bei Flossbach von Storch arbeiten alle sehr motiviert. Wir sind Überzeugungstäter. Das ist für mich ein Unterschied zu anderen beruflichen Stationen, die ich in der Finanzbranche erlebt habe. Wir tun das, was uns wirklich sinnvoll erscheint und müssen keinen Baukasten mit teils unsinnigen Anlagevorgaben von rechts nach links schieben.

Ihre Portfolios sind immer auch stark in Aktien investiert. Wie verträgt sich das mit Ihrem Risikobewusstsein?
Wir glauben an Sachwerte und halten deshalb eine vergleichsweise hohe Aktienquote in den unterschiedlichen Depots. Mit Blick auf die in den vergangenen Jahren gestiegenen Unternehmensgewinne erscheinen uns Aktien nicht überteuert. Das gilt umso mehr, wenn man die Gewinnrendite der Unternehmen mit der Rendite sicherer Anleihen vergleicht.

Rheinisches Double: Elmar Peters und Bert Flossbach (vlnr). Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Welche Titel favorisieren Sie?
Qualitätsaktien von Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen, die regelmäßig einen hohen Free Cash Flow erzielen, einen Schutzwall gegen die Konkurrenz besitzen und möglichst auch noch attraktive Dividenden ausschütten. Insbesondere in den Strategien, die sich eher an risikoaverse Anleger richten, haben wir Aktien teilweise über Optionen oder Futures abgesichert. Wir steuern unsere Portfolios aktiv, über Anlageklassen und Einzeltitel.

Sie äußern sich immer sehr kritisch über Italiens Schuldenberg oder so komplexe Dinge wie Target2-Salden, Notenbankbilanzen, die Nullzinswelt…
… hier möchte ich gerne auf das Credo unseres Gründers Bert Flossbach verweisen: „Ein Vermögensverwalter muss an erster Stelle an Risiken denken, erst dann kommt die Performance“. Die meisten Kunden vertrauen uns ihr Vermögen an, damit wir es bewahren und mehren. Wir müssen die Risiken unserer Anlagen kennen. Im Idealfall haben wir uns vielleicht schon einmal mit dem Grauen Schwan beschäftigt, bevor er eine neue Krise auslösen kann. Ein Risiko ist für uns die expansive Notenbankpolitik. Ein anderes die Substanz des Euro.

Sehen Sie nicht zu schwarz?
Wir investieren vorsichtig, das behindert uns aber nicht in unserer Flexibilität. Regelmäßig treffen wir uns zum Strategiemeeting, an dem auch unser Gründer Kurt von Storch, der Kapitalmarktstratege Philipp Vorndran oder Thomas Mayer vom Research Institut teilnehmen. Hier geht es um das große Ganze. Konjunkturentwicklung, Handelskrieg, Populismus in Europa – es gibt so viele scheinbare und wirkliche Risiken auf den Märkten, die uns beschäftigen. Letztlich wird aber alles von der expansiven Notenbankpolitik überstrahlt. Wir haben viele Möglichkeiten, da wir ja nicht in den breiten Markt investieren, sondern gezielt in einzelne Qualitätsaktien, die es in verschiedenen Ländern, Branchen und Währungsräumen gibt. Nach dem Börsenaufschwung Anfang des Jahres haben wir unsere Aktienquote in unserem größten Fonds, dem Flossbach von Storch Multiple Opportunities, zuletzt wieder etwas gesenkt. Hier haben wir einen relativ hohen Anteil nicht zyklischer Titel, etwa aus den Branchen Konsum, Gesundheit, Grundstoffe, die einem etwas schwächeren Konjunkturumfeld trotzen sollten. Und Gold ist für uns die Versicherung gegen die bekannten und unbekannten Risiken des Finanzsystems.

Wie agieren Sie in Ihren defensiveren Fonds?
Dort spielen Anleihen eine wichtige Rolle. Hier haben wir das Vermögen in den vergangenen Jahren stärker diversifiziert. Aktuell haben wir fast doppelt so viele Anleihen im Portfolio wie früher. Wir suchen gezielt nach Chancen und nutzen alle Ertragsmöglichkeiten, die der Anleihenmarkt bietet. Bei der Bewertung der Risiken vertrauen wir nicht den großen Ratinghäusern – sondern der Kompetenz unserer hauseigenen Analysten. Gegen bestimmte Risiken auf der Aktien- oder Währungsseite sichern wir uns ab.

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