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Elsässers Auslese

Totgesagte leben länger - die Wiedergeburt der Rohstoffaktien

Markus Elsässer Value Investor

Im ersten Halbjahr 2016 haben die meisten Anleger und Vermögensverwalter an der Börse Geld verloren. Es ging aber auch anders. Mit Rohstoffaktien konnte man so viel verdienen wie noch nie.

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Goldbarren. Quelle: dpa

Ich hoffe, Sie haben meine Auslese vom 21. März 2016 mit dem Titel „Ende der Krise bei Rohstoffaktien?“ gelesen. Zum Abschluss des ersten Halbjahrs 2016 kann man diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantworten. Die Rohstoffaktien sind die großen Gewinner an der Börse. Damit Sie ein Gefühl dafür bekommen, über was wir hier reden: In den vergangenen sechs Monaten hat zum Beispiel der Rohstoffaktienfonds „ME Fonds - PERGAMON“ seinen Investoren stolze 40 Prozent Wertzuwachs erwirtschaftet.

Im Rückblick der Krise: Es ist immer das gleiche Phänomen bei den Geldanlegern. Zum einen glauben sie einfach nicht, dass die großen Chancen direkt vor ihrer Nase zu finden sind. Man kann es ihnen schwarz auf weiß vorrechnen, die guten Argumente werden ignoriert. Zum anderen haben Sie nicht den Mumm, antizyklisch zu investieren.

Zugegeben, es war eine harte Nuss. Die Börsenkrise bei den Rohstofftiteln dauerte viel länger als selbst hartgesottene Profis vorausgesehen haben.

Zur Person

Über vier Jahre lang ging das Leiden. Und der Sturz war tiefer als man es sich vorstellen konnte. Da gab es schon den einen oder anderen Moment, wo auch ich mich gefragt habe, ob man es nicht ganz bleiben lassen sollte. Gott sei Dank bin ich nicht „umgefallen“.

Einmal mehr hat sich die alte Börsenweisheit bewahrheitet: Immer dann, wenn man das Handtuch werfen und aufgeben möchte, wenn man nicht mehr das Thema anschneiden will, wenn sich kein Silberstreifen am Horizont mehr zeigt, genau dann passiert es: Der Tanker dreht, zunächst recht unmerklich, aber dann doch nachhaltig. Und eh man sich versieht, haben die Aktienkurse einen Sprung gemacht. 

Genauso ist es im ersten Halbjahr 2016 gelaufen. Im Verlauf des Januars kam die Wahrheit an das Tageslicht. Die düsteren Prognosen zur Rohstoffbranche aus dem Jahr 2015, von namhaften Adressen der internationalen Großfinanz medienwirksam propagiert, erwiesen sich allesamt als falsch.

Der Ölpreis ist nicht auf die angekündigten 20 US-Dollar zusammengefallen. Stattdessen ist das Barrel Öl mittlerweile nur noch für 45 bis 50 US-Dollar zu haben. Der Goldpreis ist nicht unter die 1000 US-Dollar Marke pro Unze abgerutscht, vielmehr notiert die Unze Feingold inzwischen über 1300 US-Dollar. Tendenz: steigend.

Trotz der anziehenden Kurse sind sowohl der Ölpreis als auch das Gold weit von ihren alten Höchstkursen entfernt. Beim Silberpreis kann man sogar davon sprechen, dass der Abstand zu dem früheren Preisniveau geradezu „meilenweit“ ist. Ähnlich sieht es bei den Industriemetallen (Kupfer, Nickel, Eisenerz) aus. Im Düngerbereich ist die Preisstellung nach wie vor gedämpft.

Tiefe Börsenkurse

Ebenfalls wurde bekannt, dass die tiefen Börsenkurse der Rohstoffaktien im Jahr 2015 massiv nach unten manipuliert wurden. Fondsschließungen, die Aufgabe ganzer Rohstoffabteilungen bei den Banken, einhergehend mit Zwangsliquidationen ohne Verkaufslimit sowie gezielte Leerverkäufe, hatten die Baissespekulation angeheizt.

Im April 2016 habe ich vier Rohstoffunternehmen aus den Industrie-Sektoren Industriemetalle, Diamanten, Silberproduktion und Halbedelsteine vor Ort besucht. Der einhellige Tenor war bei allen vier Unternehmen, dass die tiefen Kurse an der Börse jede wirtschaftliche Relevanz verloren hatten. Das war das eindeutige Zeichen zur Trendwende.

Das bombastische Halbjahresergebnis der zurückliegenden sechs Monate verdeutlicht zwei Aspekte. Zum einen, dass die kaufmännische Vernunft die Oberhand gewonnen hat. Eine moderne Welt ohne Rohstoffe ist mehr denn je undenkbar. Diejenigen Rohstofffirmen, welche die schweren Jahre zur Sanierung genutzt haben, werden massiv profitieren.

Das wurde im ersten Halbjahr aus 100.000 Euro
Platz 20: Aktien VenezuelaDie Börse in Caracas ist winzig, nur wenige Aktien sind dort notiert und die Umsätze liegen oft bei nur ein paar tausend Dollar pro Tag. Internationale institutionelle Investoren meiden venezolanische Aktien. Die Inflation im Land galoppiert, der Versorgungsmangel eklatant, die Währung Bolivar ist auf Talfahrt. Anleger, die im Januar 100.000 Euro in den IBC-Index investierten, haben so jetzt nur noch 54.320 Euro. Im Vorjahr hatten sich die Kurse noch mehr als vervierfacht.   Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten. Quelle: Reuters
Platz 19: Aktien ChinaDie Wirtschaft in China macht Anlegern seit über einem Jahr Sorgen. Die Börse stürzte entsprechend weiter ab. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandschinas erfasst, brach um 15,6  Prozent ein. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro leicht abwertete blieben Anlegern von 100.000 Euro nur 80.900 Euro übrig.   Schlusstand 30.6.2016,  Angaben ohne Transaktionskosten. Quelle: Reuters
Platz 18: Aktien Euro-ZoneDer Jahresauftakt an Europas Börsen war schon ein Horror, dann kam noch das Debakel um den Brexit hinzu. Die Folge: Die Aktien in der Euro-Zone notieren tief im Minus. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in den Leitindex Euro Stoxx 50 investierte, verfügt angesichts des Minus von 12,3 Prozent jetzt nur noch über 87.670 Euro. Am schlimmsten erwischte es dabei Anleger in Italien – der FTSE MIB 100 Index verlor fast ein Viertel seines Wertes.   Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten. Quelle: REUTERS
Platz 17: Britisches PfundInvestoren haben die britische Währung nach dem Brexit-Votum regelrecht heruntergeprügelt. Schon vorher litt es deutlich, am Tag nach der Bekanntgabe des Referendums stürzte es dann zum US-Dollar um bis zu knapp 14 Prozent und zum Euro um mehr als acht  Prozent ab. Zur US-Währung liegt das Pfund auf dem niedrigsten Stand seit über 30 Jahren. Zum Euro liegt das Pfund „nur“ auf dem niedrigsten Stand seit rund zwei Jahren. In diesem Jahr wurden aus 100.000 in Pfund angelegten Euro 88.620 Euro.   Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: dpa
Platz 16: Aktien DeutschlandAuch Aktienanleger in Deutschland hat bislang kein schönes Jahr. Gleich zu Beginn des Jahres stürzte der Leitindex Dax ab. Danach erholte er sich zwar – machte die Verluste vom Jahresanfang aber nie ganz wett. Der Brexit-Schock setzte dem Dax dann erneut zu. Aus 100.000 im Dax investierten Euro sind innerhalb von sechs Monaten nur noch 90.110 Euro geworden.   Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: AP
Platz 15: Aktien SchweizAuch die Aktien der Schweiz gingen auf Talfahrt. Der Franken legte dabei zum Euro nur ganz leicht zu. Im vergangenen Jahr hatte er kräftig aufgewertet, nachdem die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs für den Franken aufgegeben hatte. Von daher machten Anleger mit Franken in diesem Jahr keine Währungsgewinne. Von 100.000 Euro blieben 91.320 Euro übrig.   Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: Reuters
Platz 14: Aktien GroßbritannienDas Brexit-Votum hat der britische Leitindex rasch verkraftet.  Der Leitindex „Footsie“ war zwar am 24. Juni heftig eingebrochen, holte die kurzfristigen Verluste dann aber wieder auf. Trotzdem sind Experten skeptisch, da wegen des Ausstiegs Großbritanniens aus der EU eine lange Phase der Ungewissheit droht. Dennoch notiert der Footsie auch auf Halbjahressicht 4,2 Prozent im Plus. Da der Euro jedoch zum Pfund kräftig zulegte, machten Euro-Anleger, die ihre Positionen nicht absicherten, einen Verlust von 8,01 Prozent und hatten bei einer Anlagesumme von 100.000 Euro so nur noch 91.990 Euro auf dem Konto.   Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: Reuters

Zum anderen hat sich wieder einmal gezeigt, dass sich ein Engagement in guten Rohstoffunternehmen lohnt, wenn die Commodity-Preise anziehen. Die Hebelwirkung an der Aktienbörse ist gewaltig. Zieht beispielsweise der Rohstoff im Preis um zehn Prozentpunkte an, so springt hingegen der Aktienkurs einer soliden Aktiengesellschaft aus der Branche zwischen 30 und 50 Prozent.

Die Länder mit den größten Goldreserven
Platz 10: Indien Quelle: REUTERS
Platz 9: Die Niederlande Quelle: REUTERS
Platz 8: Japan Quelle: REUTERS
Platz 6: Schweiz Quelle: AP
Platz 7: Russland Quelle: dpa-tmn
Platz 5: China Quelle: dapd
Platz 4: Frankreich Quelle: dapd

Der Anstieg der Kurse bei den Rohstoffaktien im ersten Halbjahr 2016 wurde von den Goldminenaktien angeführt. Und dennoch bleibt der Ausblick langfristig weiterhin positiv. Nullzinsniveau, politische Unsicherheiten an allen Ecken und Enden, ungeklärte Währungsfragen im Euroraum und zunehmende Krisenherde sprechen dafür, dass mehr und mehr Kapital seinen Weg ins Gold finden wird.

Der Nachholbedarf bei den anderen Edelmetallen sowie in den übrigen Commodity Sektoren ist noch grösser. Einiges spricht dafür, dass die Kurse der guten Rohstoff-Aktiengesellschaften in den nächsten Jahren „mit Geduld und Spucke“ auf höhere Börsenbewertungen zurückfinden werden.

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