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Emerging Markets Analysten vertrauen China

In China sind die Exportzahlen rückläufig, der Einkaufsmanagerindex der HSBC zeigt seit acht Monaten nachlassendes Wachstum an. Experten wie Mark Mobius setzen dennoch auf die Volksrepublik.

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Stärken und Schwächen der BRIC-Staaten
Die Skyline der Millionen-Metropole Shanghai, China Quelle: REUTERS
Leute shoppen auf den Straßen von Sao Paulo, Brasilien Quelle: dapd
Der ehemalige brasilianische Präsident Lula da Silva mit ölverschmierten Händen auf einer Ölplattform vor Bacia De Campos Quelle: dpa
Indien befindet sich laut einer Studie der Weltbank zu den Rahmenbedingungen für unternehmerische Tätigkeiten nur auf Platz 132. Genehmigungen, Kredite bekommen, Vertragseinhaltung - alles ist auf dem Subkontinent mit erheblichen Aufwand und Unsicherheiten verbunden. Hinzu kommt Korruption, eines der größten Probleme für das Land. Transparency International listete Indien im Jahr 1999 noch auf Patz 72, elf Jahre später ist das Land auf Platz 87 im Korruptionsindex abgerutscht. Nicht nur für die ausländischen Unternehmen ist Korruption ein Ärgernis, weil sie stets fürchten müssen, dass Verträge nicht eingehalten werden. Korrupte Beamte und Politiker sind auch eine enormes Problem für die mittleren und unteren Schichten, denen schlicht das Geld zur Bestechung fehlt. Um öffentliche Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, die den Bürgern per Gesetz zustehen, müssen laut Transparency International mindestens 50 Prozent ihrer Befragten Bestechungsgelder zahlen. Der volkswirtschaftliche Schaden ist immens. Analysten gehen davon aus, dass die Direktinvestitionen in Indien um ungefähr 31 Prozent zurückgegangen sind und aus dem indischen Aktienmarkt etwa 1,4 Milliarden Euro abgezogen worden sind. Besonders brisant: nach einer Studie der Washingtoner Global Financial Integrity Organisation leitete die Liberalisierung und Markt-Deregulierung im Jahr 1991 die Hochzeit der Korruption und des illegalen Geldtransfers ein. Im Bild: Der Antikorruptions-Aktivist, Anna Hazare, im August 2011 in Neu Delhi. Hazare ging für zwölf Tage in einen Hungerstreik, um gegen die grassierende Korruption seines Landes zu protestieren. Tausende Sympathisanten unterstützen den Aktivisten bis zum Schluss seiner Aktion. Quelle: dapd
Verkehrsstau auf dem Delhi-Gurgaon Expressway, in Neu Delhi, Indien. Quelle: AP
Im Bild: eine Fabrikarbeiterin in einer Textilfabrik aus der Provinz Anhui, China. Quelle: REUTERS
Im Bild: Ein Eierverkaufsstand in Jiaxing, Zhejiang Provinz. Quelle: REUTERS

Die britische Großbank HSBC hat am Donnerstag ihren Einkaufsmanagerindex veröffentlicht. Und der sagt nichts Gutes über die chinesische Wirtschaft. Zwischen Mai und Juni ging der Konjunkturindex erneut zurück, von 48,8 Zählern ging es bergab auf 48,1 Punkte. Damit erreicht die chinesische Wirtschaft ein Siebenmonatstief. Die magische Wachstumsgrenze von 50 Punkten hat der Index bereits seit acht Monaten nicht mehr überschritten. "Jetzt im Moment ist China in einer Wachstumsschwäche", sagt Axel Angermann, Leiter Economics bei Feri EuroRating.

Auch die Weltbank hat ihre Prognose für das chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) für 2012 wegen des massiven Rückgangs bei Investitionen und Konsum nach unten korrigiert. Gleiches gilt für den Ausblick der Asian Development Bank. Hinzu kommt, dass der Export den niedrigsten Stand seit 2009 erreicht hat. Schuld hat die Eurokrise, die sowohl die Volksrepublik als auch der Parallelmarkt Hongkong direkt zu spüren bekommen. Wenn es in Europa so weitergeht, "dürften sich die Exporte in den kommenden Monaten weiterhin rückläufig zeigen", sagt Hongbin Qu, Chefvolkswirt der HSBC in China. Und Angermann geht davon aus, dass es auch noch im zweiten Quartal 2012 trüb aussieht für das chinesische Wachstum.

Warten auf die Wende

Zehn interessante Fakten über China
Täglicher Griff zur ZigaretteUngesunder Rekord: In jeder Sekunde werden 50.000 Zigaretten in China angezündet. Das berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Zahl der Raucher ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Inzwischen zünden sich 66 Prozent der männlichen Chinesen täglich mindestens eine Zigarette an. Bei den Frauen raucht nur jede Zwanzigste täglich. Quelle: rtr
Künstliche TannenbäumeKlar, China ist ein großes Land. Fast jeder fünfte Mensch lebt in dem Riesenreich, China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde. Doch in einigen Statistiken liegt das Land überproportional weit vorne. So ist das Riesenreich nicht nur der größte Textilproduzent, sondern auch weltweit führend in der Herstellung von künstlichen Tannenbäumen. 85 Prozent alle unechten Tannenbäume – so National Geographic – stammen aus China. Texte: Tim Rahmann Quelle: dpa
SchweinereichIn China leben nicht nur die meisten Menschen, sondern auch die meisten Schweine. 446,4 Millionen Eber und Säue lebten 2008 im Reich der Mitte, so die UN. Damit leben dort mehr Schweine als in den 43 nächst größten Ländern, gemessen an der Zahl der Tiere, zusammen. Zum Vergleich: In Deutschland werden aktuell rund 26,7 Millionen Schweine gehalten. Quelle: dpa
Geisterstädte im ganzen LandIn China wurde in den letzten Jahren massiv gebaut – auch in ländlichen Gegenden. Doch die Landflucht ließ vielerorts Geisterstädte entstehen. Mehr als 64 Millionen Wohneinheiten stehen im ganzen Land leer. Auch das größte Einkaufszentrum der Welt, … Quelle: dpa
McDonald’s allein auf weiter Flur… die "New South China Mall", hat reichlich Gewerbeflächen zu vermieten. 1500 Geschäfte finden dort Platz, 70.000 Käufer sollten täglich nach Dongguan pilgern. Doch die Realität sieht anders aus: 99 Prozent der Flächen sind unbenutzt, berichtete die britische Zeitung "Daily Mail". Nur ein paar Restaurants befinden sich in dem Gebäude, unter anderem Mc Donald’s. Quelle: AP
Bauboom geht weiterDennoch bauen die Chinesen fleißig weiter. Die Folge: Kein Land verbaut mehr Zement als China. 53 Prozent der weltweiten Nachfrage stammt aus dem Reich der Mitte, so Michael Pettis, China-Experte und Ökonom der Peking-Universität. Quelle: dpa
Barbie ist zu sexyWenn in China gerade nicht gebaut wird, werden in den zahlreichen Fabriken Güter produziert. Neben Textilien vor allem Spielwaren. Rennautos, Barbie-Puppen und Kuscheltiere: Fast 80 Prozent der deutschen Spielwaren stammen aus China. Vor Ort selbst sind Barbie-Puppen übrigens kein Verkaufsschlager. Für die Chinesen ist die kurvige Blondine zu sexy. Dort verkaufen sich vor allem niedliche Puppen. Quelle: AP

Mark Mobius, Fondsmanager von Franklin Templeton, bleibt dennoch ganz gelassen. Auf die Frage, ob China eine harte oder eine weiche Landung hinlegen werde, ist seine Antwort: "China wird überhaupt nicht landen, sondern weiter fliegen." Er vertraue in das Wachstum der Volksrepublik. "China, Indien, Brasilien und Südkorea erleben gerade eine Phase des langsameren Wachstums", sagt der Fondsmanager. "Dennoch glaubt die Hälfte der Befragten einer Investorenstudie, dass die Schwellenländer spätestens in fünf Jahren stärker sein werden als je zuvor." Diese Meinung teile er. Schließlich habe die chinesische Regierung bereits Maßnahmen ergriffen, die das Wachstum ankurbeln sollen.

Abwarten und investieren

Die größten deutschen Arbeitgeber in China
Knorr-Bremse Quelle: Screenshot
Heraeus Quelle: Foto: Heraeus
Henkel Quelle: Pressebild
Evonik Quelle: Pressebild
Bertelsmann Quelle: dapd
Schenker Quelle: dapd
Freudenberg Quelle: Pressebild

"Die Zentralbank hat zum ersten Mal seit 2008 den Zins gesenkt", sagte Chinas Wirtschaftsminister Chen Deming. Nun müsse man abwarten. "Ich glaube, dass sich die Situation zum Guten entwickelt", sagte Deming beim G20-Gipfel in Los Cabos. Auch Bernhard Esser, Emerging Markets Analyst bei HSBC Trinkaus, vertraut auf die Regierung in China. Die Führung steuere ja bereits gegen, beispielsweise mit Steuerentlastungen für Kleinunternehmer. "Das braucht natürlich ein bisschen Zeit, um zu greifen", sagt er. Ähnlich sieht es Angermann vom Wirtschaftsforschungs- und Prognoseinstitut Feri Eurorating: ""Die Förderung der Konjunktur sollte mittelfristig wieder zu höheren Wachstumsraten führen", sagte er gegenüber WirtschaftsWoche Online.

Denn China hat enormes Potenzial und bei den BRIC-Staaten die Nasen vorne: So hat China nur rund 100 Millionen Einwohner mehr als Indien, bringt es aber auf das vierfache BIP. Und der chinesische Markt wächst stetig - nur nicht mehr so stark, wie noch vor einem Jahr. "Wer langfristig vom Wachstum profitieren will, sollte einsteigen", empfiehlt Angermann. Der Zeitpunkt zum Kauf hänge dann von der persönlichen Risikoneigung ab. In den nächsten Wochen könne es nämlich durchaus nochmal nach unten gehen. Auch Esser von der HSBC ist optimistisch: "Ich würde sagen: Investieren. Die Frage ist nur, ob man nicht lieber noch einen Monat abwartet."

Anleger haben die Wahl zwischen Fonds oder Hongkong

Geldanlage



Mobius setzt derzeit ganz konkret auf Aktien, die von den Reformprogrammen der Regierung profitieren. Sprich: Aktien von kleinen und mittelständischen sowie Exportunternehmen. Für den europäischen Anleger ist das allerdings nicht möglich, weil es in China eine Diskriminierung ausländischer Investoren gibt. Der Privatinvestor muss sein Geld entweder in Fonds stecken, die in China investiert sind oder er geht auf den Parallelmarkt Hongkong, wo diese Diskriminierung nicht herrscht. An der Börse Hongkong sind dafür aber nicht alle chinesischen Werte notiert.

"Man muss natürlich auch das Undenkbare denken: Wenn es sich in Europa massiv verschärft, dann wird es auch in China keine Insel der Glückseligen geben", gibt Analyst Esser zu bedenken. Er selbst glaubt jedoch nicht an einen Crash der Euro-Zone, der China und Hongkong mit sich zieht. "Ich bin optimistisch", sagt er.

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